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  • DE-31134 Hildesheim
  • 04/2010
  • Ergebnis
  • (ID 2-25402)

Neugestaltung des Domhofs


  • Preis Zur Überarbeitung aufgefordert


    Landschaftsarchitekten
    Schegk Landschaftsarchitekten | Stadtplaner, Haimhausen (DE), Memmingen (DE) Büroprofil

    Mitarbeit
    Stephan Gentz, Alexandra Haupt

    Preisgeld
    6.000 EUR

    Erläuterungstext
    neugestaltung des domhofs | hildesheim
    Städtebau
    Der Dombezirk zu Hildesheim wird auch heute noch als geschlossenes städtebauliches Ensemble kirchlicher Prägung erfahren. Der Entwurf zur Umgestaltung der Freianlagen findet darauf eine angemessene Antwort. Die herzförmige Figur dieser Keimzelle der Stadt ist im Stadtgrundriss gut ablesbar. Im Nordosten öffnet sich die ansonsten trutzig geschlossene, von Gärten umringte ehemalige Domburg zur nahen Stadtmitte hin, wo sich mit dem Landessozialamt das einzig weltliche Gebäude in den Dombezirk schiebt. Diese Verbindung zur nahen Altstadt mit mehreren Öffnungen wird künftig einladender für die Besucher werden und damit gestärkt. Die schmalen Ein-/ Auslässe im Nordwesten und Südosten des Bezirkes betonen den ansonsten geschlossenen Charakter der Anlage.
    Der Mariendom in der Mitte teilt das überwiegend von kirchlichen Bauten umringte Innere des Dombezirkes in den ruhigeren südlichen ‚Kleinen Domhof’ und den nördlichen ‚Großen Domhof’. In diesem wird der Besucher – ob mit Auto, Fahrrad oder zu Fuß – künftig großzügig empfangen und mit Übersicht zu den freigestellten Eingängen von Dom, Museum etc. geleitet.
    Der östlich unterhalb liegende Bernwardplatz an der Kreuzstraße bildet von der Innenstadt kommend gleichsam den Vorhof zum Dombezirk, von dem aus der Aufgang mit Treppe zum Dom hinauf führt. Durch einen abgesetzten, verglasten Neubau auf dem historischen Sockel wird an dieser Stelle mehr Transparenz und Austausch mit der Stadt möglich, der Aufgang für die Besucher attraktiver und der Dom für die Stadt präsenter.

    Erschließung
    Der wichtigste Zugang für die Fußgänger von der Altstadt führt über den Treppenaufgang, der durch Zwischenpodeste komfortabler und flacher gestaltet wird. Zusätzlich macht ein Lift am vorgeschlagenen Neubau den Zugang auch für Behinderte möglich. Der Zugang von Osten zum Haupteingang des Mariendoms im Norden sowie zum neuen Museumseingang wird wesentlich aufgewertet.
    Radfahrer nutzen die Torbögen des Ämtergebäudes um im Verlauf des alten Handelswegs zwischen Elbe und Rhein in den Dombezirk zu gelangen bzw. ihn in Ost-West-Richtung als attraktiven Radweg zu queren.
    Die einzige Zufahrt für PKW erfolgt im Nordosten, vom gestalterisch aufgewerteten Bohlweg bzw. vom verkehrsreichen Pfaffenstieg kommend. Nach Passage der Schranke ist die Anfahrt zu allen Gebäuden und deren Stellplätzen möglich. Der PKW-Verkehr ordnet sich mit Schrittgeschwindigkeit dem Geschehen im Domhof unter.
    Stellplätze werden in die rückwärtigen Gärten des Hofes verlagert, lediglich auf dem ‚Kleinen Domhof´ bleibt noch ein Minimum an Stellplätzen unter den Bäumen des Hofes unauffällig erhalten.

    Grün
    Das Grün ergänzt und unterstützt die grandiose bauliche Figur der Domburg und das gesamte städtebauliche Ensemble. Der große Domhof wird in seinem geschätzten grünen Charakter mit Wiese und großen Bäumen erhalten, das Nordportal als Hauptzugang des Mariendoms aber stärker freigestellt.
    Im kleinen Domhof überstellen Bäume die befestigte Hoffläche und die wenigen Stellplätze und schaffen so einen ruhigen Charakter.
    Südöstlich und nordwestlich des Doms schaffen die mit niedrigen Mauern gefassten Rosengärten zusätzlich Oasen zur Erbauung und Besinnung und verweisen auf die Rosenroute der Stadt.


    Gestaltung
    Ein einheitlicher Belag aus Natursteinpflaster mit bearbeiteter Oberfläche im richtungslosen Netzverband über den ganzen Hof verlegt ordnet sich dem städtebaulichen Ensemble und seiner kulturhistorischen Bedeutung unter und vermeidet so falsche Inszenierungen wie auch unangemessene Hervorhebung verkehrlicher Funktionen. Auch das Bernwardsdenkmal wird somit besser erlebbar.
    Als scheinbar unbewusste Zeugen werden in den Verlauf des alten Handelsweges einzelne Steine aus den mit diesem Weg verbundenen Regionen eingestreut und durch Platten die langjährige Trennung der beiden Höfe beispielsweise durch das `Dreibogengebäude´ wieder sichtbargemacht.
    Mit Aufkantungen in Form von langen Blöcken werden sowohl Sitzmöglichkeiten an entsprechenden stellen geschaffen wie auch topographische Notwendigkeiten gelöst, ohne das räumliche Erlebnis des baulichen Ensembles unangemessen zu überlagern.
    Im Nordosten wird zwischen Kardinal-Bertram-Haus und Landessozialamt eine bauliche Neuordnung vorgeschlagen, die mehr Transparenz und Durchlässigkeit schafft und so die Verbindung zur Stadt und den Treppenaufgang stärkt. Das neue ‚gläserne Foyer‘ des Kardinal-Bertram-Hauses dient gleichzeitig als Cafébar für die Besucher des Weltkulturerbes und erneuert die Tradition der Domschenke.
    Die Vernetzung der Weltkulturerbe-Stätten mit der Stadt und weiteren Sehenswürdigkeiten mit Plattenbändern, Lichtstelen und Baumreihen wird aufgegriffen. Die Plattenbänder führen durch die Zugänge im Osten, Westen und Süden in den Dombezirk hinein.

    Wandleuchten an der den Hof umgrenzenden Bebauung lassen die baulichen Raumkanten zurückhaltend erstrahlen. Mit unterschiedlichen Farbtemperaturen für die verschiedenen Epochen wird der historische Verlauf der Entstehung und Umformung des Ensembles sichtbar gemacht. Auf eigene räumliche Elemente wie Lichtstelen kann somit verzichtet werden. Die Inszenierung des Mariendoms in der Mitte mit Strahlern entfaltet sich ungehindert.

    Im ‚Kleinen Domhof’ öffnet sich im Belag ein Zeitfenster, um die archäologischen Spuren der historischen Verläufe sichtbar zu machen.

    Beurteilung durch das Preisgericht

    Der Entwurf befreit den Domhof konsequent von überflüssiger Möblierung und schafft großzügige Sichtachsen. Dem Dom wird mehr Raum gegeben, um seine Wirkung auf den Besucher zu entfalten. Der Domhof wird für größere Veranstaltungen besser
    nutzbar.
    Bäume werden lediglich in aufgelockerter Anordnung positioniert. Sie bilden damit einen Kontrapunkt zu den klaren Raumkanten des Domhofs und definieren
    gleichzeitig die Wegebeziehungen. Zweifelhaft bleiben allerdings einige Standorte in der Nähe der Zugänge, so z.B. am Paulustor und in Richtung Hückedahl.
    Eine weitgehend einheitliche Pflasterfläche legt sich wie ein Teppich stufenlos über die gesamte Topografie.
    Die Homogenität der Platzfläche stellt den Dom so erkennbar in den Mittelpunkt des gesamten Hofes.
    Wie auch bei anderen Beiträgen bleibt fraglich, ob dies insbesondere im Bereich vor der Westfassade angesichts der Höhenverhältnisse realisierbar ist.
    Die Plattenbänder des Vernetzungsthemas der Welterbestätten führen bis in den Domhof hinein und verbinden die umliegenden Quartiere mit dem Wettbewerbsareal.
    Der Ersatz des Kardinal-Bertram-Hauses durch einen transparenteren Neubau wird begrüßt, da damit eine funktionale und gestalterische Aufwertung der Achse
    zur Kreuzstraße verbunden ist. Unbefriedigend gelöst ist die Eingangssituation am
    Bohlweg / Pfaffenstieg. Hier werden Restflächen gestaltet, die diesen Zugang nicht erkennbar attraktivieren.
    Unbeantwortet bleiben Fragen nach der Baumstellung im Pflaster, zur Material-wirkung insbesondere des Pflastermaterials, zum Charakter der Freifläche vor dem Landessozialamt und die Gestaltung und Platzierung der Rosenbeete an den
    Seitenschiffen.
    Die angebotenen Perspektiven und das Beleuchtungskonzept sind wenig aussagekräftig.

    Vorstellung und Bewertung der überarbeiteten Entwürfe
    Der Entwurfsverfasser unterlässt weitgehend die im Preisgericht des Wettbewerbs vorgeschlagene, kontrastreichere Darstellung der einzelnen Funktionsbereiche. Die Aussagekraft der Planung in Bezug auf die spätere Materialwirkung bleibt damit begrenzt. Aber auch in der baulichen Abgrenzung der Flächen wird auf die Ausbildung deutlicher Konturen verzichtet.
    Die Anordnung der Parkplätze ist klar und nachvollziehbar. Das Bernwarddenkmal wird am alten Standort belassen, wirkt aber in der jetzt vorgeschlagenen Fläche etwas verloren. Der Zugang am Bohlweg / Pfaffenstieg wird einheitlich gestaltet
    und erhält Aufenthaltsqualität, bleibt aber dennoch für Anlieger befahrbar. Die Notwendigkeit der in diesem Bereich angeordneten Treppe wird diskutiert, das vorgeschlagene Wasserelement als dort unnötiges Gestaltungsmittel aber
    abgelehnt. Insgesamt wird jedoch ein homogenerer Übergang auf den Domhof geschaffen.