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  • DE-90419 Nürnberg
  • 03/2009
  • Ergebnis
  • (ID 2-14133)

"Westbad" - Neukonzeption des bestehenden Freibades


  • Ankauf

    Modellauschnitt

    Architekten
    Kauffmann Theilig & Partner Freie Architekten PartGmbB, Ostfildern/ Kemnat (DE) Büroprofil

    In Zusammenarbeit mit:
    Landschaftsarchitekten: Eurich Gula Landschaftsarchitektur, Wendlingen am Neckar (DE)

    Preisgeld
    2.500 EUR

    Erläuterungstext
    Städtebau

    Die historischen Befestigungsanlagen der Stadt Nürnberg sind eingebettet in den städtischen Grünzug und nehmen ökologische und Naherholungsfunktionen auf. Diese landschaftliche Qualität prägt auch den Standort für das Freibad. Lage und des Freibadgebäudes und Anordnung der Becken und Freizeitbereiche werden beeinflusst durch die nördlich angrenzende Wiesentalstraße, sowie die daran anschließende städtische Wohnbebauung (Lärmschutz).

    Der westlich in den Grünzug eingebettete Parkplatz sowie das daran anschließende Jungendhaus bilden die Parameter für die Neuorganisation des Freibads:

    - Alle Gebäude sind eingeschossig organisiert. Ein extensiv begrüntes Dach bindet die Figur in den Grünzug ein.

    - Die Lage an der Nordwestecke des Grundstücks schafft einen Auftakt an der Hauptzugangsseite, hat große Nähe zu Parkplatz und Jugendhaus und bildet eine Abschirmung zu der nördlich anschließenden Straße mit der begleitenden Wohnbebauung.

    - Die Schwimmbecken sind tendenziell in der Südhälfte des Grundstücks angeordnet mit maximaler Distanz zur Hauptstraße und atmosphärischer Nähe zur Pegnitz.

    - Der West-Ost gestreckte Grünraum entlang der Pegnitz sortiert die Baulichkeiten in Strömungsrichtung.

    - Ein ebenfalls landschaftlich organisierter Lärmschutz begrenzt das Freibad nach Norden.


    Die Gebäude

    Das wie gesagt eingeschossig organisierte Gebäude wird mit der neuen Sporthalle und dem Freibad jeweils von Norden erschlossen. Die kleine Sporthalle bildet den westlichen Auftakt und ist separat nutzbar. Alle Schwimmbadfunktionen befinden sich auf der Ostseite und erzeugen so kurze Wege zu Liegewiese und Becken. Der Kiosk mit kleiner Küche bildet das Verbindungsglied zwischen Sporthalle und Schwimmbad, sowie zwischen Innen und Außen.


    Der Freiraum

    Die Liegewiese ist als großer zusammenhängender Grünbereich im Osten des Grundstücks, in den Grünraum eingebettet.
    Das Schwimmerbecken, das Kinderbecken, das Sprungbecken und die Rutsche sind kompakt und linear im Süden angeordnet, ergänzt um das Spielfeld im westlichen Auftakt. Dies ist so auch extern nutzbar. Die Decken, vor allem aber die Sprunganlage und die Rutsche nutzen die topografischen Gegebenheit aus und intigrieren sich so in das landschaftliche Umfeld.


    Material und Konstruktion

    Das neue Gebäude ist in der Bodenplatte als Stahlbetonkonstruktion ausgebildet. Darüber spannt sich eine filigrane Stahlskellettkonstruktion auf. Die Gebäudeteile sind entsprechend ihrer klimatischen Anforderungen möbelartig unter dem austragenden Dach eingestellt. Die Fassaden sind weitgehend verglast und erzeugen so einen leichten und durchlässigen Eindruck. Die unterschiedlichen Raumhöhen werden durch einen Versprung in der Erdgeschossebene erzeugt (die Sporthalle +0,00m Kiosk—und Umkleide +0,80m). Die differenzierte Betrachtung der klimatischen Anforderung sowie eine maximale Wärmedämmung gewährleisten eine Minimierung des energetischen Aufwandes.


    Technik

    Die Technik des Bades ist in zwei Teile gegliedert. Schwallwasserbehälter und Pumpenzentrale befinden sich in Beckennähe, Filteranlagen und Chlorgasraum im Freibadgebäude zur Wiesentalstraße (Anlieferung). Der vorhandene Fernwärmeanschluss wird genutzt, zur Unterstützung der Wassererwärmung werden auf dem Dach des Freibadgebäudes Absoberflächen angebracht.


    Resume

    Das neue Freibad fügt sich selbstverständlich in den Gestalt bestimmenden Grünzug ein. Die prägende West-Ost-Richtung bildet den Hintergrund für die Lage und Ausdehnung der baulichen Maßnahmen. Die zurückhaltende aber dennoch selbstbewusste Architektur schafft eine spezifische Antwort für die Qualität des Ortes.

    Beurteilung durch das Preisgericht

    Der Entwurf geht in weiten Teilen auf den Baumbestand ein, kann aber im Nordwesten erhebliche Eingriffe nicht vermeiden. Das amorphe Dach fügt sich schlüssig in den Landschaftsraum ein. Die Baukörper werden im Westen massiert, allerdings ist das Konzept ohne den als zweiten Bauabschnitt gedachten Jugendbereich unvollständig.
    Das PKW-Stellplatzkonzept bleibt weitgehend unverändert, die Fahrradstellplätze liegen zu weit vom zu engen Eingangsbereich entfernt. Der Zugang zum Talraum der Pegnitz ist verengt.

    Die Badeplatte im südlichen Bereich schafft Raum im Norden und Osten. Der grüne Talraum wird großzügig erhalten. Die Lage der Rutsche ist schalltechnisch richtig, führt aber mit der Drehung nach Osten zu einem erheblichen Landschaftsverbrauch, der Aufwand erscheint insgesamt hoch. Das Modellieren der Landschaft für die Hauptattraktion „Rutsche“ wird anerkannt. Die zerfaserte Lage des Kinderbereichs am Nordrand und in großer Entfernung von der Gastronomie ist unglücklich, ebenso die Ausformung im Detail (Stufen etc.).

    Der Grundriss ist sehr kompakt, allerdings für die Anforderungen eines Freibades weniger geeignet (Anordnung Spinde und WCs). Die Unübersichtlichkeit erschwert den Betrieb. Der Standort der Gastronomie zur Wiesentalstraße und neben der Freispielfläche ist falsch, gegenseitige Beeinträchtigungen sind nicht zu vermeiden. Das Fehlen von WCs in der Jugendsporthalle wird bemängelt. Das Führen der wesentlichen Verkehrswege über den Ausschwimmkanal ist funktional ungünstig und führt zu einem gefährlichen Engpass. Die Lage der Multifunktionsfläche des Bades nahe an der Rutsche ist unpassend.

    Das Umgrenzen der Badeplatte mit Hecken und Durchschreitebecken entspricht nicht der Betriebsweise von NüBad. Die einfache und zurückhaltende Gestaltung und die moderate Anpassung der Geländehöhen im Gebäudebereich wird positiv gesehen.
    Die Darstellung der Technik ist plausibel, die Lage ist nicht ungünstig, nimmt aber Nachteile wegen der langen Leitungswege bzw. der Aufspaltung in mehrere Einheiten in Kauf.
    Der Verfasser macht wenige Angaben zum Energiekonzept. Der Auslauf der Rutsche ist zu weit von der sonstigen Technik entfernt. Die dargestellte Tageslichtnutzung über Oberlichter ist plausibel. Bei der Dachaufsicht stehen die Anforderungen der Nachbarschaft und wünschenswerte Solarenergienutzung in Konkurrenz.

    Das Gesamtkonzept verspricht eine überdurchschnittlich wirtschaftliche Realisierung, auch wenn für Technik Kosten leicht über dem Schnitt zu erwarten sind. Im Betrieb ist durch die im Vergleich geringere Übersichtlichkeit und die langen Wege nur eine mittlere Wirtschaftlichkeit zu erwarten.