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  • DE-60316 Frankfurt/Main
  • 03/2009
  • Ergebnis
  • (ID 2-14128)

Realisierungswettbewerb Eingang und Bärengehege Zoologischer Garten


  • Ankauf


    Architekten
    Nieto Sobejano Arquitectos, Berlin (DE), Madrid (ES) Büroprofil

    Mitarbeit
    Sebastian Sasse, Alexandra Sobral, Pedro Guedes, Nik Wenzke, Laura Ullrich, Jorge Sobejano Nieto, Guillermo Laguna Sanz

    In Zusammenarbeit mit:
    Landschaftsarchitekten: Maria Iza, Bilbao (ES)

    Erläuterungstext
    Beginnen wir das Projekt mit einer Frage: Wie ist es möglich, ein Stück zeitgenössischer Architektur in einen zoologischen Garten zu integrieren, ohne dass man den falschen naturalistischen oder folkloristischen Imitationen verfällt, die schon allzu oft durchlaufen wurden.
    In der Vergangenheit behandelten die alten Menagerien die wilden Tiere wie eingesperrte Kuriositäten als Folge der neuen Entdeckungen des 16. und 17. Jahrhunderts. Später, im Barock und dem 19. Jahrhundert, wurden die Zoos als Parks mit architektonischen und landschaftlichen Bühnenbildern verstanden, in denen die Außengehege durch Bäume, Wälder und Schuppen definiert wurden und die Architektur nur eine zweitrangige Rolle spielte. Mit der Ausnahme einiger wertvoller moderner Werke wie z.B. das Pinguin-Becken von Lubetkin oder die von Cedric Price geplante Voliere in London, ist die Architektur in den zoologischen Gärten in vielen Fällen zu einer schlechten Parodie falscher Stile verkommen, welche vorgeblich mit den natürlichen Lebensräumen der gezeigten Tiere zu assoziieren sind.

    Die programmatische Lösung des Eingangsgebäudes, der Zugangskontrolle und des Bärengeheges wird in unserem Projekt einer klaren architektonischen Idee überlassen. Wir schlagen eine einzige gefaltete Fläche vor, einen Teppich oder eine artifizielle Topografie, die sich erhebt oder absenkt durch zueinander immer parallel liegenden Faltungen, um so die Außenbereiche der Tiere, die überdeckten Zonen, Höfe, Anhebungen, Rampen für die Bären, Wasserbecken und Stege für die Besucher zu bilden, in einer wechselnden Landschaft, die sich immer aus der gleichen geometrischen Regel entwickelt. Auf diese Weise wird erreicht, dass die Hauptdarsteller des Geheges – die Bären – von den Besuchern von den verschiedensten Standpunkten aus beobachtet werden können, im Außengehege oder Innenraum, von unten oder oben, bis einschließlich durch eine Glasfläche im Foyer des Hauptzugangs des Zoos. So gelingt, dass die Besucher und die Tiere sich dieselbe physische und konzeptionelle Ebene teilen.

    Der im Norden angeordnete Eingangsbereich erlaubt eine vom Vorplatz und Gesellschaftshaus unabhängige Nutzung und erhält das ursprüngliche Gefüge mit dem zentralen Springbrunnen. Die Bereiche für An- und Ablieferung etc. werden auf dem südlichen Teil des Grundstücks organisiert.

    In unserem Projekt wird das Eingangsgebäude Bestandteil der gleichen architektonischen Struktur, die auch die Innen- und Außenanlagen für die Bären beherbergt. Nach Passieren des Kassen- und Garderobenbereichs kann der Besucher sich entscheiden, direkt auf dem gleichen Niveau weiter zu den Außengehegen der Bären zu flanieren oder über breite Rampen auf die angehobene Plattform zu steigen, von wo aus man im Freien die Aussicht auf die Bärengehege genießen kann. Die Brillenbären werden auf drei miteinander verbundene Außengehege, welche direkt an die korrespondierenden Innengehege angeschlossen sind, verteilt. Die Nasenbären werden in einem unabhängigen Außengehege, welches jedoch mit den drei vorangegangenen Gehegen verknüpft ist, untergebracht. In beiden Fällen gestattet die gefaltete Plattform, ohne in eine Form von Mimikry zu verfallen, unterschiedlich geneigte Flächen zu definieren, welche eine Art Felsen- oder Erdabbruchpanorama erzeugen, das die Brillen- und Nasenbären in ihrem natürlichen Lebensraum in Südamerika umgibt. Die Bäume, neu und alt, fügen sich in die verschiedenen Außenflächen ein, wo Wasserflächen, Bepflanzungen und andere natürliche Materialien sich mit der klaren Geometrie der neu geschaffenen Plattform, welche die Architektur des Projekts definiert, verbinden. Ein offener Bereich für die Rostkatzen und eine Serie von Gehegen für andere Tiere vervollständigen die geforderten Flächen des Raumprogramms. Die Bereiche für die Zooangestellten besitzen im Norden, an der Grenze zur Thüringerstrasse, eine eigene Zufahrt für Fahrzeuge. Am Ende einer Rampe wird im ersten Untergeschoss die An- und Ablieferung organisiert. Ohne die Ausblicke der Besucher zu behindern, sind die Flächen der Pfleger mit den Gehegen und Serviceräumen im Erdgeschoss verbunden. Die zukünftige Weiterentwicklung des Projekts macht es möglich, gemeinsam mit den Verantwortlichen des Zoos die landschaftsplanerischen Elemente detaillierter zu definieren, die Schnitte der geneigten Flächen anzupassen, Wasserflächen zu integrieren und die genaue Trennung der einzelnen Außengehege zu bestimmen. All dies erfolgt auf eine natürliche Art und Weise, ohne dass man befürchten muss, dass das architektonische Bild eines Projekts, welches durch ein geometrisches System und eine Idee entwickelt wurde, durch eine fixe vordefinierte Form zerstört wird.

    Die neue, von Besuchern und Bären genutzte, architektonische Landschaft, wie für den Frankfurter Zoo vorgeschlagen, suggeriert, dass sich immer noch Möglichkeiten bieten, die Beziehung zwischen Mensch und Tier auf andere Art und Weise zu erforschen.

    Beurteilung durch das Preisgericht
    Liegt nicht vor.