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  • 2. Rang


    Landschaftsarchitekten
    RMP Stephan Lenzen Landschaftsarchitekten, Bonn (DE), Hamburg (DE), Köln (DE), Mannheim (DE), Berlin (DE) Büroprofil

    In Zusammenarbeit mit:
    Stadtplaner: berchtoldkrass space&options Raumplaner, Stadtplaner. Partnerschaft, Karlsruhe (DE)
    Architekten, Stadtplaner: STUDIO . URBANE STRATEGIEN Martina Baum, Stuttgart (DE)
    Verkehrsplaner: Diewald Bauingenieure, Fröhnd (DE)

    Erläuterungstext
    Mit Selbstverständlich Favoriten entsteht in Wien ein neues, für diesen spezifischen Ort entwickeltes, urbanes Stadtquartier: im Kontext der Umgebung und der dort vorgefundene Strukturen und Größenordnungen.
    Die Typologie des städtischen Blocks steht für Urbanität und ist charakteristisch für Favoriten, Wien und die europäische Stadt mit horizontaler und vertikaler Nutzungsmischung und starken urbanen Qualitäten im öffentlichen Straßenraum. Diese Typologie wird in Selbstverständlich Favoriten zeitgemäß weiterentwickelt.
    Der Stadtblock bildet dabei das robuste Grundgerüst, auf dem sich vielfältige Strukturen mit hoher architektonischer Qualität entwickeln können. Das Straßenleben im Quartier wird über besondere Maßnahmen und Strategien aktiviert: Als Teil des öffentlicher Raums mit besonderen Nutzungsrechten trägt die „Aurazone“ die Aktivitäten der Erdgeschosszone nach außen, und nutzt und bespielt den Straßenraum, der so ein Teil der Lebensumwelt wird. Verweilbereiche laden zum Spielen, Unterhalten, Ausruhen oder Arbeiten ein. Durch die gezielt gemeinsame Nutzung des Straßenraumes durch alle Verkehrsteilnehmer entfällt die Dominanz des Autoverkehrs. Die Straße entwickelt wieder urbane Qualitäten.


    Favoriten. Mitten in Wien.
    (Auszug Erläuterungsbericht):

    Das neue Stadtquartier befindet sich mitten in Wien am Nordrand des Stadtbezirks Favoriten und in bester Lage neben dem zukünftigen Hauptbahnhof. Diese Lagegunst eröffnet die Chance, einen neuen, urbanen Stadtbaustein zu entwickeln: zum Wohnen, Arbeiten, Lernen, Einkaufen, Ausgehen und Erholen. Die Umgebung mit ihrer Struktur und ihren Funktionsmustern wirkt auf die zukünftige Form, Zonierung und Intensität des neuen Stadtbausteins ein. Vorgefundene und überlieferte Einflüsse werden neu interpretiert und in eine quartiersgerechte Nutzungsidee transformiert. So entsteht das neue Stadtquartier aus dem
    Kontext heraus und dennoch eigenständig.

    Von Baufeldern über Städtische Blöcke zur Architektur
    Das Grundmuster der Baufelder leitet sich aus den ankommenden Strukturen und Größenordnungen der Umgebung ab. Blockmuster und Straßenleben erzeugen positive urbane Vernetzungen und fördern den aktiven Austausch zwischen Bestehendem und Neuem. Die „Wachstumsringe“ der Stadt bleiben sichtbar:
    durch neue Architektur und einen neu gelebten Umgang mit dem öffentlichen Raum. Das gleichmäßige Raster des Quartiers ermöglicht vielfältige spezifische Bewegungs- und Raumnutzungsmuster, welche die Gestaltung der Straßenräume, den Nutzungsmix und die Intensität des neuen Quartiers maßgeblich bestimmen.

    Vertrautes, neues Stadtquartier

    Städtischer Block
    Der Stadtblock ist eine Typologie, die nicht nur aus urbanistischen, sondern auch aus ökonomischen und ökologischen Aspekten überzeugt. Er fasst den Straßenraum, schafft klare Zuordnungen zwischen Innen und Außen und ermöglicht gleichzeitig differenzierte Übergänge zwischen privat, halböffentlich und öffentlich. Der Stadtblock ist charakteristisch für den Bezirk Favoriten, für Wien und für die klassische europäische Stadt an sich. Er bildet eine robuste städtische Grundstuktur, in der sehr viel Fexibilität für Nutzung und Gestalt steckt: Jeder Block kann sich dabei unabhängig entwickeln und dennoch gibt es einen Zusammenhalt.
    Aktivierte Erdgeschosszonen schaffen urbane Qualität, als besondere Strategie dient die Aura: Als Teil des öffentlicher Raums mit besonderen Nutzungsrechten soll sie dazu anregen, die Aktivitäten der Erdgeschosszone nach außen zu tragen, den öffentlichen Raum zu nutzen, zu bespielen, ihn als Teil der Lebensumwelt
    wahrzunehmen und damit auch, sich dafür verantwortlich zu fühlen.
    Die enorme innerstädtische Freiflächenreserve der Dachbereiche wird gezielt geöffnet: als Dachterrassen mit Aufenthalts- und Rückzugsbereichen, Gärten oder „Sonnendecks“ mit attraktiven Ausblicken. Ebenso dienen sie zur effektiven Deckung innerstädtischer Freiraumbedarfe, z.B. als Schulhof.

    Urbane Qualitäten im Straßenraum
    Kurze Wege, Fußgängerorientierung und Fahrradfreundlichkeit bilden die Basis für ein Quartier, in dem man eigentlich kein Auto braucht. Vielfalt und Durchmischung von Nutzungen und Bewohnern sowie starke öffentliche Räume und private Freiraumangebote sind die Merkmale einer urbanen Lebensweise, zu der städtebauliche Prinzipien und Regeln und die Gestaltung des öffentlichen Raumes erheblich beitragen.
    Die Straßenräume im Quartier sind als Fläche für alle ausgelegt und damit öffentlicher Raum im besten Sinn. Das Straßenleben findet dort statt. Verschiedene Zonen gliedern diese Fläche: Die Verweilbereiche sind mit großzügigen Stadtmöbeln ausgestattet. Sie bieten Raum für den Aufenthalt, ohne etwas konsumieren zu müssen, zum Unterhalten, Ausruhen, Spielen, Arbeiten usw. In den Aurazonen entsteht eine Interaktionsfläche zwischen Erdgeschosszone und öffentlichem Raum. Diese kann durch unterschiedliche Nutzungen bespielt werden: Auslagen, Tische, Möbel, usw. Kurzparkzonen ermöglichen das Parken für
    Besucher. Die Straßenräume sind aneigenbar und Teil des Lebensumfelds.
    Durch die gemeinsame Nutzung des Straßenraumes von allen Verkehrsteilnehmern entfällt die Dominanz des Autoverkehrs. Die Straße entwickelt wieder urbane Qualitäten.

    Nutzungskonzept
    Selbstverständlich Favoriten wird ein Quartier, in dem die Menschen gerne wohnen, arbeiten, ausgehen, die Schule besuchen, Sport treiben oder sich einfach nur in der urbanen Atmosphäre treiben lassen.
    Die Basis hierfür ist die horizontale und vertikale Mischung von Nutzungen und Angebote über das Wohnen hinaus. Die Blockstruktur ermöglicht diesen Nutzungsmix. Ein hoher Wohnanteil in unterschiedlichen Wohnungstypologien, Arbeiten in Büros oder im eigenen Erdgeschoss, Läden, Gastronomie und auch
    kleinere Gewerbeeinheiten können in dieser Struktur realisiert werden. Freizeit- und Erholungseinrichtungen ergänzen das Angebot für Bewohner und Gäste. Der neue Stadtbaustein ist von Anfang an mit einem ausgewogenen Netz von Sozialinfrastruktur ausgestattet. Zu diesem zählen die Schule, zwei Kinderbetreuungseinrichtungen sowie das angedachte Stadtquartiershaus mit Bibliothek und Café.

    Freiraumkonzept
    Ein differenziertes Freiraumsystem vernetzt das Quartier mit der umgebenden Stadtstruktur. Dabei stellen verschiedenartige Freiraumelemente Verbindungen zwischen Quartier und Waldmüllerpark, Kliebergasse, Columbusplatz, Südtiroler Platz und Neuem Hauptbahnhof her. Die Straßenräume sind ein wichtiger
    Teil dieses Freiraumkonzepts. Diese öffentlichen Räume sollen nicht mehr nur dem Verkehr und Parken dienen, sondern benutzbar und aneigenbar sein.
    Das Rückgrat des Freiraumsystems ist der Boulevard zwischen Columbusplatz und Waldmüllerpark. An diesen gliedern sich urbane und „grüne“ Stadträume an. Die in Ost-West-Richtung verlaufenden Straßenabschnitte verfügen über mit Bäumen und großzügigen Straßenmöbeln gestaltete Verweilbereiche, die zu Aktivitäten und Erholung gleichermaßen einladen. Größere nutzungsoffene und aneigenbare Bereiche sind der Quartiersplatz, der Sonnen- und Rodelhang und die Urbane Allmend. Die Innenhöfe werden hingegen privat genutzt. Hier befinden sich Gärten, Gemeinschaftsflächen sowie Kleinkinderspielplätze.
    Die verschiedenen Freiräume nehmen wichtige stadtökologische Funktionen wahr, etwa als Frischluftschneise, als Lebensraum für Tiere und Pflanzen oder für den Wasserhaushalt. Im Quartier werden über 270 Bäume neu gepflanzt, die gleichzeitig als Ersatzpflanzung dienen.

    Strategie
    Die Strategie für die Konversion des ehemaligen Bahngeländes besteht aus einer Vision, einem stabilen Grundgerüst sowie flexiblen Elementen. Im Sinne einer strategischen Projektentwicklung hält das Konzept Entwicklungspotenziale für die Zukunft offen, bietet aber dennoch Qualität von Beginn an.
    Die Vision projiziert die gewünschten Qualitäten in ein verständliches Bild, das die angestrebte Entwicklung nachvollziehbar macht und den Transformationsprozess begleitet.
    Das stabile Grundgerüst bildet die Basis für die gewünschten Qualitäten in jeder Phase des Projekts. Dieses beinhaltet folgende Leitlinien und Prinzipien:
    - Verknüpfung mit dem Kontext
    - das Blockraster mit seinen Baufeldern
    - der Stadtblock als städtebauliche Grundtypologie
    - Entwicklung von Raumkanten
    - vertikale und horizontale Funktionsmischung auf den Baufeldern
    - die besondere Beachtung der EG-Zonen
    - das Verkehrskonzept des gemeinschaftlich genutzten Straßenraums
    - ein Freiraumkonzept für den Straßenraum

    Die flexiblen Elemente geben Spielraum und ermöglichen Reaktionen auf sich verändernde Bedürfnisse und Rahmenbedingungen. Das Raster mit seiner Blocktypologie bietet diese Flexibilität:
    - Entwicklung pro Baufeld möglich
    - Eigenständigkeit jedes Stadtblocks in Architektur, Typologie und Nutzung
    - Aufgliederung des Stadtblocks in einzelne Gebäudeteile
    - Offenheit für unterschiedlichste Typologien (Apartments, Lofts, Maisonetten, Büro, Stadthäuser, ...)
    - Kombinationsmöglichkeit verschiedener Typologien und Nutzungen
    - auch in Zukunft transformierbare Strukturen

    Beurteilung durch das Preisgericht

    Die wesentliche Entwurfsidee wird in der Übernahme und Weiterentwicklung
    des gründerzeitlichen städtebaulichen Repertoirs gesehen. Dadurch erfolgt
    eine schlüssige Integration in das umgebende Stadtquartier.
    Das Projekt wurde insgesamt sehr differenziert ausgearbeitet. Es werden
    unzählige öffentliche Stadträume mit sehr ausgeprägten Qualitäten
    aufgezeigt.
    Das Verhältnis der vorgeschlagenen Straßenräume zu den Freiräumen in
    den Innenhoflagen erscheint stimmig. Die Staffelung der Höhen zwischen
    Außen und Innen erscheint ebenfalls schlüssig. Auch die Integration der
    nach Wiener Bauordnung geforderten Spielplätze erscheint sehr gut
    machbar.