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  • Anerkennung

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    Architekten
    Thomas Müller Ivan Reimann Gesellschaft von Architekten mbH, Berlin (DE) Büroprofil

    In Zusammenarbeit mit:
    Landschaftsarchitekten: Vogt Landschaftsarchitekten, Zürich (CH), London (GB), Berlin (DE)
    TGA-Fachplaner: Ebert Ingenieure, Berlin (DE), Nürnberg (DE), München (DE), Leipzig (DE)
    Tragwerksplaner: GSE Ingenieur - Gesellschaft mbH Saar, Enseleit und Partner, Berlin (DE)
    Brandschutzplaner: Halfkann+Kirchner, Erkelenz (DE), Berlin (DE), Stuttgart (DE)

    Erläuterungstext

    Die Aufgabe, die heute von Brachflächen und Verkehrsräumen dominierte Rückseite der Hochschule zu Ihrer Eingangsseite zu verwandeln, verlangt weniger nach einem großmaßstäblichen, monumentalen Bauwerk, als vielmehr nach einer einladenden räumlichen Geste. Wir schlagen vor, an der Übergangsstelle mehrerer übergeordneter Stadträume einen sich zur Innenstadt öffnenden Stadtplatz, der von neuen Universitätsgebäuden gebildet wird. Die Maßstäblichkeit der Universitätsneubauten vermittelt zwischen der Kleinmaßstäblichkeit des neuen, südlich gelegenen, Wohnquartiers und der Großmaßstäblichkeit des bestehenden Campus und verleiht dem neuen „Universitätsplatz“ eine hohe Aufenthaltsqualität.
    In der Fernwirkung werden der Universitätsplatz und der Campus vom „Universitätsturm“ markiert. In der Nahwirkung werden ihre Lebendigkeit und Aufenthaltsqualität von den offenen Eingangsbereichen der Bibliothek und des Seminargebäudes bestimmt. Die Lage des Platzes im Mittelpunkt verschiedener Wegeverbindungen macht ihn zu einem bedeutenden städtischen Ort, welcher viele informelle Begegnungen ermöglicht und stimuliert.
    Die Verteilung einzelner Nutzungsbereiche ergibt sich fast selbstverständlich aus städtebaulichen, funktionalen und programmatischen Rahmenbedingungen.
    Das Foyer des stark frequentierten Seminargebäudes, in dem die Raumbelegung permanent wechselt, wohin Studenten aus der Stadt und verschiedenen Bereichen des Campus zu den Veranstaltungen kommen, ist der natürliche Brennpunkt der Hochschule und daher auch der natürliche Eingang der Universität bzw. der Übergang zwischen der Stadt und dem Campus. Der Hohe verglaste Raum des Foyers strahlt weit über die Grenzen des Campus in die Stadt hinein.
    Das Studienservicezentrum, das Schaufenster und das Cafe sind direkt an das Foyer angeschlossen sie liegen an der Schnittstelle zwischen dem Campus und dem Seminargebäude, im Kreuzungspunkt der Wege zwischen verschiedenen Bereichen des Campus.
    Die Bibliothek liegt, prominent gelegen, direkt am Platz, die Fußgängerbewegungen werden unmittelbar am Gebäude, nicht aber ins Gebäude geführt. Sie ist nicht nur ein 24 Stunden offener Ort des Informationsaustausches, sondern auch ein Ort des Studiums und der Konzentration. Es erscheint uns unabdingbar, das Gleichgewicht zwischen Extrovertiertheit und Stille zu finden. So vermittelt in unserem Entwurf das Foyer zwischen den beiden Geländeniveaus, dem Platz und dem Campus, einzelne Arbeitsbereiche offnen sich zum Park bzw. zum Campus hin, die großen Öffnungen ermöglichen tiefe Einblicke, die Leseplätze bleiben aber ruhig und introvertiert, die Bibliothek besitzt räumliche Mitte.
    Die Büroräume des Rotationsgebäudes werden in einem eigenen Bauteil, dem „Universitätsturm“ untergebracht. Seine Gestaltung, Erschließung und Konstruktion können so den Erfordernissen eines Bürohauses angepasst werden.
    Wir konzipieren den gesamten neunen Eingangsbereich der Universität als eine miteinander vernetzte Abfolge verschiedener öffentlicher Räume: die Freiräume setzen sich im Inneren der Gebäude fort, die Räume sind erschließungstechnisch bzw. durch Blickverbindungen miteinander verbunden. Die Vernetzung gewährleistet einige der wichtigen Eigenschaften, die für einen funktionierenden Universitätscampus notwendig sind: Lebendigkeit, Begegnung, informellen Gedanken- u nd Informationsaustausch. Die einzelnen Bauteile gewinnen ihre Identität durch die Lage im Campus, die Anbindung an Wegeverbindungen und Freiräume, eine unverwechselbare Abfolge großer Innenräume und ihre Nutzung. Die Neubauten bilden zusammen das architektonische Ensemble des Universitätsplatzes und nehmen bewusst in ihrer Materialität und Gliederung aneinander Bezug.


    Bibliothek
    Die Bibliothek ersetzt das bestehende Parkhaus im Südosten des Campus. Die Lage der Bibliothek direkt am Universitätsplatz verleiht dem Bau eine hohe Präsenz im Stadtraum. Sie ist nicht ein Vorbau des Campuskomplexes, sondern ein eigenständiger Solitärbau, der in alle Richtungen ausstrahlt. Die Positionierung ermöglicht zugleich eine problemlose Anlieferung an der Ostseite und direkte fußläufige Erschließung sowohl von der unteren Ebene des Campus, als auch von der oberen Ebene des Platzes her. In der ersten Baustufe kann sowohl die Baustelle, als auch der fertige Bau unabhängig vom Umbau des Bahngeländes bzw. der anliegenden Universitätsbauten problemlos funktionieren.
    Wir verstehen das Innere der Bibliothek als eine große Leselandschaft, die unterschiedliche Arbeits- und Lesebereiche anbietet. Der Innenraum wird von einem großen Leseraum dominiert, der in drei terrassenförmig gestaltete Teilbereiche untergliedert wird. Die Lesesäle öffnen sich mit großen Öffnungen zum Park bzw. zum Campus hin. Um die zentralen Leseräume werden Freihandmagazine, Gruppen- und Arbeitsräume, Computerarbeitsplätze usw. angeordnet. Die kleineren Bereiche liegen direkt an den Fassaden mit Blick in die anliegenden Freiräume. Es entsteht eine großes Spektrum unterschiedlich platzierter, möblierter und orientierter Lese- und Arbeitssituationen.
    Die topographisch bedingten Höhenunterschiede im Gelände zeichnen sich in der Organisation der Bibliothek ab. Im Sockel werden die dienenden Nutzungsbereiche untergebracht: die Eingänge, Verwaltung, Magazine, Anlieferung, Sanitärräume und Garderoben. Durch Anordnung mehrerer Splittlevel wird der Raum optimal ausgenutzt, die einzelnen Nutzungsbereiche optimal einander zugeordnet: Garderoben, Schließschränke und der Bibliothekssaal am zweigeschossigem Foyer welches die ebene des Campus mit der Ebene des Platzes verbindet und von beiden wichtigen Freiräumen erschlossen wird; die Verwaltungsräume sind direkt an den Haupteingang, die Anlieferung, Magazinbereiche und die Ausleihe angebunden.
    Auf dem Sockel, direkt vom Platz erschlossen, befindet sich das Hauptfoyer, die Ausleihe, Kontrolle, ein Kiosk, die Lehrbuchsammlung sowie der zentrale Leseraum. Alle weiteren Arbeitsbereiche in weiteren Geschossen sind um den zentralen Raum angeordnet ihre Orientierung wechselt zwischen dem Außenraum- und dem Inneraumbezug. Die Erschließung erfolgt über einen zentralen Erschließungskern, welcher alle Geschosse verbindet.

    Das Seminargebäude
    Der Seminarbereich bildet einen eigenständigen Bauteil, sein mehrgeschossiges, zur Stadt hin offenes Foyer ist zugleich der Eingang des gesamten Universitätscampus. Die städtische Achse setzt sich im Gebäude fort, eine großzügige Treppenanlage verbindet die beiden Ebenen. An dem Eingang bzw. entlang des Weges sind alle wichtigen neuen öffentlichen Bereiche der Universität angegliedert: die Seminar- und Vorlesungsräume, das „Schaufenster“ mit dem Ausstellungsbereich und den dazugehörigen Vortragssälen, das Studierendenservicezentrum und das Cafe. Sie liegen direkt an der räumlichen Verbindung zwischen dem Platz und dem Campus. Es erscheint uns viel sinnvoller, diese Nutzungen an den täglichen Lehrbetrieb, als an die Bibliothek anzubinden, in deren unmittelbaren räumlichen Nähe sie trotzdem liegen.
    Die großen Vortragssäle werden direkt von der Platzebene, die Seminarräume von den sich zum Platz hin öffnenden Galerien erschlossen, die durch Treppen miteinander verbunden sind. Die Serviceräume und die Aufzugsgruppe sind an der westlichen Stirnseite angeordnet und direkt den jeweiligen Geschossen zugeordnet. Die kleinen Seminarräume und der Computer-Pool befinden sich im Verbindungsteil zum Turm, sie können direkt vom Foyer erreicht werden.

    Der Universitätsturm
    Die Büro- und Verwaltungsräume haben andere Anforderungen an Raumhöhen, Belichtung, Belüftung, Haustechnik und Erschließung, als die Seminar- und Vortragsräume. Sie werden daher einem eigenständigen „Bürohaus“ untergebracht. Es kann sowohl unabhängig, als auch im direkten Verbund mit dem Seminargebäude funktionieren, mit dem es in unteren beiden Geschossen räumlich verbunden ist. Die konsequente Benutzung vom Büroraster ermöglicht eine flexible und wirtschaftliche Raumaufteilung.

    Fassaden
    Es erscheint uns wichtig, dass die Neubauten in der Fernwirkung eine zeichenhafte Qualität entwickeln und dass sie sich zugleich in ihrer Materialität und Architektursprache sowohl von den anliegenden Wohnbauten, als auch von dem Bestand absetzen. Ihre abstrakte Architektursprache versucht die monumentale Wirkung der Achse zu relativieren und einen bewusst modernen Ausdruck zu finden, welcher der Neuorientierung der Hochschule gerecht wird. Die Neubauten nehmen aneinander Bezug, sie erscheinen als ein Ensemble, welches genug Kraft besitzt sowohl die Achse aufzunehmen, als auch dem Campus eine neue Orientierung zu geben.
    Die Fassaden sind, mit Ausnahme des Foyers im Seminargebäude, als Lochfassaden konzipiert. Der Fensteranteil ist auf das notwendige minimiert. Als Fassadenverkleidung werden in einem Alluminiumrahmen eingesetzte transluzente Glaspanele eingesetzt. Eine zweite, über der dahinterliegenden Wärmedämmung angebrachte Schutzschicht wird in unterschiedlichen Farb- bzw. Grautönen angebracht, so dass die Verkleidung Tiefenwirkung und Farbspiel gewinnt. Die Fenster sind als Verbundfenster konzipiert, bei denen der Sonnenschutz im Zwischenraum geschützt wird und als Blendschutz und zur Lichtsteuerung eingesetzt werden kann. In mechanisch gelüfteten Bereichen kommen Kastenfenster zum Einsatz, deren Außenverglasung bündig in der Fassade liegt. Das Flimmern verschiedenfarbigen Glaspaneele bricht die einheitliche Wirkung der Fassadenoberfläche und wird verstärkt durch versetzt bzw. unregelmäßig eingesetzte raumhohe Fenster.
    Die Oberfläche der klaren kubischen Volumina wird unterbrochen durch große Öffnungen der Foyers und der Lesebereiche, welche nicht nur Ausblicke ermöglichen, sondern auch als von Außen einsehbare „Schaufenster“ funktionieren. Das größte dieser Schaufenster ist das Foyer des Seminargebäudes, dessen Fassade eine transparente, optisch offene Grenze zwischen dem Campus und der Stadt darstellt.
    Alle großflächigen Verglasungen besitzen außen liegenden Sonnenschutz.

    Freiraum
    Der Anknüpfungspunkt der städtebaulichen Achse aus Richtung der Stadt mit dem neuen Gebäudeensemble wird als öffentlicher Platz, Treffpunkt und Auftakt interpretiert. Dieser soll in Zukunft die Nahtstelle zwischen Stadt und Universität darstellen und den Campus näher an die Stadt rücken. Der in Ost-West Richtung verlaufende Grünzug mit den dichten Baumreihen wird an dieser Stelle bewusst unterbrochen. Mit dieser Zäsur wird der Auftakt der Universität mit dem neuen Seminargebäude und der Bibliothek nochmals akzentuiert. Der Platz selbst wird mit einem großzügigen, warmen Natursteinbelag gestaltet. Zwei unregelmäßige Baumgruppen aus Amberbaum bilden den Raum und sorgen mit ihrer interessanten Wuchsform und der intensiven Herbstfärbung für ein spannendes Vegetationsbild. Sitzmöglichkeiten unter den Bäumen laden zum Verweilen ein. Der Höhenversprung zum alten Campus wird nördlich des Platzes über eine große Treppe bewältigt. Radfahrer haben die Möglichkeit, über eine Rampe entlang des neuen Bibliotheksgebäudes den unteren Bereich zu erreichen. Hier setzt sich das grüne Bild des Campus fort. Mit einfachen Elementen wie den großzügigen Grünflächen und dem aufgelöstes Baumraster wird der Bereich nördlich vor der Bibliothek gestaltet. Eine kleine platzartige Aufweitung betont den Eingang. Hier können ausreichend Fahrradstellplätze untergebracht werden.


    Tragwerk

    Hochhaus: Die Horizontalaussteifung des Hochhauses erfolgt über einen Treppenhaus- und einen Aufzugskern. Die Decken des Hochhauses werden durch in die Außenfassaden integrierte tragende Wandscheiben und die tragenden Kernwände unterstützt. Zur Verringerung der Eigenlasten und Durchbiegungen der Decken werden in die Decken nicht sichtbar Hohlkörper (z.B: System Cobiax) integriert.

    Seminargebäude: Die weitspannenden Decken über den Seminarräumen und dem großen Hörsaal werden mittels vorgefertigten Spannbetonunterzügen realisiert. Im Südbereich wird eine mehrgeschossige Glasfassade angeordnet. Die Riegel der Glasfassade werden horizontal mit den Stahlbetonstützen gehalten. Die Horizontalaussteifung erfolgt über Treppen und Aufzugskerne.

    Verbindungsbauteil: Am Übergang zwischen Bestandsgebäude und Verbindungsbauteil werden Schlepplatten angeordnet, die eventuelle Setzungsdifferenzen zwischen Verbindungsbau und Bestandsgebäude auszugleichen. Die horizontale Aussteifung des Verbindungsbaus wird über die Anbindung an das Seminargebäude realisiert.

    Bibliotheksgebäude: Die Decken werden durch ein auf die Möblierung abgestimmtes Stützenraster getragen. Die weitspannenden Decken über den Lesesälen werden mittels vorgefertigten Spannbetonunterzügen realisiert. Zur Last- und Kosteneinsparung werden in Teilbereichen des weitspannenden Bibliothekdaches Spannbetonfertigteile mit einer Trapezblecheindeckung kombiniert. Im Bereich der großen Oberlichter über dem Lesesaal sind Stahlfachwerkträger zur Unterstützung der Überkopfverglasung vorgesehen. Die Horizontalaussteifung des Gebäudes erfolgt über die Treppen- und Aufzugskerne. Bereichsweise werden Wände als Wandartige Träger zur Abfangung von Gebäudelasten ausgebildet.


    Beurteilung durch das Preisgericht
    Liegt nicht vor.

INFO-BOX

Angelegt am 30.06.2009, 17:28
Zuletzt aktualisiert 01.07.2009, 11:26
Beitrags-ID 4-32708
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