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  • DE-38106 Braunschweig
  • 10/2009
  • Ergebnis
  • (ID 2-17723)

Langer Kamp Braunschweig


  • 1. Preis


    Landschaftsarchitekten
    arbos Freiraumplanung GmbH, Hamburg (DE) Büroprofil

    Mitarbeit
    Günter Greis, Simone Kühte

    In Zusammenarbeit mit:
    Architekten: Giesler Architekten, Braunschweig (DE)
    Modellbauer: ModellArchitektur Trixi Schulz, Braunschweig (DE)

    Erläuterungstext
    Parkterrassen - Neues Wohnen am Langen Kamp

    Leitbild: Das Leitbild für die Konversion des Areals des Klinikums Gliesmaroder Straße leitet sich unmittelbar aus den vorhandenen hohen Qualitäten ab: Dem vorhandenen Park mit seinem imposanten Baumbestand. Ziel ist es, diese innerstädtische Grünanlage weitestgehend zu erhalten, zu stärken und als konkrete Lagegunst der neuen Wohnlage aufzufassen vergleichbar beispielsweise mit englischen Vorbildern des Georgian Urbanism, geprägt durch starke städtebauliche Figuren und gemeinschaftliche repräsentative Grünanlagen.

    Das Grundstück ist weiterhin geprägt durch seine Lage, direkt am Übergang der gründerzeitlichen Stadterweiterung 'östliches Ringgebiet' und des 'Uni Campus Nord' mit seinen Büro- und Forschungseinrichtungen. Es wird angestrebt das neue Wohn- und Geschäftsquartier im Sinne des Weiterbaus der Stadt in die umgebenden Strukturen einzubinden und zu vernetzen, um so einen gegenseitigen Benefit zu erreichen: Das neue Quartier mit seinen öffentlichen Bereichen als Angebot an die vorhandene Bebauung einerseits, und die Bezugnahme etwa auf die hervorragend gestaltete Göttingstraße oder die Aufnahme der Flucht an der Hans-Sommer-Straße zur Ausbildung einer Torsituation andererseits.

    Konzept: Im Sinne des o.g. Leitbildes wird eine prägnante und klar ablesbare städtebauliche Grundstruktur entwickelt, die im Inneren die großzügige und weiträumige Parkfläche enthält. Eingefasst und gerahmt wird diese von 3-4 geschossigen Wohngebäuden, die eine deutlichen Abschluss zu den angrenzenden Straßenräumen bilden aber gleichermaßen auch zu den benachbarten Baustrukturen und Straßentypologien vermitteln und sich somit selbstverständlich städtebaulich integrieren und das umgebende Stadtbild komplettieren.

    Gebäude: Es werden Mehrfamilien- und Stadthäuser als bürgerliche Wohnform vorgeschlagen, die sich erkennbar in die städtebauliche Großform integrieren.
    Die Grundrisse folgen allesamt dem Prinzip des Durchwohnens, um unabhängig von Ausrichtung und Tageszeit einen direkten Bezug zu dem Park zu gewährleisten.

    Das vorhandene Hauptgebäude des Klinikums bildet ein weiteres identitätsstiftendes Element des neuen Quartiers. Die vorgesehene Nutzung ist, auch der speziellen Lage entsprechend, eine öffentliche Nutzung. Konkret liegen Anfragen für die Einrichtung einer 'Musisch-Ästhetischen Kindertagesstätte' vor, die als übergeornetes Angebot an mittlerweile 20 Standorten in Norddeutschland über 1000 Kinder betreut.

    Parkanlage und Gärten: Der gesamte Innenbereich bleibt autofrei. Die Erschließung verläuft als Einbahnstraße auf der parkabgewandten Gebäudeseite und erschließt die Tiefgaragen unter den Gebäuden.
    Der Park bleibt als geschützte Spiel- und Aufenthaltsfläche, umgebe von privaten Gärten, den Fußgängern und Nutzern vorbehalten.

    Das Konzept sieht private Gärten vor, die unmittelbar und ebenerdig den Erdgeschoss-wohnungen zugeordnet sind. Die Gärten liegen gegenüber dem Parkgelände ca. 80cm erhöht und sind mit Hecken zu den Wegen und öffentlichen Bereichen abgegrenzt.

    In der weiträumigen mit alten Bäumen überstellten Parkanlage liegt ein großer Kinderspielbereich mit Sandspielanlagen, Kletter- und Bewegungsspiel sowie Gelände-modellierungen. Unter den alten Bäumen sind gartenartige Ruhe- und Aufenthaltsbereiche mit themenbezogenen Pflanzungen angelegt. Lange Parkbänke (Sitzmauern mit Holzauflagen) rahmen die Westseite des Parks und vermitteln zwischen Wegen und Park.

    Die Gartenanlagen um das historische Klinikgebäude können entsprechend seiner möglichen Nutzungsvarianten differenziert genutzt und gestaltet werden.

    Beurteilung durch das Preisgericht

    Der Verfasser formuliert überzeugend den Erhalt der Parkanlage und die Einbindung in umgebende Strukturen als Leitbild für die städtebauliche Disposition.

    Hierauf aufbauend setzt er eine prägnante städtebauliche Grundstruktur, die den Blockrand mit 5-geschossigen Punkthäusern schließt und nach Norden eine schützende geschwungene geschlossene Raumkante aus Stadthäusern definiert.
    Die Ecksituation Langer Kamp/Hans-Sommer-Straße gestaltet der Verfasser auf angemessene Weise, indem er die bestehende Bauflucht mit Bürogebäuden fortsetzt, einen Vollsortimenter mit Dienstleistungen und vorgelagerten Parkflächen entwikkelt. Dies schafft insgesamt eine gut gestaffelte stadträumliche Situation, indem der gewerbliche Komplex den Wohnpark hinreichend abschirmt.

    Der Entwurf verspricht differenzierte freiräumliche Qualitäten, die durch konsequente Berücksichtigung des wertvollen Grünbestandes erreicht werden. Die Disposition der Baukörper ist geeignet, den bestehenden Park in besonderer Weise in Wert zu setzen. Die Höhenentwicklung am Langen Kamp erscheint überzogen und sollte deutlich reduziert werden.

    Die Bereiche Gewerbe und Dienstleistungen sind zur belebten Hans-Sommer-Straße organisiert und bieten über Distanz und Baumassen ausreichend Lärmschutz für den Park.

    Die Wohnungstypologien sind qualitätsvoll und differenziert – sie erlauben sämtlich das Durchwohnen (Stadthäuser und Geschosswohnungen).

    Das Gesamtkonzept lässt sich hervorragend gut in mindestens 10 eigene Bauabschnitte mit unterschiedlicher Qualität entwickeln und ist somit gut realisierbar. Die Entwicklung ist konsequent von außen organisiert und sichert so ruhige verkehrsfreie Parkanlagen.