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  • DE Ratzeburg
  • 04/2005
  • Ergebnis
  • (ID 2-1812)

Marktplatz


  • 1. Rundgang


    Bauingenieure
    IPP Ingenieurgesellschaft Possel u. Partner GmbH & Co. KG, Kiel (DE) Büroprofil

    Mitarbeit
    Martin Koselowske Michael Dähnis

    In Zusammenarbeit mit:
    Architekten: Architekten Contor, Itzehoe (DE)
    Landschafts- / Umweltplaner: BHF Bendfeldt Herrmann Franke LandschaftsArchitekten GmbH, Kiel (DE), Schwerin (DE)

    Erläuterungstext

    Das heutige Erscheinungsbild des Marktplatzes wird bestimmt durch eine hohe Verkehrsfrequentierung und die Untergliederung in eine Vielzahl unterschiedlicher Teilräume, gestaltet unter Verwendung vielfältiger Materialien und Möblierungselemente. Die klare und ruhige, annähernd quadratische Proportion des historischen Platzraumes ist darüber verloren gegangen und lässt sich nicht mehr ablesen und erleben. Verkehrsnutzungen prägend seinen Charakter, Stadtbewohner und Besucher werden an den Rand gedrängt, öffentlich nutzbare Räume haben das Aussehen von übrig gebliebenen Resträumen. Basierend auf den bereits vorliegenden verkehrlichen Gutachten sowie den Anregungen, Ideen und Forderungen aus Workshops, Diskussionsrunden und kommunalen Beratungen besteht das Hauptziel unseres Entwurfs in einer Rückgewinnung dieses charakteristischen Platzraumes als zentrale „Spielfläche“ des öffentlichen Lebens im Stadtgefüge Ratzeburgs. Voraussetzung hierfür ist die Herausnahme aller störenden Verkehre aus dem engeren Altstadtbereich im Umfeld des Marktplatzes sowie die Verlagerung derjenigen Funktionen, die einer Attraktivitätssteigung und flexiblen öffentlichen Nutzungen entgegenstehen.


    Schrittweise Verlagerung der Verkehre auf der Altstadt-Insel
    Die Veränderung der innerörtlichen Verkehrsführung mit dem Ziel, den zentralen Altstadtbereich mit seinen Geschäftszonen im Umfeld des Marktplatzes vom Durchgangsverkehr zu befreien, erfolgt in drei zeitlichen Abschnitten und in Abhängigkeit vom Fortgang der langfristigen Realisierung der südlichen Ortsumgehung um den Küchensee ca. 2015 bis 2020.

    Phase 1 2005 / 2006 Verbesserung der Funktionserfüllung: „Den Marktplatz aufräumen“
    · Die Hauptverkehre werden weiterhin über den Marktplatz geführt. Die südliche Sammelstraße verbleibt in ihrem derzeitigen Ausbaustand, auf die Herstellung eines Linksabbiegers im Kreuzungsbereich Königsdamm / Seestraße wird verzichtet.
    · Die Buswartezonen für „Überlieger“ werden vom Marktplatz an die Ostseite des Stadthausplatzes zunächst provisorisch verlagert. Die zentrale Umsteigefunktion der städtischen Buslinien in die östlichen und westlichen Stadteile verbleibt auf dem Marktplatz.
    · Der Marktplatz wird funktional und gestalterisch und aufgeräumt. Die Vielzahl der vorhandenen Möblierungselemente und verwendeten Ausbaumaterialien werden auf eine einheitliche und klare Flächen-Materialzuweisung reduziert und sukzessive im Zuge der Marktplatzumgestaltung ersetzt.
    · Die Neugestaltung der Marktplatzfläche beginnt an der Marktplatz- Nord- und Südseite mit der Verbreiterung der Vorzonen vor den Platzfassaden. Künftig werden alle Vorzonen einheitlich entsprechend ihrer Funktion einheitlich in rotem Pflasterklinker gestaltet.
    · Die Buswartehallen auf der Platzsüdseite werden durch transparentere Flugdächer mit größerem Abstand zu den Fassaden zugunsten der Geschäftsvorzonen ersetzt
    · Die Parkplätze auf dem Marktplatz werden aufgelöst. Zum Ausgleich entstehen neue zusätzliche Parkmöglichkeiten in Brauerstraße, der Rathausstraße und der Wasserstraße, die als Einbahnstraßen geführt werden. Es entsteht ein Innenstadtring zur Verteilung der Anlieger- und Kundenverkehre. Auf dem Grundstück der ehemaligen Post wird übergangsweise ein zentrumsnaher öffentlicher Parkplatz mit ca. 25 Stellplätzen eingerichtet.

    Phase 2 2007 - 2015 Innenstadtring zur Verkehrsentlastung des Marktplatzes
    · Zur Vermeidung einer einseitigen und ausschließlichen Belastung der attraktiven Wohnlagen und verkehrlich sensiblen Schuleinrichtung im südlichen Altstadtbereich wird abweichend gegenüber der Variante 4 des Verkehrsgutachtens in einer Zwischenstufe der Innenstadtentlastungsverkehr in einen nördlichen und südlichen Ring aufgeteilt. Der nördliche Ring sowie der Abschnitt der Seestraße zwischen Fischerstraße und Königdamm werden als Einbahnstraße geführt.
    · Der LKW-Verkehr durchquert die Innenstadt weiterhin über den Markt. Herrenstraße und Töpferstraße dienen hauptsächlich als Bustrassen sowie für eingeschränkte Anlieger- und Lieferverkehre.
    · Die Langenbrücker-Straße wird zwischen Domstraße und Brauerstraße für den Individualverkehr gesperrt. Die vorhandene Lichtzeichenanlage kann entfallen.
    · Zur Herausarbeitung der städtebaulichen Achse Theaterplatz – Dom werden Schrangenstraße und Domstraße verkehrsberuhigt umgestaltet und abschnittsweise als Einbahnstraßen geführt. Die Marktplatz-Ostseite wird in die Umgestaltung einbezogen. Die Schrangenstraße erhält eine Fahrverbindung als Überlauf an die südliche Sammelstraße.
    · Als weiterer Bauabschnitt wird die westliche Marktplatzseite entsprechend umgestaltet. Vor dem alten Kreishaus entsteht eine breite Vorzone und eine große zusammenhängende und vielfältig nutzbare Fläche als Klammer zwischen der Y-Trasse. Die Taxiplätze werden an die Marktplatz-Ostseite verlegt, die Parkplätze aufgelöst.
    · Radfahrer erreichen den Marktplatz aus Richtung Westen über den Fahrradweg entlang der Töpferstraße, von Osten über einen Radweg entlang der Seestraße und weiter über den Spritzenberg, Kleine Wallstraße und Schrangenstraße.

    Phase 3 2015 „Endzustand“: Fertigstellung südliche Ortsumgehung
    · Durch den Bau der Ortsumgehung im Süden um den Küchensee in Verbindung mit der Fertigstellung der A 20 kommt es vor allem zu einer Entlastung der Altstadtinsel vom LKW-Durchgangsverkehr.
    · Die fertig gestellte südliche Sammelstraße mit Linksabbieger im Bereich des Königsdamms nimmt auch den LKW-Verkehr auf und ist auf ganzer Länge in beiden Richtungen befahrbar. Die innerörtlichen Verkehre nehmen um insgesamt maximal 30% ab. Dadurch reduziert sich auch die einseitige Verkehrsbelastung der Bewohner der südlichen Altstadtinsel gegenüber einem früheren Ausbau der südlichen Sammelstraße deutlich. Die Trennwirkung der Straßentrasse reduziert sich ebenfalls.
    · Töpferstraße, Herrenstraße und Langenbrücker Straße zwischen Domstraße und Brauerstraße dienen nun ausschließlich dem Busverkehr.
    · Die Zufahrt zum Marktplatz für Individualverkehr über Langbrücker Straße und Herrenstraße wird gesperrt. Das Altstadtzentrum ist nur über die eingehängte Ringstraßenführung Große Seestraße, Große Kreuzstraße und Wasserstraße anfahrbar.
    · Eine Neubebauung auf dem ehemaligen Postgrundstück schließt den Baublock zwischen Töpferstraße und Herrenstraße. Die öffentlichen Parklätze werden an den Altstadtrand verlagert (z.B. nordöstlich der Brauerstraße)

    Marktplatzgestaltung

    Markt
    Die gesamte Marktfläche wird durch eine klare Flächen-Materialzuweisung definiert und gegliedert und entwickelt sich vom Rand her über Fassaden-Vorzonen aus rotem Pflasterklinker.
    Die Vorzonen vor dem Alten Kreishaus (B ca. 11,00 m) sowie vor den Nordfassaden (ca. 10,30 m) wird entsprechend der Sonnen-Exposition und der möglichen Freiraumnutzung (Gastronomie, Aufenthaltsqualität) besonders breit ausgebildet.

    Der innere Markt wird durch eine einheitliche Materialverwendung zentral und großzügig herausgearbeitet und dient als Klammer für die Y-Trasse. Die große zusammenhängende Fläche vor dem Alten Kreishaus (ca. 1500 qm) kann dabei vielfältig bespielt werden.

    Zentral auf dem Marktplatz befindet sich die höchste Geländeerhebung der Inselstadt. Der Hochpunkt
    wird durch eine fächerförmige Brunnenanlage (Wasserteppich) mit Pegelstandsmesser des Ratzeburger Sees als Verweis auf die Insellage herausgearbeitet. Zusätzlich wird die Platzspitze gegenüber dem Y-Kreuzungspunkt leicht angehoben.

    Als Ausbaumaterialien werden vorgeschlagen:
    Vorzonen, Gehwegflächen = Pflasterklinker rot
    Fassadenanschlüsse = Katzenkopfpflaster (Traufstreifen)
    Innere Marktplatzfläche = Naturstein Kleinpflaster (Passe)
    Verkehrswege Y-Trasse = Naturstein Großpflaster (wie Bestand)

    Verkehrswege und fußläufige Flächen werden durch eine breite Hamburger Bordsteinkante voneinander abgegrenzt mit Bordsteinansichten zwischen 3 und – in Bushaltestellenbereichen - 15 cm.
    Ausgebaute Pflasterbaustoffe (Kleinpflaster und Pflasterklinker) werden wo möglich wieder verwendet.

    Markt innerhalb des Stadtraumgefüges
    Die Achse Theaterplatz - Dom verläuft entlang der östlichen Marktkante. Diese Verbindung wird durch
    eine vom Theaterplatz bis zum Dom innerhalb der Schrangenstraße und der Domstraße durch eine
    Baumreihe herausgearbeitet. Dazu ist eine teilweise Einbahnstraßenregelung innerhalb der Schrangenstraße erforderlich (Längsparker, Bauminseln), die bereits bestehende Einbahnstraßenregelung innerhalb der Domstraße wird beibehalten, die östliche Längsparkerreihe durch Baumstandorte unterbrochen

    Verkehr
    Die Y-Trasse bleibt für Busverkehr sowie Anlieferverkehre bestehen einschl. der bestehenden Einbahnregelung, Fahrstreifenbreite = 3,50 m + 3,00 m Haltestreifen; nicht als Bucht abgesetzt. Die Form der Y-Trasse bedeutet das Minimum an Verkehrsfläche für die zu leistenden Verkehre (Radien).

    Die Lichtsignalanlagen im Bereich Herrenstraße und Langenbrücker Straße werden im Platzbereich zu Gunsten von Zebrastreifen ersetzt. Die Schrangenstraße wird teilweise zur Einbahnstraße (s.o).

    Der aus der Herrenstraße auf dem Platz haltende Busverkehr bzw. Anlieferverkehr hat die Möglichkeit, zurück in die Töpferstraße zu fahren. Der Markt verliert durch die Verlagerung der Überlieger einen Teil seiner ZOB- nicht aber seine wichtige zentrale Umsteigerfunktion. Ein ZOB kann im Bereich des Rathauses/ Demolierung entstehen.
    Taxistände können in der Dom-, Strangenstraße oder in den Anschlussbereichen der Herren- oder Töpferstraße im Bereich der Längsparkstreifen angeboten werden.

    4. Ausstattung
    Der Marktplatz erhält eine neue und adäquate Platzbeleuchtung. Die Inszenierung des Brunnens sowie der Fassade des Alten Kreishauses durch eine Beleuchtung gehören dazu.

    Buswartestände werden durch transparente Flugdachkonstruktionen ersetzt und so positioniert, so dass die Situation vor den z.Zt. beeinträchtigen Südfassaden verbessert wird (Aufweitung B ca. 6,00 m) und keine Sichtbeziehungen verstellt werden. Der Bestand an Buswarteständen wird zum zukünftigen ZOB umgesetzt. Barrieren in Form von Verkehrsgeländern entfallen, Fahrradabstellplätze werden konzentriert angeboten.
    Auf den breiten Klinkervorzonen vor West- und Nordfassade werden großzügige Sitzmöglichkeiten vorgeschlagen. Die z.T. durch Schnittmaßnahmen verunstalteten Bäume vor dem Alten Kreishaus werden entsprechend der bereits neu gepflanzten Linde vor der Wache ersetzt.

    Verknüpfung mit der umgebenden Altstadtinsel
    Die schrittweise Verlagerung der störenden und belastenden Durchgangsverkehre auf die südliche Sammelstraße und die Hervorhebung der des Marktplatzes als zentraler Platzraum mit wenigen prägnanten Gestaltungs- und Funktionselementen eröffnet die Möglichkeit vielfältiger Sichtbeziehungen in die umliegenden Quartiere der Altstadtinsel und insbesondere auf den Ratzeburger Dom (z.B. Sichtachse Markt –Rathausstraße – Domturm). Mit der Umgestaltung der Schrangenstraße / Domstraße wird eine wichtige Zielsetzung des städtebaulichen Rahmenplans umgesetzt und der Theaterplatz mit dem Dom verknüpft. Die Verkehrsentlastung und Verkehrsberuhigung des zentralen Altstadtbereiches zwischen Großer Kreuzstraße, Wasserstraße, südlicher Sammelstraße und Wallstraße /Brauerstraße ermöglicht ungestörte Wegebeziehungen für Fußgänger und Radfahrer und schafft so eine erhöhte Aufenthaltsqualität.

    Die Durchlässigkeit der Altstadtinsel und die Verbindung der nördlichen und südlichen Quartiere werden entscheidend verbessert. Begleitend sind im Bereich der südlichen Sammelstraße geeignete Querungshilfen in Verlängerung der Hauptwegebeziehungen (z. B. Theaterplatz, Schulstandort) nutzerfreundlich zu gestalten. Gesonderte Maßnahmen für Radfahrer sind nicht erforderlich. Im Westen existiert bereits ein Radweg entlang der Töpferstraße, aus Richtung Osten ist eine Führung über Seestraße, Spritzenberg, Kleine Wallstraße und Schrangenstraße der verkehrlich sicherste Weg in Richtung Markt.

    Beurteilung durch das Preisgericht
    Liegt nicht vor.

INFO-BOX

Angelegt am
Zuletzt aktualisiert 09.11.2008, 20:02
Beitrags-ID 4-3477
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