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  • DE-27283 Verden/Aller
  • 05/2009
  • Ergebnis
  • (ID 2-14649)

Städtebaulicher und freiraumplanerischer Wettbewerb "Allerufer"


  • 3. Preis


    Landschaftsarchitekten
    Breimann & Bruun, Hamburg (DE) Büroprofil

    Mitarbeit
    Magdalena Cieslicka, Susanne Prehl, Franziska Husung

    In Zusammenarbeit mit:
    Architekten: LORENZEN MAYER ARCHITEKTEN, Berlin (DE)
    Landschaftsarchitekten: Bruun & Möllers GmbH & Co. KG, Hamburg (DE)

    Erläuterungstext
    GESTALTERISCHES GESAMTKONZEPT

    Das Entwurfskonzept schlägt vor, den nördlichen Bereich des Verdener Stadtzentrums auf lange Sicht durch drei wesentliche Entwurfsbausteine zu entwickeln. Das sind zunächst die Errichtung eines multifunktionalen Stadtbausteins am Nordertor sowie als Gegenpol dazu die Ausbildung eines großzügigen, ruhigen und naturnahen Uferparks entlang der Aller. Als verbindendes Element zwischen städtischen und naturnahen Bereichen fungiert ein ‚Promenadenband‘, das sich als lebendiger vielfältig nutzbarer Entwurfsbaustein im Quartier am Nordertor zu einem platzähnlichen städtischen Freiraum [Multifunktionsplatz] öffnet.
    Als Anbindung an dieses Band wird der historische Innenstadtbereich, insbesondere die Zone am Rathaus, mit dem neu geschaffenen Uferpark an der Aller verbunden. Hierfür werden von der Innenstadt in Richtung Fluss zwei partiell bereits vorhandene Wege durchgehend für den Fußgänger geöffnet. Diese führen über die noch vorhandene Befestigungsanlage direkt zum Uferpark und ermöglichen es dem Passanten schon von Weitem eine Blickbeziehung zum Grünzug und damit zum Wasser aufzubauen.

    DAS NEUE QUARTIER AM NORDERTOR

    Der Masterplan für den Entwurfsbereich Nordertor sieht zunächst den Abriss der Kaufhalle, einiger Gebäude der Stadtwerke und eines Wohngebäudes am Stadteingang vor. Die so entstehenden frei werdenden Baufelder werden als Basis für die Entwicklung eines facettenreichen neuen Stadtbaustein am Wasser genutzt.
    Die entstehende Neubebauung orientiert sich in ihrer räumlichen Anordnung am ehemaligen Verlauf der Stadtmauer - einer Figur, die durch die durchgehende Begrünung der Wallanlage am Johanniswall bereits eine Neubetonung erfährt. Diese Richtung findet sich als dynamische diagonale Bewegung zur Aller im neuen Stadtgrundriss wieder und stellt damit eine Verknüpfung zum historischen Stadtgrundriss her ohne historisierend zu wirken.
    Zunächst jedoch greift der Entwurf den vorgeschlagenen Kreisverkehr auf, und erweitert diesen in Richtung Innenstadt um eine Spur. Grund hierfür ist die Lage des neuen Parkhauses (420 Stellplätze), welches leicht nach hinten versetzt die Rückseite des neuen Stadtbausteins markiert. Vor dem Parkhaus findet der Grünzug der Wallanlage eine Fortsetzung in Form eines in Grand stehenden lichten Baumcarrées (Gleditsien), das in gespiegelter Form torartig die Zufahrt zur Innenstadt rahmt. Die auf dem Gelände der Stadtverwaltung entstehende Neubebauung orientiert sich in ihrer Firsthöhe [3 Stockwerke, variiert im obersten Geschoss) und Fassadenabwicklung (kleinteilig und vielfältig) an der umgebenden Bebauung. Die Grundflächen der Gebäude ergeben sich aus den Nutzungsansprüchen des Einzelhandels (Verkaufsflächen circa 700²), so dass in den Erdgeschossflächen und teilweise im ersten Obergeschoss 5000m² Einzelhandelsflächen untergebracht werden können. Wahlweise werden die oberen Geschosse durch Wohnungen mit Aller- oder Altstadtblick, die rückseitigen Lagen als Büro- und Gewerbestandort genutzt. In der ersten Reihe des neuen Gebäudearrangements ist ein 4 Sterne Hotel für circa 120 Betten vorgesehen, der einen SPA Bereich beinhaltet und dessen Zimmer sich in den oberen Etagen des Gebäudes befinden.
    Ein besonderer Stellenwert kommt dem attraktiven Hauptgebäude der Stadtwerke zu, da es an prominenter Stelle direkten Bezug zur Aller und zur Nordbrücke (Besucherverkehr) hat. Dieser räumlichen Herausstellung folgt die Entwurfsidee, das Gebäude in seiner Nutzung umzuwidmen. Demnach sollen die Stadtwerke mit all ihren Funktionen (Verwaltung, Kundenzentrum und Betriebshof) in das ebenfalls attraktive Backsteingebäudes an der Aller 8 umziehen. Die Gasstation und die damit verbundenen Gasleitungen bleiben erhalten, werden an das Parkhaus angegliedert und weiterhin über die Zuwegung des Backsteingebäudes (Aller 8) erschlossen. Das ehemalige Hauptgebäude der Stadtwerke am Ufer hingegen wird künftig im Erdgeschoss Gastronomie (Allercafe mit Biergartenanschluss) beherbergen und in den oberen Etagen durch Ateliers Nutzung finden.
    So entsteht ein prominenter städtischer Ort, der bedingt durch seine Nutzungsvielfalt (Wohnen, Gastronomie, Stadtwerke, Hotel) den Auftakt für das verbindende Entwurfselement - das Promenadenband bildet. Dieses beginnt an der Uferzone des Allercafés, am Außensitzbereich der Gastronomie und an der durch Sitzstufen markierten städtischen Uferkante und setzt den Allerradweg entlang der Stadt Verden fort.

    DAS PROMENADENBAND

    Das Promenadenband ist ein Multifunktionsband, welches befestigte bzw. teilbefestigte Bereiche umfasst. Südlich des Allercafés findet es seine Fortsetzung in einer unterschiedlich bespielbaren Platzfläche, die je nach Bedarf zum ruhigen Verweilen am Allerufer einlädt oder größeren Veranstaltungen am Wasser Raum geben kann. Dieser Mehrzweckplatz verjüngt sich in Richtung Süden. Dort sind optisch dezent in den Pflasterbelag integrierte Stellplätze längs der Wegeverbindung angeordnet. Wahlweise kann dieser Promenadenbereich auch für Events eine Nutzungserweiterung erfahren. Optisch ist das Promenadenband durch zwei klar wahrnehmbare Entwurfselemente gekennzeichnet. Zum einen ein ‚Gehband‘ aus quer zur Wegerichtung verlegten Pflasterplatten, das sich dem Schwung des Uferparks folgend vom Allercafé entlang der Promenade bis hin zum Bollwerk zieht und so den nördlichen und südlichen Parkbereiche sowohl funktional als auch in Gestalt- und Formensprache nachvollziehbar verbindet. Das zweite prägende Gestaltungselement ist die Bepflanzung des aufgeweiteten Promenadenbereiches mit blühenden kleinkronigen Bäumen (Zieräpfel), die an die ehemals gärtnerische Nutzung des Übergangsbereichs von Stadt in die Landschaft erinnern. Im Ergebnis wird Verdens Promenade im Frühjahr von einer zart duftenden, rosa-weißen Blütenwoge begleitet.
    Erschließung und Stellflächen
    Besucher erreichen den Innenstadtbereich über den Kreisverkehr von der Nordbrücke. Hier am nördlichen Stadteingang besteht bereits die Möglichkeit, das Auto im Parkhaus (420 Stellplätze) abzustellen. Der Durchgangsverkehr am Norderstädter Markt kann dadurch reduziert werden. Die Stellplatzflächen an der Reeperbahn wurden auf 98 Stellplätze verringert, die für Kunden und Besucher der Innenstadt nutzbar sind. Des Weiteren werden am Allercafé (Hauptgebäude der Stadtwerke) 10 Stellplätze für Gäste geschaffen. Temporär kann die Stellplatzfläche im Bereich des Multifunktionsplatzes um 45 Stellplätze erhöht werden, wenn die Platzflächen zum Abstellen von Fahrzeugen freigegeben werden. Für die Nutzung durch die Stadtwerke stehen hinter dem Gebäude am Backsteingebäude (Allerufer 8) 33 weitere privat nutzbare Stellplätze zur Verfügung. im Vorfahrtsbereich des Hotels können Besucher temporär parken, auch sind Stellflächen für Taxen vorgesehen.

    DER UFERPARK

    Als drittes wesentliches Entwurfselement neben Promenadenband und den städtebaulichen Ergänzungen Verdens steht die Entwicklung eines Uferparks entlang der Aller. Bewusst wird hierbei ein schlichter und naturnaher Entwurfsgedanke verfolgt, da der Uferpark als landschaftlicher Retentionsraum und damit als temporär überschwemmbares Gebiet ins Hochwasserschutzkonzept integriert ist. Dabei ist ein landschaftlich ins das Stadtgefüge integrierter Hochwasserschutz vorgesehen, indem das Höhenniveau des gepflasterten ‚Gehbandes‘ sich an der HQ 100 Richtmarke orientiert, was inklusive Freibord 14, 32 üNN beträgt. Bewusst wurde auf den Einsatz eines rein baulichen Hochwasserschutzes verzichtet, da es hierfür keinen Rückhalt in der Verdener Bevölkerung gibt.
    Die naturnahe Gestaltung der Parkfläche mit blühenden Wiesen, der Erhalt eines Großteils der Uferbepflanzung sowie des Baumbestandes an der Allerresidenz sowie die großflächige Entsiegelung im Bereich der ehemaligen Parkplatzfläche tragen maßgeblich dazu bei, dass der Uferpark als Lebensraum für Flora und Fauna an Bedeutung gewinnt, aber auch zum bedeutenden Naherholungsgebiet mit Innenstadtbezug avanciert.
    Gestalterisch wird die vorhandene dichte Uferbepflanzung partiell gelichtet, um wichtige Blickbeziehungen zum Wasser freizugeben und im Gegenzug auch die geschützte Stadtsilhouette frei zu stellen, so dass der städtische Bezug zum Wasser gestärkt wird. So liegt in der Parklandschaft auf der Achse zwischen Park und Rathaus ein unbefestigter grüner, temporär intensiv nutzbarer Parkbereich für sommerliche Events (Schotterrasen) der in einem Bootsanleger mündet. Gemäß der Regelungen des Bundeswasserstraßengesetzes ragt dieser nur minimal in den Allerbereich hinein. Zu besonderen Anlässen kann hier optional eine kleine Fähre die Verbindung zur Allerinsel herstellen. Die Wege im Park und entlang des Ufers sind bewusst teilbefestigt (Pflaster mit großer Rasenfuge) und schmal gehalten, um die Natürlichkeit des Uferparks zu unterstreichen. Flaniert wird an der Promenade, die sich im nördlichen Bereich bis zum Ufer der Aller zieht und bis in die Südstadt als verbindendes Element zwischen den beiden Stadtteilen funktioniert.
    Um die Wirkung der Parklandschaft als frei nutzbaren Landschaftsraum zu unterstützen, werden der Verdener Bevölkerung und dem touristischen Verkehr Sitzmöbel angeboten, welche individuell positioniert werden können.
    Dieser Kombination aus Nutzungsumwidmung, Neubebauung und städtischer Akzentuierung wird die Magnetwirkung des nördlichen Teils der Innenstadt stärken und dazu beitragen, dass Stadt und Fluss, Bewohner und landschaftliche Umgebung näher zusammen rücken.

    Beurteilung durch das Preisgericht
    Liegt nicht vor.