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  • DE-30159 Hannover
  • 06/2010
  • Ergebnis
  • (ID 2-28282)

Hannover City 2020+


  • Teilnahme 2. Phase Klagesmarkt

    LOIDL / WESSENDORF Ausschnitt Klagesmarkt

    Architekten
    Studio Wessendorf, Berlin (DE) Büroprofil

    In Zusammenarbeit mit:
    Landschaftsarchitekten: Atelier LOIDL, Berlin (DE)

    Erläuterungstext
    ERLÄUTERUNGSBERICHT 2.PHASE

    Im wesentlichen wird die Metamorphose des Areals durch die passgenaue Setzung eines Gebäudeensembles erreicht, das sich aus der angrenzenden bestehenden Bebauung ableitet. Der bisher ineinanderfließende Raum wird tailliert.
    Zwei großzügige Freiräume mit eigenen Identitäten werden herausgebildet und landschaftsarchitektonisch ganz unterschiedlich behandelt: der eigentliche, verkleinerte Klagesmarkt, baulich klar gefasst und der Andreaspark, zusammenhängend erlebbar und klarer begrenzt.
    Torartig miteinander verknüpft treten der befestigte Marktplatz mit dem geklärten Andreaspark in in einen Dialog und machen den Klagesmarkt zu einer exklusiven, vielfältigen Adresse städtischen Wohnens, Einkaufens, Flanierens und Arbeitens. Die neue Bebauung ist ein kraftvolles Bindeglied zwischen St-Nikolai- und Körnerviertel.



    ERLÄUTERUNGSBERICHT 1.PHASE

    Zwei Brennweiten
    komplex und polar
    Hannover kann und muss auf zwei Ebenen betrachtet werden: Zum einen ist es die differenzier-te, komplexe, in der Geschichte mehrfach überformte, zum anderen die bipolare Stadt, in der eine kompakte, innerstädtische reparierte Textur einer fließenden Stadtlandschaft der Nach-kriegsmoderne gegenüber steht.

    Entwurf
    Entscheidung
    Das Entwurfsgebiet erstreckt sich aus innerstädtischer Lage in die angrenzende aufgelockerte Stadtlandschaft und thematisiert vor allem die Übergangsbereiche. Aufgabe ist es, die Koexis-tenz beider Hannover, der Stadt als Textur und der modernen Landschaft, in einem ausgewo-genen Entwurf zu vereinen. Jeder Vertiefungsbereich sucht nach der Antwort, ob er sich auf die Innenstadt oder auf die aufgelockerte Stadt bezieht und stellt die Frage, ob er eher aus der Per-spektive des Fußgängers oder des vorbeifahrenden Autofahrers zu betrachten ist. Stärkt man den Bereich in seinem Charakter des offenen Stadtraumes oder sieht man ihn als Lücke im Stadtkontinuum? Gleichzeitig bietet jeder Bereich im Einzelnen die Chance, die spezifischen Charakteristika des Ortes zu stärken, verloren gegangene Qualitäten und Bedeutungen wieder-zuentdecken und neu zu interpretieren.

    Raumkontinuum
    Es herrscht ein Überangebot an unkonturierten, überdimensionierten Freiräumen. Oftmals kon-kurriert der Cityring aufgrund seiner großen Ausdehnung mit den Platzräumen der Stadt, Räu-me fließen ungegliedert ineinander. Die Vertiefungsbereiche, die in räumlicher Nähe zueinander stehen, sind als Raumfolge zu begreifen: Die einzelnen Räume sollten teilweise räumlich wie flächig voneinander abgegrenzt werden, um in eine neue Beziehung gesetzt werden zu können. Sie müssen hierarchisiert und geschärft werden, Kontraste wie Enge und Weite, grün oder stei-nern herausgearbeitet und insgesamt inszeniert werden. Kleine, städtebauliche Interventionen haben oft große, gleich mehrere Einzelräume betreffende Auswirkungen.

    Nachverdichtung / Typologie
    An den unterschiedlichen Stellen wird mit typologischer Vielfalt nachverdichtet. Neue Bewohner und Besucher der öffentlichen Nutzungen werden an die neuen Stadträume gelockt, auch jun-gen Familien wird mit unkonventionellen Typologien innerstädtischer Wohnraum angeboten.




    Einzelbereiche

    Klagesmarkt / St. Nikolai-Friedhof / Goserieede
    Durch die Setzung zweier städtischer Blöcke wird der ineinander fließende Raum tailliert; zwei in ihrer Verschiedenheit gestärkte Räume entstehen, Verengungen am Cityring und Steintor markieren die Übergangsbereiche zum Cityring und dem Steintorplatz. Der verkleinerte, baum-bestandene rechteckige Klagesmarkt ist das intensiv genutzte Vorzimmer zu dem größeren Stadtpark, dessen Rahmen beide Teile des ehemaligen St. Nikolai-Friedhof zusammenbindet. Durch die Beseitigung des Kreisels und der Verengung des Straßenquerschnittes werden die Einzelbereiche stärker miteinander verknüpft. Die neue Bebauung ist ein kraftvolles Bindeglied zwischen St-Nikolai- und Körnerviertel.

    Marstall
    Durch bauliche Verdichtung an seinen aktuellen Enden erhält der Marstall eine wohl dimensio-nierte Proportion und grenzt sich zum anschließenden Hohen Ufer ab. Mehr auf sich selbst konzentriert wird der baumbestandene ehemalige Parkplatz zum Stadtplatz unter Bäumen. Er lädt zum Flanieren, Boule-Spielen und nachbarschaftlichen Zusammmentreffen ein. Ein einheit-licher Flächenbelag kann nach dem shared space Prinzip von allen Verkehrsteilnehmern gleichberechtigt genutzt werden.

    Hohes Ufer / Leibnizufer
    Das Leibnizufer wird bebaut. Die aufgestaute Leine rückt ins Zentrum eines nun beidseitig ge-fassten, lang gestreckten Raumkörpers, der zuvor in starker Konkurrenz zu der den Cityring be-gleiteten Auenlandschaft stand. Dicht rücken die neuen Gebäude in Reminiszenz an die verlo-ren gegangene Leineinsel ans Wasser heran. Eine neue, intensiv genutzte Leibniz-Promenade vermittelt zwischen den beiden gegenüberliegenden Niveaus des Hohen Ufers auf der anderen Seite. Das bestehende Ufer wird zugunsten einer einfachen, lang gestreckten Fläche mit einer zweiten, schmaleren, geklärten Ebene auf Wasserniveau umgebaut; die bestehende Kleinteilig-keit weicht einer neuen Großzügigkeit.
    Die Gebäudereihe am Hohen Ufer wird geschlossen. Die beiden bestehenden Brücken und die neue Rossmühlen-Brücke verbindet die beiden Ufer. Durch die engen Abstände der neuen Ge-bäude führen die Wege drikt in die Calenberger Neustadt.
    Die ausdifferenzierten Blöcke setzen sich aus einer typologischen Vielfalt zusammen, schmale townhouses, Leine-Lofts, Ateliers, Galerien, Läden und Restaurants mit Flussterrassen beleben die Ufer und schaffen gleichzeitig auf der anderen Seite neue Adressen am Cityring.

    Friederikenplatz
    Mit Bebauung des Leibnizufers wird die Idee der Aue zwischen den beiden Grünräume der Her-renhäuser Gärten und des Maschsees nicht weiter verfolgt. Somit in seiner Wirkung bestärkt ist der dreiseitig gefasste, begrünte Friedrikenplatz Schlossgarten und landschaftliches Entrée in die Stadt. Der Platz der Göttinger Sieben wird gleichzeitig räumlich gefasst.
    Waterlooplatz / Lavesallee
    Der Waterlooplatz wird als Bestandteil des Gesamtensembles der aufgelockerten Nachkriegs-landschaft in diesem Charakter bestärkt. Hier zeigt sich Hannover entschieden von seiner mo-dernen Seite, es wird kein Versuch unternommen, den Waterlooplatz seiner ursprünglichen preussischen Strenge zurückzuführen. Er kann ideal für große Veranstaltungen genutzt werden. Die verschmälerte, klar gerundete Lavesallee schafft als eine Art „Parkway“ zusätzliche Groß-zügigkeit. Ein Straßen begleitender Boulevard lädt zum Radfahren und Skaten ein. Die Park-landschaft, in die die Vorgärten der solitär stehenden Ministerien und Verwaltungsgebäuden optisch mit einbezogen werden, wird von störenden Einbauten und zerstückelten Sondernut-zungsflächen wie Parkplätzen bereinigt. Ein solitärer kulturell genutzter, organischer Baukörper erinnert an das ehemalige Friederikenschlösschen.

    Köbelinger Markt / Trammplatz
    Zwei neue Blöcke und ein solitäres Gebäude umfassen den neuen, rechteckigen Köbelinger Markt-Platz, die mittelalterliche Mandelform wird herausgearbeitet. Ein dreieckiger Kirchplatz und ein kleiner Platz vor der Volkshochschule entstehen. Von hier aus wird man per Lichtsig-nalanlage über den verschmälerten Friedrichswall zum verbreiterten Tramplatz hinübergeleitet. Dieser wird durch symmetrische Ergänzung eines Museumskubus gegenüber dem Kästnermu-seum stärker – ehrenhofartig - gefasst, beide Eingänge zum Maschpark so gleich behandelt. Die Höhenlage des Trammplatzes wird auf Stadtniveau angehoben, die alten Bäume erhalten Baumscheiben auf dem heutigen Niveau.

    Aegidienplatz
    Am Aegidienplatz kann durch Straßenverlegung auf der Ecke ein Gebäude mit erhabenem Kopfbau ergänzt werden und somit den Straßenraum neu konturieren. Die orthogonale Ausrich-tung erinnert an den barocken Zustand. Der Straßenraum wird verengt und die Platzräume des Friedrichswalls und des Aegidientores voneinander getrennt.



    Fazit
    An den Nahtstellen zwischen der kompakten Stadt und dem Cityring empfiehlt es sich in den meisten Fällen, diesen nicht als landschaftliches Element zu begreifen, zu dem hin sich alle Räume hin öffnen sollten. Dafür sollte die Qualität der fließenden Landschaft in dem Bereich um den Waterlooplatz herum gestärkt werden und dort die Entrées (Übergänge) von der Stadt in die Landschaft und umgekehrt inszeniert werden. Durch diese Selektion werden sowohl sämtli-che einzelne Räume als auch das Nebeneinander beider Komponenten, der kompakten Stadt und der aufgelockerten, gestärkt.

    Beurteilung durch das Preisgericht
    Liegt nicht vor.

INFO-BOX

Angelegt am 19.03.2010, 15:54
Zuletzt aktualisiert 06.04.2011, 19:26
Beitrags-ID 4-35004
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