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  • DE-82467 Garmisch-Partenkirchen
  • 10/2009
  • Ergebnis
  • (ID 2-17538)

Erweiterung und Umbau des Landratsamtes Garmisch-Partenkirchen


  • Anerkennung


    Architekten
    17A ARCHITEKTUR, Königsbrunn (DE), München (DE) Büroprofil

    Verfasser
    Stefan Degle

    Preisgeld
    3.300 EUR

    Erläuterungstext

    Städtebau und Außenräume

    Das unter Denkmalschutz stehende Gebäude A im Süden soll weiterhin prägendes Element des Landratsamtes bleiben. Das Gebäude D an der Olympiastraße wird entfernt. An das Gebäude B wird auf der Nordost-seite ein U-förmiges Volumen angeschossen. Das dadurch mäandrierende Gesamtensemble bildet nach Osten zur Olympiastraße einen großzügigen Eingangshof und nach Westen einen Gartenhof. Das Gebäude E verbleibt eigenständig als Solitär. Das neue Gebäude ordnet sich durch seine niedrige Traufe auf der Südseite dem ehrwürdigen Altbau des Landratsamtes unter. Die eigene Präsenz des Neubaus wird zur Olympiastraße über einen langgestreckten Giebel gebildet. Dadurch gliedert sich der Neubau in die ortstypische Struktur mit giebelständigen Häusern in den Straßen Garmisch Partenkirchens ein. Im Nordosten des Neubaus befinden sich die Tiefgaragenzufahrt sowie die Zufahrt zu den Parkplätzen, die unter einem Baumdach liegen.

    Erweiterung

    Die Erweiterung kann in der neuen städtebaulichen Form im Anschluss an den neuen Nordflügel in gleichem Querschnitt angebaut werden, ohne dass ein weiteres Treppenhaus notwendig wird.

    Gebäude / Raumkontinuum

    Der neue Haupteingang liegt an der Südostecke des Neubaus, dem Sitz des Landrats gegenüber. Von hier werden alle Ebenen und Nutzungseinheiten über eine Haupttreppe erschlossen. Beim Foyer ist der verglaste Aufenthaltsraum für die Mitarbeiter nach Westen zu dem Gartenhof angeordnet. Ein Stockwerk höher befindet sich ein erweiterter Gang als Warte- und Aufenthaltsbereich für Besucher, der über das lange Treppenauge über das Dach Zenit-Licht erhält. Im zweiten Obergeschoss endet die Treppe vor dem Sitzungssaal und unter dem Hauptgiebel des Gebäudes. Die Treppenhäuser sind zusammen mit den Aufzügen in den
    äußeren Ecken des Mäanders angeordnet. Alle öffentlichen Verwaltungseinheiten sind in der Nähe des Eingangs im Erdgeschoss oder im ersten Obergeschoss untergebracht. Die Gänge werden durch verglaste Besprechungsräume aufgelockert und ermöglichen beim Durchschreiten unterschiedliche Blicke auf die Umgebung und Landschaft. Das Dach des Neubaus als Holzkonstruktion wird über den Büroräumen geschlossen und als Klimapuffer verwendet. Im Bereich des Flures und des Sitzungssaales wird der Dachstuhl geöffnet. Das Gebäude B wird in seiner statischen Struktur erhalten. Nichttragende Wände, die Sanitärräume und die Treppe werden entfernt und an einer für das Gesamtensemble zentraleren Position neu errichtet.

    Flexibilität

    Die Treppenhäuser inklusive Aufzüge sind so angeordnet, dass die einzelnen Nutzungseinheiten nicht mehr als 400 qm betragen. Alle Nutzungseinheiten sind über Flure miteinander verbunden. Unterschiedlich großen Sachgebiete können flexibel angeordnet und verändert werden. In Zusammenhang mit den Gebäudetiefen und einem dem Neubau zugrundeliegenden Büroraster von 1,35 m sind so neben den Zellenbüros unterschiedlichste Büronutzungen wie Kombibüros, Business Club und Großraumbüros möglich. Diese Flexibilität ermöglichen insbesondere interne Umschichtungen von Arbeitsvorgängen, Änderungen des
    Arbeitsstils, sowie bei Bedarf eine vom Landratsamt unabhängige Nutzung des Gebäudes.

    Brandschutz

    Das dreigeschossige Gebäude kann durch die maximale Fußbodenhöhe von 7 m und die Einheitsgröße von 400 qm in die Gebäudeklasse 3 eingeordnet werden wodurch eine wirtschaftliche Erstellung des Gebäudes zu erwarten ist. Der erste Rettungsweg ist über die Treppenhäuser gewährleistet. Der zweite Rettungsweg erfolgt über die Fenster.

    Fassade / Energiekonzept

    Die Fassade wird als einfache Lochfassade mit ausschwenkbaren Aluminiumfenstern, innenliegender Absturzsicherung und Blendschutz ausgeführt. Ein kostengünstiges Wärmedämmverbundsystem mit einem groben, weißen Putz bestimmt die Außenhaut. Durch den optimierten Fensterflächenanteil von ca. 45% ist ein ausgeglichenes Verhältnis zwischen Wärme- und Sonnenschutz in Verbindung mit einer natürlichen Lüftungsfunktion erreicht. Die Fenster werden mit einer 3-fach Verglasung und Sonnenschutzbeschichtung versehen. Ein g-Wert von 0,34 und Lichttransmission von 63% in Zusammenhang mit dem innenliegenden Blendschutz mit integrierter Lichtlenkfunktion führt zu einer angenehmen Arbeitsatmosphäre. Die Stahlbetondecken werden zur Bauteilaktivierung verwendet und dienen dadurch im Sommer zur Kühlung sowie im Winter der Erwärmung. Die Untersicht der Decken wird mit einem Akustikputz versehen. Die Leichtbauwände werden mit PCM Gipskartonplatten ausgeführt und tragen dadurch als Latent-Wärmespeicher zusätzlich zu einem angenehmen Raumklima bei. Das Gebäude wird ans vorhandene Fernwärmenetz angeschlossen. Über Unterflurkonvektoren an den Fenstern erfolgt die individuelle Beheizung der einzelnen Büroräume. Über eine zentrale Absaugung der Luft in den Kernbereichen wird in den Büroebenen ein konstanter, geringer Unterdruck erzeugt. Durch die natürliche Belüftung wird dadurch auch bei ungünstigen Innen-/Außen- Druckverhältnissen eine gute Grundlüftung sichergestellt. Das Gebäude B erhält einen minimal aufgeständerten Boden, der eine zeitgemäße und flexible technische Installation ermöglicht sowie ein WDVS und neue Fenster.

    Materialien/Innenräume

    Alle öffentlichen Bereiche und Aufenthaltsräume erhalten einen dunklen Terrazzoboden. Die Büroräume werden mit einem dunkelroten Nadelfilzteppich ausgelegt. Leichte Trennwände werden aus Gipskarton errichtet. Die Dächer werden mit einer Aluminiumabdeckung versehen. Durch die Verwendung einfacher und langlebiger Materialien wie Beton, Stein, Aluminium und Holz wird eine wirtschaftliche Errichtung und ein günstiger Unterhaltung des Gebäudes zu erwarten sein.

    Beurteilung durch das Preisgericht

    Durch gelungene Baukörperproportionen in Verbindung mit der mäandrierenden Baukörperstellung entstehen gut proportionierte Freiräume (Eingangshof, Gartenhof). Die Gliederung der Freiräume ist jedoch nur ansatzweise ablesbar, was insbesondere für das Parken im Eingangshof gilt. Auf Gebäude D wird verzichtet.

    Die Lage des Eingangs wie auch die innere Erschließung überzeugen ebenso, wie die Situierung des Sitzungssaals. Verbesserungsfähig ist die Zugänglichkeit des Neubaus von Westen (Gebäude E und Parkplatzbereich). Kritisch werden die Büroräume (Dauerarbeitsplätze) im Untergeschoss des Gebäudes B bewertet.

    Die Erweiterungsmöglichkeiten sind sehr gut und problemlos zu realisieren. Nicht überzeugen kann das Ambiente des Neubaus, dem jeglicher regionaler Bezug fehlt.

    Das Raumprogramm ist knapp erfüllt mit Flächen und Rauminhalten, die im Vergleich zu anderen Wettbewerbsarbeiten unterdurchschnittlich sind, womit eine hohe Wirtschaftlichkeit gegeben sein sollte.