loading
  • DE Ratzeburg
  • 04/2005
  • Ergebnis
  • (ID 2-1812)

Marktplatz


  • 2. Preis

    Platz

    Architekten
    Architekturbüro Bielke und Struve PartGmbB, Eutin (DE) Büroprofil

    In Zusammenarbeit mit:
    Landschaftsarchitekten: Andreas Völker, Lübeck (DE)
    Bauingenieure: BPR Dipl.Ing. Bernd F. Künne & Partner mbB, Hannover (DE), Bremen (DE), Esslingen (DE), Wolfsburg (DE), Osnabrück (DE)

    Preisgeld
    9.000 EUR

    Erläuterungstext
    Liegt nicht vor.

    Beurteilung durch das Preisgericht



    Stadtplanung
    Diese Arbeit ist schlicht und logisch aufgebaut sowie sehr schlüssig. Dem barocken Stadtgrundriss folgend wird eine zeitgemäße Lösung entworfen, die die Ideale dieser Epoche wieder aufnimmt. Die Mitte des Platzes mit dem Hochpunkt auf der Altstadtinsel wird durch ein Podest in Platzmitte überhöht. Dieser wahrhaftige „Mittelpunkt“ wird Forum bei Festen, Podium bei Veranstaltungen sowie Treff- und Orientierungspunkt sein und verleiht dem Platz seine Einzigartigkeit. Der Umgang mit der Topographie ist lobenswert, da das natürliche Oberflächengefälle erhalten bleibt und spannungsreich in den Entwurf integriert wird.

    Grün- und Freiraumplanung
    Die Verfasser arbeiten mit wenigen Mitteln, setzen diese aber umso bewusster ein. Das Baumdach aus geschnittenen Kastenbäumen bildet einen Schirm zu den Maßstab sprengenden Gebäuden auf der Ostseite. Aus der Fußgängerperspektive, betrachtet aus der Platzmitte, wird ein Platz entstehen, der an drei Seiten durch historische Fassaden geprägt wäre.
    Gleichwohl ist nicht anzunehmen, dass die Bäume so schnell wachsen und das Baumdach in der dargestellten Form kurzfristig Realität würde. Eine Nutzung durch Boule-Spieler ist an dieser Stelle zumindest fraglich. Insgesamt erinnert das Gestaltungselement – Baumdach über einer wassergebundene Decke – weniger an einen barocken Platz in einer norddeutschen Kleinstadt.
    Im Detail wird auf Durchlässigkeit zur Langenbrückerstraße ebenso geachtet, wie auf die Möglichkeit zur Begegnung und zum Verweilen. Die Verbindung zur Petri-Kirche ist gut gelöst: Der „Bruch“ dieser wichtigen Verbindung ist gut ausgearbeitet und sehr interessant.
    Gelungen ist die Betonung der Platzmitte, die verschiedenen Nutzungsmöglichkeiten Raum gibt. Der Verzicht auf die vorhandenen, im Halbrund gepflanzten Bäume ist dadurch erforderlich, aber auch gestalterisch konsequent.
    Der Entwurf „rückt“ in der dargestellten Form zu eng an die Gebäude heran. Insbesondere der Bereich zwischen der doppelten Baumreihe und der östlichen Platzseite ist recht eng bemessenen. Anlieferverkehre und eine Nutzung des Straßenraums durch Anlieger sind schwierig. Kritisch zu beurteilen ist auch der recht schmale durch ein Tiefbord abgegrenzte Bereich an der Platz Süd- und Nordseite, dieser sollte bei einer Durcharbeitung verbreitert werden.
    Sehr bedauerlich ist die Entscheidung der Verfasser, die geschützten historischen Friedenslinden zu entfernen. Sie der Aufgeräumtheit des Platzes zu opfern, ist planerisch vielleicht nachvollziehbar, aber die historische Bedeutung der Linden wurde nicht genügend gewertet. Abgesehen davon, wird der Entfall der Bäume im Bereich der Herrenstraße Anschlussproblem der Platz- und Straßenflächen an die Fassaden schaffen.
    Die Materialwahl ist nachvollziehbar und funktional geeignet. Die Verlängerung des Stichweges von der Petri-Kirche in die Platzfläche hinein ist gestalterisch hervorzuheben.
    Das Granitband mit Lichtelementen stellt dem historischen Rahmen einen modernen Aspekt gegenüber. Weitere Aussagen zur Ausleuchtung des Platzes erfolgen nicht.

    Verkehrsplanung
    Der Entwurf besticht durch seine konsequente Schlichtheit in der Endausbaustufe, die eine Sackgassenerschliessung voraussetzt. Aufgrund der Nutzungen im Bereich der Randbebauung des Marktplatzes sowie der Nutzungen in den einmündenden Straßen ist jedoch eine begrenzte Befahrbarkeit dauerhaft sicherzustellen. Der Entwurf lässt nicht erkennen, wie dieses mit den Gestaltungsabsichten zu vereinbaren ist.
    Der Entwurf bedingt die große Südumgehung, da die Zwischenausbaustufe einen unbefriedigenden Zustand beinhaltet, der die gewollte Nutzbarkeit des Platzes zwischenzeitlich ausschließt.
    Negativ wird die Herausnahme des ÖPNV aus dem zentralen Bereich gesehen, obwohl diese Maßnahme bei dem Gestaltungsentwurf verständlich ist.


INFO-BOX

Angelegt am
Zuletzt aktualisiert 30.08.2010, 16:21
Beitrags-ID 4-3457
Seitenaufrufe 245