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  • Anerkennung

    gesamtplan

    Landschaftsarchitekten
    Schegk Landschaftsarchitekten | Stadtplaner, Haimhausen (DE), Memmingen (DE) Büroprofil

    Mitarbeit
    Stephan Gentz, Alexandra Haupt

    Erläuterungstext
    Städtebauliches Konzept

    Das orthogonale Achsensystem aus Kaiserstraße und Karl-Friederich-Straße überlagert seit den Planungen Friedrich Weinbrenners zu Beginn des 19.Jahrhunderts den charakteristischen, auf das Schloss strahlenförmig zentrierten Stadtgrundriss. Heute stellen die beiden Straßenzüge das kommerzielle Rückgrat der Innenstadt Karlsruhes dar und verbinden die Haupteinkaufszentren – ein später Sieg bürgerlichen Kaufmannsstolzes über absolutistischen (Unter-)Ordnungsanspruch?
    Entsprechend selbstbewusst wertet der Entwurf die beiden Straßenzüge auf, indem er sie mit einem wertigen Belag aus Basalt ausstattet, der aber in seinem Farbton und seiner homogenen Textur vornehme Zurückhaltung nicht vermissen lässt. Aus dieser Grundhaltung heraus kann es sich die neue bürgerstolze Gestaltung leisten, dem alten zentralistischen Anspruch und seiner grandiosen axialen Ausformung in der Ausrichtung der Belagsfugen ihre Referenz zu erweisen.

    Die neue Bürgerachse verbindet vom Kaiserplatz im Westen bis zum Bernardusplatz am Durlacher Tor im Osten Platzräume mit ganz unterschiedlichen funktionalen Prägungen, die sich auch in der gestalterischen Ausformung der Plätze niederschlägt.
    So bildet der Kaiserplatz mit seiner klassischen Gestaltung um das Kaiser-Denkmal herum den Aufgalopp zur Achse im Westen, an deren Ende sanft ansteigende Rasenstufen der Bernarduskirche wieder einen angemessenen Auftritt verschaffen und ihr weithin sichtbar Aufmerksamkeit vermittelt. Dazwischen liegen Europaplatz und Berliner Platz – beide als Aufweitung des Straßenraumes, die von der westlich bzw. östlich in die Kaiserstraße einmündenden Straßenbahntrasse geprägt sind.
    Am Europaplatz ist die Gestaltung mit großformatigen, rechteckigen Platten Ausdruck dieses funktionalen Charakters und entwickelt gleichzeitig die nötige Kraft, um den Platz trotz seiner starken funktionalen Prägung als Einheit erleben zu lassen.
    Die lockere Stellung der Bäume am Berliner Platz löst sich hingegen von strenger Ordnung und betont einen offenen Zugang zur Universität.

    Mittelpunkt und Höhepunkt der Abfolge ist der mittig am Schnittpunkt der Achsen angelegte Marktplatz. Der Wirkung dieses großartigen Stadtraumes ordnet sich die Gestaltung des Stadtbodens unter. Die Homogenität des Basaltbelages buhlt nicht um Aufmerksamkeit und lässt so die baulichen Kanten sowie den Eindruck der Pyramide als zentrales Element des Platzes auf den Betrachter wirken. Die Grundhaltung vornehmer Zurückhaltung wird so zum durchgehenden Motiv, das mit der Gestaltung der Auf- und Abgänge zum Straßenbahntunnel korrespondiert. Lediglich ein historisch belegtes aus geschliffenen Basaltzeilen sowie eine etwas feinere Bearbeitung des Pflasters (gestrahlte Oberfläche, gesägte Kanten) heben den ansonsten materialgleichen Belag vom übrigen Stadtboden ab.
    In der Verlängerung der Via triumphalis nach Süden kommt wieder das Strahlenthema zum Tragen. Die Fußgängerzone wird konsequent bis zum Ettlinger Tor erweitert.

    Der Straßenzug der Kaiserstraße selbst bildet mit seiner material-einheitlichen Gestaltung ein starkes Rückgrat, das jedoch in seiner Textur konsequent auf den Stadtgrundriss reagiert und so die die Hauptachse schneidenden strahlenförmig angelegten Strassen anbindet. Die gestalterische Visualisierung der Achsen mit linearen Entwässerungselementen besonderer Ausprägung betonen dieses Wechselspiel. Das Konzept der formalen Baumblöcke im Straßenraum der Kaiserstrasse wird als angemessenes Gestaltungselement beibehalten. Die Kaiserstrasse erhält nach der weitgehenden Entlastung vom Trambahnverkehr eine neue Identität als Flanier- und Einkaufsmeile Karlsruhes.

    Beurteilung durch das Preisgericht

    Ausgehend von einem Verständnis der Kaiserstraße als Ort und Ausdruck des „bürgerlichen
    Kaufmannsstolzes“ und als Querung des auf das Schloss zentrierten Fächers, entwickelt der
    Entwurf sein ebenso intelligentes wie anregendes Gesamtkonzept. Ziele ist dabei – eingedenk
    der Vielfalt der angebotenen Themen und des geometrischen Spiels der Beläge – die Homogenität
    im gestalterischen Ausdruck.
    Beginnend am Mühlburger Tor / Kirchplatz als mit Baumreihen gerahmter Park im Westen bis
    hin zum Durlacher Tor mit den sanft ansteigenden Rasenstufen zur Bernharduskirche im Osten
    entwickeln sich die einzelnen Teilabschnitte und Stadträume aus den jeweiligen funktionalen
    Prägungen eigenständig und im Dialog zueinander. Als Referenz an den feudalen Ursprung des
    Stadtgrundrisses ist der zentrale Bereich der Fußgängerzone von den Radialen gestalterisch
    überlagert. Die Bodenbeläge sind dort im Strahlenwinkel verlegt und mit einem linearen Bronzeband
    mit Texten zur Stadtgeschichte versehen. Das markante und den Entwurf prägende
    Thema der radialen Ausrichtung drängt in die Strahlenstraßen, wo jedoch der weitere Verlauf
    dieses Motivs unklar bleibt.
    Sowohl die Baumgevierte an den Strahlenknoten wie die Leuchtenstelen in deren Achse sind im Gegensatz zum neuen Spiel der Richtungen aus dem Bestand übernommen. Ob die derzeit bestehenden Raumsequenzen in der Neugestaltung der Kaiserstraße auch künftig überzeugen können, wird im Preisgericht kritisch diskutiert, zumal manche der gegenwärtigen Baumstandorte
    mit den anstehenden Tiefbauarbeiten entfallen werden.
    Die nördlichen und südlichen Teilbereiche des Marktplatzes bilden mit dem auf dem Grundquadrat der Pyramide aufbauenden Raster eine Einheit. Damit entsteht ein großzügiger und der Großartigkeit des Stadtraumes angemessener Raumeindruck, der im Alltag offen ist für unterschiedlichste Nutzungen. Zwar durch die dortigen Verkehrsbauwerke eingeschränkt gilt dies auch für den Europaplatz.
    Der trotz der unterschiedlichen Motive in den wechselnden geometrischen Ordnungen homogene gestalterische Gesamteindruck ist durch die einheitliche Gesteinsart aller Beläge gegeben.
    Die Verfasser schlagen Basalt vor, ein Material, das mit seiner Struktur und Farbigkeit die vom Verfasser gewünschte Ästhetik und auch städtische Eleganz erzeugt. Die gezeigten Materialbilder deuten allerdings eher auf Basaltlava hin. Leider lässt das dargestellte Verlegedetail mit den stereotyp gleichgroßen Formaten die im Lageplan gezeigte Lebendigkeit vermissen. Ob der Belag, insbesondere im Bereich des Marktplatzes mit den geschliffenen Basaltzeilen, die Anforderungen an die Gehsicherheit erfüllen kann, ist fraglich. Nicht einfach dürfte sich auch die Wärmeentwicklung der dunklen Oberfläche an sonnigen Sommertagen darstellen. Insgesamt erscheint der Materialvorschlag im Hinblick auf Atmosphäre und Alltagsnutzung schwierig und wird im Preisgericht kritisch diskutiert.
    Insgesamt überzeugt die vorgeschlagene Gestaltung also eher konzeptionell und ästhetisch.
    Sie ist eigenständig, fast eigenwillig aus der Auseinandersetzung mit dem Genius Loci der Stadt entwickelt, gut durchgearbeitet und verspricht ein markantes und unverwechselbares Gesamtbild. In diesem Sinne ist dieser Entwurf ein anregender Beitrag zur gestellten Aufgabe, dessen Tragfähigkeit jedoch nicht überzeugend vermittelt werden kann.