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  • DE-37327 Leinefelde-Worbis
  • 09/2004
  • Ergebnis
  • (ID 2-1870)

Neugestaltung Rossmarkt / Friedensplatz


  • 2. Preis

    Blick Lange Strasse mit Friedensplatz (Richtung Kirchhof) ----------------------------------------------------- Entwurf_Nachtplan (Oms. 1:200)

    Landschaftsarchitekten
    terra.nova Landschaftsarchitektur, München (DE) Büroprofil

    In Zusammenarbeit mit:
    Architekten: wich architekten, München (DE)

    Erläuterungstext
    \'Es geht darum, das Herz der historischen Stadtkerne zu öffnen, den Asphalt oder die feuchten Pflastersteine und die bröckelnden Fassaden dem neugierigen und interessierten Spaziergänger zugänglich zu machen\'
    (Francis Soler, Architekt, in Architekturgeschichten, Ernst+Sohn1995)

    Das Herz der Stadt.
    Worbis ist seit jeher Sitz unterschiedlicher Administrativen des Landkreises, der Stadt sowie des Klerus. Der Stadtgrundriß zeigt dementsprechend eine Vielzahl von herausragenden Einzelgebäuden als Träger der beschriebenen Funktionen. In ihrer Gesamtheit betrachtet beschreiben diese das historische und durch die in jüngster Zeit durchgeführten Sanierungs- und Renovierungsarbeiten sowie Umstrukturierung städtischer Einrichtungen das gegenwärtige Zentrum, das >Herz< der Stadt Worbis. Auffallend hierbei ist die Bündelung der Gebäude mit öffentlicher Bestimmung im Bereich der historischen Plätze, dem Friedensplatz und dem Rossmarkt.

    Historie und Zukunft.
    Unser Entwurfsprinzip zur Gestaltung der städtischen Freiräume der Altstadt von Worbis orientiert sich am Vorgefundenen und versucht dieses zur Basis einer langfristigen Entwicklung eines erkennbaren Zentrums (Neue alte Mitte) der Stadt heranzuziehen.
    Hiervon ausgehend schlagen wir als identitätsstiftendes Grundelement einen einheitlichen Stadtboden für den zentralen Bereich vor. Gleich einem Teppich verwebt dieser die Bereiche der öffentlichen Einrichtungen untereinander und lässt diese zu einem erkennbaren Ganzen vom Friedensplatz bis zum Rossmarkt zusammenschmelzen. Farbigkeit und Materialität orientieren sich hierbei am bereits für die Lange Strasse verwendeten Material und gewähren einen ruhigen und homogenen Gesamteindruck. Als Steinformat ist ein Großstein aus Granit vorgesehen. Dieser wird in einem unregelmäßigen Verlegemuster eingesetzt. Das graue Erscheinungsbild wird durch das Einstreuen von braunen Steinen leicht modifiziert um die Eigenständigkeit des Zentrums zu unterstreichen und die farbliche Nähe zu den Gebäudesockeln zu gewinnen. Die Oberfläche der Steine ist entsprechend der Anforderung einer guten Begehbarkeit gesägt und grob gestockt. Die vom zentralen Stadtboden fingerartig ausgehenden Strassen sollten in der bereits in der Langen Strasse angewandten Bauweise erstellt werden. Hierdurch wird eine klare Lesbarkeit des städtischen Gefüges unterstrichen.
    Die Gebäude erhalten im Sockelbereich eine durchgehende \'Vorzone\' aus Plattenmaterial. Diese nehmen Sonderelemente wie Eingänge, Vor- und Rücksprünge, Zu- und Ausgänge sowie Treppenstufen und Sitzbereiche an den Eingängen auf. Die Vorzonen unterscheiden sich durch die Textur der Oberflächen der gewählten Materialien, dennoch schöpfen sie infolge abgestimmter Farbigkeit und Materialität aus einem gemeinsamen Vokabular.
    Die beiden Plätze sollen entsprechend ihrer klassischen Funktion frei bespielbar und multifunktional nutzbar sein.

    Stadtraum und Atmosphäre.
    Wesentlich erscheinen uns Wiedererkennungswerte und Eigenständigkeit von städtischen Räumen. Oft reichen hierfür geringfügige Eingriffe oder Adaptionen, um den besonderen Reiz des Ortes oder der Situation im bestehenden Kontext hervorzuheben.
    In einem zweiten Schritt geht es nunmehr um eine Verfeinerung der getroffenen Aussagen zur Gestaltung des Stadtbodens, um eine Definition von Differenzierungen und maßstäblichen Adaptionen.

    Friedensplatz. Der Platz ist entsprechend seiner klassischen Funktion frei bespielbar und multifunktional nutzbar. Die bestehende Einrichtungen Krengeljäger Brunnen und Nepomuk Satue definieren räumliche Orientierungspunkte und gliedern die Platzfläche. Durch eine regelmäßige Verlegeart (Reihenpflaster) im zentralen Platzbereiche sowie im Bereich der Gebäudevorzonen werden Aufenthaltsbereich und Marktplatz definiert. Die Platzfassade wird durch eine Reihe Bäume rhythmisiert. Diese begrenzen zugleich Gebäudevorzone und Fahrgasse. Die Ausstattung des Platzes wird auf langgestreckte Bänke aus Kalksteinquadern mit Holzauflage beschränkt.

    Rossmarkt. Der Rossmarkt erhält seine ursprüngliche Bestimmung als Platz zurück. In seiner Ausdehnung ist er kleiner als der Friedensplatz. Die räumliche Differenzierungen sind vielfältiger, weshalb unterschiedliche Raumeindrücke und Atmosphären je nach Aufenthaltsort entstehen. Er vermittelt zwischen den Gebäuden ‚Kaufeck’ und ‚Gülden Creutz’ und reiht das Rentenamt als neuen administrativen Mittelpunkt sowie den Kirchhof St. Nikolaus ins Stadtgeschehen des neuen Zentrums ein. Als Mittelpunkt der ihn umschließenden nahezu ausschließlich öffentlichen Gebäude ist er ein adäquates Gegenüber zum Friedensplatz. Ein Baumdach verleiht ihm seine Eigenständigkeit und ist zugleich grüne Raumkante zum Rentenamt.

    Kirchhof St. Nikolaus. Der Kirchof wird durch die zusätzliche Wegeanbindung an den Rossmarkt zum Vermittler der beiden Platzbereiche. Kleine Aufenthaltsbereiche mit Sitzmöglichkeiten sowie ein durchgehender Natursteinbelag aus Platten prägen seinen Charakter als ruhigen Ort zum Verweilen im Schatten großer Bäume oder zum Geniessen des Ausblickes auf die Geschehnisse der beiden Plätze, ein Hof im klassischen Sinne.

    Hofbereich Rentenamt. Der Nutzung als Rathaus entsprechend ist das Rentenamt über seine Hoffläche funktional mit dem Rossmarkt und hierdurch mit den anliegenden öffentlichen Gebäuden verknüpft. Der Hofbereich zeichnet die Grundrissfigur der historischen dreiflügeligen Anlage nach und integriert die vorhandenen historischen Elemente. Eine langgestreckte Sitzmauer mit Orientierung zum Hof und zum Rossmarkt markiert die Hofgrenze zum Platz hin. Die Hoffläche ist analog der Hoffläche im rückwärtigen Bereich des Hauses ‚Gülden Creutz’ sowie dem Kirchhof St. Nikolaus mit Kalksteinplatten belegt.

    Kirchhof St. Peter und Paul. Der Hofbereich als allseitig umschlossener Bereich wird durch seine gärtnerische Pflanzungen mit artenreichen Stauden zu einem verborgenen ‚hortus conclusus’. Dem Interessierten zeigt er sich vom steinernen Platz aus durch seine üppige Vegetation. Im Innern ist er behutsam in trapezförmige Flächen untergliedert, die den vorhandenen Baumbestand integrieren. Kieswege ergänzen die Hoffläche als ruhigen Rückzugsort vom städtischen Geschehen.

    Stadtraum und ‚Landschaft’
    Die Amtsstrasse als Auftakt zur Stadt und Verbindungselement zum kleinen Stadtpark erhält eine alleeartige Bepflanzung. Beidseitig der Strasse soll der Eindruck eines durchgehenden Gartenbandes entstehen. Hierzu werden zur Gestaltung des Parkplatzes Themen der Gärten herangezogen. Geschnittene Hecken und locker gestellte Obstbäume vermitteln zu den angrenzenden Privatgärten. Der kleine Stadtpark erhält über den Flutgraben hinweg eine Anbindung zur Langen Strasse. Der Park selbst ist wellenförmig modelliert. Die Senken sind flächig mit hohen Gräsern und Schilf bepflanzt. Auf den höheren Flächen sind die Spielbereiche und Aufenthaltsorte platziert. Diese sind über Holzstege miteinander verbunden. Die Stadtparkklause ist in dieses System integriert und erhält einen bekiesten Freisitzbereich. Die bestehenden Bäume werden durch Weiden ergänzt.

    Licht im Stadtraum.

    Kunstlichtkonzeption.
    Die Lichtgestaltung folgt dem Duktus des Entwurfsprinzips. Demnach wird zwischen zwei prinzipiellen stadträumlichen und beleuchtungstechnisch zu arrangierenden Situationen unterschieden. Die beiden Plätze sowie die Lange Strasse werden mit Mastleuchten, die übrigen gassenartigen Strassen mit Wandleuchten bestückt.
    Die Ausgestaltung der Beleuchtungskörper unterscheidet sich gemäß der Wertigkeit der Räume. Eine besondere Akzentuierung durch Erhöhung der Leuchtdichte wird im Bereich der Plätze angestrebt.
    Die Kriterien der Beleuchtung richten sich nach der Sehaufgabe und der damit verbundenen Eigenschaften der Leuchtenreflektortechnik mit Leuchtmitteln in Bezug auf Intensität, Lichtverteilung, Schaltungszustände (Strahlungsimmission), Farbwiedergabeeigenschaften, etc.

    Hell und Dunkel.
    Um die Nutzungszonen und deren strassenräumliche Wichtigkeit zu akzentuieren, ist es sinnvoll, eine Leuchtdichtehierarchie vorzugeben. Eine Grundbeleuchtung der Horizontalflächen (Stadtboden) ist wie auch die Fassadenbeleuchtung Bestandteil dieser Abstufungen, wobei die größte Helligkeit den neu gestalteten Plätzen zugeordnet ist. Beleuchtungszonierungen z.B. besonderer Gebäude (Rathaus, Kirchen, Gülden Creutz, sonst. öffentl. Gebäude) der Bänke, Bäume, Brunnen etc. integrieren sich in diese Abstufungen und bilden gleichzeitig eine gewünschte Rythmisierung und optische Führung.
    Von besonderer Bedeutung ist in diesem Zusammenhang die Kirche St. Nikolaus. Da diese beidseitig den Plätzen zugeordnet ist, wird eine effektvolle Ausleuchtung der Kirche vorgesehen, wohingegen der Kirchhof bewusst dunkel gehalten wird. Auf diese Weise ist es möglich am Abend und Nachts den Friedensplatz optisch direkt mit dem Rossmarkt zu verbinden.

    Beleuchtungskörper.
    Durch einen einheitlichen Leuchtentyp, geeignet zur Wandmontage oder als Mastleuchte wird die Strassenbeleuchtung erreicht. Die Reflektortechnik und die Lichtverteilung ist für die jeweiligen speziellen Anforderungen adaptiert. Die Fassadenbeleuchtung erfolgt zusätzlich durch Aufbauleuchten, welche unterhalb der Traufkante montiert werden, wobei durch diese eine gleichmäßige Beleuchtung der Fassadenflächen erfolgt. Die beschriebene Grundbeleuchtung wird bedarfsweise durch eine Zonierungsbeleuchtung ergänzt. Diese Lichtkomponente wird durch entblendete und leistungsstarke Lichtwerfer im Bereich der Traufkanten realisiert, die einjustierbar auf Brunnen, Bänke etc. ausgerichtet werden können. Bedarfsweise wird die Grundausleuchtung durch Baum- und Bankbeleuchtungen ergänzt. Diese Lichtkomponenten werden durch entblendete Einbauwerfersysteme realisiert.

    Flanieren bis spät in die Nacht.
    Um die vorgesehenen Beleuchtungen wirtschaftlich zu betreiben (Stromkosten, Leuchtmittelersatzkosten) sind 3 Schaltstufen vorgesehen.

    Stufe 1: Dämmerung bis 22.00 Uhr (Grundbeleuchtung + Fassadenbeleuchtung + Zonierungsbeleuchtung). Optimiert die optische Wahrnehmung im gesamten Strassenraum zur
    Erfüllung der Sehaufgabe und der effektvollen Ausleuchtung der Stadträume.

    Stufe 2: 22.00 Uhr bis 24.00 Uhr (Grundbeleuchtung + Zonierungsbeleuchtung)
    Berücksichtigt zusätzlich die Strahlungsimmissionswerte im Fensterbereich.

    Stufe 3: 24.00 Uhr bis Dämmerung (ausschließlich Grundbeleuchtung )
    Einhaltung der Mindestanforderungen für Orientierung im Strassenraum.


    Beurteilung durch das Preisgericht
    Liegt nicht vor.