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  • 2. Preis Realisierungsteil


    Architekten
    KSP Jürgen Engel Architekten, Frankfurt am Main (DE), München (DE), Berlin (DE), Braunschweig (DE), Beijing (CN), Shenzhen (CN) Büroprofil

    In Zusammenarbeit mit:
    Landschaftsarchitekten: KuBuS Freiraumplanung GmbH & Co. KG, Wetzlar (DE), Berlin (DE)

    Erläuterungstext
    Der Neubau des Zentralgebäudes für die Hochschule für Technik und Wirtschaft bietet die einmalige Chance mit einem hochmodernen repräsentativen Gebäude die städtebauliche Lücke zu schließen. Die HTW erhält mit diesem identitätsstiftenden Gebäude eine Adresse an der Malstatter Straße und ist somit im Stadtraum präsent. Der vorliegende Entwurf verfolgt hierbei folgende übergeordneten Ziele:

    •Weitestgehende Fassung des Blockrandes
    •Aufnahme der Traufkanten der jeweils angrenzenden Gebäude
    •Ausbilden eines klaren, großzügigen Auftaktes für die Campus-Allee
    •Entwickelung eines energieeffizienten und nachhaltigen Konzeptes
    •Kompaktes Gebäude zur Reduktion der Bau- und Unterhaltungskosten sowie der effizienten Raumverteilung (kurze Wege)



    Städtebauliches Konzept

    Lage
    Repräsentativer Neubau an der Malstatter Brücke
    Durch die repräsentative Lage des neuen Zentralgebäudes als westlicher Beginn des Hochschulgeländes erhält die HTW eine starke Präsenz im Stadtraum mit eindeutiger Adressbildung. Das Gebäude das sowohl aus dem Stadtraum, als auch von der Autobahn wahrgenommen wird ermöglicht durch seine moderne, an den Ort angepasste Formensprache eine neue Identitätsstiftung für die Hochschule und das angrenzende Wohngebiet.
    Die Präsenz wird durch die Brücke, die sich aus dem Zentralgebäude entwickelt und sich vor dem „Haus der Gesundheit“ absetzt, untermalt.


    Baukörper
    Klare Abstaffelung der Gebäudehöhen
    Der Baukörper wurde mit Rücksicht auf die klaren Anforderungen des Raumprogramms und den umgebenden sowie direkt angrenzenden Baukörpern entwickelt, sodass sich der Neubau gut in die vorhandenen Baustrukturen und deren Körnungen eingliedert ohne dabei an Präsenz einzubüßen.
    Die Höhenentwicklung des Hauses bezieht sich auf die Traufhöhen des südlichen Wohnhauses sowie auf das östlich angrenzende Hochschulgebäude. Zusätzlich nimmt die Höhenstaffelung des Baukörpers die innere Erschließungsstruktur auf und formt mit seiner äußeren Gestalt die innere Dynamik der Bewegungslinien nach. Von der Zweigeschossigkeit im östlichen Bereich entwickelt sich das Volumen zu einer Dreigeschossigkeit zur repräsentativen Seite an der Malstatter Straße – gegenüber dem neuen Hochhaus der HTW. Der so entstehende Kopfbau mit repräsentativer Bibliotheksnutzung weist von der Autobahn weg, hin zum neuen Hauptzugang des Hochschulgeländes.

    Die beiden Brückenbauten schließen hierbei im jeweils höchsten Geschoss des Zentralgebäudes an und bilden mit ihm eine formale und inhaltliche Einheit.


    Erschließung
    Definition Wegeverbindungen
    Die Neuentwicklung des HTW-Areals bietet die Möglichkeit den Hochschulcampus mit der Stadt zu verbinden. Diese Verbindung wird auf dem Areal durch ein raumdefinierendes Leitband aufgegriffen und ins Innere des Campusgeländes geführt:
    Das neue Zentralgebäude bildet hierbei mit dem Gegenüber des Hochhauses den Auftakt. Über einen offen gestalteten, jedoch vom Lärm der Autobahn und der Malstatter Straße geschützten Platz mit Haupteingang in den Neubau und die Mensa wird der Fußgänger auf die gradlinige Campusallee geführt.
    Parallel zu dieser äußeren Erschließungsschiene verläuft eine innere Erschließungsschiene durch das 1. OG der Hochschulbauten. Das neue Zentralgebäude bildet die Verknüpfung beider Bewegungslinien und führt sie in seine inneren Funktionen sowie über das 2. OG und den Brückenbau zum Hochhaus der HTW.



    Gebäudekonzept

    Gebäudeform
    Signet HTW
    Die Gebäudeform spiegelt in ihrer dynamischen Form den Anspruch einer Hochschule der Technik und Wirtschaft wider. Durch seine Grundrissfigur fügt sich das Haus ein in die heterogene Struktur eines im Umbruch begriffenen Areals und ist gleichzeitig Motor und Mittelpunkt der Standortentwicklung.

    Bewegung als Parameter
    Durch die räumliche Staffelung der Kubatur vermittelt es zwischen der inneren großflächigen Nutzung und der feinen Körnung des südlichen Wohnbereichs und inszeniert die Verknüpfung der inneren und äußeren Bewegungslinie.
    Der Anschluss an das Bestandsgebäude 8 sowie an das ehem.“ Haus der Gesundheit“ und der sich daraus ergebende Geschossversatz definieren mit der Lage der Brücken und der logischen inneren Bewegungsführung die wesentlichen Parameter der Gebäudeform und verleihen ihr eine individuelle, dynamische Erscheinung.

    Struktur
    Die Struktur des Gebäudes sieht die großflächig repräsentativen Flächen im Süden vor, kleinere Arbeits- und Nebenräume liegen aus energetischen und statischen Gründen im Norden. Eine lang gestreckte Kernzone (Nord-Süd-ausgerichtet) mit flankierender Schachtzone und Foyerflächen verbindet die Nutzungen miteinander und führt die Bewegungslinie aus dem Bestandsgebäude 8 und lenkt sie um in den Brückenbau zum Hochhaus.
    Der Sportbereich befindet sich oberhalb der Mensa im 1. OG direkt am Anschluss zum Gebäude 8 und kann über eine einläufige Treppe, die auch als Fluchtreppe dient, direkt vom Campusplatz erschlossen werden. Eine Nutzungsmöglichkeit auch nach Schließung des Hochschulgebäudes ist somit gegeben.


    Foyers
    Flexibler und atmender Bereich
    Das dreigeschossige Eingangsfoyer orientiert sich zum neu geformten Campusplatz und ermöglicht eine schnelle visuelle Orientierung im Gebäude und vielfältige Blickverbindungen. Eingangsfoyer und Hörsaalfoyer liegen übereinander und erstrecken sich parallel zur Kernzone.

    Bibliothek
    Fundiertes Wissen auf zwei Ebenen
    Die Bibliothek erstreckt sich über die zwei oberen Geschosse des Kopfbaus an der Malstatter Strasse.
    Die interne Verbindungstreppe liegt über der Foyertreppe innerhalb der Kernzone. Arbeitsflächen befinden sich an den hellen westlichen und südlichen Fassadenseiten. Freies Arbeiten in Gruppenräumen sowie der Zeitschriftenlesesaal sind räumlich abgesetzt und verfügen über einen visuellen Bezug in den mehrgeschossigen Luftraum des Eingangsfoyers.

    Mensa
    Kompakte Organisation - Kurze Wege
    Die Mensa ist so konzipiert dass sich der Besucherstrom ungehindert bewegen kann. Der Hauptzugang aus dem Foyer führt zwangsläufig in den Essensaugabe- und Freeflowbereich. Über die Kassen wird der Besucher in den Speisesaal mit vollflächiger Verglasung zum Campusplatz mit Außenbestuhlung geführt. Cafeteria und Nebengastraum lassen sich zum Speisesaal erweitern; die Mensa wird von außen über einen Windfang und die Cafeteria erschlossen. Die Spülküche sitzt nahe an der Produktion sowie direkt am Backbereich der Cafeteria und ermöglicht eine kreuzungsarme Geschirrrückgabe.

    Fassade
    Geschlossenheit und Transparenz im Band
    Im Norden und Osten stellt sich das Gebäude aus energetischen, statischen sowie schalltechnischen Gründen überwiegend geschlossen und massiv dar; die repräsentativen West- und Südfassaden hingegen öffnen sich zur Straße, der Campusallee und dem neu geschaffenen Campusplatz.
    Die hier angeordneten Flächen verfügen über eine rein mechanische Belüftung; in Ausnahmefällen können opake Lüftungsboxen in der Fassade als Komfortlüftung herangezogen werden. In der Nordspange übernehmen sie die natürliche Belüftung und gewähren eine Reduktion der Schallimission.
    Die Fassade des Zentralgebäudes wird über Brüstungsbänder aus weißen Aluminiumpaneelen gegliedert, die je nach Inhalt und Lichtanforderung der dahinter liegenden Nutzungen in ihren Breiten variieren. Dadurch transferiert die Fassade den Bewegungsfluss im Gebäudeinneren nach außen und verbindet sich in ihrer horizontal-dynamischen Gestalt zu einer formalen Einheit mit den anschließenden Brückenbauten.



    Haustechnikkonzept

    Kompakte Hülle
    Energetisch optimiertes Gebäudevolumen
    Durch die kompakte Struktur erhält das Haus ein optimiertes A/V Verhältnis.
    Die großräumigen und repräsentativen Funktionen mit mechanischer Belüftung sind im südlichen Bereich zum den öffentlichen Außenraum hin orientiert und sind großzügig verglast. Im Sommer werden diese Glasflächen durch einen hochreflektierenden Sonnenschutz verschattet. Die kleineren Arbeits- und Nebenräume bilden einen ‚Rücken’ im Norden aus und verfügen zusätzlich über eine natürliche Belüftung – aus Gründen der Lärmimission als Lüftungsbox ausgeführt.

    Technikflächen sind über den Kernen und Nebenfunktionen im Dach eingelassen. So befinden sie sich nahe der Orte wo sie benötigt werden. Dies reduziert zum einen den Installationsaufwand und senkt zum anderen die Betriebskosten. Die Dachflächen werden teilweise mit einer Photovoltaikanlage versehen.

    GWA-Anlagen
    WC-Gruppe
    Die WC-Gruppen des Gebäudes werden mit Wasser und Abwasser versorgt. Bezüglich der Waschtische in den öffentlichen WC-Anlagen wird vorgeschlagen, diese ausschließlich mit Kaltwasser auszustatten.
    Küche
    Die Küche wird mit Wasser und Abwasser nach den Erfordernissen der Küchenausstattung versorgt. Für das fetthaltige Abwasser der Kochküche ist ein Fettabscheider ausreichender Größe erdüberdeckt im Grünstreifen, vorgesehen.
    Für die Warmwasserbereitung Küche ist ein zentraler WW-Bereiter mit Solarthermienutzung und Wärmerückgewinnung aus der Kleinkälte der Küche vorgesehen.

    Die Küche wird mit einer flachen Decke versehen, in die Extractoren mit einem überdurchschnittlich hohen Fettabscheidegrad eingebaut sind. Das Raumlufttechnik-System ist eine deckenebene, ganzflächige Lüftung mit Schwerpunkt-Absaugung und automatischer Reinigung zur Erfassung und Abscheidung verunreinigter Abluft. Aufgrund des hohen Abscheidegrades kann bei der RLT-Anlage eine Wärmerückgewinnung realisiert werden.

    WBR-Anlagen
    Beheizung
    Das Fernwärmenetz, das im Bereich des Bauvorhabens vorhanden ist, weist einen hervorragend Primärenergiefaktor auf. Deshalb ist vorgesehen, die Beheizung des Gebäudes über dieses Fernwärmenetz zu realisieren. Da das Gebäude eine äußerst energiesparende Gebäudehülle erhalten soll, ist ohnehin ein geringer Energiebedarf gegeben.
    Für die Grundlastdeckung des Gebäudes ist eine Betonkerntemperierung (BKT) vorgesehen, die auch zur Beheizung herangezogen werden soll. Ferner sind, in die Decken integriert, schnell reagierende Heizflächen in den Randzonen vorgesehen, die auf die wechselnden Anforderungen an die Spitzenlastabdeckung der Wärme, die sich aus Witterungseinflüssen oder Belegung ergeben, entsprechend schnell reagieren können und somit die Raumtemperaturregelung übernehmen.

    Lüftung
    Funktionsräume an der Nord- und Ostseite, erhalten, gemäß Vorgaben der EnEV 2009, eine Außenluftversorgung mittels natürlicher Lüftung, die über Fenster stattfinden kann. Die Ausbildung der Fenster erfolgt als Lochfenster mit dahinter liegender Lüftungsbox, die so ausgebildet ist, dass eine hohe Schalldämpfung erreicht wird. Durch einen geringen Glasanteil ist sichergestellt, dass nur ein geringer Energieeintrag erfolgt.
    Die Räume, die an der Südseite des Gebäudes angeordnet sind, wie Hörsaal, Sportbereich, Bibliothek, Mensa erhalten eine mechanische Lüftung mit adiabater Fortluftbefeuchtung. Die in diesem Bereich offene Fassade erhält einen hochwertigen außen liegenden Sonnenschutz.
    Der Luftwechsel in den mit mechanischer Be- und Entlüftung ausstatteten Räumen wird über die Personenbelegung bestimmt.
    Die Lüftung für den Bereich der Mensaküche wird gemäß der einschlägigen Norm, d.h. VDI 2052 dimensioniert, wobei empfohlen wird, auch bei dichter Gerätebelegung den Luftwechsel in der Küche auf maximal 35/h zu begrenzen.
    Sämtliche Lüftungsanlagen werden mit hochwirksamen Wärmerückgewinnungssystemen (Wirkungsgrad 75%) ausgestattet und überwiegend auf dem Dach aufgestellt.

    Kühlung
    Die thermische Behaglichkeit dieser Räume erfolgt über eine Betonkerntemperierung (BKT) bzw. Kühlsegel. Die für die Heizung vorgesehenen schnellen Reaktionsflächen entlang der Fassade werden ebenfalls für die Kühlung herangezogen.

    Kälteerzeugung
    Für die Versorgung sämtlicher Verbraucher, die Kühlung benötigen, d.h. Kühlung der RLT-Anlagen, Betonkernaktivierung und eventuelle Kühlsegel oder -decken ist vorgesehen, die Kühlenergie, sofern genehmigungsfähig, über Geothermie zu realisieren (z.B. Erkollektoren, siehe Detail 3).

    Da die Zulufttemperatur der Lüftungsanlagen im Sommerfall wegen der adiabaten Fortluftbefeuchtung ca. 20 – 24°C betragen wird, reicht das zur Verfügung gestellte Temperaturniveau für die Kühlung der Lüftungsanlagen aus. Dies gilt ebenfalls für die BKT und die vorgesehene Kühlsegel/-decken.

    Auf eine mechanisch erzeugte Kälte wird verzichtet, da wegen der Nutzungszeiten (Semesterferien) in den heißen Monaten keine weitere Kühlleistung (neben der adiabaten Kühlung) benötigt wird.



    Statisches Konzept

    Neubau eines Zentralgebäudes für die HTW des Saarlandes

    Der Neubau des Zentralgebäudes für die HTW des Saarlandes ist ein Stahlbetonskelettbau in Ortbetonbauweise mit zwei Obergeschossen und einem Erdgeschoss.
    Ein neuer Steg verbindet das Zentralgebäude mit dem Bestandsgebäude des ehemaligen Hauses der Gesundheit.
    Für die einzelnen Bauteile werden folgende Konstruktionen vorgeschlagen:

    Deckensystem
    Beim Entwurf des Deckensystems steht eine flexible, nachhaltige und zugleich wirtschaftliche Konstruktion im Vordergrund.
    Eine Stahlbetonflachdecke mit Stützweiten von ca. 8,50 m und einer vordimensionierten Deckendicke von 30 cm erfüllt diese Anforderungen optimal. Die glatte Deckenuntersicht ermöglicht zudem problemlos auch eine nachträglich geänderte Raumaufteilung sowie eine einfache Nachinstallation haustechnische Installationen.
    Die erhöhten Deckenspannweiten im Bereich des Hörsaals von ca. 14 m werden über eine Stahlbetonrippendecke mit einer Rippenhöhe von ca. 45 cm realisiert.
    Die tragende Stahlbetonwand zwischen dem Hörsaal und den Funktionsräumen wird als „wandartiger Träger“ ausgebildet. Die Decke über dem Erdgeschoss wird an diese Wand hochgehängt, so dass Innenstützen im Speisesaal entfallen können.

    Aussteifung
    Das Aussteifungssystem des Gebäudes bilden die Treppenhauswände.
    Neben den Windlasten werden von den Aussteifungswänden auch die Stabilisierungslasten aus der Brücke aufgenommen.

    Gründung
    Gemäß Bodengutachten befinden sich die tragfähigen Bodenschichten ca. 3 m unter Gelände. Die tragenden Bauteile werden über Bohrpfähle in den tragfähigen Bodenschichten gegründet.

    Steg zwischen dem neuen Zentralgebäude und dem ehemaligen Haus der Gesundheit
    Ein Steg mit einer Länge von ca. 70 m verbindet das neue Zentralgebäude mit dem ehemaligen Haus der Gesundheit. Auflager für den Steg bilden das Zentralgebäude und zwei im Grundriss versetzt angeordnete Zwischenstützen. In das Bestandsgebäude werden keine Lasten eingeleitet.
    Der Lastabtrag erfolgt über die Seitenwände des Stegs, die zu Fachwerkträgern ausgebildet sind. Aufgrund von Blickbeziehungen zur Stadt und zum Campus öffnen sich die Seitenwände asymmetrisch. Diese einseitige Anordnung erzeugt für den Steg eine Torsionsbeanspruchung, die über die zur Fachwerkscheibe ausgebildete Boden- und Dachfläche zentriert wird. Das Zentralgebäude und die biegesteif angeschlossenen Stützen bilden dabei ein Gabellager für den Steg.

    Beurteilung durch das Preisgericht

    Hochbaulicher Realisierungsteil


INFO-BOX

Angelegt am 09.10.2009, 11:15
Zuletzt aktualisiert 02.09.2010, 15:57
Beitrags-ID 4-30609
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