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  • 3. Preis

    Die erweiterte Schwimmhalle

    Architekten
    Kauffmann Theilig & Partner Freie Architekten PartGmbB, Ostfildern/ Kemnat (DE) Büroprofil

    Preisgeld
    7.000 EUR

    Erläuterungstext
    Städtebau

    Die Schwimmhalle am Lessingplatz ist ein in sich abgeschlossene historische Anlage(1934), die auf einer begrünten Insel in östlicher Nachbarschaft zum Schrevenpark liegt. Das Gebäude bedarf Innen wie Außen der Renovierung. Die bestehenden Grünanlagen leiden unter den ringsumlaufenden Straßen mit heftiger Parkierung.

    Wir wollen das Umfeld und die Freiräume klären im Sinne des Freiraumkonzeptes der Stadt Kiel. Wir sanieren das Gebäude und belassen es in seinem äußeren Erscheinungsbild vollständig bestehen. Das bestehende Gebäude wird so in geklärtem und überarbeitetem Umfeld zu einer neuen, kräftigen und identitätsbildenden Gestalt weiterentwickelt.

    Das begrünte Umfeld des dreieckförmigen Grundstücks findet Anschluss an den Schrevenpark. Die Freifläche des Hallenbads orientiert sich zu dieser neu gewonnenen Aussichtsseite. Die vorgelagerten Parkplätze (49) sind in einer Erdmulde eingesenkt und beeinträchtigen so nicht die landschaftliche Verbindung. Die Goethestraße im Norden und Westen des Grundstücks wird rückgebaut und dient ausschließlich Anlieferung, Parkplatz und Notfallerschließung. Der Eingang verbleibt auf der Ostseite zum überarbeiteten Lessingplatz hin. 12 Kurzzeitparkplätze ergänzen das Angebot. Die Mitarbeiter haben direkten Zugang von den westlichen Parkplätzen ins Gebäude.

    Der Bestand des Gebäudes bleibt in seinem äußeren Erscheinungsbild vollständig erhalten. Die funktionale und organisatorische Optimierung erfolgt ausschließlich im Inneren. Die beiden Innenhöfe des Bestandes werden zur Nutzung aktiviert. Im Bestand befinden sich alle Badeeinrichtungen auf der Ebene +1. Dies hat ein unattraktives Erdgeschoss mit einer unattraktiven Erschließung sowie kaum nutzbaren Innenhöfen zur Folge.
    Unser Konzept korrigiert dies.
    Alle Badeeinrichtungen befinden sich nun auf der Ebene +/- 0 einschl. der individuellen Umkleidebereiche. Die Absenkung respektiert die Geometrie und Baukonstruktion des Bestandes. Die Wände des Bestandes zu den ehemaligen Innenhöfen hin werden perforiert und so mit hoher Aufenthaltsqualität entwickelt.
    Die Sauna im Südflügel des Gebäudes wird ebenfalls über den Haupteingang erschlossen und nutzt im Wesentlichen die
    Ebene +1 einschl. eines auf diese Ebene +1 angehobenen Innenhofs. Die Sauna ist separat oder in organisatorischem Verbund mit dem Schwimmbad nutzbar.

    Die beiden Höfe bleiben weiterhin in ihrer Charakteristik erhalten: Der nördliche Innenhof beherbergt das kleinere Sport- und Freizeitbecken. Es wird transparent und filigran überglast. Die gewählte Materialität schafft eine Stimmung wie in einem Wintergarten und schafft so eine weitere atmosphärische Facette für das neue Bad. Der südliche Innenhof ist, wie beschrieben, auf die Ebene +1 angehoben und beherbergt den Saunafreibereich. Er ist wohltuend introvertiert, blickgeschützt und mit einer einfachen Maßnahme (Raffjalousien) bei Bedarf sonnengeschützt.

    Das Funktionsgefüge ist optimal: Die Gesamtanlage ist nicht zuletzt durch die Aktivierung der Höfe außergewöhnlich kompakt. Die Zugangssituation ist offen und freundlich und gestattet bereits am Eingang einen Blick in das Schwimmbecken in der traditionellen Badehalle.
    Die Restauration mit der Bewirtung des Foyers, der Badehalle und der Sauna wird von einer zentralen Küche versorgt. Dies lässt eine qualitätvolle, aber auch kostengünstige Betreibung erwarten.
    Alle Badeeinrichtungen befinden sich auf einer Ebene und sind damit selbstverständich behindertengerecht.
    Die Personal- und Verwaltungsräume auf der Westseite sind separat zugänglich, aber auch mit den Funktionen des Bades vernetzt.
    Die Technikbereiche im UG sind über die Parkplatzabsenkung direkt anfahrbar.

    Die Absenkung des Schwimmbeckens erfolgt unter Berücksichtigung der bestehenden Fundationen des Gebäudes. Spundwände schaffen die notwendige Baugrube. Das Grundwasser befindet sich 5m unter dem bestehenden Gelände und wird so nicht von der Tiefengründung tangiert. Die Maßnahme ist daher ökonomisch durchführbar.

    Die Verglasung des nördlichen Hofs ist max. transparent:
    Fischbauchartig geformte Glasträger mit Stahlseilunterspannung schaffen einen kühnen und zeitgemäßen Eindruck. Die so entstehende Überhöhung der Glasfläche führt das Regenwasser in die umlaufenden Entwässerungsrinnen ab.
    Ein innenliegender Sonnenschutz ergänzt die Dachstruktur.

    Das haustechnische Konzept und die Badewassertechnik nutzen die vorhandene Baulichkeit und ergänzen diese leistungsfähig und wirtschaftlich.

    Beurteilung durch das Preisgericht

    Der Erhalt des historischen Lessingbads in seiner jetzigen Form mitsamt seinen vorgeschlagenen Freiflächen wird begrüßt. Die parkseitige Anbindung an den städtischen Grünraum wirkt zunächst sympathisch, gleichwohl ist die tiefer liegende Stellplatzfläche mit zwei Rampen und einer mittigen Deckelung kritisch zu sehen. Die Lessingplatzgliederung mit Kurzparkplätzen am Besuchereingang wird im Wesentlichen beibehalten.

    Die Erhaltung der Grundkonzeption mit Eingangs- sowie Schwimmbadanlage des Hauptbeckens im Mittelschiff und die Anordnung und Gliederung der Umkleiden und Sauna wird begrüßt, auch die Gastronomie zwischen Eingangshalle und Badebereich ist vorstellbar. Zu bemängeln ist hier jedoch die relative Introvertiertheit mit ihren schwachen Tageslichtverhältnissen. Der Verwaltungsbereich ist über umständliche Wege schwer erreichbar. Der Saunagarten im südlichen Innenhof ist überzeugend.

    Überaus kritisch wird die Absenkung der Badelandschaft auf Erdgeschoßebene aus wirtschaftlichen Gesichtspunkten angesehen. Der ebenfalls tiefer gelegte Technikbereich ist zu klein und wird so nicht funktionieren.

    Die innerräumliche Qualitätssteigerung ist jedoch unabdingbar mit dem Entwurfsschritt zur Abgrabung und Unterfangung des Bestandes verbunden.

    Die Tieferlegung der Haupterlebnisebene in seiner ursprünglichen Situation schafft Volumen und sichert die Erhaltung des äußeren Erscheinungsbildes.