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  • DE Ratzeburg
  • 04/2005
  • Ergebnis
  • (ID 2-1812)

Marktplatz


  • 2. Rundgang


    Architekten
    APB. Architekten BDA, Hamburg (DE) Büroprofil

    Erläuterungstext
    1 Der Marktplatz zu Ratzeburg

    Fast in der Mitte der Ratzeburger Stadtinsel gelegen, bildet der Marktplatz das kulturelle und wirtschaftliche Zentrum des historischen Stadtkerns. Der Aufbau nach der Zerstörung 1693 bot den städtebaulichen Neuanfang und Umbau als Markt mit einer repräsentativen Größe und Gestalt, welche die bis dahin üblichen Abmessungen von Plätzen des Mittelalters deutlich überstieg. Die großzügige Platzfläche und die herrschaftlichen Fassaden zeugten von der weltlichen Bedeutung der Stadt gegenüber dem geistigen Zentrum, dem Dom. Die Gestaltung des Platzes war schlicht und pragmatisch. Mit der Teilung in Platzinnenfläche und umlaufenden Straßen entlang der Fassaden gelang eine einfache Gliederung des Raumes in verschieden nutzbare Bereiche. Wie in dem historischen Prospekt zu erkennen ist, wirkt der Platz mit dieser schlichten Leere wie ein selbstverständlicher wunderbarer Salon für das städtische Treiben der aufstrebenden Garnisons- und Regierungsstadt Ratzeburg.

    In seiner 300-jährigen Geschichte seit seiner barocken Neuanlage, hat der Ratzeburger Marktplatz diese ursprüngliche Weite und Bedeutung verloren. Die Zerschneidung durch Straßen, die Möblierung aus unterschiedlichen Jahrzehnten und verschiedenen Oberflächenmaterialien lassen keinen Platzeindruck entstehen. Unser Wunsch ist es daher, durch Aufräumen, Neuordnen und die Einführung schlichter Elemente die ehemalige Klarheit und Dimension des Entwurfes wieder herzustellen und gleichzeitig einen zeitgemäßen Platz zu gestalten.
    Sichtbezüge, die Reaktion auf die westliche Platzeinfassung mit Baumreihen, die den Weg zum Dom begleiten, sowie die punktuelle Besetzung des Platzes geben dem Platz seine Ruhe wieder.
    Hierbei sollte eine Lösung präsentiert werden, die eine kurzfristige und zugleich endgültige Realisierung ermöglicht, um weitere Umbauten der Platzfläche zu vermeiden.

    2 Der Platzentwurf

    Die Platzmitte des Marktplatzes wird von einer breiten Natursteinkante eingefaßt, die sich im Bereich der Bushaltestellen aus der Fläche erhebt.

    Die innere Platzfläche wird aus gebrauchtem Lesesteinpflaster, dem historischen Material, wiederhergestellt. Umlaufend im Vorbereich der Gebäude und als Verlängerung der ankommenden Straßenzüge entsteht eine Bewegungsfläche aus Granitkleinpflaster in Reihen – der Granit findet sich ebenfalls als Befestigung der Fahrbahn auf der Platzdiagonale. Entlang der Fassaden werden die kleinen Restflächen nach historischem Vorbild wieder mit Lesesteinpflaster ausgelegt. Wir möchten auch das traditionelle Motiv der Rosen als Fassadenschmuck neu aufnehmen und an den historischen Gebäuden wieder beleben.
    Die Friedenslinde bleibt erhalten. Die zweite, nachgepflanzte, wird durch ein größeres Exemplar ersetzt, um die ehemalige Symmetrie zurückzugewinnen.
    Ein langgezogenes Wasserbecken nimmt die hier bestehende, auf die Alte Wache bezogene Achse auf und führt sie als besitzbares Element auf die Platzfläche. Eine Skulpturengruppe sitzt ins Gespräch vertieft am Brunnenbecken als Blickpunkt in der Achse des Kirchhof-Zugangs. So verbinden sich optisch der kirchliche und der weltlichen Platz.
    Diametral gegenüber steht ein großer mehrstämmiger Solitärbaum, Gegengewicht und räumlicher Abschluss des Platzes auf der Nord-Ost-Seite.
    Einzige weitere – sparsam eingesetzte – Elemente sind Sitzbänke im Vorbereich von Gebäuden bzw. der östlichen Baumreihe zugeordnet. Von hier aus kann man gemütlich dem Treiben auf dem Platz zuschauen und die wiedergewonnene Atmosphäre genießen.

    In der Nacht bringen einzelne hohe Mastleuchten die Grundhelligkeit für den Platz. Zusätzliche Akzente bilden die beleuchteten Buswartehäuschen und der Brunnen.

    3 Das Verkehrskonzept

    Der Ratzeburger Marktplatz soll frühzeitig seiner künftigen Funktion als zentraler Platz mit überwiegender Aufenthaltsfunktion für Fußgänger gerecht werden.

    Bis zur Realisierung einer innerörtlichen, südlichen Hauptverkehrsstraße mit direktem Anschluss an den Königsdamm, wird der Durchgangsverkehr der Bundesstraße B 208 in einer Zwischenausbaustufe aufgespalten.
    Dazu werden die Straßen Demolierung, Schulstraße, An der Brauerei und Seestraße partiell umgebaut. Die Knoten Unter den Linden und Langenbrückerstraße werden signalisiert und soweit ausgebaut, dass sie den nach Osten fließenden Durchgangsverkehr der B 208 aufnehmen können. Zielverkehre in die Innenstadt können mit verringerter Grünzeit gedrosselt einfahren.
    Der nach Westen gerichtete Durchgangsverkehr wird über den endgültig hergestellten Marktplatz auf der künftigen Richtungsfahrbahn des Linienbus- und Taxenverkehrs geführt.
    Der Fußgängerbereich auf dem Marktplatz wird wie im Endausbau nur von Radfahrern und temporär durch den Lieferverkehr befahren.

    Für diese Verkehrsführung des Zwischenausbaus kann bereits die gesamte Platzfläche mit den angrenzenden Straßen endgültig hergestellt werden. Die Bushaltestelle \"Demolierung\" wird entsprechend des Endausbaus nördlich des Knotens Unter den Linden / Demolierung in Zuordnung zur Innenstadt und zu den Überliegerplätzen angeordnet. Dieser Knoten sowie die Einmündung Seestraße / Langenbrückerstraße sind ohne große Umbauten für den Endausbau nutzbar.

    Im Endausbau wird über die Fahrbahn zwischen Junkerstraße und Große Wallstraße nur noch der Bus- und Taxenverkehr mit deutlich verminderter Geschwindigkeit abgewickelt. Bauliche Veränderungen sind in der Töpferstraße und Langenbrückerstraße nicht erforderlich.

    Beurteilung durch das Preisgericht
    Liegt nicht vor.

INFO-BOX

Angelegt am
Zuletzt aktualisiert 16.11.2009, 16:22
Beitrags-ID 4-3466
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