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  • DE-13187 Berlin
  • 10/2009
  • Ergebnis
  • (ID 2-19529)

Neubau einer Sporthalle an der Neuen Schönholzer Straße


  • 4. Preis

    Ansicht West

    Architekten
    Peter W. Schmidt Architekt BDA, Pforzheim (DE), Berlin (DE) Büroprofil

    Mitarbeit
    Lau Patrick, Herbert Hussmann, Alexander Frederik Raab, Anja Retzlaff

    In Zusammenarbeit mit:
    Landschaftsarchitekten: ADLER & OLESCH Landschaftsarchitekten GmbH und Stadtplaner, Nürnberg (DE), München (DE)

    Erläuterungstext
    Städtebau

    Die Grundstücksfläche für den Bau der neuen Sporthalle befindet sich in einem heterogenen städtischen Umfeld im Norden Pankows. Der Abschnitt der Neuen Schönholzer Straße in dem das Grundstück liegt, ist auf der Ostseite an den Enden mit einer Blockrandbebauung gefasst. Die Mälzerei weicht davon zurück.

    Mit dem Entwurf für den Neubau wird die Blockrandbebauung an der östlichen Seite fortgesetzt, es ergibt sich eine einheitliche Straßenflucht, die lediglich durch die Mälzerei unterbrochen wird und dadurch ihre Stellung als baugeschichtliches Ensemble gerecht wird. Die Einfügung des Entwurfs in die östliche Straßenflucht beruhigt die städtebauliche Situation und stärkt die Präsenz des Hauses, welches durch die Stellung und das Zurückspringen des Baukörpers der Mälzerei mit seiner Südseite gut wahrgenommen wird.

    Die neue Sporthalle ist ein zentraler Punkt im Konglomerat der umliegenden Schulgebäude, die jedes für sich eine große Zeichenhaftigkeit aufweisen und selbst bedeutende Kulturdenkmäler darstellen. Sport ist für den Schulbetrieb eminent wichtig und eine permanente Anlaufstation. Folglich eine Adresse für alle Schüler.

    Das Haus ist bewusst am südlichen Ende des Blockinnenbereiches gesetzt. Der bestehende Schulhof mit dem Baumbestand wird gefasst. Der Neubau ist der Schlussstein im baulichen Ensemble der Reinhold-Burger-Oberschule.


    Erschließung

    Die fußläufige Erschließung der Schulstandorte für die Oberschule und den Neubau erfolgt über die Neue Schönholzer Straße, wie auch die Verbindung zum westlich gelegenen Schulkomplex Carl-von-Ossietzky-Gymnasium, Arnold-Zweig-Grundschule und Jugendkunstschule von hier aus gegeben ist. Es wäre wünschenswert zu überprüfen, ob nicht eine breit angelegte Querung der Neuen Schönholzer Straße auf Höhe des westlich angrenzenden Grünzugs möglich ist. Gleichwohl wird die Reinhold-Burger-Oberschule entlang der in die Tiefe laufenden Nordfassade der Sporthalle erschlossen. Zwischen Vorderhaus und Neubau ist weiterhin die Feuerwehrzufahrt angeordnet. Der leicht angehobene „Vorgarten“ gibt dem Haus in diesem Bereich einen akzentuierten Auftakt und entflicht die Wegebeziehungen.


    Architektur

    Der Typus der gestapelten Dublexhalle ist in Städten größerer Dichte und besonders in Berlin häufiger zu finden. Die Konzentration des Bauvolumens ermöglicht eine starke stadträumliche Präsenz, die sich der Entwurf zu eigen macht. Er ist unspektakulär mit dem Blockrand verortet und beruhigt insgesamt die heterogene Struktur des Umfeldes.
    Den ornamentreichen, plastischen Schulgebäuden aus dem Anfang des letzten Jahrhunderts wird ein Haus mit größtmöglichem Abstraktionsgrad entgegen gesetzt. Die Bedeutung der Bausubstanz wird dadurch nochmals gestärkt, zumal sich der Neubau in seiner Gestalt nicht an die Historie anbiedert.

    Zu Gunsten der Zugänglichkeit des Hauses und Erlebbarkeit der unteren Sporthalle wird das Gebäude um ca. 3 Meter tiefer gelegt. Es ergeben sich somit von Nord nach Süd Durchblicke über das erste Hallenniveau hinweg. Durch die Höhenlage des Hauses werden die Erschließungswege für die obere und untere Halle gleich.

    Die Verknüpfung mit dem Kontext findet über die Stellung des Hauses und die zum Einsatz kommenden Materialien statt. Während sich das Erdgeschoss mittels einer umlaufenden verglasten „Fuge“, die Einblicke gewährt und versperrt, abzeichnet, sind der Sockel und die aufgehenden Fassaden mit einer Klinkervorsatzschale ausgebildet. Dieses Material findet seine Entsprechung im Bodenbelag des Plateaus und der Erschließungsflächen und in Elementen, die den Außenraum umfassen. Die Materialwahl ist auf das Notwendigste reduziert und mit Klinker, Glas und Holz, das den inneren Charakter des Hauses bestimmt, ausreichend. Im Einklang mit den umliegenden Gebäuden, dem Baumbestand und den neu angelegten Außensportflächen wird das Grundstück der Reinhold-Burger-Oberschule im Süden ganz selbstverständlich gefasst.


    Konstruktion

    Für die Konstruktion des Gebäudes ist eine Stahlbetonskelettbauweise gewählt, in die die hallenweit spannenden Holzbinder-Träger über den Sportflächen eingespannt sind. Die im Osten und Westen angeordneten Treppenhauskerne werden als aussteifende Elemente herangezogen. Die äußerst wirtschaftliche Konstruktion in Verbindung mit dem günstigen Flächenverbrauch durch die Stapelung der Nebenräume und der beiden Sporthallen wird engergetisch durch ein zweischaliges hinterlüftetes Mauerwerk ergänzt. Der Wandaufbau im Erdgeschoss besteht aus einer Isolierglasfassade mit Metallgewebeeinlage die an den Hallenstirnseiten vor einer geschlossenen gedämmten Wandfläche liegt.Die erdberührenden Außenbauteile im UG sind wegen des hohen Grundwasserspiegels als weiße Wanne ausgebildet. Das Dach erhält über den Hallen eine extensive Dachbegrünung, auch besteht in diesem Bereich die Möglichkeit eine Photovoltaikanlage aufzubringen. Die Fensterflächen nach Süden sind mit einem effektiven Blend- und Sonnenschutz versehen. Der Einsatz robuster und reparaturfähiger Materialien, und die Verwendung von Baustoffen aus der Region sind ein wesentlicher Bestandteil des ökologischen Konzepts.


    Außenanlagen

    Der landschaftliche Charakter der bestehenden Anlage bleibt im Wesentlichen erhalten und wird als Gedanke weitergeführt. Zwischen dem Hauptgebäude und dem Vorderhaus der Reinhold-Burger-Oberschule und dem zukünftigen Neubau ist die Pausenfläche vorgesehen, die um den Baumbestand und bereits vorhandene Gestaltungsmerkmale sorgsam ergänzt wird. Kleine dezentrale Sitzgruppen bilden Kommunikationsbereiche aus. Im östlichen Teil des Grundstückes, unmittelbar angrenzend an den Neubau, werden die Außensportflächen angeordnet, die an den Rändern des Grundstückes mit Hecken und Bäumen gefasst sind. Die bestehende Mauer zum Nachbargrundstück der Mälzerei wird bis zum geplanten Spielplatz ergänzt und bietet auch im Winter Sichtschutz für die Sportfreiflächen. Die Brandwand der bestehenden kleinen Sporthalle wird mit wildem Wein begrünt, der den Erschließungsweg auf das Schulgrundstück rahmt.


    Haustechnik

    Das Konzept der Technischen Gebäudeausrüstung für den Sporthallenneubau beinhaltet die Einhaltung bzw. die Übererfüllung der Forderungen aus der EnEV 2009. Energieeffizienz wird durch bauliche Maßnahmen wie eine kompakte Gebäudekubatur, durch Fugendichtigkeit, wärmebrückenfreie Detailierung und eine gut dimensionierte Wärmedämmung erreicht, sowie mittels einer angemessenen technischen Gebäudeaustattung.

    Die Be– und Entlüftung, sowie die Beheizung der Hallenflächen erfolgen über ein Lüftungsgerät gemäß der Energieeffizienzklasse A mit Wärmerückgewinnung in Form eines Rotationswärmetauschers oder eines hocheffektiven rekuperativen Plattentauschers. Eine Anpassung des Außenluftvolumenstromes an die Hallenbelegung wird mittels Mischgasregelung gewährleistet, d.h. bei geringer Belegung erfolgt eine lineare Erhöhung des Umluftanteiles zur Hallenbeheizung. Die Fußbodenheizung in den Hallenbereichen, sowie die Beheizung sämtlicher Sanitärflächen wird durch einen Anschluss an die vorhandene Fernwärmeleitung betrieben. Die Kühlung der Halle im Sommer erfolgt mittels aktiver Nachtauskühlung des Gebäudes in Verbindung mit „schwerer Baukörpermasse“.

    Die Dachflächen des Neubaus werden zur Aufstellung von Solarzellen für die Warmwasserbereitung genutzt. Das Regenwasser wird gesammelt und geht als Grauwassernutzung für WC-Spülanlagen und für die Grünanlagenbewässerung in den gebäudeökologischen Kreislauf ein.

    Alle Beleuchtungsanlagen für die Halle werden unter Verwendung von T5–Leuchtmitteln in den Leuchten mit einem Betriebswirkungsgrad von mindestens 80 %, sowie tageslichtabhängigem Lichtmanagementsystem mit voreinstellbaren, sporthallentypischen Sollwert-Niveaus 300/500/750 Lux (trainings-/wettkampf-/ sportartabhängig) durch den jeweiligen Nutzer, betrieben. Die Lichtsteuerung der Nebenräume und Flure wird über Präsenzmelder geregelt. Eine Steuerung der Außenbeleuchtung über Dämmerungsschalter und Schaltuhr in Verbindung mit Bewegungsmeldern erhöht die Effizienz.




    PETER W. SCHMIDT ARCHITEKT BDA

    Beurteilung durch das Preisgericht
    Liegt nicht vor.