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  • DE-35576 Wetzlar
  • 03/2010
  • Ergebnis
  • (ID 2-27264)

Neubau des Kreishauses in Wetzlar


  • Anerkennung

    Perspektive West

    Architekten
    Kauffmann Theilig & Partner Freie Architekten PartGmbB, Ostfildern/ Kemnat (DE) Büroprofil

    Preisgeld
    4.000 EUR

    Erläuterungstext
    Idee

    Das neue Kreishaus Wetzlar soll im Innen- und Außenraum qualitätvolle, erlebbare Bereiche schaffen und dabei funktionalen und wirtschaftlichen Überlegungen Rechnung tragen.


    Entwurf

    Entstanden ist ein Gebäude, das sich klar zum Karl-Kellner-Ring orientiert, der zu einer Fußgängerzone umgewandelt wird. Der Haupteingang des Neubaus orientiert sich zu einem Platz, der momentan der Unterführung Raum bietet, in einer weiteren Stufe dann aber als Vorplatz des Kreishauses dient. Drei grüne Höfe mit unterschiedlichem Grad an Zugänglichkeit strukturieren das Volumen, sodass sich zur Fußgängerzone angenehme Proportionen ergeben. Auf dem Vorplatz bilden Bäume ein Baumdach, das den Platz akzentuiert.


    Erschließung

    Über den Haupteingang am Karl-Kellner-Ring gelangt man in ein großzügiges Foyer, das auch einen direkten Zugang aus Richtung der Parkgarage hat. Am Foyer liegt der Sitzungssaal an zentraler Stelle im Gebäude. Vom Foyer werden die Abteilungen des Landratsamtes und des Neuen Kreishauses erschlossen, ein gemeinsamer Infopoint liegt gut sichtbar am Eingang.
    Die Erschließung des Gebäudes erfolgt über drei Treppenhäuser die in den drei nord-westlichen Flügeln des Gebäudes liegen. Diese Treppen verbinden alle Stockwerke, wobei die zentrale Treppe mit zwei Aufzügen die Funktion des Haupttreppenhauses übernimmt. In den jeweiligen Geschossen entsteht somit eine Magistrale, von der aus die Abteilungen erschlossen werden.


    Büros

    Alle Büros sind als Kombibüros ausgebildet. Die Gebäudetiefe im Lichten beträgt 14 m. Durch dieses Maß und die entsprechende Tiefe der Kombizone ist es bei Bedarf jederzeit möglich die Kombibüros in Zellenbüros umzuwandeln. So lässt sich gezielt auf Änderungen der Nutzerstruktur reagieren.
    Zudem basieren alle Büros auf einem Achsraster von 1.35 m. Dieses Raster ermöglicht flexible Büroeinteilungen und optimierte Bürogrößen für Mitarbeiter in Einzelzimmern, Mehrpersonenräumen etc.

    Die Kombizone wird genutzt um Nebenräume unterzuringen, die so einerseits in direkter Nähe zu den dazugehörigen Büroflächen liegen, andererseits die Kombizonen strukturieren und Bereiche schaffen.


    Fassade

    Zwei Themen bestimmen das Bild der Fassade des Neubaus. Auf der Seite zur Moritz-Hensoldt-Straße und auf den Gebäudestirnseiten zum Karl-Kellner-Ring werden die fünf Geschosse optisch auf drei reduziert. Dies gelingt durch eine Zusammenfassung zweier übereinanderliegender Geschosse. Die Fassade zeigt geschlossene und geöffnete Elemente. Diese beruhen auf dem 1.35 m Raster und gewährleisten, dass jedes Büro optimal belichtet wird. Änderungen in den Bürogrundrissen sind problemlos möglich.

    Die Innenseiten der Höfe werden mit der gleichen Struktur verkleidet, jedoch bestehen die „geschlossenen“ Elemente hier aus transluzenten Elementen. Somit wird auch hier eine optimale Belichtung gewährleistet.

    Die geschlossenen Elemente der Fassade werden mit eloxiertem Aluminium verkleidet. In diesen Elementen sind Lüftungsklappen integriert, die sowohl eine individuelle, als auch eine kontrollierte Belüftung (Nachtspülung) ermöglichen.

    Der geforderte Zielwert 20% unter EnEV 2009 erreicht.


    Parken

    Auf dem Wettbewerbsgrundstück für das Parken ist eine dreigeschossige Parkgarage entstanden. Diese wird über eine Platzsparende Parkrampe erschlossen. Die Zu- und Ausfahrt erfolg über der Verbindungsstrasse zwischen Moritz-Hensoldt-Straße und Karl-Kellner-Ring. Eines der beiden Treppenhäuser ist direkt am Platz gelegen und macht kurze Wege von und zum Kreishaus möglich.

    Die Fassade der Parkgarage ist ähnlich der Fassade des Kreishauses in der Länge unterteilt. Dadurch entstehen Fassadenflächen in angemessener Körnung. Verkleidet ist das Gebäude mit einer offenen Holzlamelle, durch die eine natürliche Belichtung und Belüftung gewährleistet wird. Durch die Lamellen wird von außen ein geschlossenes Volumen erzeugt, von innen entsteht jedoch eine offene, Licht durchflutete Atmosphäre.

    Beurteilung durch das Preisgericht

    Häuser, Plätze und Höfe bestimmen mit guter Proportionierung einen Neustart mit einer Quartier übergreifenden Signalwirkung. Mit der gewählten Kammstruktur zum Karl-Kellner-Ring gelingt dem Verfasser eine Raumfolge von Freiräumen mit introvertierter und öffentlicher Prägung.

    Die Kopplung an das bestehende Landratsamt erfolgt über ein zentrales Eingangsfoyer, wie selbstverständlich ist hier eine Barrierefreiheit gegeben. Seitlich fügt sich der Sitzungssaal an; gute Proportionierung und autonome Nutzungsmöglichkeiten jenseits des Verwaltungsbetriebes
    deuten auf eine bürgeroffene Ingebrauchnahme hin.
    Von hoher Qualität ist der modulare Ansatz der Baukuben an der Moritz-Hensoldt-Straße. Die Rhythmisierung der Gebäudefugen im Abgleich zu den vertikalen Erschließungszonen deutet auf eine ausgeprägte Innenraumqualität hin. Variabilität der Büroflächen ist garantiert, die Umsetzung der geforderten Arbeitsplatztypen ist im Entwurf gut leistbar, nicht angemessen dagegen
    erscheint die Durcharbeitung der Flucht- und Rettungswege.
    Die Kennwerte des Entwurfs liegen hinsichtlich des Gebäudevolumens im Mittelmaß, hinsichtlich der Referenzwerte zu BGF/NF, als Indiz für die Wirtschaftlichkeit, kann der Beitrag leider nicht vollüberzeugen.

    Offensichtlich möchte hier der Verfasser eine Kompensation mittels des Parkhauses erzielen. Dies gelingt ihm durchaus mit guter Entwurfsqualität, zu nennen ist die Fahrorientierung und die Parkplatzorganisation. Mittels der gewählten Volumen sparenden Parkrampenlösung zeigt der Verfasser Kenntnisse wirtschaftlicher Realisierbarkeit.

    War die Darstellung der Grundrissorganisation und die der Schnitte von guter Lesbarkeit, wird dies in der Fassadenpräsentation und in den Perspektiven leider nicht mehr gewährleistet.

    Eine Präzisierung zur Materialität, die Konkretisierung zur Fügung und Dimensionierung der Bauelemente der Baukörper und gleichfalls eine Vertiefung in die Freiraumplanung, hätte die
    gute Qualität des Wettbewerbsbeitrags zusätzlich befördert.