loading
  • 2. Preis


    Landschaftsarchitekten
    Treibhaus Landschaftsarchitektur Berlin/Hamburg, Berlin (DE), Hamburg (DE) Büroprofil

    Mitarbeit
    Susanne Mühlbauer, Martin Joswig

    Erläuterungstext
    Konzept

    Räumliche Zusammenhänge werden wieder hergestellt. Die Struktur der historischen Raumfolge wird wieder ablesbar gemacht. Ziel dabei ist es, die Dimension des Lagers zu erkennen, die Orientierung zu erleichtern und eine Besucherführung über das Gelände herzustellen, die sich wie von selbst ergibt.

    Aufgrund der wenigen noch vorhanden authentischen und räumlich wirksamen Spuren, scheint ein reines zweidimensionales Nachzeichnen der Lagerstruktur zu wenig. Dabei geht es im ehemaligen SS-Bereich in erster Linie um das herausarbeiten der Raumkanten und Raumproportionen der Platzfolge (Eingang, Platz vor der Kommandantur, Platz vor dem Lagertor). Innerhalb des Häftlingsbereichs werden auch die Dimensionen der Baracken deutlich räumliche ablesbar.
    Die räumlichen Zusammenhänge werden mit landschaftsarchitektonischen Mitteln – Geländetopographie und vegetativen Strukturen – erzählt.

    Interventionen

    Das Gelände des Häftlingslagers wird (wie schon der Appellplatz) wo möglich wieder abgesenkt. Der Übergang in diesen wird also deutlich sichtbar. Die sich so herausschälende Topographie der Häftlingsbaracken wird mit dem anfallenden Aushub um ca. 20 cm überhöht. Die Baracken zeichnen sich als 60 – 80 cm höher Böschungskörper ab, auf denen einer vor Ort gewonnen Wiesensaat initiiert wird.
    Die Bereich der Barackenfelder werden als Schotterrasen ausgeführt und so der Kontrast zum Appellplatz hergestellt.
    Die SS-Barackenfelder artikulieren sich durch eine Anhebung um ca. 40-60cm. Hier zeichnen sich nur die Raumkanten zu den Plätzen als Böschungen ab. Die Baracken werden nur durch unterschiedliche Mahd nachgezeichnet.

    Im Bereich des gesamten Lagers werden die bestehenden Gehölze stark reduziert um eine maximale Wirkung der hergestellten Raumkanten zu erreichen und Sichtbeziehungen zu ermöglichen. Der Abschluss des Appellplatzes wird durch eine Stärkung der Vegetationsstruktur mit Gehölzen herausgearbeitet.
    Die Übergänge in die verschiedenen Raumsequenzen werden mit großformatigen Betonplattformen markiert. Sie wirken wie eine Art Brücken in den nächsten Gedenkstättenbereich. In den Betonplattformen verbindet sich die Herausarbeitung der historischen Torsituationen mit dem Leitsystem.

    Das Lagertors und der Zaunverlaufs wird mittels auf Glaselementen gedruckten historischen Fotografien interpretiert. Da diese Elemente weiter durchsichtig bleiben, wird dem Besucher eine Überblendung der historischen und gegenwärtigen Situation ermöglicht. Die Glaselemente stehen in wechselnden Abständen auf der Linie des Zaunverlaufs und verdichten sich zum Lagertor. Es ist angedacht, eine Element bis in den Bereich des Wohngebiets und auf die gegenüberliegende Hangseite zu stellen, um die gesamten Ausmaße des Lagers deutlich zu machen. Die Einzelscheiben haben jeweils die Größe und Proportion von Zaunelementen und Säulen des Lagertors.

    Die Gedenkstätte erhält einen nach außen wirksamen Eingangsplatz. Die Platzgestaltung mit Betonbank und einer Mauerscheibe mit eingefrästem Schriftzug wird der Entreefunktion eines europäischen Erinnerungsortes gerecht.
    Die Lage der Bänke bezieht sich auf einen historischen Mauerverlauf. Der entstehende Platz nimmt zudem eine wichtige Funktion in der Besucherlenkung als Ort zum Ankommen und Versammeln eine.

    Besucherleitsystem

    Damit die herausgearbeiteten Räume maximal wirksam werden wird bis auf wenige bewusste Setzungen auf vertikale Elemente verzichtet. Das Leitsystem steht somit weder in Konkurrenz zu den authentischen Spuren, der Raumstruktur noch zu dem bestehenden Informationssystem der geschichtlichen Zusammenhänge.
    Die Besucherführung erfolgt neben den durch Topographie und Vegetationsstukturen geschaffenen Raumkanten durch großformatige Betonplatten, die durch aufgebrachte Lagepläne und gefräste Ortsbezeichnung als Informationsplattformen erkannt werden. Diese „Informationsterminals“ werden an wichtigen Stationen und Übergängen platziert.
    Jede Plattform besteht aus einem Orientierungsteil aus Lageplan, möglichen Zielen und deren Funktionen.
    Das Zeichensystem in diesem Teil besteht aus einer Richtungsangabe (Pfeile), einem Schriftzug und Piktogrammen, die auf Funktionen wie WC, Cafe, Buchladen, Treffpunkt und Parkplatz hinweisen
    Des Weiteren besteht die Informationsplattform aus einer Zielbestätigung (Casino, Trafostation, Wäscherei, usw.), die reliefartig in die Betonplatte gearbeitet wird. So bekommen die Orte, Eingänge und Übergangsbereiche eine Adresse.
    Ausnahme in diesem System ist die Mauerscheibe an der Silberhüttenstraße. Hier wird die Betonplatte mit veränderter Proportion stehend verwendet. Der Besucher wird hier von einem Schriftzug und Plan empfangen.
    Durch diese räumlich, gestalterische Intervention mit einer wichtigen Funktion innerhalb der Besucherlenkung bekommt die gesamte Gedenkstätte eine Adressbezeichnung nach außen. Der Standort bezieht sich auf die Mauer die ehemals den SS-Bereich zur Straße abgrenzte.

    Beurteilung durch das Preisgericht
    Liegt nicht vor.

INFO-BOX

Angelegt am 07.11.2009, 13:32
Zuletzt aktualisiert 21.05.2011, 22:40
Beitrags-ID 4-35071
Seitenaufrufe 350