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  • DE Ratzeburg
  • 04/2005
  • Ergebnis
  • (ID 2-1812)

Marktplatz


  • 1. Rundgang

    Ansicht Ost

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    Architekten
    Büro Düsterhöft - Architektur und Stadtplanung, Hamburg (DE)

    Mitarbeit
    in Zusammenarbeit mit: Dipl.-Ing. Architekt BDA Matthias Johannsen

    In Zusammenarbeit mit:
    Landschaftsarchitekten: Dirk Schekatz, Hamburg (DE)

    Erläuterungstext


    Ziele und Entwurfsidee
    Die Ratzeburger Altstadt mit ihrer Einmaligkeit des historischen Stadtgrundrisses, umgeben von Küchensee, Domsee, Stadtsee und Ratzeburger See, der Silhouette von Dom und Petrikirche und dem historischen Marktplatz mit weiteren Baudenkmälern, wird ihren Potenzialen kaum gerecht. Hohes Verkehrsaufkommen - Durchgangsverkehr, aber auch in hohem Maße Ziel- und Quellverkehr aus Neu- und Altstadt – vom Verkehr belastete umliegende Straßen und Wohnlagen, zunehmender Leerstand im Einzelhandel und geringe Aufenthaltsqualität zeichnen den zentralen Bereich um den Marktplatz aus. Die Ratzeburger Altstadt droht zu veröden.
    Diesen Prozess möglichst rasch zu stoppen, ist das Motiv unseres Entwurfes für den Ratzeburger Marktplatz und für eine Reihe weiterer in der Altstadt erforderlicher Maßnahmen.

    · kurzfristige Wiederöffnung der Schrangenstraße zur Seestraße
    · Belebung und Gestaltung des Marktplatze als Alltagsort mit hoher Aufenthaltsqualität
    · Stärkung der Altstadt als hochwertigen Wohnstandort
    · Stärkung der Einzelhandelslagen um den Marktplatz

    Verkehrskonzept Innenstadt
    Ziel der neuen Verkehrsführung ist die Verträglichkeit der verschiedenen Funktionen in der Altstadt, in Abwägung von guter Erreichbarkeit der Geschäftslagen, von Aufenthaltsqualität auf dem Marktplatz und einer damit einhergehenden Verkehrsbelastung in den umliegenden Wohnstraßen.

    Verkehrsführung Zwischenstufe
    Die südliche Trasse über den Markt wird aufgegeben. Der nach Osten gerichtete Durchgangsverkehr wird über Schulstraße und Schrangenstraße (Einrichtungsverkehr) geführt. Hierfür erfolgt die Wiederöffnung der Schrangenstraße an der Schulstraße mit Signalisierung der Einmündung. Die Busse des Öffentlichen Nahverkehrs in Richtung Osten werden über Herren-, Wasser-, Große Kreuzstraße in die Domstraße geführt und erhalten am Markt eine neue Haltestelle. In Richtung Westen bleibt die Busführung unverändert. Die Überliegerplätze werden vom Marktplatz in den Bereich des Stadthauses /Unter den Linden verlegt. Der Knoten Langenbrücker Straße/Dom- und Schrangenstraße ist LSA-geregelt.

    Verkehrsführung Endstufe
    Der Durchgangsverkehr wird zwischen Lüneburger Damm und Langenbrücker Straße im Straßenzug Schulstraße-Seestraße geführt. Zur Stärkung des Einzelhandels erhalten Schrangenstraße, Herrenstraße und Töpferstraße sowie Wasserstraße (Süd) und Rathausstraße Haupterschließungsfunktion. Die bestehenden Einrichtungsverkehre werden gedreht. Der Markplatz ist frei von MIV. Die Busse des Öffentlichen Nahverkehrs in Richtung Osten werden über Töpfer-, Rathaus-, Große Kreuzstraße und Domstraße zur Haltestelle am Markt geführt. Von hier verläuft die Linienführung in die Langenbrücker Straße. In Gegenrichtung werden die Busse von der Langenbrücker Straße kommend nach Süden und dann über eine Kommunaltrasse mit Haltestelle in die Herrenstraße geführt.
    Die LSA am Knoten Langenbrücker Straße/Dom- und Schrangenstraße ist voraussichtlich entbehrlich.
    In Töpfer-, Rathaus-, Dom-, Schrangen- und Herrenstraße wird jeweils die größtmögliche Anzahl öffentlicher Stellplätze realisiert. Temporär sind Stellplätze auch auf dem Marktplatz vor dem Kreistag möglich. Fußgänger und Radfahrer erhalten keine besondere Führung mit Ausnahme eines begleitenden Radweges im Straßenzug Schulstraße-Seestraße. Der Marktplatz mit der Einmündung Herrenstraße ist Fußgängerbereich und nur für Taxen, Bus und Anlieferung befahrbar.

    Gestaltung Marktplatz
    Für die Attraktivität des Marktplatzes entscheidend ist seine Aufenthalts- und Verweilqualität, das Einzelhandelsangebot in den Randbereichen, die Erreichbarkeit für alle Verkehrsteilnehmer, seine Frequentierung, Belebung und multifunktionale Nutzung. Neben der Bedeutung als touristischer Anziehungspunkt gilt es daher, den Marktplatz auch als Alltagsort für alle Alters- und Bevölkerungsgruppen und zugleich als Ort für besondere Veranstaltungen auszugestalten, als Treffpunkt für Bewohner und Besucher, wie auch als Spielort und Raum für Kurzzeiterholung in der Stadt.

    Der Durchgangsverkehr über den Marktplatz wird aufgehoben, ebenso der überwiegende Teil der Stellplätze auf der Platzfläche. Ersatz bieten Parkplätze in Schrägaufstellung in der Töpferstraße und in den einmündenden Straßenräumen. Taxenstände befinden sich im Einmündungsbereich der Herrenstraße. Die historisch bedeutsame Westfassade mit Kreishaus und Alter Wache sowie die Nordfassade mit dem alten Rathaus werden direkt mit der Platzfläche verbunden. Durch die Aufhebung des Fahrverkehrs auf dem Platz gibt es eine freie Sicht sowohl auf den Dom als auch zur Petrikirche. Zukünftig wird der Marktplatz von Verkehr nur noch tangiert werden. An der Ostfassade verläuft weiterhin die Erschließung der Geschäftsbereiche von Domstraße und Schrangenstraße, an der Südfassade mit Einmündungsbereich der Herrenstraße verläuft eine untergeordnete Erschließung für Bus- und Anlieferverkehre. Zur weiteren Belebung des Platzes werden die Buslinien so geführt, dass die Haltestellen direkt zum Platz hin orientiert sind. Sie sind integriert in ein stählernes Gerüst, welches als zweite Haut vor den eher Maßstab sprengenden Gebäuden von Kaufhaus Mohr und Sparkasse fungiert. Die historische Trauflinie der barocken zweigeschossigen Stadt wird durch das Gerüst aufgenommen.

    Konstruktion - Material
    Über dem bestehenden Pflaster des Marktplatzes schwebt in ca. 15-20 cm Höhe ein L-förmiges Holzdeck. Auf diesem Deck als Aktionsfläche sind alle Funktionen und Nutzungen untergebracht, die für die vielfältigen Aktivitäten nötig sind: Stadtinformationsterminal, Vordächer für die Bushaltestellen, Bänke, WC- und Kioskbox sowie die Beleuchtung des Platzes. Der restliche, gepflasterte Platz bleibt frei von Einbauten und ist somit flexibel nutzbar. Behindertengerechte Zugänge liegen als integrierte Rampen an den Eckpunkten, Sitzbänke sind auf dem Holzdeck angeordnet, gleichzeitig kann aber auch das Deck selbst als Sitzfläche dienen.
    Das filigrane, stählerne Gerüst aus Flachstählen, Rundrohren und Drähten als Rankhilfe markiert die Platzwände, schirmt aber nicht hermetisch ab, sondern dient eher als Filter gegenüber der dahinter liegenden Bebauung. In das Gerüst sind zum Teil farbige, grüne Glasfelder eingehängt, einmal als Witterungsschutz, zum anderen entsteht hierdurch ein vielfältiges Farbenspiel auf dem Holzdeck und der Platzfläche. An der nördlichen Platzwand wird eine neue Baumreihe gepflanzt, die wie auf der Westseite einen geschützten Übergangsbereich vor den historischen Häusern zum Platz schafft. Die Baumgruppe in der Platzmitte kann in Teilen erhalten bleiben.

    Je nach Investitionsmitteln kann der gesamte gepflasterte Bereich im jetzigen Zustand bestehen bleiben, oder aber einheitlich mit Natursteinpflaster neu aufgebaut werden. Hierzu sollte das bestehende Material unter den Holzdecks genutzt werden. Die gepflasterte Fläche dient als robuste Fläche für den Wochenmarkt und weitere Stadtevents.

    Nutzung
    Der Einzelhandel wird um den Marktplatz und die einmündenden Straßen konzentriert, Randlagen werden aufgegeben. Die freiwerdenden Flächen erhalten Ersatz durch kleinere Dienstleistungsunternehmen und Kleingewerbe in den Erdgeschossen. Herrenstraße, Schrangenstraße und Domstraße Süd sind die bevorzugten und zu erhaltenden Geschäftslagen. Gastronomieangebote mit Freisitzen am Markt runden das Angebot ab. An mehreren Tagen die Woche findet der Wochenmarkt auf dem Marktplatz statt. Darüber hinaus können Veranstaltungen, Events (z.B. Openair Kino, Musik etc.) auf der Marktfläche stattfinden.
    Zusätzlich bietet die Altstadt hervorragende Potentiale zum hochwertigen Wohnen in Wasserlage oder im Domquartier, die bisher nicht ausgenutzt sind. Durch die neue Verkehrsführung werden die Quartiere verkehrsberuhigt und in Teilen neu geordnet. Neue Wohnstandorte können so im Südosten an der Seestraße entstehen um die alte Meierei und am Seeufer, welches als Grünraum öffentlich zugänglich bleibt.

    Flexibilität/Umsetzung/Bauabschnitte
    Die Öffnung der Schrangenstraße zur Seestraße kann in kurzer Zeit ohne Inanspruchnahme von Privatgrundstücken realisiert werden. So erfolgt eine Verkehrsentlastung des Ratzeburger Marktplatzes bereits kurzfristig, und ist unabhängig vom Zeitpunkt des Ausbaus der innerörtlichen Umgehungsstraße.
    Auf das vorhandene Pflaster des Marktplatzes kann somit schon in einem ersten Bauabschnitt das Holzdeck mit dem Stahlgerüst montiert werden. Lediglich entlang der Schrangenstraße im Einmündungsbereich Langenbrücker Straße muss ein Bereich im Holzdeck ausgespart bleiben, bis die endgültige Verkehrsführung im zweiten Bauabschnitt hergestellt wird. Eine Neupflasterung des gesamten Marktplatzes ist im ersten Bauabschnitt nicht nötig, das Deck „schwebt“ über der alten Platzfläche. Ob in der Endausbaustufe das gesamte Pflaster erneuert wird, ist abhängig vom zur Verfügung stehenden Investitionsvolumen. Denkbar wäre auch die Fläche nur in Teilen zu erneuern und so das Budget gering zu halten.

    Beurteilung durch das Preisgericht
    Liegt nicht vor.

INFO-BOX

Angelegt am
Zuletzt aktualisiert 25.10.2008, 23:19
Beitrags-ID 4-3478
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