loading
  • DE Villingen-Schwenningen
  • 02/2005
  • Ergebnis
  • (ID 2-1367)

Landesgartenschau Villingen-Schwenningen 2010


  • Ankauf


    Landschaftsarchitekten
    scape Landschaftsarchitekten, Düsseldorf (DE) Büroprofil

    Mitarbeit
    Mitarbeit: Christina Dornbusch, Jan Heimann, Sabine Kanne, Sebastian Riesop, Kai Spurling

    In Zusammenarbeit mit:
    Architekten: 3D Architekten und Stadtplaner, Aachen (DE)

    Erläuterungstext


    Landesgartenschau Villingen-Schwenningen 2010:
    Zukunft mit Herkunft - Metamorphose einer Kulturlandschaft

    „Der Mensch schreitet geradeaus, weil er ein Ziel hat; er weiß, wohin er geht, er hat sich für eine Richtung entschieden und schreitet in ihr geradeaus. Der Esel geht im Zickzack, döst ein wenig, blöde vor Hitze und zerstreut, geht im Zickzack, um den großen Steinen auszuweichen, um sich den Anstieg sanfter zu machen, um den Schatten zu suchen. Er strengt sich so wenig wie möglich an. Der Mensch beherrscht sein Gefühl durch die Vernunft. Er bändigt seine Gefühle und seine Instinkte um des vorgefaßten Zieles willen. Der Verstand baut Regeln auf, die das Ergebnis der Erfahrung sind. Der Esel denkt an nichts, er macht sich aus nichts etwas.“
    Le Corbusier, 1929

    Ausgangssituation
    Das zentral gelegene ehemalige Bahnareal in Villingen-Schwenningen besitzt mit der Verbindung über den Stadtpark Möglingshöhe einen einzigartigen Zugang zum umgebenden Landschaftsraum mit dem Naturschutzgebiet Schwenninger Moos. Der Landschaftsraum strömt dabei keilförmig tief in den Stadtkörper ein und nimmt den „Quellbereich“ des Neckars in sich auf. Der Landschaftsfinger ist dabei in verschiedenen Entwicklungsstufen überformt worden bis er letztlich mit dem verdolten Neckar im steinernen Stadtraum erstarrt. Die Ausrichtung einer Landesgartenschau in diesem Bereich soll den Quellbereich und Flusslauf des Neckars wieder erlebbar machen und erneut in den Stadtkontext integrieren.

    Parkkonzept
    Das Parkkonzept für die Landesgartenschau thematisiert den Urbanisierungs- und Reurbanisierungsprozess des Menschen in der Kulturlandschaft. Dabei stehen sich diese Landschaftsformen in ihren unterschiedlichen Qualitäten und Atmosphären stets pointiert und dialektisch gegenüber: Der neue Landschaftspark wird mit diesen parallel verlaufenden Themen bespielt. Die vorgegebenen städtebaulichen Zäsuren werden genutzt, um die verschieden Phasen und Variationen des Grundthemas ablesbar zu machen. Die Wegeführung stellt das Rückgrat der Parkkonzeption dar. Ein System aus Wegeachsen thematisiert Le Corbusiers Weg des modernen Menschen und damit den Weg durch den neuen Landschaftspark. Es symbolisiert mit seiner starken Strukturierung und Taktung die Gewohnheit des modernen Menschen, seine Umwelt in Kategorien der Zeit zu beschreiben. Der Weg dient der Orientierung und zügigen, zielgerichteten Erschließung des Ausstellungsgeländes. An ihm sind daher nicht nur regelmäßig Infoboxen und Themengärten, sondern auch alle Ausstellungs- und Veranstaltungsorte angeordnet.

    Ihm gegenüber begleitet ein geschwungener Weg den Neckarlauf durch die „Natur“-Landschaft.
    Er erschließt die unterschiedlichen landschaftlichen Atmosphären, lädt in vielfältiger Weise zum Verweilen und Genießen ein und führt den Besucher in eine andere Welt, in der er die Zeit vergisst. Die beiden Wege entwickeln sich unabhängig und parallel zu einander; gemeinsam bilden sie einen Rundweg durch das Ausstellungsgelände. Dem Besucher bleibt es überlassen, aus welchem Blickwinkel und auf welchem Weg er sich das Ausstellungsgelände erschließt. Auch in der Nachnutzung bleibt die Polarität der Wege erhalten. Der gerade und zielgerichtete Weg erschließt dabei eine klassische, stark kultivierte und intensiv genutzte Parkfläche. Der geschwungene Weg erschließt den Flusslauf des Neckars mit seinen unterschiedlichen naturräumlichen Qualitäten und ist vorwiegend extensiv genutzt.

    Raumsequenz
    Ausgehend vom Bestand und unterschiedlichen Charakter des Geländes , verknüpft das übergeordnete Parkkonzept der Achsen und fließenden Räume die drei verschiedenen Parkbereiche Bahnplateau, Möglingshöhe und Bauchenberg. Vom Bahnhof her kommend erschließt die zentrale Parkachse das neue Parkplateau. Über die Farbsequenz der Wechselpflanzungen öffnet sich der Blick in die Weite. Baumreihen und Wegequerungen rhythmisieren den Park und binden das ehemalige Bahnareal an die städtische Umgebung an. Gläserne, nächtlich beleuchtete Infotürme bilden räumliche Takte auf der zentralen Parkachse. Während der Gartenschau dienen sie als Ausstellungspavillons und Pflanzenvitirinen und vereinen unterschiedlichste Gartenschauthemen in einer Formensprache. In der Nachnutzung dienen sie als Kris-tallisationspunkte der weiteren städtebaulichen Entwicklung des Bahnhofsareals.

    Im Waldpark „Möglingshöhe“ entsteht eine Raumsequenz aus waldartigen Bereichen und Lichtungen. Hier setzt sich das Achsensystem fort. Zwischen der historischen Kastanienallee und einer neuen Wegeachse als direkter Verbindung vom Neckar zum Bauchenberg spannt sich die großzügige Festwiese auf. Während der Gartenschau präsentiert sich das Land Baden-Württemberg in einem zentralen Ausstellungspavillon unter dem vorhandenen Baumdach. Der neue Eingangsplatz an der Kindertagesstätte öffnet den Park zu den östlichen Wohngebieten.

    Auf dem Bauchenberg wird das Achsensystem zu einem fragmentarischen System aus Stegen und Dämmen, die sich in Richtung Landschaft mehr und mehr verlieren. Das Stegsystem erschließt die sensible Wasser- und Sumpflandschaft, schützt sie aber auch vor ungewollten Zutritten. Ein Aussichtssteg öffnet den Blick in die Naturlandschaft des Schwenninger Mooses. Die Eissporthalle nimmt die überdachten Aus-stellungsbereiche auf und wird durch eine Uferterrasse mit Gastronomie neu zum See hin orientiert. Schwimmende „Tretbootgärten“ , Streicheltiere und Moorschnu-cken ergänzen das Ausstellungskonzept im südlichen Gartenschaugelände.

    Orte am Fluss
    Im Gegensatz zum Achsensystem erschließt sich entlang des Neckars eine vielfäl-tige Flusslandschaft mit Orten des Verweilens und der Ruhe. Auf dem Bauchenberg verschmelzen Wasser und Land. Aufblasbare „Wasserlinsen“ werden zu überdimensio-nalen Blütenschalen und bilden einen Kontrast zur umgebenden Sumpflandschaft. Der Uferweg wird selbst zum Fluss; in Mäandern umschwingt er den Neckar und lädt ein, die Flusslandschaft fernab von Ausstellungsprogramm und Besucherströmen zu entdecken. Uferränder, leicht modellierte Wiesenflächen und temporäre Sitzmöbel bieten Ruhe– und Verweilmöglichkeiten. Im Bereich der historischen Neckarquelle nahe der KiTa bieten künstlichen Quellen, Flöße, Strände und Wackelbrücken ab-wechslungsreiche Spielmöglichkeiten. Im nördlichen Parkteil inszenieren Erdmo-dellierungen die Bruchkante zwischen artifizieller Parklandschaft auf dem Bahnplateau und Flusslandschaft. Auch hier schwingt ein Weg entlang des Neckars. Uferdecks laden zum Verweilen ein.

    Das Konzept schafft einen neuen, charakteristischen Landschaftspark im Übergang zwischen Schwenningen und dem Naturraum „Schwenninger Moos“ . Ein System aus Wegeachsen wird zum Rückgrad des Ausstellungsgeländes. Direkte Wegeachsen verbinden die drei unterschiedlichen Parkbereiche, aber auch die Stadt mit der Landschaft und schaffen während er Gartenschau zügige Verbindungen zwischen Bahnhofsplateau und Landschaftspark oder Parkplätzen und Blumenhalle. Der Flußraum des Neckars wird zur durchgehenden Ader im Gefüge der Stadt. Das differenzierte Wegesystem ist Charakteristikum des neuen Landschaftsparks. Von hier erschließen sich Gartenschaubesuchern und Bewohnern immer wieder neue und überraschende Szenerien.

    Beurteilung durch das Preisgericht
    Liegt nicht vor.