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  • DE-72076 Tübingen
  • 04/2010
  • Ergebnis
  • (ID 2-27073)

Neubau der Augenklinik mit integriertem Forschungsinstitut


  • 1. Preis

    Lageplan

    Architekten
    Arcass Freie Architekten BDA, Stuttgart (DE) Büroprofil

    Mitarbeit
    Ralf Müller

    In Zusammenarbeit mit:
    Bauingenieure: PGMM Planungsgruppe M+M AG, Böblingen (DE), Naumburg (DE), Dresden (DE), Hamburg (DE), Eschborn (DE), Leipzig (DE), München (DE)
    Landschaftsarchitekten: gla | gessweinlandschaftsarchitekten, Schorndorf (DE)

    Erläuterungstext
    Städtebauliches und architektonisches Konzept

    Der Neubau der Augenklinik und des Forschungsinstituts nutzt die Möglichkeiten der peripheren Lage und bildet als schwebender Pavillon den vorläufigen Abschluß des Univer-sitätsgeländes nach Westen. Die hervorragende Aussichtslage kommt damit den Patienten der Augenklinik zu Gute, ohne die Qualität der bestehenden HNO Klinik zu schmälern.

    Die dreigeschossige Sockelstruktur der HNO wird fortgeführt, öffnet sich aber nach Westen und lässt den Landschaftraum in die Innenhöfe hinein erlebbar werden.
    Die dort untergebrachten Forschergruppen erhalten durch 5 Innenhöfe und die zum Teil überdeckten Freibereiche zu-sätzliche Aufenthaltsflächen im Freien. Über große, zwei-geschossige „Landschaftsfenster“ fließt die Landschaft in die Innenhöfe hinein, sorgt für Tagesbelichtung und Frischluftzufuhr. Die Arbeitsplatzqualität des Forschungs-instituts für Augenheilkunde wird trotz der Hanglage den Arbeitsplätzen der Augenklinik gleichgestellt.

    In Summe entsteht ein perforierter, offener, dreige-schossiger Sockel für das Forschungsinstitut und die besucherintensiven Nutzungen der Augenklinik. Transparenz, Orientierung und Tageslichtbezug stehen hier im Vordergrund. Darüber schweben zwei Pavillons. Ein eingeschossiger OP-Pavillon markiert hangseitig den zukünftigen zentralen Haupteingang. Der andere zweigeschossige Pflege-Pavillon schiebt sich nach Südwesten und nutzt die Qualität des umgebenden Landschaftsraums. Im Schwerpunkt der Anlage verbindet ein Aufzugskern alle Ebenen miteinander und erzeugt daher kurze Wege.

    Das architektonische Konzept der Augenklinik nimmt bestehende Strukturen auf und führt diese insbesondere in den Sockelgeschossen fort. Das bestehende Material- und Farbkonzept wird ebenfalls architektonisch aufgenommen aber neu interpretiert. Dadurch entsteht ein neues gemeinsames Ganzes, ohne jedoch die Individualität der HNO oder der Augenklinik außer Acht zu lassen.

    Die Freianlagen beschränken sich im wesentlichen auf die Hauptzugangsbereiche für Kliniken und Institute. Hier entstehen großzügige, ebene Platzflächen, die sinnfällig Aufenthaltsbereiche und Vorfahrtsbereiche integrieren. Durch Vegetationsflächen und Einzelbäume entsteht Zonierung. Die Anlieferung bzw. Ver- und Entsorgung erfolgt über einen gedeckten Anlieferhof in Ebene 0, der von Süden über eine Rampe erschlossen wird. Die Einbindung des Gebäudes in das westseitige Hanggelände erfolgt damit sehr natürlich und folgt dem fallenden Gelände.


    Raumprogramm und funktionale Zusammenhänge

    Die vertikale Gliederung des Neubaus der Augenklinik orientiert sich an der bestehenden Schichtung der HNO Klinik. Dadurch ergeben sich auch zukünftig gute Nachbarschaften, betriebliche Synergien und nicht zuletzt eine gute Orientierung für Besucher und Patienten.

    Das Forschungsinstitut organisiert sich in Ebene 1 und 2 und wird von Süden repräsentativ und separat erschlossen. Hier befindet sich auch das Kommunikationszentrum. Der zentrale Aufzugskern verbindet alle Ebenen, auch die der Augenklinik, auf kurzem Wege. Die fünf Innenhöfe sorgen für natürliche Belichtung und Belüftung. Die beiden westseitigen Höfe sind offen gestaltet und lassen den Landschaftsraum in die Höfe fließen.

    Die innere Organisation bündelt die Forschergruppen um die Lichthöfe. Die Höfe und Terrassen sind benutzbar und erweitern die individuellen Arbeits- und Aufenthaltsflächen in den Außenraum. Das Flursystem und die internen Treppen-verbindungen sind übersichtlich und klar strukturiert. Die Nutzflächen sind maximal flexibel gestaltet und überwiegend tagesbelichtet.

    Die Tierhaltung ergänzt die Flächen der HNO sinnfällig. Die gemeinsam genutzten Forschungseinrichtungen sowie die Umkleiden befinden sich in Aufzugsnähe, zentral in Ebene 1. Die Institutsleitung und weitere Forschergruppen sind in E 2 realisiert. Auch hier sind den Institutsräumen ebenengleiche Außenterrassen vorgelagert.

    Die bauliche Anbindung an die HNO erfolgt generell an maximal vielen Stellen, um die spätere Flexibilität zu gewährleisten. Betriebliche Verbindungen werden aber nur vorgeschlagen, wo sich aus heutiger Sicht Synergien ergeben, z.B. Haupteingang in E 3, Lehrbereich in E 2, Tierhaltung in E 1, Ver- und Entsorgung in E 0.

    Die räumliche Qualität für stationäre und ambulante Patienten ergibt sich in erster Linie durch ein klares Er-schließungssystem, ausgehend vom neuen gemeinsamen Haupt-eingang. Dies schafft Vertrauen und dient der Orientierung. Von der breiten Eingangshalle führen helle und tagesbe-lichtete Flure zum zentralen Aufzugskern der Augenklinik. Vor den einzelnen Ambulanzen werden übersichtliche Warte-zonen an den Innenhöfen angeordnet. Die beiden Pflegeebenen 4 und 5 organisieren sich um einen Innenhof, und nutzen die grandiose Aussicht nach Südwesten. Das im Gebäude konzeptionell vorhandene Tageslicht, in Zusammenhang mit dem hellen und warmen Farb- und Materialkonzept, erzeugt eine positive Atmosphäre, die Geborgenheit vermittelt und Genesung fördern soll.

    Die bauliche Flexibilität ist durch die Tragkonstruktion (Stahlbetonskelett mit Flachdecken) gewährleistet. Die Raumtiefen und flächige Organisationsstrukturen bieten zudem fließende Übergänge und ermöglichen einen Überlauf für wachsende oder schrumpfende Nutzungsbereiche.

    Die Barrierefreiheit ist durch die ebenengleiche Ausbildung der Zugänge, dem zentralen Aufzugskern und den Sanitär-anlagen auf allen Ebenen gegeben.


    Wirtschaftlichkeit

    Die Wirtschaftlichkeit des Neubaus wird in wenigen Jahren durch einen optimierten Betriebsablauf bewiesen. Kurze Wege und optimierte Abläufe sowie flexible Strukturen bilden hierfür die Basis. Die Flächenkennwerte berücksichtigen die erforderlichen Erschließungs- und Aufenthaltsflächen für die gewünschten Ambulanzen, OP’s und Pflegebereiche.

    Unabhängig davon ist das Gebäude konventionell in einer tragenden Stahlbetonkonstruktion und in einem nicht tragenden Ausbau errichtet. Dies erlaubt die Qualitäten auch zu späterem Zeitpunkt anzupassen. Die vorgegebenen und vom Verfasser ermittelten Bauwerkskosten ermöglichen mittlere aber angemessene Ausbauqualitäten.

    Die Fassade des Pflegepavillons wird mit einem umlaufenden Wartungsbalkon ausgestattet. Hierdurch wird in den Ebenen 4 und 5 die Reinigung der Fassade und Wartungsarbeiten an der außenliegenden Sonnenschutzanlage gewährleistet. Die rest-lichen Fassadenbereiche sind vom Boden aus erreichbar.
    Die Dächer sind als 5. Fassade entworfen, begrünt und damit ökologisch, als auch im Sinne der Instandhaltung nachhaltig gestaltet.

    Beurteilung durch das Preisgericht
    Liegt nicht vor.