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  • Ankauf

    Perspektive_Blick Marienplatz (Richtung Admiral-Hipper-Strasse) ---------------------------------------------------- Lageplan (Oms. 1:500)

    Landschaftsarchitekten
    terra.nova Landschaftsarchitektur, München (DE) Büroprofil

    Mitarbeit
    Jens Böhm, Gunter Fischer, Michaela Uhr, Thorsten Kaifel, Dorothea Wendeborn

    Erläuterungstext
    ‚Mit Hilfe von Zeichnungen und Photographien können die Situationen des Oberen Tores, des Schmiedetores sowie des einst 25m hohen Pöltner Tores heute noch dokumentiert werden:

    Tore öffnen sich zur Stadt.
    Der Altstadtkern der Stadt Weilheim gibt stadträumlich ein fast unverändertes Bild der Historie wieder. Die Ringmauer sowie das Geflecht der Gassen mit den beiden platzartigen Aufweitungen von Marienplatz und Kirchplatz sind Zeugen der Geschichte Weilheims, die im wesentlichen auf das Gedankengut der Renaissance zurückgeht. Diese Zeitspuren gilt es zu erfassen und durch ein schlüssiges Stadtbodenkonzept umzusetzen.
    Diesem Grundsatz folgend bedarf es zunächst einer analytischen Betrachtung der Stadträume sowie einer Bestimmung der Wertigkeit und Bedeutung im gesamtstädtischen Kontext. Auffallend sind hierbei zunächst die vier Hauptachsen, an denen sich der Altstadtgrundriss aufspannt. Ursprünglich als Stadteingänge bzw. - ausgänge in alle vier Himmelsrichtungen angelegt und mit Türmen und Toren ausgestattet stellten sie das wesentliche Bindeglied mit der Umgebung dar. Zugleich verknüpften sie die wesentlichen innerstädtischen Räume untereinander.
    Unser Entwurf sieht demnach eine Differenzierung der Oberflächen gemäß ihrer Hierarchie im Stadtraum vor. Es wird hierbei zwischen den beschriebenen Hauptachsen und den Nebenachsen unterschieden. Nebenachsen werden hierbei als sich von den Hauptachsen bis zur Altstadtbegrenzung erstreckende Stadträume verstanden.

    Vom Schmiedetor zum Pöltner Tor, vom Obertor zum Schergentürl.
    Dieser Bereich beschreibt den Stadtboden der Hauptachsen und verweist zugleich auf die historische Bedeutung der Stadtzugänge. Demnach sehen wir ausgehend von den ehemaligen Stadttoren einen homogenen und ruhigen Bodenbelag für die gesamte Fläche vor. Dieser schließt den Marienplatz und Kirchplatz mit ein und findet jeweils einen Endpunkt (Plattenbelag mit geschichtlichem Verweis) im Bereich der ehemaligen Tore. Diese öffnen sich zur Stadt und werden miteinander über die Kontinuität der Fläche sowie feine Pflasterlinien verwoben. Die Linien selbst beschreiben die Flächentrennung zwischen Gebäudevorzonen und sonst. Flächen bzw. ‚Fahrgassen’. Zudem werden hier die wesentlichen technischen Elemente wie Mastleuchten, Papierkörbe, Abläufe für Oberflächenentwässerung integriert. Ziel ist, einen möglichst ruhigen Flächenbelag zu erhalten, so dass die zum Teil sehr belebten Fassaden ihr räumliches Spiel zueinander entwickeln können.
    Marienplatz und Kirchplatz als klassische Platzsituationen fügen sich in die Fläche ein, erhalten jedoch ihre Besonderheit durch die Anordnung bzw. durch das Vorhandensein von markanten architektonischen Elementen. Mariensäule und Stadtbrunnen des Marienplatzes stehen den skulpturalen Grünelemente (geschnittene Hainbuchen) auf dem Kirchhof gegenüber. Letztere als Zitat an die historische Bestimmung des Platzes als begrünter Stadtplatz.
    Die Gebäude im Bereich der Hauptachsen erhalten im Sockelbereich eine durchgehenden Sockelstreifen aus Platten. Dieser nimmt die Sonderelemente wie Eingänge, Vor- und Rücksprünge, Zu- und Ausgänge sowie Treppenstufen auf. Fläche und Rahmen unterscheiden sich durch die Textur der Oberflächen der gewählten Materialien, dennoch schöpfen sie infolge abgestimmter Farbigkeit und Materialität aus einem gemeinsamen Vokabular.

    Vom Altstadtzentrum zur Stadtmauer.
    Die vom zentralen Bereich der Hauptachsen bis hin zur Ringmauer verlaufenden größtenteils gassenartigen Stadträume erhalten einen eigenständigen Duktus. Dieser entwickelt sich aus dem Sockelstreifen der Gebäude. In Reihen verlegtes Pflaster schließt homogen an diesen an. Die Verlegeweise, die Dimensionierung des Pflasters sowie die Reduktion von Gestaltungsmitteln unterstreicht die räumliche Bestimmung der Nebenachsen. Unterschieden wird hierbei gemäß der vorgefundenen Raumzuschnitte in straßenartige Bereiche mit beidseitiger Entwässerungsführung und Gassen mit Mittelentwässerung. Eine maßvolle Begrünung mit kleinkronigen Bäumen stellt den Anschluss zum Ringgraben her. Letzterer wird entlang der Stadtmauer mit Aufenthaltszonen ergänzt und schließt direkt an die wesentlichen Stadtzugänge an.

    Licht im Stadtraum.
    Kunstlichtkonzeption.
    Die Lichtgestaltung folgt dem Entwurfsprinzips. Demnach werden die Pflasterlinien der Hauptachsen mit einem Band von Mastleuchten unterstützt. Auf diese Weise wird abends und nachts eine Lichtführung von den Stadteingängen zum Stadtzentrum definiert. Die Stadteingänge selbst werden als ‚KunstLichtTore’ inszeniert. Eine farbig akzentuierte Veränderung der Leuchtdichte verwandelt diese in einladende Stadtzugänge und Orientierungspunkte der attraktiven Altstadt Weilheims. Die Grundbeleuchtung aller übrigen städtischen Räume wird mittels Wand- und Zugangsleuchten unterstützt durch Aufbauleuchten im Traufbereich erreicht.
    Um die Nutzungszonen und deren strassenräumliche Wertigkeiten zu akzentuieren wird eine Leuchtdichtehierarchie vorgegeben. Die beschriebene Grundbeleuchtung der Horizontalflächen (Stadtboden) ist wie auch die Fassadenbeleuchtung Bestandteil dieser Abstufungen, wobei die größte Helligkeit den Stadteingängen und Plätzen zugeordnet ist. Beleuchtungszonierungen z.B. besonderer Gebäude oder Fassadenbereiche, des Stadtbrunnens, der Mariensäule etc. integrieren sich in diese Abstufungen und bilden gleichzeitig eine gewünschte Rythmisierung und optische Führung.
    Von besonderer Bedeutung ist in diesem Zusammenhang die Stadtpfarrkirche ‚Mariae Himmelfahrt’. Als weithin sichtbares Zeichen der Stadtmitte ist eine erhöhte Leuchtdichte im Turmbereich vorgesehen. Die Kirche ist beidseitig den Plätzen zugeordnet. Durch eine effektvolle Ausleuchtung der Kirche wird abends und nachts eine optische Verknüpfung der Platzbereiche erzielt.

    Beleuchtungskörper.
    Das einheitliche Beleuchtungssystem der Grundbeleuchtung, geeignet für Wand-, Zugangs- und Mastleuchte wird als Spiegel-Werfer-System mittels Reflektortechnik technisch umgesetzt. Bedarfsweise erfolgt eine Ergänzung durch Zonierungsbeleuchtungen. Diese Lichtkomponente wird durch entblendete und leistungsstarke Lichtwerfer im Bereich der Traufkanten realisiert, die einjustierbar auf die einzelnen Objekte wie Stadtbrunnen, Mariensäule, Grünskulpturen oder Bänke etc. ausgerichtet werden können.

    Flanieren bis spät in die Nacht.
    Um die vorgesehenen Beleuchtungen wirtschaftlich zu betreiben (Stromkosten, Leuchtmittelersatzkosten) sind 3 Schaltstufen vorgesehen.
    Stufe 1: Dämmerung bis 22.00 Uhr (Grundbeleuchtung + Fassadenbeleuchtung + Zonierungsbeleuchtung). Optimiert die optische Wahrnehmung im gesamten Strassenraum zur Erfüllung der Sehaufgabe und der effektvollen Ausleuchtung der Stadträume.
    Stufe 2: 22.00 Uhr bis 24.00 Uhr (Grundbeleuchtung + Zonierungsbeleuchtung)
    Berücksichtigt zusätzlich die Strahlungsimmissionswerte im Fensterbereich.
    Stufe 3: 24.00 Uhr bis Dämmerung (ausschließlich Grundbeleuchtung )
    Einhaltung der Mindestanforderungen für die Orientierung im Strassenraum.

    Materialität.
    Bei der Materialwahl werden wie eingangs beschrieben Differenzierungen zwischen dem zentralen Bereich der Hauptachsen und den Nebenachsen getroffen. Grundsätzlich werden die Materialien auf Naturstein (Granit) in braun-gelb-Abstufungen und Metall (Baubronze) für die Beleuchtungselemente und Warenpräsentation beschränkt. Unterschiedliche Oberflächen, Formate sowie Fugenbilder leisten die gewünschten Differenzierungen. Als Steinformat im Bereich der Hauptachsen ist ein Großstein aus Granit vorgesehen. Dieser wird gemäß dem Gestaltungsziel eines homogenen Belages im Netzverband verlegt, so dass keine Zuschnitte an einmündenden Strassen notwendig werden. Die Steine setzen sich aus drei in Struktur und Farbe aufeinander abgestimmte Granitarten zusammen. Eine davon ist zugleich das Material der Sockelstreifen sowie der Nebenachsen. In den Nebenachsen werden die Granitgroßsteine in Reihe verlegt. Der Größtstein wird hierbei kleiner als zentralen Bereich gewählt.
    Die Oberfläche der Steine ist entsprechend der Anforderung einer guten Begehbarkeit gesägt und grob gestockt.

    Bauweise.
    Als Bauweise wird die Regelbauweise gemäß RstO 2001 (ungebundene Bauweise) vorgesehen. Abweichend von der DIN EN 1342 werden Fugenbreiten < 12mm festgelegt. Die Gesamtaufbauhöhe richtet sich gemäß RstO 2001 nach dem Verkehrsaufkommen sowie der Beschaffenheit des Untergrundes.
    Aus technischer Sicht ist ein Ausbau der vorhandenen Betontragschicht aus nachfolgenden Gründen notwendig:
    Eine gebundene Tragschicht setzt einen gebundenen Oberflächenbelag voraus. Hierbei sind bei großflächig zu verlegendem Pflaster Schäden im Fugenbereich nicht auszuschließen bzw. langfristig zu erwarten. Zudem führt die Notwendigkeit der erforderlichen Dehnfugen zu erheblichen gestalterischen Mängeln. Aufgrabungen z.B. im Rahmen von Leitungssanierungen sind immer mit Problemen im Fugenschluss sowie dessen einheitlichem Fugenbild verbunden. Die ungebundene Pflasterfuge erlaubt im Gegensatz hierzu Nachbesserungen. Der Einsatz von horizontal saugenden Kehrmaschinen verhindert zudem das Entleeren der Fugen.
    Entsprechend der verkehrlichen Anforderung sowie der Nutzungen ist je nach Steinart von einer Dicke des Großpflasters von min. 15cm auszugehen, weshalb selbst bei Erhalt der derzeitigen Entwässerungsführung ein gebundener Aufbau zu Höhenproblemen im Hauszugangsbereich führt. Zu prüfen bleibt in wie weit das Betonmaterial nach Abbruch vor Ort als Recyclingtragschicht einer Wiederverwendung zugeführt werden kann.

    Sonderfunktionen und Werbung im Stadtraum.
    Das Erscheinungsbild der Sondernutzungen einschließlich ihrer Werbeträger prägt im wesentlichen das Erscheinungsbild des innerstädtischen Bereiches. Wir schlagen vor, die unterschiedlichen Mobiliare der Warenauslagen in einem System zu vereinheitlichen. Ein modulares Prinzip ermöglicht es, die unterschiedlichen Typologien wie Ständer, Tische oder Werbetafeln ein gesamtheitliches Äußeres zu geben. Das System besteht aus einem Grundmodul, das für sämtlich benötigte Warenauslagen in der Größe adaptierbar ist. Teleskopartige \'Spinnenbeine\' erlauben eine maximale Variabilität in der Neigung. Die Flächen der Sondernutzungen werden durch ein im Boden eingelassenes Raster aus Bodenhülsen zur Aufnahme der Standfüße begrenzt. Das gleiche System wird für Bereiche mit Außenbestuhlung angewandt. Diese wird in ihrer Fläche durch ein System aus Bodenhülsen zur Aufnahme von Sonnenschirmen begrenzt. Letztere haben eine den Markisen analoge Gestalt und Funktion.
    Die Markisen sind wesentlicher Bestandteil der Konzeption. Eine einheitliche Ausgestaltung, jedoch Variationen in der Breite geben den Straßen und Fassaden einen bestimmten visuellen Rhytmus und sind zugleich optische Träger der Sondernutzungsflächen (räumlich und als Werbeträger). Zusammen mit einem System aus zurückhaltender Außenwerbung der Geschäfte in Form von individuellen Wandauslegersystemen ähnlicher Gestalt sowie einem Beschriftungssystem aus Einzelbuchstaben (Metall) an den Gebäudefassaden können gezielt Akzente gesetzt werden, die zu einer Aufwertung des Stadtraumes beitragen. Auf den Einsatz von Leuchtschrift sowie Leuchtreklame an den Gebäudefassaden sollte verzichtet werden, vielmehr sollten die Schriftzüge und Werbeschilder durch ein eigenes Beleuchtungssystem zurückhaltend und indirekt angestrahlt werden. Der gesamtheitlichen Raumeindruck der Fußgängerbereiche sollte auch am Abend und in der Nacht seine angemessene Wirkung auf







    Beurteilung durch das Preisgericht
    Liegt nicht vor.