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  • 3. Preis


    Landschaftsarchitekten
    wbp Landschaftsarchitekten GmbH, Bochum (DE) Büroprofil

    In Zusammenarbeit mit:
    Architekten: Kemper Steiner & Partner GmbH, Bochum (DE)

    Erläuterungstext
    Städtebau und Freiraum
    Gesamtkonzept/ Identifikation
    Das neue urbane Zentrum bildet eine starke Mitte und vernetzt zugleich
    vorhandene Nutzungsschwerpunkte (PEP und PEP+, heutiges und neues
    Wohnen und Büros, Bürger- und Kultureinrichtungen) durch neue
    Wegebeziehungen.
    Die vorhandene großmassstäbliche Bebauung wird durch eine innerstädtisch
    dichte Struktur ergänzt, die eine starke Zeichenhaftigkeit mit einer hohen
    Nutzungsqualität verbindet.
    Erschließung
    Der Marktplatz bildet das vom Verkehr geschützt liegende neue Zentrum. Als
    Gelenk des Quartiers verbindet er die verschiedenen Funktionen und dockt
    an die O-W-Magistrale mit U-Bahn und ZOB an.
    Bürgerzentrum, Festspielhaus mit Büroturm und der Marktplatz erhalten eine
    direkte Anbindung an die Zugangsebene zur U-Bahn.
    Die Tiefgarage und die Andienung des autofreien Quartiers erfolgen über die
    Von-Knoeringen-Straße und die Fritz-Erler-Straße (Ausbau laut Auslobung). Nur
    an der östlichen Seite der Thomas-Dehler-Straße werden Kurzzeitstellplätze
    angeboten.
    Die Thomas-Dehler-Straße wird zu Gunsten der Anlage einer dreireihigen Allee
    auf eine Fahrspur zurückgebaut und die Geschwindigkeit auf 30 km/h
    reduziert. Die Wegebeziehungen zwischen Marktplatz und dem PEP werden
    durch die Pflasterung dieser Achsbereiche in der Fritz-Erler-Straße betont.
    Freiflächenqualität
    Urbane Dichte und nutzungsoffene Platz- und Parkräume prägen das
    Quartier. Während der Marktplatz die O-W-Magistrale und das PEP an die
    neue Mall heranführt und als eine Bühne des öffentlichen Lebens dient, bilden
    die beiden Wohnhöfe im Norden und Süden geschützte Wohnbereiche mit
    privaten, wie gemeinschaftlichen Aussenflächen.
    Die Wohnungen verfügen über private Aussenräume: großzügige Balkone,
    Loggien bzw. im EG über kleine Gartenparzellen, die durch einen
    Niveauversprung von den Gemeinschaftsgrünflächen bzw. dem öffentlichen
    Park getrennt sind.
    Das O-W-gerichtete Parkband bietet den grünbetonten Aufenthalts- und
    Erholungsraum des Quartiers. Markt und Park können sich bei Bedarf
    (Sommerfeste u.ä.) ergänzen. Das Parkband wird nach N und S durch
    baumüberstandene Wegeflächen mit Spielangeboten und Sitzsockel
    begrenzt, der den Niveauversprung des nach Osten abfallenden
    Rasenplateaus auffängt.
    Versiegelung und Entsiegelung
    Dachbegrünungen reduzieren die Versiegelung und schaffen (z.B. auf dem
    großflächigen PEP) neue Nutzungsmöglichkeiten. Das Dach- und
    Oberflächenwasser der östlichen Hälfte des neuen Quartiers werden dem
    Rasenfeld zugeleitet und dort versickert.
    Der Marktplatz wird aufgrund der hohen Verschmutzung hier nicht
    angeschlossen sondern, wie der Westteil des Quartiers an die vorhandene
    Erschließung angebunden. Dachbegrünungen reduzieren die Versiegelung
    und schaffen (z.B. auf dem großflächigen PEP) neue Nutzungsmöglichkeiten.
    Architektur und Freiraum
    Die Gebäudegeometrie vermittelt zwischen den städtebaulichen Achsen und
    prägt die spannungsvollen öffentlichen und privaten städtischen Räume. Die
    klar strukturierten Gebäudekuben bilden unverwechselbare Orte und
    schaffen ein charaktervolles neues Zentrum für Neuperlach.
    Aufgesetzte, eingesetzte, auskragende und überbaute Glaskuben innerhalb
    von ruhigen und unaufdringlichen aus konisch zulaufenden winkel- und Uförmigen
    Grundgebäudekörpern bilden ein spannungsvolles Verhältnis
    zwischen Offenheit und Geschlossenheit.
    Den baukörperlichen Mittelpunkt, Höhepunkt der meanderförmigen
    Gebäudestruktur in dem Quartier und die weithin sichtbare Landmarke
    Neuperlachs stellt der 72 m hohe Büroturm dar, der über die 18 m hohen
    "Sockelgebäude" weithin ausragt.
    Der zentrale Marktplatz wird von sämtlichen Gebäuden öffentlicher Nutzung
    umgeben und leitet die Besucher durch das neue Quartier.
    Kompakte Gebäudeformen und stadträumlich intensive Flächennutzungen
    im Rahmen von klar definierten Parzellen tragen zu einer wirtschaftlichen und
    energetisch positiven Realisierbarkeit bei.
    Kulturelles Bürgerzentrum
    Der Marktplatz bildet das zentrale Forum umgeben von den Nutzungen des
    kulturellen Bürgerzentrums. Festspielhaus und Stadtbibliothek befinden sich auf
    der Platzebene und laden die Passanten und Anwohner ein und schaffen
    eine nach allen Richtungen offene Atmosphäre.
    Einzelhandel und Kerngebietsnutzungen
    Um die Handelsfunktionen zu optimieren wird ein “Rundlauf” zwischen dem
    heutigen PEP und den ergänzenden Einzelhandelsflächen vorgeschlagen, der
    durch eine gläserne Brücke auf der Ebene 1 erfolgt. Gastronomie,
    fachmarktbezogene Einzelhandelseinrichtungen und Nahversorgungsangebote
    sind direkt an den öffentlichen Nahverkehr angebunden, orientieren sich
    zum neuen Markt und beleben die öffentlichen Plätze und Grünflächen.
    Wohnbebauung
    Charakteristisches Merkmal für die Wohnbebauung ist die multifunktionale
    Schallschutzwand zur Fritz-Eler-Straße. Neben einem effektiven Schallschutz in
    Richtung der Hauptverkehrsstraße bietet die gläserne, natürlich belüftete
    Spange die Möglichkeit einer effektiven, spannungsvollen Erschließung,
    geschützte "Grüne Gärten" innerhalb der Geschosse mit Wintergärten und
    Ausblicke innerhalb der transparenten Komunikationsachse.
    Die Wohngebäude lassen flexible Wohnungsgrößen unterschiedlichster
    Wohnformen zu.

    Beurteilung durch das Preisgericht

    Dem Gesamtkonzept gelingt es überzeugend in der Anordnung der Baukörper und der Freiflächen
    eine Beziehung zum bestehenden Einkaufszentrum aufzunehmen und bildet dabei
    selbstbewusst eine eigenständige Komposition: 2 diagonale Achsen verknüpfen das PEP mit
    dem innenliegenden Marktplatz, der die Mitte des Ensembles bildet. Geschickt werden die
    Baukörper des Handels und der bürgerschaftlichen Nutzungen um diesen Platz gruppiert.
    Der nördliche Eckpunkt, in dem sich das Festspielhaus befindet, wird durch ein Bürohochhaus
    auch städtebaulich herausgehoben. Die Lage des Boardinghauses ist richtig gewählt,
    die starke Betonung der Stadtloggia erscheint überzogen.
    Die differenzierte Ausbildung der öffentlichen Fläche und ihre Zuordnung zu den angrenzenden
    Nutzungen sind positiv hervorzuheben.
    Im Osten werden Wohnblöcke angeordnet, die sich nach innen öffnen und Privatheit bieten
    ohne sich zu isolieren, und über das grüne Rasenfeld in Verlängerung des Marktplatzes an
    das Gesamtensemble angebunden werden.
    Das Weiterführen der diagonalen Achsen bis zur Wohnbebauung erscheint unschlüssig.
    Der Einzelhandelsbaustein liegt an der richtigen Stelle und hat gute Möglichkeiten, sich zum
    Platz und zum PEP zu öffnen.
    Die Funktionen sind richtig verteilt, für sich unabhängig und trotzdem ins Gesamtkonzept
    integriert.
    Das Konzept erscheint hinsichtlich Erschließung, Grundstücksteilbarkeit und Ausrichtung der
    einzelnen Nutzungen umsetzbar.
    Die Schallschutzproblematik ist mit der angebotenen Glaswand nur bedingt gelöst, da für die
    gegenüberliegende Seite Reflektionen zu erwarten sind.
    Die Lage der Kita mit ihren Freiflächen ist gut gewählt, allerdings werden dadurch die privaten
    Freiflächen etwas reduziert.
    Durch den Rückbau der Thomas-Dehler-Straße auf jeweils 1 Fahrspur (vorgeschlagene Verkehrsberuhigung)
    wird die Anbindung über die diagonalen Achsen gestärkt.
    Insgesamt eine überzeugende Arbeit, die in der Maßstäblichkeit Neuperlach gerecht wird
    und einen neuen Ort mit eigenem Charakter schafft.