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  • 3. Preis


    Architekten
    h4a Gessert + Randecker Architekten | h4a Gessert + Randecker + Legner Architekten, Stuttgart (DE), München (DE), Düsseldorf (DE) Büroprofil

    Mitarbeit
    Eva Teigelkötter, Martin Berlin, Martin Maxa, Dmitry Boykov, Friedemann Backe

    In Zusammenarbeit mit:
    Landschaftsarchitekten: Glück Landschaftsarchitektur, Stuttgart (DE)

    Erläuterungstext
    WB Hochschul- und Landesbibliothek Fulda


    Städtebauliches Konzept

    Die städtebauliche Neuordnung der Teilbereiche der Hochschule Fulda hat zum Ziel die räumliche neue Mitte innerhalb des Hochschulcampus zu schaffen sowie die Teilbereiche des Campus zu einer räumlich erlebbaren Einheit zu vernetzen. Es entsteht ein Hochschulcampus, der mit seinen Identität stiftenden Neubauten die historischen Gebäude integriert und die Maßstäblichkeit der vorhandenen Bebauung aufnimmt.

    Mit der räumlichen Anordnung der neuen Baukörper werden bestehende Wegebeziehungen und Verbindungen für Fußgänger und Radfahrer ausgebaut und vernetzt. Dies führt neben einer vereinfachten Orientierung innerhalb des Quartiers nicht zuletzt zur gewünschten Verbesserung der Interaktion zwischen Hochschulgelände und dem Kernbereich der Stadt Fulda. Die historische Bausubstanz wird mit Bausteinen in wohlproportionierter Maßstäblichkeit ergänzt. Geprägt wird der neu geordnete Campus durch unterschiedliche Freiraumbereiche, die dem Standort eine unverwechselbare Qualität verleihen.

    Die neue Hochschul- und Landesbibliothek bildet den Mittelpunkt des Hochschulcampus. Sie wird aus der besonderen Topographie des Ortes entwickelt und ist mit dem Erdgeschoss teilweise in den Hang geschoben, wodurch das begrünte Dach nutzbar wird. Neben den Gebäuden der Bleidornkaserne, im Anschluss an die Bibliothek, entsteht so ein Freiraum für Sport und Spiel, auf dem sich der angrenzende Freibereich der Kita gut integriert.

    Ebenso wie die Bibliothek ist auch die Mensa mit ihrem Hauptzugang auf den zentralen Hochschulcampus ausgerichtet und bildet durch ihre Lage die Schnittstelle zwischen dem neuen zentralen Platz vor der Bibliothek und dem „alten“ Campusplatz. Das Gebäude der Mensa ist so konzipiert, dass es mit ihrem weit auskragenden Dach und ihrem aus der Straßenflucht zurückweichenden gläsernen Gebäudefront eine direkte optische Verbindung zwischen den beiden Platzräumen ermöglicht. Ein räumliches Kontinuum der beiden zentralen Platzräume entsteht. Mit der Bestuhlung der Mensa und des Cafes bis hinaus auf den Campus erhält der Ort eine zusätzliche Identifikation und lädt zum Verweilen ein. Der durch den einheitlichen Belag großzügig wirkende Platz wird ein belebter Treffpunkt und Ort der Kommunikation und des Austausches.

    Der Grünbereich in Richtung Moltkestraße wird durch einen zusätzlichen Gebäudebaustein räumlich von der Straße getrennt, wodurch der Campusplatz einen ruhigen Abschluss erfährt. Die dort angesiedelte Meditationswiese mit umgebendem Baumbestand lässt den Bereich zu einem Ort der Entspannung und Ruhe werden. Der gesamte Gebäudekomplex sowie die Außenanlagen sind barrierefrei geplant.

    Es entsteht ein Quartier mit hoher Identität und signifikantem Ausdruck, das sich mit den umgebenden Bereichen vernetzt und eine hohe Aufenthaltsqualität schafft.


    Baukörper Mensa und Landes- und Hochschulbibliothek

    Die kubische Grundform der Bibliothek hat zueinander versetzt angeordnete Obergeschosse, so dass ein Spiel mit den einzelnen, aufeinandergeschichteten Raumvolumen entsteht. Die unterschiedliche Ausbildung der Fassade lassen die Funktionen nach Außen hin ablesbar werden.

    Der Gebäudekomplex der Bibliothek schiebt sich mit seinem Erdgeschoss in die vorhandene Hangkante. In diesem Bereich sind große Teile der Nutzungen des Gebäudes untergebracht, wodurch sich das verbleibende Volumen der beiden Obergeschosse harmonisch in die umgebende Bebauung einfügen kann. Ein helles, einladendes Foyer erlaubt dem Besucher eine leichte Orientierung und ermöglicht den Zugang zu allen Nutzungen im Gebäude. Durch die gläserne Fassade im gesamten, zum Platz hin orientierten Erdgeschossbereich, werden bereits Bezüge zum Innenraum geschaffen. So sind durch den Außenbezug das Student Service Center und der Tagungsraum direkt vom Campusplatz aus sichtbar, dadurch präsent und leicht auffindbar.

    Der Besucher gelangt durch eine Schleuse vom öffentlichen Foyer in den eigentlichen Bibliotheksbetrieb. Im Erdgeschoss befinden sich neben Räumlichkeiten für die Verwaltung die große Lehrbuch- und Freihandsammlung sowie verschiedenste Leseplätze und Leseinseln. Durch Oberlichter und Hofausbildungen mit kleinem Garten werden die Räume im Hang belichtet. Die vertikale Hauptverbindung der Stockwerke erfolgt durch eine großzügige zentrale Treppe, die sich direkt an die Freihandbereiche und Lesebereiche in den drei Stockwerken anschließt.

    Der zur Platzkante zweigeschossige Baukörper der Mensa nimmt die Raumkanten der umgebenden Bebauung auf und gibt dem Campus einen seitlichen Abschluss. Der zum Platz hin ausgerichtete Eingangsbereich des Gebäudes gestaltet sich offen und großzügig mit einer gläsernen Fassade, die über zwei Geschosse reicht. Hier befinden sich die Sitzplätze der Mensa und des Cafes, die mit ihrer Bestuhlung auch den angrenzenden Campusplatz bespielen können. Eine Galerie mit Luftraum inszeniert den Gastraum und bietet weitere Sitzplätze. Im hinteren, eingeschossigen Teil des Gebäudes befinden sich die Essensausgabe mit anschließender Küche sowie dem Großküchenlabor.

    Das Zusammenspiel der Fassadengestaltung der beiden neuen Baukörper am Platz fügt das Ensemble harmonisch im historischen Kontext ein.


    Fassade

    Wichtiges Entwurfskriterium ist, die neuen Gebäude harmonisch in das Stadtgefüge einzupassen – dies gilt sowohl für die Körnung und Höhe der Gebäude, als auch für die farblich angelehnte Interpretation der Materialität der Fassaden.

    Beide Gebäude des Ensembles um den Campusplatz sind mit einer Lamellenstruktur versehen, die zum einen als Sonnenschutz für die dahinterliegenden Räume dient, durch die unterschiedliche Ausrichtung der Lamellen aber auch das Licht gezielt in den Innenraum lenkt. Je nach Nutzung der Räumlichkeiten ist die Fassade von massiv und geschlossen bis leicht und offen ausgeführt.

    Die Lamellenstruktur der Fassade erlaubt tagsüber ein geschlossen wirkendes Bild der einzelnen Baukörper. Je näher der Besucher den Gebäuden kommt, desto mehr öffnet sich die Fassade optisch und lässt schemenhaft das Geschehen im Inneren erkennen. In der Nacht dreht sich die Wirkung um – die tagsüber von weitem geschlossen wirkenden Baukörper strahlen durch die Lamellenfassade in die Nacht hinaus. Die Innenräume sind lichtdurchflutet und lassen gesteuert durch das Fassadenbild Blicke in den Außenraum zu. So ist dem Besucher der Gebäude zu jederzeit bewusst, wo im Gebäude er sich gerade befindet.


    Tragwerk

    Die Gebäude der Hochschul- und Landesbibliothek Fulda werden in Stahlbauweise mit Stahlstützen, Flachdecken und aussteifenden Wandscheiben erstellt.

    Die Flachdecken werden mit einer Deckenstärke von ca. 40 cm gemäß der geforderten Lastannahmen ausgeführt. Der Einsatz von Hohlkörperdecken ermöglicht bei minimalem Eigengewicht der Decken hohe Tragfähigkeit trotz großer Spannweiten und fährt zur flexiblen Nutzung der Räume. Die Deckenansichten entsprechen dabei dem gewohnten Bilde von Flachdecken. Die Auskragung den Geschossdecken wird durch ein auf der Dachebene ergänzende Tragstruktur ermöglicht.


    Energiekonzept

    Das vorgesehene Energiekonzept erfüllt die Schutzziele nachhaltigen Bauens: Ökologie, Ökonomie und soziale Schutzziele. Der Energieverbrauch wird minimiert durch:
    - sehr gute Wärmedämmung der Außenflächen (Wände, Dach,...) unter EnEV 2009
    - sehr gute Verglasung unter EnEV 2009
    - hochwertige Wärmerückgewinnung für Raumlufttechnik 80%
    - Enthalpierückgewinnung RLT Bibliothek

    Energetisches Konzept technische Versorgung

    Die Anlage für die technische Ver- und Entsorgung werden energiesparend betrieben:
    Die Gebäude Mensa, Verwaltung und Bibliothek mit ihren großzügig gestalteten Nutzungsbereichen werden vorrangig natürlich be- und entlüftet und kontrolliert gesteuert. Im Winter hat dagegen die mechanische Lüftung Vorrang (volumenvariable CO2-gesteuerte Be- und Entlüftungsanlagen). Per Luftqualitätsmessungen wird der notwendige Außenluftanteil beigemischt.

    Alle technischen Anlagen werden wartungsfreundlich angeordnet. Zur Energieeinsparung werden im Stunden-Rhythmus Teilbereiche automatisch sequenziell geschaltet. Die Lufteinbringung erfolgt gleichmäßig über Quellluftauslässe. Sie induzieren Luft aus dem Raum und erzeugen so eine effektive Raumdurchspülung, auch bei geringem Raumluftwech¬sel.

    Die Beheizung erfolgt über Niedertemperatur-Systeme, größten¬teils über Betonkernaktivierung 30/27°C; raumlufttechnische Anlagen werden im Temperaturniveau 50/35°C betrieben; Abwärme aus den EDV-Bereichen zu Heizzwecken genutzt. Aktivierung der thermischen Massen: Betondecken der Regelgeschosse sind weitgehend unverkleidet, sie erfüllen per integrierter, Wasser durchflossenen Rohrschlangen Heiz- und Kühlaufgaben. Im Sommer wird auf diese Weise wirtschaftlich (Kühlwassertemperatur 18°C) thermische Behaglichkeit erreicht. Die zu erwartende Umstellung des Fernwärmenetzes der Stadtwerke Fulda von Heißwasser auf Niedertemperatur wird systemtechnisch berücksichtigt. Die Basisauslegung beruht auf Niedertemperatur.

    Die Steuerung der Innen-Beleuchtung erfolgt teilweise über Bewegungsmelder.
    Die MSR-Technik wird an das vorhandene Leitsystem angeschlossen.

    Energetische Ziele

    Das Gebäude wird durchschnittlich einen sehr geringen Energiebedarf (Primärenergiekennwert 100 - 120 kWh/m²a) aufweisen. Als energetische Zielsetzung wird ein Primärenergiebedarf von 100 kWh/m²a Nettogeschossfläche in Anlehnung an die Vorgaben des Forschungsbereichs Solarbau des Bundesministeriums für Wirtschaft und Technologie angestrebt.

    Für die Beleuchtung werden 12 W/m² (Primärenergiefaktor 2,9 für Strom) angestrebt. Die Endenergie für die Luftförderung und Hilfsenergie für die Beheizung basiert auf dem Primärenergiefaktor 2,9 für Strom. Bei der Lüftung wurde eine SFP (spezifische Ventilatorleistung) von 0,7 W/m³/h angesetzt. Dies wird durch eine energieoptimierte Auslegung der Lüftungsanlage erreicht. Die Anforderungen nach EnEV 2009 für den Primärenergiebedarf werden eingehalten bzw. teilweise unterschritten.

    Der Entwurf wird die geforderten energetischen Anforderungen und könnte sogar die Zertifizierung nach DGNB oder LEED, Green Building erreichen.

    Beurteilung durch das Preisgericht
    Liegt nicht vor.