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  • CH-8462 Rheinau
  • 03/2010
  • Ergebnis
  • (ID 2-25470)

Neunutzung Klosterinsel Rheinau


  • 1. Rang


    Landschaftsarchitekten
    Erdmann Kicherer, München (DE), Waiblingen-Bittenfeld (DE) Büroprofil

    Verfasser
    Andreas Kicherer

    Mitarbeit
    Alice Gundermann

    In Zusammenarbeit mit:
    Architekten: Bembé Dellinger Architekten und Stadtplaner GmbH, Greifenberg (DE)
    Tragwerksplaner: Uwe Türk Statik Ingenieurbüro für Tragwerksplanung, Augsburg (DE)
    TGA-Fachplaner: Ingenieurgemeinschaft Hofer & Hölzl GmbH, Fürstenfeldbruck (DE)

    Preisgeld
    65.000 EUR

    Erläuterungstext
    Liegt nicht vor.

    Beurteilung durch das Preisgericht

    Der Abbruch des Wyssschen Gebäudes und die Platzierung eines neuen Eingangsgebäudes längs zum Fluss bewirken auf mehreren Betrachtungsebenen überraschende Klärungen an diesem neuralgischen Ort. Die Legitimität des Bauens an die Uferkante wird mit einem Stich aus dem Jahre 1754 belegt; dieselbe Art des Anfügens eines Gebäudes als Kopf zeigt sich auch im Nordosten der Klosteranlage beim Bibliotheksbau. Für den Ankommenden ist der stattliche Neubau nicht lediglich eine räumlich-funktionale Erweiterung, sondern ein selbstbewusstes Zeichen der Öffnung der Klosteranlage zu einem Ort der Kultur, des Lernens und des Lehrens.
    Durch diese veränderte Eingangssituation erscheint das Pförtnerhaus etwas zurückversetzt und ist nun richtigerweise das kleinere Gebäude im Zugangsbereich. Am Brückenkopf ergibt sich ein kleiner Empfangsplatz, der im Zusammenspiel mit dem offenen Erdgeschoss des Neubaus einen spannungsvollen Ort zwischen Innen und Aussen der Klosteranlage bildet. Das offene Erdgeschoss des Neubaus verbindet den westlichen und südlichen Bereich der Anlage mit dem Klostervorhof. Dieser ganze Bereich wird durch die neuen Setzungen deutlich aufgewertet. Der architektonische Ausdruck des Neubaus datiert unmissverständlich aus der heutigen Zeit, übernimmt aber die gestalterische Grundhaltung der Klosterbauten wie Klarheit, Strenge, repetitive Fassadenstrukturierung und kubische Einfachheit. Diese gestalterische Grundhaltung wird im Ansatz positiv gewertet, in der dargestellten Form wirken die Fassaden jedoch noch zu beliebig und erreichen nicht dieselbe Qualität wie der städtebauliche Ansatz. Mit seinem Flachdach und der Überstellung der Gewässerabstandslinie kann der Neubau allerdings
    nur über einen Gestaltungsplan realisiert werden. Die Grundrisse des Neubaus und des neu gestalteten Wolffschen Gebäudes lehnen sich an die einfache Typologie der Klosterbauten an. Die Korridore laufen längs den Fassaden zum Hof hin und erschliessen einseitig angeordnete Schulräume, welche attraktiv und effizient gestaltet sind. Im Mühlesaalgebäude werden alle Geschosse von Einbauten befreit und damit grosszügige Räume mit Quertransparenz geschaffen. Leider werden hier durch den Einbau von Küche und Treppenhaus die Gastronomieflächen zu klein, und die Zusammenlegung der Anlieferung mit dem Haupteingang ist betrieblich unerwünscht. Im Bereich der Gästezimmer sind die Nasszelleneinbauten funktional, gestalterisch und technisch präzise und überzeugen als räumliche Einbauten in die Zimmer. Ob damit auch eine angenehme Raumstimmung entsteht, ist jedoch noch nicht nachgewiesen. Nicht zu überzeugen vermag die vorgeschlagene Umgebungsgestaltung. Zwar ist die Freihaltung des Klosterhofes von Einbauten und die einheitliche Gestaltung des Bodenbelags hier sicher richtig, das Entfernen der mächtigen Bäume jedoch unverständlich. Auch die Gestaltung des Kreuzhofes mit der neu eingefügten Pergola irritiert.
    Das Projekt ist konsistent und von hoher Qualität. Mit der präzisen und überraschenden Setzung des Eingangsgebäudes werden neue Qualitäten geschaffen, welche das Klosterensemble aufwerten und ausgezeichnete Voraussetzungen für den geplanten Kultur- und Lernbetrieb schaffen. Dem Projekt gelingt es als einem von wenigen, mit einem zeitgemäss gestalteten und wirtschaftlich vertretbaren Neubau die Eingangssituation aufzuwerten.


INFO-BOX

Angelegt am 08.04.2010, 12:40
Zuletzt aktualisiert 25.04.2017, 16:29
Beitrags-ID 4-34315
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