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  • DE-27283 Verden/Aller
  • 05/2009
  • Ergebnis
  • (ID 2-14649)

Städtebaulicher und freiraumplanerischer Wettbewerb "Allerufer"


  • Ankauf

    Perspektive Allerufer

    Landschaftsarchitekten
    WES LandschaftsArchitektur Schatz Betz Kaschke Wehberg-Krafft Rödding, Hamburg (DE), Oyten (DE), Berlin (DE), Düsseldorf (DE), Shanghai (CN) Büroprofil

    In Zusammenarbeit mit:
    Architekten: ASTOC ARCHITECTS AND PLANNERS GmbH, Köln (DE)

    Erläuterungstext
    Verden an der Aller ...

    Der Name der Stadt ist räumliche Verortung und programmatische Aufgabe in gleichem Maße. Das Briefpapier der Stadt hat die Stadtsilhouette bereits für die Kommunikation entdeckt. Betrachtet man jedoch die gebaute Kontur im Detail, so entdeckt man die vielfältigen Aufgaben, die es mit diesem Wettbewerb zu lösen gilt. Denn einerseits gilt es den Raum zwischen Innenstadt und Allerufer für das internationale Renommee der Reiterstadt als repräsentatives Podium für Veranstaltungen aufzuwerten. Andererseits kommt heute einzig die Parkplatz suchende Bevölkerung in den Genuss, die Weite der Aller und die repräsentative Seite in der Innenstadt erleben zu dürfen, wohlwissend, dass gerade das Parken ein Garant für eine lebendige und vitale Entwicklung der Stadt ist - bildet doch das Auto die vielfach einzige Option aus der Weite des Umlandes in die Innenstadt zum Einkaufen zu gelangen. Diesen scheinbaren Konflikt aus Funktionalität und repräsentativem Raum gilt es zu lösen.

    Stadtstruktur

    Die historische Stadtstruktur orientiert sich entlang der „Große Straße“, der Ritterstraße und der Straße „Hinter der Mauer“ in Nord-Süd Richtung. Im Bereich der heutigen Kaufhalle wird diese Struktur in Maßstab und Kontur gebrochen. Der Entwurf basiert auf der historischen, städtebaulichen Struktur und entwickelt im Bereich des Norderstädtischen Marktes ein Ensemble aus vier einzelnen Gebäuden.

    Die vier Gebäude entstehen aus der Kreuzung der Längs- und Querbeziehungen, die sich aus dem bestehenden Stadtgrundriss ableiten lassen. Die Querbeziehungen zwischen „Große Straße“ und Allerufer werden durch verschiedene, kleinteilige Querbeziehungen, durch das „Durchstoßen“ der Johannisstraße und durch die Aufwertung der Straße „Blumenwisch“ gestärkt.

    Gleichzeitig erhält das Nachbarschaftskaufhaus in einem „Verdener“ Maßstab eine zusätzliche Querbeziehung zwischen „Große Straße“ / Norderstädtischer Markt und Allerufer. Zwei der Querbeziehungen finden Ihren Abschluss in neugeschaffenen Bootsstegen für Freizeitschifffahrt und Wasserwanderer.

    Nachbarschaftskaufhaus und Promenadenbebauung:
    Das Nachbarschaftskaufhaus erhält seine äußere und innere Kontur aus den stadträumlichen Verbindungen und Wegebeziehungen. Die Erdgeschosse stehen dem Einzelhandel und kleinteiligen Gastronomien zur Verfügung. In den oberen Geschossen sind in den zum Norderstädtischen Markt orientierten Bausteinen Büros und in den zur Aller orientierten Bausteinen Wohnungen vorgesehen.

    Im Inneren des Ensembles werden die stadträumlichen Beziehungen lesbar und zu einem kleinen Hof mit Platzcharakter aufgeweitet. Die Einzelhandelseinheiten entsprechen den Vorgaben der Auslobung und sind den spezifischen Anforderungen der späteren Nutzer entsprechend teilbar. In Richtung Aller öffnet sich das Ensemble und erhält mit dem Allerpark eine attraktive Westseite.

    Die Stadtansicht wird zukünftig durch eine vorgelagerte Bebauung ergänzt. Durch die Westausrichtung und die Lage am neu geschaffenen Allerpark lassen sich hier hochwertige Gebäude realisieren, die sich dem Maßstab der historischen Innenstadt anpassen, an den Querbeziehungen in Richtung „Große Straße“ jedoch auch kräftigere Akzente setzen. Die Gebäude haben im Erdgeschosse Platz für kleine Läden, Ateliers und Gastronomien, die so im direkten Verbund mit der Freizeitschifffahrt und den weiteren touristischen Angeboten der Stadt stehen. In den oberen Geschossen findet sich ein differenziertes Angebot an Wohnungsgrundrissen.

    Allerpark:
    In Korrespondenz zum Nord-Süd orientierten Stadtgrundriss erstreckt sich auch das zukünftige Allerufer über die gesamte Abwicklung des sich öffnenden Stadtraums an der Aller. Vom Areal der Stadtwerke im Norden bis zur Fischerstadt im Süden entsteht ein durchgehender Bewegungsraum, der sich an die unterschiedlichen Nutzungsanforderung eines Flohmarktes oder eines Open-Air-Konzertes sehr flexibel anpassen lässt. Dieser „grüner Anger“ bildet das neue Herz der Stadt Verden.

    Die neue Promenade erstreckt sich konsequent entlang der neuen, westlich abschließenden Häuserflucht, vom nördlichen, hoch auf geasteten Baumplatz am Wasser, als Abschluss des Nachbarschaftskaufhaus bis über die Brückenstrasse zur Tempelforte. Die Weiterführung der Promenade nach Süden, erfolgt im Bereich der kleinteiligen Fischerviertelfassaden in einer angemessenen, zurückhaltenden Gestaltung.

    Die neue Allerpromenade wird geprägt durch die vorgelagerten „grünen Arkaden“ aus geschnittenen Platanenreihen in deren Reihung die geforderten 100 Parkplätze integriert werden. Die Befestigung der Allerpromenade erfolgt großzügig, durchgehend durch 30 x 50 cm große hochwertige Betonplatten, dessen Abschluss im Westen ein deutlich, alles verbindender zwei Meter breiter Plattenstreifen bildet.

    Hieran schließt der „grüne Anger“ als durchgehende Rasenfläche an, die im Bereich des neuen Anlegesteg bis zum nördlichen Baumplatz in der oberen Ebene, als strapazierfähige Schotterrasenfläche ausgebildet wird, als multifunktionaler Mehrzweckplatz. An dieser „Mehrzweckplatzwiese“ schließen sich südlich die ehemaligen Gärten an, die wir durch weitere Raster aus verschiedenen Obstbäumen wieder deutlich sichtbar machen. In diesen Gärten ist ein großzügiger Kinderspielplatz mit angrenzendem Biergarten und Café integriert bis hin zu den Parkplätzen der Wohnresidenz.

    Da wir den vorhandenen Baumbestand im Bereich der ehemaligen Gärten weitgehend erhalten möchten, ist ein Hochwasser sicheres Aufschütten des Geländes in diesem Bereich nicht möglich, dessen Höhenunterschied zur angrenzenden neuen hochwassersicheren Weserpromenade durch eine großzügige Sitzstufenanlage überwunden wird.

    Parken in der Stadt:
    Das Parken in der Stadt spielt eine entscheidende Rolle für die zukünftige Entwicklung der Stadt. Die Besucher aus den Randbereichen der Stadt und den umliegenden Gemeinden sind auf innenstadtnahe Parkplätze angewiesen und tragen mit ihren Einkäufen zur Entwicklung einer vitalen und vielschichtigen Stadt bei.

    Die heutige Anzahl an Stellplätze überfordert die herausragenden Optionen für den öffentlichen Raum an der Aller. Die geforderte Anzahl von 100 Stellplätzen lässt sich entlang des Stadtraums an der Aller nachweisen. Die weiteren 500 Stellplätze in einer oberirdischen Stellplatzanlage würden einen ähnlichen Fehler in der Stadtentwicklung bedeuten, wie er damals mit dem Bau der Kaufhalle gemacht wurde. Daher gilt es die Stellplätze in unterirdischen Garagen im Bereich des neuen
    Nachbarschaftskaufhauses unterzubringen.

    Nordertor zur Innenstadt:
    Die Verkehrssituation, aber vor allem die stadträumliche Situation, sind heute im Bereich des Nordertores als unbefriedigend zu bezeichnen. Mit den Planung zur Errichtung eines Kreisverkehrs ist bereits ein erster Schritt zur Entspannung dieses überwiegend verkehrlich genutzten Stadtraumes getan. Mit dem Wegfall der Parallelspur auf dem Grund der historischen Wallanlage ergeben sich neue Möglichkeiten, diesen Bereich qualitätsvoll zu entwickeln. Der vorhandene Baumbestand im Bereich des Nordertors bleibt erhalten und wird in Teilbereichen ergänzt. Eine Weiterführung des von Osten kommenden baumüberstellten Johanniswalls wird über die Große Straße in Richtung Westen weitergeführt.

    Das Stadttor zur „Großen Straße“ bildet zukünftig ein Gebäude, das aus der heutigen Fluchtlinie zurückspringt und dem Wallring einen durchgängigen Charakter bis an die historischen Versatzstücke der alten Stadtmauer im Bereich der Stadtwerke- Areals verleiht. Das Gebäude nimmt die Trauflinien der umliegenden Gebäude auf und zeigt eine städtebauliche Akzentuierung am zukünftigen Kreisverkehr. Mit seiner offenen Fassadenstruktur bietet das Gebäude im Erdgeschoss kleinen Läden und in den darüber liegenden zwei Geschossen Platz für Dienstleistungsagenturen oder Praxen.

    Areal der Stadtwerke:
    Das Areal der Stadtwerke war - historisch betrachtet – schon immer ein Baustein vor den Mauern der Stadt. Die beiden Verwaltungsgebäude wie auch das Langhaus weisen eine solide Gebäudesubstanz auf, die erhaltenswert erscheint. Die Gebäude besitzen nicht nur eine robuste Grundstruktur, in der sich verschiedene private und öffentliche Nutzungen unterbringen lassen, sondern auch einen Lärmschutzcharakter für die dahinter liegenden, zukünftigen Wohn- und Hotelnutzungen.

    Die Service-Einrichtungen der Stadtwerke können in den bestehenden Gebäuden erhalten bleiben. Das Hotel findet in Maßstab und Nutzung ein ideales Umfeld. Es fügt sich mit seinen baulichen Dimensionen nahtlos in das Stadtwerke-Areal ein und bildet den nördlichen Endpunkt des städtischen Alleruferweges. Leicht zurückversetzt eröffnet sich für das Quartier zugleich die Möglichkeit einen Wohnstandort zu schaffen, der alternative Formen innerstädtischen Wohnens anbietet. Durch die kurzen Wege zum Einkaufen und Klönen eignet sich dieser Bereich insbesondere für generationsübergreifendes oder barrierefreies Wohnen.

    Fazit:
    Der Entwurf bietet eine auf den Verdener Maßstab angepasste Lösung. Die herausragenden Qualitäten des Allerufers und der zurückliegenden Stadtbereiche werden mit bereits vorhandenen Qualitäten in Relation gesetzt und stärken den spezifischen Charakter des Ortes mit einfachen und klaren Maßnahmen. Das
    vorliegende Entwurfskonzept verknüpft die Innenstadt mit dem Allerufer und schafft einen neuen identitätsprägenden Raum für die Verdener und ihre internationalen Besucher.

    Beurteilung durch das Preisgericht
    Liegt nicht vor.