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  • DE Ratzeburg
  • 04/2005
  • Ergebnis
  • (ID 2-1812)

Marktplatz


  • 2. Rundgang

    Lageplan

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    Architekten
    Blue Architects, Zürich (CH)

    In Zusammenarbeit mit:
    Landschaftsarchitekten: bbz landschaftsarchitekten, Berlin (DE), Freiburg (DE), Bern (CH)
    Verkehrsplaner: Stadt Raum Verkehr Birchler und Wicki, Zürich (CH)

    Erläuterungstext


    Ziel des vorliegenden Entwurfes ist es, die besondere räumliche Situation der Stadtinsel Ratzeburg zu stärken und die Stadt als lebendigen Ort und kulturelles Erbe den Bürgern, den Besuchern und Touristen zugänglich zu machen. Die aufgezeigte städtebauliche, verkehrstechnische und freiraumplanerisch-gestalterische Lösung greift bereits bewährte Strukturen auf, qualifiziert diese und nutzt neue Potentiale zur funktionalen, räumlichen und gestalterischen Qualifizierung Ratzeburgs.


    Gesamtkonzept

    Die Schaffung der südlichen Sammelstraße führ zu einer enormen Entlastung der Altstadt. Verkehr der zum Einkauf, Besuch oder Lieferung in das Altstadtquartier möchte, hat auch weiterhin die Möglichkeit direkt die Geschäfts- und Ladenbereiche mit Parkplatzmöglichkeiten vor den jeweiligen Geschäften auf kurzem Wege zu erreichen. Dies führt zu einer Belebung der Altstadt und eine dort vorhandene moderne, qualitätvolle Einzelhandelsstruktur in urbaner Umgebung bietet ein willkommenes Pendant zu den langweiligen monostrukturierten Shoppingmalls im Speckgürtel der Stadt.
    Der Ortsdurchgangsverkehr und Schwerlastverkehr bevorzugt durch die Beschleunigung der südlichen Sammelstraße im Bereich Seminarweg. Dies führt direkt zur Entlastung der Innenstadt und gleichzeitig zur Aufwertung der öffentlichen Grünflächen am Stadthaus zu einem großzügigen zusammenhängenden Stadtgarten. Darüber hinaus läßt sich auf die landschaftsräumlich ungeeignete und teuere Lösung eines Damm- und Brückenbauwerks im Bereich Königsdamm verzichten. Der neugestaltete, verkehrsberuhigte Marktplatz als Zentrum des Altstadtquartiers wir seiner Funktion als multifunktionale Markt- und Aufenthaltsfläche, als Treffpunkt mit urbanem Charakter in der Innenstadt und als Ort des Ankommens (ÖPNV) gerecht.

    Durch die Verlagerung des Durchgangsverkehrs aus der Innenstadt auf die südliche Sammelstraße wird der Siedlungskörper des Altstadtquartiers als räumliche Einheit wieder erlebbar. Ihm gegenüber steht als Pendant der Siedlungskörper des Domquartiers.
    Die beiden Siedlungskörper umgebende Landschaft wird in ihrer Eigenheit als Erholungsraum einheitlich entwickelt. Ein neuer Uferweg läßt die Wasser- und Seenwelt erlebbar werden. Der südliche Landschaftsraum wird als intensiver Freizeit- und Erlebnisraum entwickelt. Der Sunsetboulevard, aufgespannt zwischen Seepark mit Schwimmbad und ZOB und dem Stadtgarten mit Stadthaus und Hotel folgt dem Verlauf des überörtlichen Rad- und Fußwegenetzes. Die Promenade verbindet unterschiedliche Sport- und Freizeiteinrichtungen am Wasser. Hier läßt sich der Sonnenuntergang am Küchensee genießen. Kleinere Parkplatzeinheiten entlang der Sammelstraße erschließen dieses Gebiet. Das Altstadtquartier verknüpft sich über die Sammelstraße mit diesem neuen Freizeit- und Erlebnisraum.
    Drei großzügige, intensiv gestaltete Grünflächen, der Stadtgarten, der Seepark und der Gutspark stellen die Verbindung zwischen den einzelnen Landschaftsräumen und Stadtquartieren her und schaffen besondere Orte mit hoher Präsenz im Stadtgefüge.
    Die wichtige Verbindungsachse zwischen Theaterplatz und Dom bindet die Promenade direkt an die Innenstadt und den Marktplatz an. Die in west-östlicher Richtung verlaufende zweite Hauptwegeachse verbindet das Stadthaus mit dem Königsdamm. Der Marktplatz bildet das zentrale Gelenk dieser beiden Achsen im Zentrum der Stadt.

    Verkehrskonzept

    Verkehrssystem

    MIV
    Das Zentrum der Inselstadt Ratzeburg ist vom Durchgangsverkehr befreit. Auf niedrigem Geschwindigkeitsniveau ist der Zugang mit dem Auto, insbesondere zur Zentrumsnahen Einkaufs- und Dienstleistungsnutzung gewährleistet. Das Stellplatzangebot entlang der Strassen wird geringfügig bereinigt, so daß die Qualität und Attraktivität der Fußwege gesteigert werden kann.

    ÖPNV
    Mit dem neuen ZOB bei der Meierei wird in erster Linie Warteraum für die Busse geschaffen. Der Marktplatz bleibt weiterhin wichtiger Ein- und Aussteigepunkt für die Regional- und Stadtbusse. Der Betrieb erfordert bauliche Anpassungen, die zusammen mit der Aufwertung von Fuß- und Radwegbeziehungen getätigt werden können.

    Fußgängerverkehr
    Besonderes Augenmerk ist auf die Fußwegbeziehungen zwischen den Parkplätzen und den Zielorten im Zentrum zu legen. Der Marktplatz ist der neue Fußverkehrspol Ratzeburgs. Hier sammeln und verteilen sich die Fußgänger und Fußgängerinnen. Der Platz ist so gestaltet, daß er in alle Richtungen durchlässiger wird. Vom Theaterplatz zum Dom und vom Markt zum Rathaus werden Fußverkehrsachsen gebildet an denen Einkaufs- und Dienstleistungsnutzungen angegliedert sind. Der wassernahe Rundweg wird zur Touristischen Attraktion aufgewertet.

    Fahrradverkehr
    Das radtouristische Potential der Inselstadt wird weiter gestärkt. Die Entlastung vom Schwerlastverkehr in der Innenstadt führt zu mehr Bewegungsfreiheit und Sicherheit für den Radverkehr. Künftig wird es möglich sein, daß Radfahrerinnen und Radfahrer auch in Einbahnstrassen (Herrenstraße-Töpferstraße) im Zweirichtungsverkehr fahren. Einfache einprägsame Radroutenführung erleichtern die Auffindbarkeit der Attraktionen.


    Entwicklungsstufen

    Erste Stufe 2006
    Der Marktplatz wird neu gestaltet. So lange der Schwerlastverkehr aus Richtung Lüneburger Damm und Herrenstraße den Marktplatz passiert, sind die inneren Platzkanten in Richtung Lüneburger Damm zur Gewährleistung der Fahrmanöver rund ausgestaltet. Die Überliegerzeiten finden außerhalb des Platzbereiches z.B im Bereich des Parkplatzes am Stadthaus oder im Bereichstatt.

    Zwischenstufe 2010
    Mit dem Bau des ZOB kann der Betrieb auf dem Platz weiter optimiert werden. Mit der Aufwertung der Querachse Schrangenstraße-Domstraße zugunsten des Fuß- und Radverkehrs wird der Marktplatz auch in der Nordsüdausdehnung zum wahrnehmbaren Mittelpunkt der Insel.
    In einer Zwischenphase wird der Schwerlastverkehr aus Richtung Lüneburger Damm über die Schulstrasse Seestrasse zum Königsdamm geleitet. Die Entlastung in der Herrenstrasse, am Markt und in der Langenbrückerstraße wird beträchtlich sein. Die Platzkante auf der östlichen Seite findet die endgültige städtebaulich Ausprägung.

    Endstufe 2015
    Die Umlegung der Hauptverkehrsstrasse im Bereich 'unter den Linden' in Richtung Seminarweg beschleunigt die Route Schulstraße-Seestraße zu vernünftigen Konditionen (anstelle Damm- oder Brückenbau auf Seite Königsdamm). Vor dem Rathaus entsteht als weitere Attraktion eine großzügige Festwiese.
    Das Zentrum der Inselstadt Ratzeburg ist vom Schwerlast- und Durchgangsverkehr befreit. Auf niedrigem Geschwindigkeitsniveau ist der Zugang mit dem Auto, insbesondere zur Zentrumsnahen Einkaufs- und Dienstleistungsnutzung gewährleistet. Die Herren- und Töpferstrasse erhalten weiteren Spielraum für betriebliche und gestalterische Aufwertung.

    Gestaltung Marktplatz Ratzeburg

    Der Marktplatz erhält eine zurückhaltende, solide und doch edle, multifunktional nutzbare Gestaltung aus ortstypischen Materialien. Seiner zentralen Lage und seiner historischen Funktion als Markt gerecht, soll in Zukunft der Ratzeburger Wochenmarkt dort stattfinden.

    Platzgestaltung
    Die Geometrie des Platzes folgt der geometrischen Grundstruktur der barocken Altstadt. Als Intarsie spannt sich der Platz zwischen den vier, ihn begrenzenden, Raumkanten auf. Zur Verkehrsberuhigung und Entschläunigung erhält der Blatz einen einheitlichen Belag aus ortstypischen polygonlen Pflastersteinen in richtungslosem Verband. Fahrspuren werden durch Markierungssteine im Belag oder durch Markierungsnägel markiert und lassen sich flexibel, den jeweiligen Infrastruktur- und Verkehrsmaßnahmen anpassen. Fußgängerbarrieren werden abgebaut, der Platz erhält eine Programmierung als verkehrsberuhigte Zone. Die Querung des Platzes kann einfach und überall erfolgen, und wird nicht auf bestimmte Zonen beschränkt. Die steinerne Platzanlage entspricht dem Duktus der steinernen barocken Altstadt und wird als urbaner Freiraum den multifunktionalen Anforderungen als Marktplatz und Bühne für Veranstaltungen gerecht.

    Parkett
    Eine innere Platzfläche als städtisches Parkett und Marktplatz nimmt Bezug auf die zentralen öffentlichen Gebäude Kreistag und alte Wache und schält sich dezent aus der Platzfläche, sie setzt das zentrale Quartier zwischen Herren- und Töpferstraße bis zur zentralen Nord-Südachse (Schrangen-/Domstraße) fort. Das Belagsmaterial der Intarsie als eine veredelte Variation des Platzbelags betont die innere Fläche und kennzeichnet die Bühne des öffentlichen Lebens. Das auf dem Platz verwendete Poygonalpflaster wird hier zum glatten Parkett (einem Terrazzo) geschliffen. Abgesehen von temporären Veranstaltungen und Marktzeiten stellt der innere Marktplatz den Ruhepol der Gesamtanlage, als öffentlicher Aufenthalts- und Rückzugsraum, dar.

    Vegetation
    Die beiden Friedenslinden vor der alten Wache und die Kopflinden vor dem Kreistag nehemn die Flucht der Rathausstraße auf und schaffen einen grünen Paravent vor den wichtigsten Gebäuden am Platz. Ein lichtes Baumdach aus Robinie betont den Platz als zentralen Ort der Stadt, erhöht die Aufenthaltsqualität und bildet einen Geruchs- und Blühaspekt auf dem Platz im späten Frühjahr.

    Mobiliar
    Ein transparenter Pavillon als zentrales Element der Platzfläche betont die süd- östliche Platzecke und übernimmt mit einer Ratzeburg Info, einem Café und Versorgungseinrichtungen für Markt und Veranstaltungen die Bespielung der Platzfläche.
    Groszügige Holzelemente laden zum sitzen und liegen ein und setzten einen zusätzlichen Akzent auf dem Platz bepflanzt mit Gräsern und Stauden ziehen sie das Auge auf sich und schaffen eine angenehme Atmosphäre mit hoher Aufenthaltsqualität auf dem Platz.


    Boulevard
    Der fließende Raum zwischen innerer Platzfläche und Fassaden wird durch die gemeinsame Nutzung als Verkehrs- und Aufenthaltsraum beruhigt, und erfährt eine quirlige Boulevardnutzung durch am Platz sich ansiedelnde Straßencafés und Läden. Räumlich wirksame Bushaltestellen teilen die Zone in einen vom Verkehr komplett freigehaltenen Bereich und einen klassischen verkehrsberuhigten Straßenraum mit Vorrang für Fahrradfahrer und Fußgänger.

    Bushaltestellen
    Analog zu der erhöhten inneren Platzfläche schälen sich Busbahnsteige dezent aus dem Belag. Diese Busbahnsteige dienen zum komfortablen einsteigen in die Busse und lenken den Verkehrsstrom in einer vorbestimmten Bahn. Transparente Wartedächer überspannen eine Sitzbank und geben Regen- und Windschutz für die Wartenden.


    Beleuchtung
    Entsprechend der zentralen Zufahrt zum Platz von der Langenbrücker Straße werden die Süd-, West- und Nordfassade des Platzes durch eine nächtliche Ausleuchtung besonders betont, Die Fassaden der Schrangen-/Domstraße fügen sich zurückhaltend in die Fassaden der Umgebung ein. Die Platzkante der inneren Platzfläche wird durch eine direkte Ausleuchtung besonders betont. Die Platzbeleuchtung findet über eine indirekte Beleuchtung durch das abstrahlen der Fassaden der umliegenden Häuser und Bodenstrahler die, die Kronen der Bäume beleuchten statt.


    Realisierung

    Phase 1
    Der Marktplatz wird als wichtiger Ort der statt komplett und sofort realisiert. Einzig die östlichen Raumkanten der inneren Platzfläche müssen zur Gewährleistung des Verkehrsflusses in der ersten Phase mit Radien ausgebildet werden. Die Realisierung des Marktplatzes in der ersten Stufe führt zu einer qualitativen Verbesserung und spürbaren Aufwertung des gesamten Altstadtquartiers bei gleichzeitiger Wahrung der jetzt vorhandenen Verkehrsbedingungen und Funktionen. Der Marktplatz wird zum Ort und erfährt wieder Resonanz im Bewußtsein der Bürger, Besucher und Nutzer.

    Phase 2
    Greifen die neuen Verkehrs- und Infrastrukturmaßnahmen, wird durch geringe Umbaumaßnahmen der Platz in seiner endgültigen Form hergestellt. Hierzu werden die östlichen Platzkanten des Parketts zurückgebaut und in rechtwinkliger Form der Stadtgeometrie und den Raumkanten folgend errichtet.

    Beurteilung durch das Preisgericht
    Liegt nicht vor.

INFO-BOX

Angelegt am
Zuletzt aktualisiert 25.10.2008, 23:19
Beitrags-ID 4-3467
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