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  • DE-30159 Hannover
  • 06/2010
  • Ergebnis
  • (ID 2-28282)

Hannover City 2020+


  • Teilnahme 1. Phase


    Landschaftsarchitekten
    Agence Ter, Karlsruhe (DE), Paris (FR), Barcelona (ES) Büroprofil

    In Zusammenarbeit mit:
    Architekten: NIEMANN + STEEGE Gesellschaft für Stadtentwicklung Stadtplanung Städtebau Städtebaurecht mbH, Düsseldorf (DE), Wismar (DE)

    Erläuterungstext
    PERSPEKTIVEN SCHAFFEN

    ENTWURFSPRINZIPIEN
    Hannover ist von einem einzigartigen Netz von stadträumlichen Achsen und Blickbeziehungen zwischen städtebaulichen Merkpunkten überzogen. Dieses Netz ist um einen Ring von Tangenten zentriert, der die Altstadt und die Neustadt in Form eines Fünfecks umschließt und der Grundform der Stadterweiterungen der Laves-Zeit entspricht.
    Die Verbindung zwischen der Altstadt mit der in Richtung Hauptbahnhof entstandenen City und der Calenberger Neustadt wurde durch die Anlage des Leibnizufers gesprengt: anstelle der dichten Bebauung der Vorkriegszeit findet sich hier heute eine stadträumliche Brache, durch eingestellte Kunstwerke notdürftig gegliedert, die einzig durch den wöchentlichen Flohmarkt belebt ist.
    Die sich weiter fortsetzende Verschiebung der Innenstadtfunktionen in Richtung des Hauptbahnhofs führt zu einer funktionalen Verödung der Stadtgebiete an der Leine, die auch durch die hier vorhandenen Repräsentativbauten am Waterlooplatz sowie die zwischen der Marktkirche und dem Fluss konzentrierten baulichen Überbleibsel der Fachwerk-Altstadt kaum aufgefangen werden können.
    Diesen Prozess durch gezielte landschaftsarchitektonische und städtebauliche Eingriffe am Leineufer und dem mit diesem verbundenen Waterlooplatz aufzuhalten und umzukehren, ist die zentrale Zielsetzung unseres Entwurfs.

    LEIBNIZUFER - WATERLOOPLATZ Städtebau
    Das Leibnizufer und der Waterlooplatz sind exemplarische Stadträume der 1950er Jahre: offene Freiflächen mit geschwungenen Verkehrsbändern, die durch freistehende Solitärbauten eine lose Fassung erhalten.
    Heute sind diese Raumschöpfungen durch das Übergewicht ihrer Verkehrsfunktion und einen damit verbundenen Verlust außenräumlicher Qualitäten geprägt. Das Leibnizufer ist ein schmaler Grünstreifen an einer Durchfahrtsstraße, der Waterlooplatz von der Innenstadt durch die überdimensionierte Kreuzung des Friederikenplatzes abgetrennt.
    Die Zivilisierung des Straßenverkehrs ist die Voraussetzung für eine Wiedergewinnung des Raumes. Sie erfolgt über einen Rückbau von nicht benötigten Fahrspuren und überdimensionierten Kreuzungen und die räumliche Fassung der Straßen durch dichte Reihen von Alleebäumen.
    Am Leibnizufer entsteht dadurch Raum für die Entwicklung einer neuen Uferbebauung, die dem Hohen Ufer ein Gegenüber und der Leine ihre über Jahrhunderte gewachsene Funktion als einem verbindenden Element zwischen der Altstadt und der Calenberger Neustadt zurück gibt.
    Eine kleinmaßstäbliche Bebauung, die zwischen den Solitären der Wiederaufbauzeit und den eng gefassten Straßenkorridoren der historischen Stadt vermittelt, bietet Raum für Wohnen, Arbeiten, Kultur und Freizeit.
    Kern dieser Neubebauung ist die alte Leine-Insel, deren Umriss in Bebauung und Freiraumgestaltung nachgezeichnet wird. Mit ihr entsteht ein neuer Mittelpunkt der stadträumlich wichtigen Achse zum Neustädter Kirchplatz. Schmale Gassen erschließen die neuen Bauten und öffnen den Blick zu wichtigen Identifikationspunkten im Stadtraum wie dem Leineschloss oder den neu platzierten Nana-Skulpturen von Niki de Saint Phalle auf der Ufertreppe vor dem Marstall.

    Am Schnittpunkt der Verbindung Lavesallee-Leibnizufer mit dem zum Neuen Rathaus führenden Friedrichswall entsteht ein neues Solitärgebäude als nördlicher Abschluss des Regierungsviertels am Waterlooplatz, das dem neuformulierten Friederikenplatz einen markanten stadträumlichen Abschluss verleiht.

    LEIBNIZUFER - WATERLOOPLATZ Freiraum
    Der Übergang von den landschaftlich gefassten Abschnitten der Leine zur „steinernen“, urbanen Flusskante zwischen dem Hohen Ufer und der Neubebauung am Leibnizufer wird durch die „Kunstvitrine“ anstelle der alten Wasserkunst markiert, die als Ausstellungs- und Veranstaltungsraum zu einem Kristallisationspunkt des öffentlichen Lebens in diesem Teil der Stadt werden kann.
    Der tief in sein Bett eingeschnittene Leinefluss selbst wird durch ein neues Stauwehr um einen Meter angehoben und von der neugestalteten Uferzone aus wieder erlebbar. Hier entstehen mit den Balkons am Hohen Ufer, Sitzstufen, im Wasser liegenden Pontons und dem nur knapp oberhalb des Wasserspiegels liegenden Ufergarten neue Attraktionspunkte.
    Anstelle des die ehemalige Leine-Insel von Westen umschließenden Seitenarms des Flusses führt eine breite Rampe hinunter zum Wasser und dem dort liegenden grünen Ufergarten und macht die Konturen der Insel neu erlebbar. Vom Ufergarten aus führt ein Steg auf das untere Niveau der Anlagen am Hohen Ufer und sorgt so für dessen Belebung.
    Im neugestalteten Friederikenplatz liegt der Schnittpunkt dreier Alleen: Der von Südwesten kommenden Lavesallee, die als westliche Raumkante für den Waterlooplatz fungiert, dem Friedrichswall im Osten, dessen Bäume einen „Vorhang“ vor dem neuen Rathaus bilden, und der Straße am Leibnizufer. An der letzteren öffnen sich abschnittsweise die Baumreihen und geben Durchblicke zu markanten Orientierungspunkten beiderseits der Leine frei. Jede dieser drei Alleen erhält durch eine eigene Baumart ihr besonderes Gesicht.
    Die Esplanade führt parallel der Blickachse vom Leineschloss zur Waterloosäule über den Friedrichswall zum diesseits der Leine gelegenen „Vorplatz“ des Landtages mit seinen zum Fluss führenden Rasenstufen. Sie ist durch markante Baumreihen – gemischt aus den Bäumen der drei Alleen – geprägt, die dem Waterlooplatz ihren südöstlichen Abschluss geben. Von hier führen Sitzstufen zum tiefer liegenden Rasen der eigentlichen Platzfläche.
    Die historische „Laves-Achse“ des Waterlooplatzes, die vom Hauptbahnhof über den Turm der Marktkirche und das Schloss zur Waterloosäule führt, wird durch „ein Wasserband markiert. Parallel hierzu verläuft die Esplanade, die östlich des Platzes als eine Art Laufsteg fungiert und für vielfältige Veranstaltungen genutzt werden kann – für sich oder ergänzt durch angedockte „Plattformen“. Das Wasserband wird durch ebenfalls entlang dieser Achse angeordnete Wasserspiele gerahmt und ist mit der Esplanade durch Querwege verbunden. Der Platz wird so zur Bühne und rückt vom Rand in das Zentrum des städtischen Lebens. Der wöchentlich entlang der Leine statt findende Flohmarkt kann vom Leibnizufer auf die Esplanade verlegt werden und zusammen mit dem Markt am Hohen Ufer zu einer neuen, die beiden Freiräume verbindenden Attraktion im Stadtgeschehen werden.
    Ein Cafe-Pavillon, neugestaltete U-Bahnzugänge und eine leichte Passerelle über den Friedrichswall – in Ergänzung zu einem neugeschaffenen ebenerdigen Fußgängerüberweg – runden die Neugestaltung des Platzes ab.

    NEUES RATHAUS - KÖBELINGER MARKT
    Das Neue Rathaus ist heute nicht in das Wegesystem der Innenstadt integriert. Um dies zu ändern, wird von dort über den Köbelinger Markt und die Markthalle bis zum alten Rathaus unter den vorhandenen schönen alten Platanen eine neue Fußgängerstraße entwickelt.
    Diese neue Verbindung ist von einer anstelle des abgerissenen Bürgeramtes sowie eines Teils der alten Platzfläche neu errichteten Wohnbebauung gesäumt, welche von der zentralen, aber ruhigen Stadtlage sowie der ausgezeichneten Nahversorgung profitiert und zu einer nachhaltigen Belebung dieses Teils der Innenstadt beiträgt.
    Der Theodor-Lessing-Platz wird als Gelenk in dieser Wegeverbindung neu gefasst, welche auch durch den als Blickpunkt in Szene gesetzten Turm der Ägidienkirche im Osten geprägt ist.
    Östlich der Markthalle entsteht ein weiterer neuer Stadtraum, der die hier bislang vorhandene „Hinterhofsituation“ neu ordnet und in Ergänzung zu dieser als ein zentraler Treffpunkt des Quartiers dient.
    Die Tieflage des Trammplatzes vor dem Neuen Rathaus wird für die Anlage eines Wasserspiegels genutzt, der das städtische Gegenstück zum südlich gelegenen Maschteich darstellt und gleichzeitig eine Reminiszenz an die hier bis zum Bau des Neuen Rathauses vorhandenen Wassergräben darstellt.

    AM MARSTALL
    Durch die Schaffung einer Tiefgarage kann die Platzfläche überwiegend autofrei als Quartierspark insbesondere für die dichtbesiedelten und durch das Rotlichtgewerbe belasteten Stadtgebiete am Steintor neu gestaltet werden. Im Osten erhält der Marstallplatz einen neuen Abschluss durch eine filigrane Wohnbebauung. Am westlichen Ende des Platzes führen die Baukörper eines kleinen Cafés sowie eines Nachbarschaftstreffs zum Leineufer mit der Nanas-Treppe und rahmen den Blick zur Kuppel der katholischen Kirche.

    KLAGESMARKT
    Gegenüber dem Nikolaifriedhof und entlang der Fahrradstraße zwischen dem Steintor und den nördlichen Stadtteilen entsteht eine neue städtische Blockbebauung, die in ihrem Erdgeschoss die auf der Platzfläche vorhandene Gastronomie sowie weitere gewerbliche Nutzungen aufnimmt und in ihren oberen Geschossen überwiegend dem Wohnen dient. Zahlreiche Durchbrüche öffnen die Bebauung zu der angrenzenden Grünanlage. Der nördliche Teil des Klagesmarkts bleibt als Freifläche erhalten.

    Beurteilung durch das Preisgericht
    Liegt nicht vor.

INFO-BOX

Angelegt am 16.06.2010, 10:43
Zuletzt aktualisiert 01.03.2012, 16:17
Beitrags-ID 4-35035
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