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  • DE Rottweil
  • 02/2005
  • Ergebnis
  • (ID 2-1525)

Spitalhöhe / Krummer Weg


  • Ankauf

    Stadtgrundriss

    Landschafts- / Umweltplaner
    faktorgruen, Freiburg im Breisgau (DE), Rottweil (DE), Heidelberg (DE), Stuttgart (DE) Büroprofil

    In Zusammenarbeit mit:
    Architekten: rosenstiel architekten, Freiburg im Breisgau (DE)

    Erläuterungstext
    Städtebauliches Gesamtkonzept

    Mit der Aufsiedelung des Gebietes „Spitalhöhe / Krummer Weg“ wird der Siedlungskörper der Stadt Rottweil nach Südwesten und Süden arrondiert. Die südorientierte Hanglage und die schöne Aussichtssituation in die umgebende Landschaft sind gute Voraussetzung für ein höchst attraktives neues Baugebiet. Das Charlottenwäldle mit dem markanten Wasserturm im Norden der Spitalhöhe und das Sport- und Freizeitgelände mit Aquasol und Freibad im Westen, sind Naherholungs- bzw. Freizeitangebote in unmittelbarer Nähe des neuen Baugebietes.

    Es ist Aufgabe der Planung, sich in die geschilderten Vorgaben und in die Atmosphäre des Ortes einzufühlen. Mit einer neuen eigenständigen städtebaulichen Struktur wird den vorhandenen unterschiedlichen Neubaugebieten, die satellitenartig den historischen Stadtkern von Rottweil umgeben, ein weiteres neues Baufeld angefügt, das die unmittelbar angrenzende beliebig anmutende Bebauung durch neue städtebaulich – freiräumliche Qualitäten aufwertet.
    Ein grünes Band zwischen Charlottenwäldle und Sportgelände unterbricht den flächigen Siedlungskörper und entwickelt neue Fuß- und Radwegverbindungen zu Naherholungs- und Infrastruktureinrichtungen.
    Es ist Ziel der Planung, den neuen Siedlungskörper durch Grünstrukturen in einzelne, überschaubare Wohnbereiche zu gliedern und die Grünräume bis in die Tiefe des Stadtgrundrisses hinein schwingen zu lassen. Die städtebauliche Struktur der Wohngebiete wird aus dem dialektischen Spiel von Geschlossenheit und Öffnung zur Umgebung als Grundgedanke der Planung entwickelt. Mit einer klaren räumlichen Fassung werden die einzelnen Baugebiete zu den Grünräumen hin begrenzt.
    Das Erschließungssystem entwickelt sich aus den vorhandenen Straßen, Plettenbergstraße und Bruggerstraße, entlang der Höhenlinien. Die einzelnen Wohnwege wurden auf den Falllinien konzipiert, (Gefälle ca.5-7%), damit sich die Bebauung, durch die Hanglage bedingt, entlang der Wohnwege hoch staffelt und damit eine optimale Südorientierung und Aussichtssituation erreicht wird. Entlang der Erschließungsstraßen und Wege werden die Gebäude bewusst auf eine Bauflucht gesetzt, während sie zum inneren Grünbereich, in dem auch die Verrieselungsflächen liegen, frei enden, je nach Bauform und Grundstücksgröße.

    Wohnen in der Landschaft

    Östlich eines Grünzuges, entlang der neuen Wohnstraße, entwickelt sich das Wohngebiet „Spitalhöhe“. Es gliedert sich in einen größeren und in einen kleineren Wohnbereich. Das größere Wohngebiet hat drei Baustreifen, das kleinere zwei Baustreifen. Die höchste Dichte der Bebauung formt den Straßenraum der verlängerten Bruggerstraße mit Geschosswohnungsbau. Zur Landschaft nach Süden lockert sich die Baudicht schrittweise auf.


    Das Wohngebiet „Krummer Weg“ schließt den Siedlungsrand nach Süden ab. Es wird von der Imster Straße erschlossen. Ein schmaler Grünzug im steilsten Bereich des Geländes gliedert das lange Siedlungsband an der außenliegenden Erschließungsstraße und schafft Verbindungen zum Wohngebiet und zur umgebenden Landschaft.
    Jedes Quartier der beiden Baugebiete hat andere Proportionen und unterschiedliche Nachbarschaften (öffentlicher Platz, Grünzug, Geschoss-wohnungsbau oder freie Landschaft).
    Der Grundstückszuschnitt ermöglicht eine flexible städtebauliche Struktur vom Einfamilienhaus über Doppelhäuser, Kettenhausbebauung, Gartenhofhäuser, Reihenhäuser, Atelierhäuser mit Baugruppen und Wohngruppen für Jung und Alt.

    Grün- und Freiflächen

    Landschaftsbezug, Südorientierung und Aussichtssituation sind die Ressourcen der Baugebiete „Spitalhöhe / Krummer Weg“. Mit einem hohen Anteil an öffentlichen Grün- und Freiflächen, als Landschaftskeile, die tief in die Bebauung hineinreichen, werden diese Qualitäten langfristig gesichert.
    Im privaten Bereich sind zwischen den Bebauungen Grünflächen vorgesehen, über die die Regenwasserversickerung mit Überlauf zum Klosterbach geplant ist. Die Verrieselungsflächen sollen später über Baulasten gesichert werden, um Funktion und Pflege sicherzustellen.
    Es wird vorgeschlagen, durch die Grünflächen und das große dreistreifige Baugebiet an der Spitalhöhe, verkehrsfreie Spazier- und Radwege zu führen. Die neue Grünfläche soll möglichst naturnah zurückhaltend durch Bäume, Wiesen und Wege spielerisch gestaltet werden. In den Grünflächen können alle erforderlichen Spiel- und Freizeiteinrichtungen, die im Baugebiet benötigt werden, untergebracht werden. Gleichzeitig sind ausreichend Flächen für die breitflächige Versickerung des Regenwassers der Straßenflächen und sofern erforderlich der Baugrundstücke vorhanden. Teilweise kann der vorhandene Baumbestand in den beiden Gartengrundstücken erhalten werden. In den Landschaftskeilen sind am Rand zur räumlichen Fassung Baumpflanzungen ausgewiesen, die Hauptaussichtsrichtung bleibt frei. Die gebogenen Erschließungsstraßen und Wege entlang der Höhenlinien sollen im Unterschied zu den Geraden in den Falllinien verlaufenden Straßen und Wege, die am Ende immer ein unterschiedliches Landschaftsfenster zeigen, mit unterschiedlichen Baumarten bepflanzt werden.
    Die langen Wohnwege haben ein mittiges, ca. vier Meter breites asphaltiertes Band, die beidseitigen zwei Meter breiten Randstreifen (teilweise mit Längsparkern) werden gepflastert vorgeschlagen.
    Wohnstraßen mit Busverkehr (ÖPNV) sind 5,50m breit mit beidseitiger Parkierung und Gehwegen als Tempo 30-Straßen. Im Bereich der Grünzüge ist eine Verschmälerung der Fahrbahn zur Tempo-Reduzierung möglich.
    Die Gestaltung der Freiräume und der Straßenräume soll im Sinne der „bespielbaren Stadt“ erfolgen.


    Parkierung

    Parkierung im Wohngebiet ist grundsätzlich vor dem Haus als offener Stellplatz, Carport oder bewachsene Garage möglich. Im Geschosswohnungsbau und bei den Atelierhäusern sind die Stellplätze in Tiefgaragen vorgesehen. Die öffentlichen Stellplätze sind in den Wohnstraßen und Wohnwegen unter Bäumen als Längsparker konzipiert. Wegen der Grundstückszufahrten können sie nur abschnittsweise und teilweise alternierend ausgewiesen werden. Dies verhindert gleichzeitig die Massierung von Stellplätzen.

    Ökologie und Energiesparen

    Zur Sicherstellung einer nachhaltigen Ökologie und Energieversorgung sind im städtebaulichen Gesamtkonzept folgende Rahmenbedingungen vorgesehen:
    - Südausrichtung der Gebäude für optimale passive Solarnutzung (Fensteröffnungen nach Süden, Westen und Osten; Geschlossene Baukörper mit kleinem Fensteranteil nach Norden)
    - Hohe städtebauliche Dichte, bei den freistehenden Einfamilienhäusern wird ein verstärkter Wärmeschutz vorgeschlagen
    - Niedrigenergiebauweise als Mindeststandard, Passivhausqualität als Option
    - Modulare Nahwärmeversorgung mit Wärme-Kraft-Koppelung (Holz/Gas BHKW) pro Erschließungsabschnitt. Die Nahwärmeversorgung ermöglicht einen wirtschaftlichen Betrieb von traditionellen und regenerativen (Holz, Sonne) Energiesystemen.
    - Zusätzlich sind dezentrale Solarsysteme optional (verschattungsfrei) einsetzbar.
    - Verkehr: ÖPNV im Gebiet in maximal 300 Meter Entfernung, gute Radwegeverbindungen, Nähe von Wohnen und Arbeiten / Atelierwohnungen
    - Regenwasserkonzept: Nutzung (im Gebäude und Garten) + Rückhaltung (z.B. Gründach) + Versickerung + Notüberlauf in den Klosterbach. Die städtebaulich-freiraumplanerische Konzeption mit der in der Falllinie verlaufenden Gartenhöfen und Freiflächen ist optimal geeignet das Regenwasserkonzept umzusetzen.
    Für die Planung und Ausführung der einzelnen Gebäude wird eine kompakte Bauweise mit einfachen Gebäudeformen und hoher architektonischer Qualität empfohlen. Ein guter Wärmeschutz der Außenbauteile ist selbstverständlich. Dazu gehören ebenfalls Böden von Kellern und Dach. Bei Niedrigenergiebauweise und Passivhausstandard ist eine luft- und winddichte Ausführung bauphysikalisch zwingend. Bei Passivhaus und Ultraniedrigenergiehäusern ist eine kontrollierte Be- und Entlüftung anzustreben mit Wärmerückgewinnung. Ziel der Planung sind 15 bis 40 kWh/ (m²a).

    Beurteilung durch das Preisgericht

    Auszug Preisgerichtsbeurteilung:

    Das einfache städtebauliche Konzept wird wesentlich geprägt durch die Topografie und durch die vorhandenen Straßenfluchten aus dem östlich angrenzenden Baugebiet

    Ausgehend von der Haupterschließungsstrasse zwischen Kreisel und Imster Strasse entwickeln sich zwei große Baufelder nach Süden. Ein orientierungsfreundliches und einfaches Erschließungsraster gliedert diese Baufelder In gut proportionierte Nachbarschaften mit unterschiedlichen Haustypen.

    Ein sehr positives städtebauliches Element stellt die grüne, gut dimensionierte Fuge zwischen dem bestehenden Ort und der Neubebauung dar. Der so genannte Kunst-Stationenpark ist ein wichtiges Identifikationsmerkmal der neuen Siedlung.

    Die mittlere Grünzäsur zwischen den beiden Baufeldern ist angemessen dimensioniert und nimmt die vorhandene Wegeführung zum Charlottenwäldle auf. Weniger sorgfältig ist dagegen der Übergang im Süden zur freien Landschaft. Hier hätte man sich einen bewussteren Umgang mit dieser wichtigen Randsituation gewünscht.

    Die Stärke der Arbeit liegt in Ihrer Einfachheit. Allerdings hätte man sich in manchen Bereichen mehr Entschiedenheit gewünscht.