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  • DE-30159 Hannover
  • 06/2010
  • Ergebnis
  • (ID 2-28282)

Hannover City 2020+


  • Teilnahme 2. Phase Klagesmarkt


    Landschaftsarchitekten
    TOPOTEK 1, Berlin (DE) Büroprofil

    In Zusammenarbeit mit:
    Architekten: O&O Baukunst, Berlin (DE), Köln (DE), Wien (AT)

    Erläuterungstext
    ANALYSE

    Hannovers Innenstadt spiegelt in seiner Gestalt ein Nebeneinander unterschiedlicher Epochen der Baugeschichte wieder. Erhalten sind meist eher Bruchstücke, selten geschlossene Ensembles. Dabei hinterließen die Jahre des Wiederaufbaus in den 50er und 60er Jahren wohl die eindrücklichsten aber auch kontroversesten Spuren im Gefüge der Stadt. So umschließt der Cityring als weiter Straßenraum die Innenstadt. In seiner großräumigen Dimensionierung macht er die Planungsansätze der durchgrünten, autogerechten Stadt der 50 er Jahre deutlich, trennt aber auch die Innenstadt von ihren umgebenden Stadtvierteln und Landschaftsräumen. Entlang des Cityrings reihen sich, wie an einer Perlenschnur, die freistehenden Einzelbaukörper der Ministerien und Institutionen. Im Zusammenspiel mit den weiträumigen, sie umgebenden Freiräumen bieten sie eine großzügige Qualität und spiegeln letztendlich die Einzigartigkeit und den Zeitgeist einer prägenden Bauepoche wieder.
    Weitere Besonderheit Hannovers ist die Lage der Innenstadt zwischen den Herrenhäuser Gärten im Norden und dem landschaftlich gestaltetem Maschpark mit dem Maschsee im Süden. Diese bedeutsamen und prägnanten Parkanlagen laufen keilförmig auf die Stadt zu stellen aber kein zusammenhängendes Grünsystem in der Stadt dar.


    KONZEPT

    Die vorliegende Arbeit beschäftigt sich mit den innerstädtischen Räumen Hannovers, identifiziert sie und ihre Qualitäten und möchte diese stärken und herausarbeiten. Quartiere mit eigener Identität und hoher Aufenthaltsqualität sollen entstehen. So werden die Bearbeitungsräume innerhalb der Innenstadt (Köblinger Markt, Klages Markt, Marstall, Hohes Ufer) die ja zum Teil noch auf mittelalterlichen Strukturen basieren, mit neuen Bebauungsstrukturen entsprechend nachverdichtet. Ein eindeutiges Spiel in der Abwechslung von Gassen und kleinen Plätzen entsprechend der Maßstäblichkeit der städtebaulichen Struktur wird erlebbar und das in diesem Stadtbereich ursprünglich angelegte, kleinmaßstäbliche Stadtgefühl soll so wieder vermittelt werden.
    Die Herausarbeitung und Präzisierung der unterschiedlichen Stadträume (Brühlstraße, Calenberger Neustadt, Friederikenplatz, Trammplatz, Aegidientorplatz) und ihrer Qualitäten lässt zudem eine Grüne Magistrale entstehen. Die Grüne Magistrale beginnt als breite Promenade am Königsworther Platz, leitet nach Süden bis zum Leibnitzufer. Als linearer Park setzt sie sich von dort bis zum Friederikenplatz fort und knüpft so an den Maschpark an. Auf dem Friedrichswall wird sie als Boulevard bis zum Aegidientorplatz weiter geführt. Es entsteht ein linear zusammenhängender grüner Raum – eine grüne, repräsentative Magistrale, die neben der Verknüpfung der innerstädtischen Räume, den Georgengarten und die Herrenhäuser Gärten im Norden mit dem südlich gelegenen Maschpark und Maschsee verbindet und so Hannover in einübergeordnete Grünsystem einflechtet.


    DIE GRÜNE MAGISTRALE – VON NORD NACH SÜD

    Der Rückbau des Cityrings schafft die Vorraussetzung für die Entstehung der neuen Magistrale, die als Grünzug die beiden Landschaftsräume von Norden nach Süden verknüpft.
    Die Brühlstraße vom Königsworther Platz bis zur Goethestraße wird in diese Umgestaltung einbezogen. Die Magistrale knüpft hier als Promenade an die Allee aus den Herrenhäuser Gärten am Königsworther Platz an. Als Entree in die Stadt und Anknüpfungspunkt an die Herrenhäuser Gärten erhält der Königsworther Platz eine neue repräsentative Gestaltung. Seiner Funktion und seinem Gewicht im Gefüge der Stadt soll so Rechnung getragen werden und die Orientierung an dieser Stelle erleichtert werden. Die überdimensionierten U-Bahneingänge werden dazu verkleinert und der Verlauf der Brühlstraße verändert. So entstehen, in Anlehnung an die historische Gestaltung des Platzes, zwei symmetrische Platzflächen, die jeweils besetzt mit zwei Baumpaketen eine Eingangssituation entstehen lassen und den Platz räumlich markieren. Die Brühlstraße wird aus ihrer Mittellage heraus genommen und nach Westen verschoben. Zwei unterschiedlich definierte Straßenseiten mit unterschiedlichen Qualitäten entstehen. Die Ostseite – als Sonnenseite wird zu einer breiten Baumbestandenen Seite, die den Grünzug nach Süden fortsetzt. Sie nimmt die Werke der Kunstmeile in sich auf und macht diese nun auch für Fußgänger erlebbar.
    Am Leibnizufer trifft der Grünzug auf die Leine und die Calenberger Neustadt. Die Calenberger Neustadt als landschaftlich geprägter und stark überformter Teil der Innenstadt, soll durch den Rückbau des Cityrings stärker mit der Leine verbunden werden. Als linearer Park öffnet sich die Magistrale zur Leine und zieht den Cityring, die Leine und die Calenberger Neustadt zusammen. Er gibt der Neustadt als von Gebäudesolitären geprägten Raum eine eigene Identität. So begegnen sich am Leibnizufer zwei städtische Figuren - das landschaftlich geprägte Viertel der Calenberger Neustadt und der dichte, durch bauliche Masse geprägte Altstadtbereich. Der Park weitet sich zum Fluss hin auf. Großzügige Rasenstufen führen zum Wasser hinab, machen ein Berühren des Wassers möglich und bieten die Möglichkeit zum Aufenthalt. Vor dem Schloss bleiben die jetzige Topografie und die historische Flussmauer erhalten. Mit der Orientierung zum Fluss durch die Stufen etabliert der Grünzug neben der Nord-Süd Verbindung eine Ost-West Ausrichtung, welche die Verbindung zwischen Altstadt, Leine und Calenberger Neustadt visuell und räumlich stärkt. Der Grünzug wird durch weite, locker mit Bäumen bestandene Wiesenfläche charakterisiert. Die Setzung der Bäume nimmt das Thema der landschaftlichen Baumgruppen des Maschparks auf und integriert den bestehenden charakteristischen Altbaumbestand.


    HOHES UFER

    Im Kontrast zur landschaftlichen Gestaltung des Leibnitzufers soll das Hohe Ufer in seinem Charakter als städtische, harte Kante gestärkt werden. Auf zwei Ebenen die über Stufen und Rampen verbunden sind weitet und verengt sich das Ufer. Die Aufweitungen bieten als Terrassen Platz für Cafés und Restaurants und nehmen den temporär stattfindenden Flohmarkt auf. Auf eine Bepflanzung wird zu Gunsten einer urbanen, steinernen Eindrucks verzichtet. Eine neue, formal in die Gestaltung integrierte Brücke, in der Verlängerung der Pferdestraße, schafft eine weitere Verbindung von der Altstadt über den Fluss hinüber zur Calenberger Neustadt.


    FLUSSWASSERKUNST

    Der Richtungswechsel der Leine und das südliche Ende des hohen Ufers soll durch einen Baukörper markiert werden. Die Lage und Kubatur der ehemaligen Flußwasserkunst soll an dieser Stelle wieder aufgenommen werden und in einen modernen Baukörper übersetzt werden. Eine transparente Fassade, die das architektonische Volumen der Flußwasserkunst als Licht durchfluteten Großraum erlebbar macht wäre vorstellbar. Die prominente Lage des Gebäudes und sein architektonischer Reiz als Gebäude auf dem Wasser soll über die Nutzung als Touristeninformation, sowie als Dienstleistungseinrichtungen der Stadtwerke Hannover Rechnung getragen werden.


    FRIEDERIKEN PLATZ

    Die Kreuzungssituation am Friederikenplatz wird mit dem Umbau des Cityrings verkleinert und der Grünzug setzt sich hier in Form großzügiger Parkflächen nach Süden fort. Eine neue Brücke über die Leine schließt ihn an den Maschpark an und ermöglicht eine neue Wegeverbindung von der Calenberger Neustadt über den Friederikenplatz durch den Maschpark am Rathaus vorbei bis zum Niedersächsischen Landesmuseum.
    Über einen neuen markanten Baukörper erfährt der Friederikenplatz eine Adressbildung und wird zu einem Anlaufpunkt in der Stadt. Das Gebäude schafft den Link zum Waterlooplatz und bindet diesen an die Innestadt an. Das Gebäude nimmt eine öffentliche Nutzung wie die Erweiterung des Staatsarchivs, ein Kongresszentrum oder aber das Bürgeramt auf. Auch ein Museum wäre denkbar. Der neue Baukörper ist in die Parkräume des Grünzugs integriert und setzt als prägnanter Einzelbaukörper die Reihe an Bauwerken entlang des Rings fort und vervollständigt diese. Mit seiner runden Form führt es ein modernes und eigenständiges Element in die Reihung ein und wird so seiner prominenten Lage in der Stadt gerecht. Der runde Baukörper wird über ein weiteres Gebäude am Waterlooplatz ergänzt. Büro- und Verwaltungsnutzungen sind hier untergebracht und im Falle eines Kongresszentrums könnte es auch als Kongresshotel dienen.


    WATERLOOPLATZ

    Der Waterlooplatz wurde ursprünglich als symmetrische Platzanlage, dessen Mittelachse sich auf das Leineschloss, die Marktkirche und den Hauptbahnhof bezog, geplant. Mit der Umgestaltung des Platzes in den 50er Jahren ist dieser starke Bezug verloren gegangen und heute nicht mehr erlebbar. Der Platz liegt als weite Fläche neben der Straße und die frei stehenden Gebäude vermögen es nicht im eine Kontur zu geben. Eine Rekonstruktion der symmetrisch, axialen Form des Platzes und eine Neuorganisation des Verkehrs wird daher vorgeschlagen. Die Aufsplittung der Fahrspuren um den Platz herum verringert die Breite der Straße und macht den Platz einfacher erreichbar. Der Waterlooplatz rückt wieder in die Mitte, welche von der Waterloosäule markiert wird. Lange Baumreihen unterstreichen die Form des Waterlooplatzes und lenken den Blick. Die weite, offene Rasenfläche in der Mitte des Platzes ermöglichen multifunktionale Nutzungen, wie Konzerte und Demonstrationen. Die einzigartige Dimension des Platzes und sein Bezug zur Innenstadt werden über die einprägsame Form wieder lesbar und wahrnehmbar. Der Waterlooplatz wird wieder zu einer Adresse in der Stadt, er bekommt Gesicht und Identität.


    TRAMMPLATZ UND FRIEDRICHSWALL

    Der Umbau des Cityrings schließt auch den Friedrichswall mit ein. Er wird auf vier Fahrspuren zurückgebaut und den angrenzenden Gehwegen mehr Platz gegeben. Der Friedrichswall wird mittig verlaufen und von Alleen an beiden Seiten gerahmt.
    Der abgesenkte Trammplatz wird über eine großzügige umlaufende Stufenanlage an den Friedrichswall und den Köblinger Markt angeschlossen und trägt der repräsentativen Situation vor dem Rathaus Rechnung. Die umlaufenden Stufen weiten sich vor dem Rathaus und gehen so auf Bedeutung und Maßstab des Rathauses ein. Das Gebäude des Kestner Museums flankiert den Trammplatz im Westen und soll in Anlehnung an die historische Situation im Osten wieder ein Pendant erhalten. Ein symmetrisches Gebäudeensemble entsteht und der Platz erfährt eine Rahmung. In Kubatur und Funktion ist das neue Gebäude an das Kestner Museum angelehnt. Es beherbergt eine kulturellen Stiftung und/oder ein Museum und zeigt deren Exponate. Hannover und seine Geschichte ist stark mit Firmen wie Pelikan, TUI, Bahlsen, etc. und mit Banken wie der Nord/LB, DIBA Ing. verknüpft. Eine Zusammenarbeit und Präsentation derer und ihres kulturell Engagements wäre an dieser Stelle vorstellbar.


    AEGIDIENTORPLATZ

    Der Rückbau des Friedrichwalls verkleinert auch die Verkehrsflächen des Aegidientorplatzes. Ein neues Bürogebäude im Osten der Sparkasse fasst den Platz und lenkt den Blick aus der Georgstraße kommend auf das Theater am Aegi und fasst es räumlich stärker ein.


    MARSTALL

    Die charakteristische lange Form des Marstalls soll erhalten bleiben und großzügiger Stadtplatz entstehen. Zwei solitäre Baukörper geben dem länglichen Platz im Westen und Osten seine städtebaulichen Kanten. Am östlichen Ende befinden sich Wohnungen und Geschäfte. Im Westen präsentiert ein Hotelneubau die prominente Lage am Leineufer und schließt die Lücke in der dichten Bebauung am Hohen Ufer. Der Platz wird als einheitliche Fläche den nördlich den Platz rahmenden Gebäuden vorgelagert und nur an seiner südlichen Seite von der Straße begrenzt. Die nördliche Seite erfährt so eine Aufwertung und Belebung. Aufgrund der besonnten Lage dieser Seite siedeln sich hier Cafés und Geschäfte an. Baumkarrees, Boulespielfelder und ein Wasserspielplatz schaffen eine vielfältige Nutzung und Aufenthaltsqualität.


    KÖBLINGER MARKT

    Der Köblinger Markt soll als Wohnstandort neu etabliert und im Zusammenspiel mit der Markthalle eine intime Platzsituation geschaffen werden. Eine kleinteilige Wohnbebauung greift den vorgefundenen Maßstab auf und übersetzt sie in ein modernes Haus-Hofquartier am jetzigen Standort des Bürgeramtes. Begrünte Höfe gliedern dieses Quartier. Im Erdgeschoss orientieren sich Geschäfte und eine Kita mit eigenem Garten.


    KLAGESMARKT UND CHRISTUSKIRCHE

    Der Verkehrskreisel Celler Straße – Goseriede wird zurückgebaut und durch einen Straßenkreuzung ersetzt. Die durch die Straße getrennten Flächen des Skt.Nikolai Friedhof werden so wieder zusammen gelesen und der Übergang zwischen Steintor und Klagesmarkt erleichtert. Der Klagesmarkt ist als Markt- und Parkfläche überdimensioniert und eine Verdichtung durch Wohnbebauung wird an dieser Stelle vorgeschlagen. Im Süden des Klagesmarkts wird eine neue Blockrandbebauung mit Wohneinheiten und Geschäften im Erdgeschoss vorgeschlagen. Der bereits vorhandene Baukörper bleibt erhalten und nördlich von ihm wird ein weiteres Gebäude mit Gastronomie und kultureller Quartiersnutzung gesetzt. Dieses Gebäude rahmt den nördlichen Teil des Klagesmarkts, der weiterhin als Markt- und Freifläche erhalten bleibt und von einem alten Baumbestand bestanden ist. Die auf dem Klagesmarkt stattfindenden, traditionellen Demonstrationen werden auf den neuen Waterlooplatz verlegt, der diesen den angemessenen Raum und Rahmen gibt. Je nach Größe können die Demonstrationen zudem auch am Steintor oder am Schützenfestgelände stattfinden.
    Eine neue Blockbebauung an der Christuskirche greift die historischen Kanten auf und fasst sie in einer neuen Wohnbebauung. Sie gibt der Kirche einen baulichen Hintergrund und dem Platz eine Kante und Fassung. Die Bebauung lässt dabei die Ansicht vom Judenfriedhof aus auf das Kirchenportal frei. Die Nähe zu Universität macht eine Etablierung eines neuen Studentenwohnheims an dieser Stelle sinnvoll.

    Beurteilung durch das Preisgericht
    Liegt nicht vor.

INFO-BOX

Angelegt am 19.03.2010, 15:16
Zuletzt aktualisiert 22.06.2017, 13:32
Beitrags-ID 4-35006
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