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  • DE-49191 Belm
  • 02/2009
  • Ergebnis
  • (ID 2-15612)

Marktring Belm


  • Anerkennung

    Lageplan

    Architekten
    pbr Planungsbüro Rohling AG, Osnabrück (DE), Jena (DE), Berlin (DE), Frankfurt am Main (DE), Braunschweig (DE), Hamburg (DE), Karlsruhe (DE), Magdeburg (DE), Düsseldorf (DE), München (DE), Stuttgart (DE) Büroprofil

    Mitarbeit
    Heinz Eustrup

    In Zusammenarbeit mit:
    Landschaftsarchitekten: Kuttner und Kahl Landschaftsarchitekten, Hamburg (DE)
    Visualisierer: 4 [e] motions, Braunschweig (DE)
    Modellbauer: Architektur Modellbau Gestaltung Mark Blume, Braunschweig (DE)

    Erläuterungstext
    Realisierungswettbewerb
    Städtebauliche Neugestaltung Marktring Belm
    Erläuterungsbericht

    Allgemein
    Der Grundriss der Innenstadt Belm hat eine unverkennbare Form, die sich in einer klassischen Gliede-rung von Ringen und Inseln zeigt: Die Innenstadt als Marktringviertel wird umgeben vom Ickerbach und dem Freizeitpark Ententeich; diese stellen eine Verbindung zur offenen Landschaft her. Der Stadtkern als Stadtinsel wird von dem Straßenring Ringstraße, Goerdelerstraße und Im Winkel begrenzt. Innerhalb des Stadtkerns bildet der Marktring eine Marktinsel aus, mit platzartigen Ringsystemen um ein Quartier. Verkehrsberuhigte Straßenräume verbinden es mit dem Straßenring und führen auf den Marktplatz.
    Diese markanten Merkmale des öffentlichen Raumes wurden als Leitbild im Entwurf gestalterisch aufgenommen und in ihren wesentlichen Grundzügen herausgearbeitet.

    Entwurfsgrundsätze
    Da die Innenstadt von Belm bereits über ein für die künftigen zentralörtlichen und sozialen Aufgaben leistungsfähiges räumlich-funktionales Grundgerüst verfügt, erfordern die anstehenden Neuord-nungsmaßnahmen keine gravierenden Umstrukturierungen. Sie können sich im Wesentlichen auf wenige städtebauliche Eingriffe und Ergänzungen beschränken, mit dem Ziel einer funktionalen Auf-wertung, einer orientierungswirksamen Vernetzung und nicht zuletzt eines besseren Erscheinungsbildes.

    Städtebau
    Wesentliches Mittel zur Schaffung einer eigenen Identität ist das Ablesbarmachen des Zentrums. Dieses geschieht durch eine behutsame Verdichtung des Baubestandes und die Schaffung von ein-deutigen Raumkanten:
    Die vom Marktring umschlossenen Flächen werden zu einem zweigeschossigen Marktring-Carree ausgebildet, durch Aufstockung von eingeschossigen Bereichen, Vorziehen von Gebäudefronten und Lückenschließung.
    Freie Parzellen werden bebaut, so südlich Marktring 9 und zwischen Marktring 17 und 13. Der Flachbau Marktring 11 wird rückgebaut und anschließend durch eine zweigeschossige straßenbegleitende Eckbebauung ersetzt.
    Die offene Ecke zwischen Sparkasse und der Bebauung am Ickerbach wird geschlossen.

    Auf diese Weise werden die vorhandenen Strukturen klar herausgearbeitet. Der räumlich gefasste Marktplatz erhält mit dem frei als Solitär eingestellten Kulturcafé einen sowohl baulichen als auch funk-tionalen Akzent, der die Bedeutung dieses öffentlichen Raumes steigert.
    Das bereits vorhandene Motiv der Vordächer wird entlang des Marktringes konsequent weitergeführt. Sie sorgen für ein attraktives Einkaufserlebnis auch bei schlechtem Wetter und stellen gleichzeitig eine am Menschen orientierte Maßstäblichkeit für das ganze Gebiet her.

    Nach außen hin wird die Ablesbarkeit des Zentrums durch eine Stadtmauer bestehend aus ca. 1,20m hohen Mauerscheiben (Gabbionen) und einem raumbildenden Baumgerüst von aufgeasteten Säulen-hainbuchen herausgearbeitet.

    Die Ringstr. wird mit einem üppigen Fußweg an der Südseite ausgestattet. Ein breiter markierter Überweg stellt die Verbindung nach Norden zum Edeka-Markt dar und sorgt für eine Verlangsamung des Autoverkehrs.

    Die Waterloostr. als Anbindung an die übergeordnete Bremer Str. wird als Allee mit großkronigen Platanen ausgebildet. Im Bereich des Regenrückhaltebeckens weitet sich die Allee auf und gibt den Blick auf das Stadtzentrum frei. Zusätzlich wird dadurch der Grünraum des Ickerbachs erweitert und die Konturen zwischen dem Stadtzentrum und der Umgebung geschärft. Eine Fontäne in der Wasserfläche als Auftakt heißt die Stadtbesucher willkommen.

    Funktion
    Mit der baulichen Verdichtung des Stadtzentrums geht auch eine Intensivierung der Nutzungen einher. In den neuen erdgeschossigen Bereichen werden fehlende Einzelhandelsflächen oder Gastronomie angeboten, während in den Obergeschossen Wohnungen bzw. Dienstleistungen entstehen. In dem Neubau neben dem Rathaus ist als öffentliche kulturelle Nutzung die gewünschte Bibliothek und Volkshochschule vorgesehen. Hier sind Synergieeffekte aufgrund langfristig möglicherweise freiwer-dender Flächen der öffentlichen Verwaltung oder der Mitnutzung des Ratssaales für Veranstaltungen möglich.

    Fassaden
    Im Rahmen von anstehenden energetischen Sanierungen der Altbauten ist ein durchgängiges ver-bindliches Gestaltungskonzept wünschenswert.
    Die Fassaden sollten dabei nach entsprechender Wärmedämmung durch die Bekleidung mit groß-formatigen horizontal gegliederten Fassadentafeln (HPL-Platten, Faserzement) in einem Farbspektrum von Rot-orange- und Grautönen ein einheitliches Erscheinungsbild erhalten.

    Öffentliche Freiräume
    Leitbild für die Neugestaltung der zentralen Straßen- und Platzräume ist ein Stadtboden, dessen Glie-derung die städtebaulichen und räumlichen Ordnungsprinzipien aufnimmt. Dabei sind Straßen und Gassen lineare Funktionsräume, der Marktplatz funktionaler und stimmungsvoller Aufenthaltsbereich.
    In seiner Materialität soll der Stadtboden langwertige Qualität und Dauerhaftigkeit und Eignung für unterschiedliche Aktivitäten und Nutzungszustände erhalten. Mit einer sich zurücknehmenden Gliede-rung und Gestaltung ist er komplementär zu den bunten vielschichtigen Funktionen und Architekturen der Gebäude.

    Der Marktplatz erhält im ruhigen Belag ein eingeschnittenes Tablett aus einer den Platzraum fassenden Baumarkade. Unter dem schattigen, filigranen Baumdach der schmalblättrigen Esche (Fraxinus oxycarpa) bietet sich dem Besucher eine Verweilqualität von ganz besonderer Atmosphäre mit einem freien Blick auf die Platzmitte. Der Grandbelag in diesem Bereich ermöglicht die Nutzung als Boule- oder Kleinkindspielfläche. Bankreihen stehen sich gegenüber, ein Trinkbrunnen lädt zur Erfrischung ein.

    Die freie Mitte des Marktplatzes wird zur Bühne der Nutzer. Im Kulturcafé am nördlichen Platzrand lässt sich das Geschehen bei einem Getränk trefflich beobachten. Das Kulturcafé bietet darüber hinaus eine Plattform für Veranstaltungen und Begegnungen aller Art.

    Technische Ausstattung und Einrichtungen
    Der Marktplatz wird für die Marktnutzung mit Unterflurelektranten und mit Trinkwasser versorgt und an das Schmutzwassernetz angeschlossen. Für das Aufstellen der Marktschirme sind Bodenhülsen vorgesehen. Ebenso gibt es eine Bodenhülse mit Stromanschluss für den Weihnachtsbaum.
    Die Entwässerung erfolgt über zweireihige Gossen. Straßen und Plätze erhalten in der Regel eine mittige Gossenentwässerung. Im Café-Pavillon sind die Energieschränke und öffentliche Toiletten unter-gebracht.
    Einheitliche Marktschirme geben dem Marktgeschehen ein Dach und eine gute Außenwirkung.

    Beleuchtungskonzept
    Das Beleuchtungskonzept sieht eine lineare Beleuchtung der Straßen vor, die von der Ringstraße zum Marktplatz führen.
    Die Quartiere der Marktinseln erhalten unter den schützenden Vordächern einen Lichtkranz, der die Erdgeschosszonen in diffuses Licht taucht.

    Stellplatzkonzept
    PKW-Stellplätze werden kostengünstig und einer Kleinstadt angemessen ebenerdig untergebracht. Der Innenbereich wird, abgesehen von einigen Kurzzeitparkplätzen gegenüber dem Rathaus, von ruhendem Verkehr freigehalten. Stellplätze werden wie bisher auf der Freifläche südlich der Ringstr. und als Ring unter dem Baumkranz an der Goerdelerstr./ Im Winkel untergebracht. Alternativ ist der Einbau einer Tiefgarage unter dem Marktplatz mit Zufahrt von Im Winkel möglich.

    Stadtmarketing
    Ideen und Anregungen für Maßnahmen durch Gewerbetreibende der Stadt, aktive Bürger Belms und der Stadtverwaltung, lassen sich im Rahmen von public-privat-partnership realisieren: von zusätzlichen Märkten auf dem Marktplatz, wie einem Blumenmarkt im Frühjahr, einem Herbst- und Töpfermarkt, Heimatfesten mit Umzügen oder einen Tag des Belmer Handwerks, bis hin zum Weihnachtsmarkt auf dem Marktplatz, bei dem mit relativ geringen Mitteln eine Eislauffläche als Attraktion in der Stadt errichtet werden kann.
    Alle Maßnahmen tragen dazu bei, dass der öffentliche Raum der Innenstadt weitere Belebung erfährt und dass Belm für Tagesbesucher und Touristen ein beliebtes Ziel wird.

    Beurteilung durch das Preisgericht
    Liegt nicht vor.