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  • DE-69115 Heidelberg
  • 05/2009
  • Ergebnis
  • (ID 2-15143)

Heidelberg Campus II "Zollhofgarten"


  • Ankauf


    Architekten
    florian krieger architektur und städtebau gmbh, Darmstadt (DE) Büroprofil

    In Zusammenarbeit mit:
    Landschaftsarchitekten: club L94, Köln (DE)

    Erläuterungstext
    Wissensquartier am Zollhofgarten
    Als Herzstück der Bahnstadt wird das Wissensquartier am Zollhofgarten
    in die Rahmenstrukturen des Masterplanes eingebunden, entwickelt dabei aber eine eigenständige und unverwechselbare, gleichermaßen von Gebäude- und Grünstrukturen geprägte Identität. Die Planung integriert gewachsene stadträumliche Strukturen in eine stark vernetzte und vielfältige Gesamtstruktur, die sich schrittweise entwickeln lässt.

    Quartierseingang, Forum und Wegegabel
    Im nördlichen Eingangsbereich des neuen Quartiers werden historisch gewachsene Wegeverbindungen und Strukturen aufgenommen, um eine direkte stadträumliche Verknüpfung zwischen Bahnhof und Zollhofgarten zu schaffen. Das betreffende Baufeld am Cernyring wird neu definiert und baustrukturell zu einem prägnanten Ensemble verbunden. Hier markiert der „Science Tower“, der aus der Basisstruktur heraus entwickelt wird den Eingang ins Wissensquartier.
    Der im historischen Stadtgrundriss vorgefundene Wegebezug zwischen Bahnhof und Zollhofgarten, der quer über das neue Baufeld verläuft, bleibt als Stadtraum für Fußgänger erhalten. Er ermöglicht die Entwicklung einer Platzfolge vom südlichen Bahnhofsvorplatz über das zentrale „Forum“ bis zum Zollhofgarten.
    Das „Forum“ übernimmt als zentraler städtischer Platzraum eine Mittlerrolle zwischen Bahnhof und Wissensquartier sowie zwischen westlichem und östlichen Wissensquartier (Technologiepark): Die von einer kompakten Plaza im Technologiepark ausgehenden Wegeverbindungen werden mit den vom Bahnhof kommenden Wegen zusammengeführt und in den Zollhofgarten weitergeleitet es entsteht die für das Wissensquartier charakteristische Wegegabel.

    Vernetzung
    Die Wegegabel ist Kernstück der stadträumlichen Vernetzung zwischen östlichem und westlichem Wissensquartier. Sie wird ergänzt durch eine südliche Wegeachse die ebenfalls eine direkte und flüssige Verbindung darstellt. In Nord Süd-Richtung werden die Achsen des Rahmenplanes die direkte Bezüge zwischen Bahnhof und Promenade am Pfaffengrund herstellen ergänzt durch weitere Wegeachsen, die den Bezug aus dem Wissensquartier zur Landschaft im Süden stärken.

    Kommunikationsplattform
    Der Gebäudebestand „Halle 02/03“ wird einer neuen Nutzung als urbane „Plattform“ zugeführt und damit in ein bauliches Pendant zum öffentlichen Raum des „Forums“ transformiert. In den ehemaligen Lagerhallen finden nun Symposien, Ausstellungen und Seminare statt, bereichert durch ein vielfältiges gastronomisches Angebot. Die Geschichte des Ortes als Bahnareal bleibt durch den Gebäudebestand spürbar und trägt zur Identität und besonderen Atmosphäre im Quartier bei. Es entsteht eine urbane Kontaktfläche zwischen Wissenschaft und städtischer Öffentlichkeit, von der beide profitieren: Wissenschaft und Forschung erhalten einen Kommunikationsraum, der mit einem positiven Image besetzt ist, die Stadt sichert öffentliches Leben im Herzstück der Bahnstadt.
    Um zum Zollhofgarten eine angemessen starke Raumkante aufzubauen wird die Halle 02/03 durch eine kammartigen Gebäudestruktur überkragt. Diese Form der „schwebenden“ Überbauung, die sich aus einer offenen Hofstruktur heraus entwickelt, stärkt mit ihrer kraftvollen Gestik den Bezug zwischen den Forschungseinrichtungen auf Baufeld Z2 und dem Zollhofgarten

    Gärten der Wissenschaft / Offene Blockstruktur
    Prägend für das neue Wissensquartier ist eine offene Blockstruktur vergleichsweise hoher Dichte. Begrünte, Innenhöfe sog. Gärten der Wissenschaft schaffen ein besonderes Arbeitsumfeld. Vielfältige Pflanzkonzepte stellen hierbei einen exemplarischen Bezug zu Forschung und Wissenschaft im Bereich Life-Science her. Die Gärten sind über Öffnungen in der Blockstruktur bzw. großflächig verglaste Zwischenzonen und Atrien vom Stadtraum einsehbar und tragen somit zur Atmosphäre auch im öffentlichen Raum bei.
    Unterschiedliche Raumtiefen der bis zu 5 Geschosse hohen Blockstrukturen ermöglichen sowohl unterschiedliche Bürokonzepte als auch Labornutzungen.
    Die offene Blockstruktur prägt das Wissensquartier bis in den östlichen Bereich (Technologiepark) hinein. Sie generiert damit eine gemeinsame strukturelle Basis und integriert den dortigen Gebäudebestand. In einem langfristigen Entwicklungsschritt ersetzt sie auch derzeit noch in Nutzung befindliche Bestandsgebäude geringer Höhe, Dichte und Wertigkeit.

    Atrien, Energiegärten und Orangerien
    Herausragendes Merkmal der Blockstruktur sind zum einen Atrien, die zwischen zwei Gebäudeflanken liegen und zum anderen verglaste Bereiche zwischen Innenhof und Gebäude die sog. Energiegärten und Orangerien. Diese gebäudehohen Zwischenzonen dienen als Empfangs-, Foyer- und Pausenbereiche, sie können auch als Cafeterien oder auch Ausstellungsbereiche genutzt werden. In den Obergeschossen bieten in die Lufträume hineinragende Boxen Raum für „informelle“ Kommunikationsbereiche und Arbeitsplatzsituationen. Im Zusammenspiel mit frei geführten Kaskadentreppen bieten sie ein besonderes Raumerlebnis. Dank der großen Raumhöhe können sich die Zwischenzonen im Winter auch in Palmenhäuser und Orangerien für exotische Pflanzen verwandeln. Im Sommer bereichern diese mobilen Grünstrukturen die Vielfalt der Innenhöfe. Die sich über die Jahreszeiten verändernden innen- und aussenliegenden Grünräume tragen zur besonderen Charakteristik des Wissensstandortes bei.


    Energiekonzept
    Im Rahmen eines auf die Nutzung regenerativer Energien abzielenden ambitionierten Energiekonzeptes erfüllen die o.g. Zwischenzonen verschiedene Funktionen: Sie fungieren als klimatische Pufferzonen in denen Sonneneinstrahlung Speichermassen der umliegenden Gebäudeteile aufheizt und zeitversetzt and den Raum abgibt bzw. die Frischluft für die umliegenden Nutzungsbereiche vorgewärmt wird (Winterfall). Im Sommer kann dank der großen Raumhöhe aufgewärmte Luft über den Auftrieb direkt über großflächige Fassadenöffnungen abgeführt werden. Textile Verschattungselemente und adiabate Kühlung durch Wasserflächen sorgen zusätzlich für angenehmes Raumklima.
    Die Energiegärten und Atrien stellen die räumlichen Kernelemente des Energiekonzeptes dar.
    Ergänzende Maßnahmen wie z.B. Bauteilaktivierung bzw. Nutzung separater Speichermedien unter dem Gebäude, Einsatz von „Phase-Changing Materials“ (PCM) bei der Fasssadengestaltung, Photovoltaikelemente auf Dächern und Fassaden und die Nutzung von Geothermie können die Energiebilanz weiter verbessern und einen weitgehend autarken Gebäudebetrieb ermöglichen. Das Wissensquartier wird damit seinem Anspruch an eine Vorreiterrolle hinsichtlich des Themenkomplexes Nachhaltigkeit gerecht.

    Freiraumkonzept Wissensquartier und Zollhofgarten
    Dem Freiraumkonzept für die städtebauliche Erweiterung Bahnstadt Campus II liegt die vorhandene Rahmenplanung und das Konzept „Der öffentliche Raum in der Bahnstadt“ von Latz + Partner zu Grunde. Die Hierarchisierung der verschiedenen Erschließungsstränge im Sinne einer ablesbaren Freiraumstruktur ist Ziel der Planung. Dabei ist die Vernetzung der innerstädtischen Quartiere um den Bahnhof mit dem offenen Landschaftsraum im Süden von besonderer Bedeutung. Als baumüberstellte Straßen sind diese wichtigen Achsen im Quartier lesbar und bilden mit den übergeordneten Grünstrukturen des Langen Angers und der Promenade am Pfaffengrund ein qualitatives Netzwerk von Alleen und Promenaden.
    Neben den linearen Strukturen der Alleen spielen die Parks und Plätze im Quartier eine besondere Rolle. Sie werden in Zukunft der Nährboden für urbanes Leben, für Treffen und Kennenlernen, für neue Entwicklungen und für das Zusammenführen gewachsener Strukturen sein. Die Plätze dienen als Trittsteine in der baulichen Dichte der neuen Stadtstruktur. Sie werden durch die angrenzenden Nutzungen belebt. Hier mischen sich arbeitende Menschen mit den hier wohnenden und bilden den Spiegel einer durchmischten und lebhaften städtischen Gesellschaft. In der Gestaltung der öffentlichen Räume wird die Geschichte des Ortes ablesbar sein indem sich eine zeitgemäße Gestaltung mit den historischen Strukturen auseinandersetzt, daraus in subtiler Weise Materialitäten ableitet und diese in die Gestaltungskonzepte integriert.
    Im Fokus der landschaftsarchitektonischen Betrachtung liegt der Zollhofgarten. Ein zentraler Freiraum, der für das gesamte Quartier eine übergeordnete Bedeutung hat. Seine Nachbarschaften werden sowohl in ihren architektonischen Ausprägungen, als auch in Ihren Nutzungen sehr unterschiedlich sein. Dem zu Folge wird der Zollhofgarten die unterschiedlichsten Freiraum Bedürfnisse befriedigen müssen. Während im Norden mit der ungenutzten, ehemaligen Bahnhalle und den Bürobauten eine städtische und eher kulturelle Nachbarschaft an den Park anschließt, wird die Wohnbebauung im Süden ihre eigenen spezifischen Bedürfnisse artikulieren.
    Vor diesem Hintergrund wird für die Gestaltung des Parks ein einheitlicher Baumrahmen gewählt. Dieser soll als raumwirkendes Element die Fluchten der angrenzenden Baufelder weiter führen und der Vielfalt der architektonischen Nachbarschaften ein ruhiges und durchgehendes Gestaltungsthema entgegen setzen. Der Rahmen ist gleichzeitig als Schattendach für die darunterliegenden Spiel- und Aufenthaltsbereiche gedacht. Vor allem im Süden, der Wohnbebauung zugeordnet, werden Spiel und Erlebnisräume in den Rahmen integriert.
    Im Zentrum des Zollhofgartens wird eine große Wiese für verschiedene Aktivitäten zur Verfügung stehen. Durch den Baumrahmen ist man hier geschützt vor den direkten Blickbeziehungen aus den angrenzenden Wohnungen und Büros.
    Die wichtigen Zugänge zum Zollhofgarten im Norden vom Bahnhof aus kommend und im Süd-Westen aus Richtung Gadamer Platz werden über offene, platzartige Situationen generiert, die ein großzügiges eintreten in das Zollhofgartenumfeld ermöglichen.

    Beurteilung durch das Preisgericht
    Liegt nicht vor.