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  • DE-34117 Kassel
  • 03/2009
  • Ergebnis
  • (ID 2-14022)

Neugestaltung des Entenanger Kassel


  • Ankauf


    Landschaftsarchitekten
    faktorgruen, Freiburg im Breisgau (DE), Rottweil (DE), Heidelberg (DE), Stuttgart (DE) Büroprofil

    Mitarbeit
    Martin Schedlbauer, Anna Pohl, Miriam Fay

    In Zusammenarbeit mit:
    Verkehrsplaner: Fichtner Water & Transportation GmbH, Stuttgart (DE), Leipzig (DE), Freiburg (DE), Essen (DE), Berlin (DE)

    Erläuterungstext
    "Déjà-vu" oder das Comeback der 50er

    Wie kaum in einer anderen deutschen Stadt lebt in Kassel noch die Nachkriegs- und Wiederauf-bauarchitektur der 50er Jahre. Die Wiederentdeckung der Nachkriegsmoderne birgt die Chance der Bildung von Identität für die Bewohner von Kassel. Die Architektur ist geprägt von Dynamik, Leichtigkeit und Transparenz, durch Anti-Hierarchie, Anti-Symmetrie und Anti-Größe. Während sich das Außenbild der Gebäude durch schlichte, strikt orthogonale Architektur auszeichnet, finden sich im Inneren dynamische, geschwungene Formen, im Wohnzimmer herrschen Nierentisch und Tütenlampe.
    Der einzigartige Stadtraum des Entenangers, ein Produkt der Idee von der gegliederten und aufge-lockerten Stadt, versteht sich als Wohnzimmer im Stadtgefüge, für die Anwohner und Besucher des Quartiers. Der derzeit stark vom ruhenden Verkehr dominierte Entenanger erhält eine neue, moderne und zeitgemäße Gestaltung. Doch kommen uns die Formen nicht auch irgendwie be-kannt vor?

    Gestaltung
    Der neue Entenanger begreift sich als Quartiersplatz im Sinne eines „grünen Angers mit urbaner Prägung“. Die Platzgestaltung erstreckt sich von Hauskante bis Hauskante und bezieht die funkti-onalen Elemente wie Straße und Parkplätze wie selbstverständlich in die Gestaltung ein. Die Gehwege bilden zusammen mit dem Band der Straße einen Rahmen für den zentralen Platz.
    Das Motiv des locker überstellten Baumplatzes wird aufgegriffen und weiterentwickelt. Als Zitat der Formensprache aus den 50er Jahren greifen die „Wasserlinsen“ sowohl das Motiv des Angers, sowie auch die historischen Namensgeber des Platzes, die Enten, in spielerischer Form auf. Grü-ne Linsen in „Nierentischform“ sind locker über den Platz verstreut, wobei deren Dichte von Wes-ten nach Osten zunimmt. Es entsteht ein fließender Übergang von städtisch urbaner Gestaltung im Übergang vom Königsplatz hin zu einer eher grünbetonten Ausbildung in Richtung Fuldaaue.
    Die vorhandenen Bäume werden in die neue Gestaltung einbezogen, wobei die Platzkanten durch Entfernen einzelner Bäume freigestellt werden. Es wird vorgeschlagen, die Gleditschie als neue Baumart einzuführen, und den Baumbestand langfristig behutsam umzubauen. Die Gleditschie erzeugt mit ihrem hellen, gefiederten Laub eine freundliche Atmosphäre, im Zusammenspiel mit den vorhandenen Ahorn und Robinien entsteht ein lockeres und lichtes Baumdach.

    Nutzung
    Die Gestaltung des Entenangers sollte in jede Richtung durchlässig, transparent und vor allem barrierefrei und somit offen für die vielfältigsten Nutzungen sein. Die Topografie des Platzes wird aufgenommen und bewusst in das Konzept einbezogen. Das obere Ende des Platzes im Bereich der Kinder- und Jugendbibliothek wird leicht eingetieft, das untere Ende dagegen etwas herausge-hoben, dadurch werden die Anfangs- und Endpunkte in ihrer Bedeutung gestärkt. Durch die Baumstellung sowie die Anordnung der „Wasserlinsen“ entstehen Teilräume innerhalb des Ge-samtplatzes mit jeweils eigenem Charakter und Nutzungsmöglichkeit, ohne den Gesamteindruck zu stören.
    Die vorhandenen Gastronomiebetriebe erhalten breite Gehwege und Vorzonen für die Bestuhlung mit Außengastronomie, die Bewirtung kann sich auch auf den zentralen Platz erstrecken.

    Verkehr
    Das Prinzip der umlaufenden Einbahnstraßen wird beibehalten. Der Fahrradverkehr wird auf der Fahrbahn geführt. Im Bereich des Steinwegs wird ein zusätzlicher Fuß- und Fahrradüberweg vor-geschlagen, dadurch kann eine großzügige Anbindung an den Grünraum der Fuldaaue geschaffen werden.

    Beläge und Materialien
    Der historische Belag des Basalt-Pflasters, der auch im gesamten Bereich der Altstadt bis hin zur Martinskirche zu finden ist, wird aufgegriffen und als identitäts-stiftendes Material für den gesamten Bereich des Entenangers vorgeschlagen. Im Passé-Verband verlegt entsteht ein ungerichteter Belag, der eine offene Platzfläche erzeugt. Durch diesen Belag können auch alle Gefälle-Situationen und Anschlüsse problemlos gelöst werden. Im Gegensatz zu diesem eher dunklen Material sind die Einfassungen der „Wasserlinsen“ in hellem Beton gehalten und erzeugen einen starken Kontrast. Der Asphaltbelag der umgebenden Straße fügt sich farblich ein, und wird Be-standteil der Platzgestaltung. Das „Grün“ der Linsen bringt Farbe und harmoniert mit dem Belag.

    Parken
    Entlang der umlaufenden Erschließungsstraße werden Längsparker angeordnet. Diese dienen sowohl als Anwohner- sowie auch als Besucherparkplätze für die Läden und Geschäfte. Die Besu-cherparkplätze werden als Kurzzeitparker ausgewiesen und bewirtschaftet. Der zentrale Platzbe-reich sollte frei von Parkplätzen sein. Lediglich die Behindertenstellplätze können in Form von Schrägparkern auf dem Platz integriert werden, diese werden seltener in Anspruch genommen. Es können ca. 42 Stellplätze angeboten werden, zuzüglich der 6 Stellplätze für Behinderte. Für Langzeitparker und Besucher der Fußgängerzone wird auf die umliegenden Parkmöglichkeiten in Parkhäusern und offenen Stellplätzen verwiesen.

    Wasserkonzept / Spiel
    Auch das Wasserkonzept greift das Thema der Enten nochmals auf. Wie selbstverständlich wer-den einzelne „Wasser-Linsen“ als Spielinseln integriert. Diese sind Bestandteil des Gesamtkon-zepts und bieten Spiel- und Erlebnismöglichkeiten für alle Altersgruppen und Generationen.
    Am höchsten Punkt des Platzes sprudelt das Wasser aus dem Platz und nimmt seinen Anfang. Über den Platz verteilt tritt es in verschiedenen Formen, wie Sprudeln, Fliessen oder Spritzen wie-der in Erscheinung. Am Ende des Platzes kommt es in Form eines Spiegelbeckens, dem „Enten-teich“ zur Ruhe und bildet einen Ort der Kontemplation und des Verweilens. Durch die Choreogra-fie des Wassers entstehen Orte mit verschiedener Erlebnis- und Aufenthaltsqualität auf dem Platz.
    Der Entenliesel-Brunnen wird wie selbstverständlich in das Wasserkonzept integriert.

    Ausstattung / Möblierung
    Die „Wasserlinsen“ sind durch ihre Einfassung in form einer umlaufende Sitzkante zugleich Platz-möbel. Dadurch kann auf eine zusätzliche Möblierung weitestgehend verzichtet werden. In Teilbe-reichen kann durch die Integration von Sitzauflagen, teilweise mit Rückenlehne, die Bildung von einzelnen Räumen oder Sitzgruppen unterstützt und herausgearbeitet werden.

    Beleuchtung
    Einzelne „Wasserlinsen“ beherbergen Lichtbänder, nachts schweben diese förmlich auf dem Platz, und beleuchten diesen ohne zusätzliche, störende Einbauten. Die Wasserspiele werden ebenfalls durch Licht inszeniert. Entlang der Fahrbahnränder werden einfache Lichtstelen, wie sie an ande-rer Stelle bereits in Kassel verwendet werden, zur verkehrssicheren Ausleuchtung der Fahrbahnen und Gehwege vorgeschlagen.

    Topografie / Barrierefreiheit
    Der Platz weist in Ost-Westrichtung im Mittel derzeit ein Gefälle von ca. 4,3 % auf. Dieses wird durch die vorgeschlagene Gestaltung im zentralen Bereich auf ca. 3,5 % gedrückt, der Platz wird damit deutlich nutzbarer und erlebbarer. Der gesamte Platzbereich ist an jeder Stelle barrierefrei zu queren, durch die Anordnung der Linsen entsteht aber auch ein Wegenetz, das es dem Roll-stuhlfahrer ermöglicht, den Platz auf serpentinenartigen Wegen mit einer Neigung von unter 3 % zu befahren.

    Marställer Platz
    Der Marställer Platz wird in das Gesamtkonzept einbezogen. Die Markthalle öffnet sich zur Trän-kepforte hin mit Gastronomie und Außenbewirtung. Der Wochenmarkt sollte langfristig auch auf diese Fläche verlegt werden. Dadurch entsteht eine Stärkung der Achse und bessere Anbindung an die Altstadt und die Fußgängerzone.

    Beurteilung durch das Preisgericht
    Liegt nicht vor.