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  • 3. Preis

    Rahmenplan

    Landschaftsarchitekten
    GTL Michael Triebswetter Landschaftsarchitekt, Kassel (DE) Büroprofil

    Mitarbeit
    Markus Gnüchtel, Kai Spurling, Katrin Jünemann

    In Zusammenarbeit mit:
    Architekten: RKW Architektur +, Düsseldorf (DE), Leipzig (DE), Münster (DE), München (DE), Berlin (DE)

    Erläuterungstext
    Städtebauliches Grundprinzip
    Heute trennt die Industrie Stadt und Aa-See, künftig wachsen sie zusammen. Der westliche Planungsbereich wird klar der Stadt zugeordnet, der östliche der Landschaft.

    Das verbindende Band stellt die Aa dar, zunächst als enger städtischer Fluss mit hartem Ufer, dann weitet er sich auf, wird mit seinen bewachsenen Ufern Teil einer Inszenierung im Stil des Englischen Landschaftsgartens, um sich dann über dem Aa-See zur großen Fernperspektive zu steigern.
    Die Inszenierung dieser Blickfolgen ist wesentlicher Bestandteil des Entwurfs.

    Um diese Inszenierung entwickeln sich unterschiedliche Quartiere mit sehr unterschiedlichen Angeboten an Bautypen, zum Wohnen und Arbeiten, für Gastronomie und Kultur.

    Die Grenze zwischen beiden verläuft etwa östlich des neuen Textilmuseums und westlich der Schule im Norden. Schule und Industriemuseum haben dann pavillonartigen Charakter im Landschaftsbereich. Daher planen wir zwischen Aa und Industriestraße östlich des Textilmuseums einen Siedlungsbereich mit solitärer Bebauung, die nach einiger Zeit den Charakter einer Waldsiedlung annehmen könnte. Das Ufer der Aa ist unbefestigt und bewachsen.

    Östlich hieran grenzt der urbane Teil an. Hierzu zählen im Bestand die mächtigen Industriebauten im Süden und das durch Einspundung städtisch gewordene Ufer der Aa. Entsprechend ist hier die Neubebauung verdichtet und blockbildend. Befestigte Promenaden reichen bis ans Spundwandufer.

    Die unterschiedlichen Umgebungsvoraussetzungen generieren Baubereiche von unterschiedlichem Charakter. Wie im Bestand der umgebenden großen Straßen stellt sich die Bebauung der Aa urban dar. Es entsteht nicht ein einheitliches Neubaugebiet, sondern vier ganz unterschiedliche Bereiche, die auch unterschiedliche Interessenten ansprechen wollen. Diese vier Bereiche werden im Folgenden beschrieben.


    Die Aa-Promenade
    Die Aa Promenade ist der zentrale urbane Bereiche und stellt den Verknüpfungspunkt der anderen Quartiere dar.
    Es scheint hier wirtschaftlich durchaus vertretbar zu sein, die Spundwand um etwa 1,50m zu verkürzen und das Terrain abzusenken um einer Promenade nördlich der Aa einen unmittelbareren Wasserkontakt zu ermöglichen. Hier im Zentrum weitet die Promenade sich zu einem kleinen, nach Süden orientierten Platz aus, dem idealen Ort für Gastronomie. Die Obergeschosse der geschlossenen Bebauung hier sind für Wohn- und Büronutzung geeignet.
    Sollte in einer späteren Planungsphase deutlich werden, dass eine Absenkung des Uferbereiches hier wirtschaftlich doch nicht tragfähig erscheint, könnte darauf auch verzichtet werden. Es würde allerdings die Qualität der Ufersituation beeinträchtigen, da die z. Zt. sehr hohe Einspundung der Aa die Beziehung der Nutzer zum Wasser verschlechtern würde sowie der Blick über das Wasser hinweg an Attraktivität verlieren würde.

    Das Grachtenviertel
    Über zwei Grachten ist das Grachtenviertel an die Aa-Promenade angeschlossen. Das Viertel ist im Gegensatz zur Promenade nicht abgesenkt, sodass sich Wege und Wasserflächen um ca. 1,50m nach Süden zur Aa Promenade herabterassieren. Die Bautypologie hier entspricht weitgehend der verdichteten Einfamilienhaus-Wohnbebauung, wie sie hier im engen planerischen Umfeld anzutreffen ist. Zur Betonung der Stadtkante im Landschaftsraum sind nach Osten hin dreigeschossige Wohnungsbauten angeordnet. Im Norden an der Don-Bosco-Straße wird als Sonderbau einer Seniorenwohnanlage dargestellt. Das robuste städtebauliche Konzept lässt auch andere Wohnformen, wie Baugruppen, Altenwohngemeinschaften etc. zu.

    Das Textilquartier
    Gegenüber der Aa Promenade, am Südufer der Aa befindet sich das Textilquartier. Dieser Bereich wird dominiert und flankiert durch die erhaltenen historischen Gebäude der Textilindustrie im Westen und Osten. Diesem industriellen Charakter entsprechend stellt es ein Mischgebiet dar mit einem Übergang von einer gewerblichen Nutzung im Süden, über ein Angebot von Wohnen und Arbeiten in einem Haus zu einer wohndominierten Nutzung im Norden entlang der Aa. Die Ziegelfassade und die ersten beiden Sheddachreihen der Spinnerei in der Industriestraße sollen erhalten bleiben und gewerblich genutzt werden. Damit bleibt das identitätsstiftende Ensemble der niedrigen Spinnerei mit ihren beiden hohen flankierenden Nachbarn erhalten. Somit werden ideale Voraussetzungen für ein loftartiges Wohn- und Gewerbequartier geschaffen. Im Inneren dieses Quartiers bildet eine Esplanade die qualitätsvolle Erschließung sowohl von der, der Straßenseite abgewandten Baukante in die gewerbliche Nutzung entlang der Industriestraße, als auch in die nördlich gelegenen Stadthäuser für Wohnen und Arbeiten. Diese Gebäude nördlich der Esplanade nutzen die für Gewerbeadressen geeignete Nachbarschaft und die günstige Verkehrserschließung einerseits für Büros im Erdgeschoss, andererseits eignen sie sich in den Obergeschossen durch die Zuwendung zum ruhigen Innenhof und an das nahe gelegene Aa Ufer bestens für zugehörige Wohnungen. Der nördliche Flügel des gleichen Baublocks entlang der Aa ist wegen seiner ruhigen Lage gänzlich dem Wohnen vorbehalten.

    Das Waldviertel
    Das Waldviertel liegt bereits östlich des Textilmuseums und damit außerhalb des eigentlichen urbanen Bereichs. Daher ist abgesehen von einer abriegelnden Gewerbebebauung zur Industriestraße hin die Bebauungsdicht bewusst ausgesprochen gering, was dem Viertel sofort einen exklusiven Charakter verleiht. Ein großzügiger Baumbestand ist hier in allen Bereichen angestrebt. Es besteht die Möglichkeit für ca. acht individuell geplante großzügige Einfamilienhäuser auf jeweils etwa 1000qm großen Grundstücken und etwa 11 weiteren Steghäusern am Ufersaum, die bis in die, an dieser Stelle leicht aufgeweitete Aa hineingebaut werden könnten. Ergänzt und zeichenhaft betont wird das Waldviertel durch einen ca. 20m hohes Apartmenthaus, das insbesondere durch sein Ausblick in die umgebenden Landschaftsräume eine besondere Qualität aufweist.

    Bocholt im Blick
    Innerhalb des Quartiers kommt der Verbindung des Industriemuseums mit dem zukünftigen Textilmuseum wesentliche Bedeutung zu. Der Weg zwischen beiden sollte einerseits relativ direkt und andererseits auch interessant sein. Ein Erlebnispfad der selbst Bestandteil der Ausstellung wird. Entlang des Weges und auch bei der Querung der Aa selbst werden in Vitrinen oder durch Abbildungen Exponate gezeigt. Dies könnte beispielsweise den Weg der Baumwolle von Übersee nach Bocholt dokumentieren. So ist die Brücke selbst als Kette von Pontons gestaltet (ein Einzelner kann auch zum Zweck der Querung des Revisionsbootes herausgeklappt werden). Auf dem Wasser könnte auf dieser Weise der Seeweg der Baumwollschiffe thematisiert werden. Südlich der Brücke ist ein kleiner, etwa 5m hoher Hügel aufgeschüttet. Ihm kommt die wichtige Bedeutung zu, Sichtbezüge über weitere Distanzen möglich zu machen. Von hier aus sieht man die Aa Promenade, den Aa See mit seiner Fontäne, der ansonsten hinter der etwas höher gelegenen Uhlandstraße versteckt wäre und entlang der Aa Richtung Innenstadt zum markanten Turm der Sankt Georg Kirche in der westlichen Altstadt. Diese Blickbeziehungen sind sehr wichtig, da sie den neuen Entwicklungsbereich, der über seine weitgehend industrielle Nutzung bislang einen Unort darstellte, in das städtische Gefüge einordnet. Gleichzeitig bilden die Brücke mit dem angrenzenden Hügel, der dort auch eine Landart Objekt tragen könnte, ein wesentliches identitätsstiftendes Element für den gesamten Entwicklungsbereich allgemein und insbesondere für die beiden auf zwei Standorte verteilten Museen.

    Landschaftsplanung
    Als klar und für sich als selbstverständlich ablesbare, landschaftliche Linie führt die Aa in Richtung des Aa-Sees und schafft die Möglichkeit einer Synergie zwischen Stadtraum und Landschaftsraum.

    Diese Gewässerlandschaft der Aa folgt bereits heute in ihrer gewachsenen Substanz den Gestaltungsprinzipien des klassischen Landschaftsparks. Der malerische Eindruck des Uferbereiches ist zeitgleich Bindeglied zwischen Stadt und der freien Landschaft.

    Der klassische Landschaftspark versteht sich als gestaltete Landschaft dessen Vorbild die Natur selbst ist. Die vorhandenen Strukturen mit der Anmutung eines Landschaftsparkes jedoch sind noch unscharf und bedürfen behutsamer Maßnahmen, um das Bild und somit seinen Reiz weiter zu qualifizieren und zu stärken. Die gestalterische Förderung dieser vorhanden Substanz soll ohne Überformung durch gezielte Herausstellung von Sichtbeziehungen (Auslichtung von partiellen Bereichen) und durch Erhöhungen des Spannungsbogens entlang von Wegebeziehungen (wechselhaftes Öffnen und Schließen von Blickachsen durch markanten Einsatz von Baumgruppen) erfolgen. Uferbereiche, für sich mit hoher Attraktivität versehen, werden in Teilbereichen freigestellt und stärker in das Bewegungssystem in dieser Landschaft eingebunden. Wege werden über „Wegeanker“, Plätze mit besonderer Aufenthaltsqualität, attraktiver für das Nutzen dieser gewachsenen Landschaft. Die großen Wiesenfläche, eigen schon besonders, werden durch die Einstreuung von Baumgruppen als Schattenspender einmaliger.


    Option einer Multifunktionshalle
    Planerisch ist es möglich im südöstlichen Planungsbereich eine Multifunktionshalle einschließlich der notwendigen Stellplätze anzusiedeln. Das Konzept des lang gestreckten Hügels entlang der Aa schirmt den übrigen Planungsbereich wirksam gegenüber den Emissionen dieser Nutzung ab.

    Das Waldviertel einschließlich der besonders attraktiven Steghäuser am Aa Ufer müssten dann allerdings entfallen. Eine ausgesprochene Synergie zwischen der Multifunktionshalle und der Landschaftsbereich ist nicht zu erkennen, anders als es beim vorgeschlagenen Waldviertel der Fall ist. Insofern erscheint es angeraten für die vorgesehene Multifunktionshalle alternative Standorte in Bocholt zu erwägen.

    Beurteilung durch das Preisgericht
    Liegt nicht vor.