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  • Anerkennung


    Architekten
    KSP Jürgen Engel Architekten, Frankfurt am Main (DE), München (DE), Berlin (DE), Braunschweig (DE), Beijing (CN), Shenzhen (CN) Büroprofil

    In Zusammenarbeit mit:
    TGA-Fachplaner: Planungsgemeinschaft Haustechnik Becker - Huke - Hoffmann, Dormagen (DE)
    Tragwerksplaner: AWD Ingenieurgesellschaft mbH, Köln (DE), Berlin (DE)
    Landschaftsarchitekten: SINAI Gesellschaft von Landschaftsarchitekten mbH, Berlin (DE)

    Erläuterungstext
    1. Städtebau
    Der Ort ist gekennzeichnet durch seine Heterogenität, durch das fragmentarisch Vorhandene, seine Lautstärke durch die ihn umgebende verkehrliche Infrastruktur (Schiene, Straße, Parkflächen). Die städtebauliche Konzeption sieht das Zusammenfügen der städtebaulichen Bruchstücke zu einem harmonischen Ganzen vor. Städtebaulich in Ansätzen vorhandene Blockstrukturen werden aufgenommen und vervollständigt. Bestehende Straßenkanten werden hierdurch verlängert, der Straßenraum klar definiert. Gleichzeitig entstehen im Inneren der Blockränder „leise“, dem Lärmeintrag abgewandte Innenhöfe, die eine neue Aufenthaltsqualität im Außenraum schaffen. Die Innenhöfe stehen in einem fußläufig erlebbaren Bezug, die ganzheitlich vorgesehene, einheitliche Materialwahl (Klinker) lässt die Zusammengehörigkeit der Stadtbausteine und somit die Stadtreparatur im Ganzen auch visuell erkennen.
    Die beiden in einem ersten und zweiten Bauabschnitt geplanten neuen Stadtbausteine, bestehend aus der Parkplatzbebauung nördlich und der neuen Berufsschule südlich der Oststraße schaffen die Möglichkeit die städtebauliche Gesamtkonzeption in einem späteren dritten optionalen Bauabschnitt zu vervollständigen.
    2. Entwurf
    Das Raum- und Funktionsprogramm der Ausbildungsstätte ist in seinen wesentlichen Teilen zweigeteilt durch Nutzungen mit entweder hoher oder niedriger Schallerzeugung, lärmintensive Werkstatträume wechseln mit den übrigen ruhigen Funktionsbereichen (Schulung, Büro, Verwaltung, etc.) ab.
    Das Entwurfskonzept sieht die separate Unterbringung der „leisen“ und „lauten“ Räume in voneinander getrennten Baukörpern vor. Die „lauten“ Funktionen werden in Nachbarschaft der umgebenden ebenfalls lauten verkehrlichen Infrastruktur angeordnet (Lärmpuffer), die „leisen“ Funktionen hingegen werden auf der den höchsten Lärmemittenten abgewandten Grundstücksseite angeordnet. Die Baukörper werden als L-förmige Baukörper einander gegenübergestellt, wodurch diese einen inneren Werkhof umschließen. Der Werkhof ist Pufferraum zwischen „Laut“ und „Leise“, Ort der Kontemplation verbunden mit hoher Aufenthaltsqualität. Der Werkhof ist Mittelpunkt des Gebäudes, er dient der Orientierung - innen wie außen - und ist umfasst von den „Schaufenstern“ der ihn umgebenden unterschiedlichen Ausbildungseinrichtungen.
    3. Fassade
    Der Klinker entspricht als ortstypisches Material, robust und widerstandsfähig den Anforderungen, die der Schulbetrieb an eine Fassade stellt.
    Die hellere Farbgebung im obersten Geschoss des nord-östlichen Flügels signalisiert die Adresse der Drittnutzer Signal Iduna und der Kreishandwerkerschaft. Die Regelmäßigkeit der Fassadenöffnungen wird zu großzügigen Elementen über zwei Geschosse zusammengefasst. Die Werkstattfunktionen sind im „lauten L“ durch die Verwendung von Profilglaselementen ablesbar.
    Die Profilglaselemente werden von Metall-Paneelen zu zweigeschossigen „Fensterrahmen“ gefasst, um die beiden voneinander getrennten Baukörper durch die gemeinsame Struktur und Farbgebung zu einem einheitlichen Ganzen zu verschmelzen.
    4. Funktionen und Erschließung
    Der Neubau ist in zwei L-förmige Gebäudeteile gegliedert, welche den interdisziplinär genutzten Werkhof als Innenhof umschließen.
    Das dreigeschossige „leise L“ nimmt die Verwaltungsräume, Umkleide- und Lagerräume der Berufsbildungsstätte, der Kreishandwerkschaft und des Jugendförderungswerkes, sowie die Bürobereiche der Signal Iduna auf.
    Der barrierefreie Haupteingang zur Berufsbildungsstätte liegt an der Nord-Ost-Ecke des Gebäudes und nimmt in seiner Ausgestaltung deutlich Bezug zu dem an dieser Stelle angrenzenden stadträumlichen Platz. Von dort gelangt man in ein zweigeschossiges Foyer, welches sich mit einer transparenten Pfosten-Riegel-Fassade zum Werkhof öffnet.
    Eine einläufige Freitreppe, als Ort der Begegnung, Kommunikation und Orientierung, führt direkt aus dem Foyer zu den Schulungsräumen und den Ausbildungsräumen für Friseure, Kosmetik und Bürokaufleute im 1. Obergeschoss.
    Die vertikale Erschließung erfolgt über drei weitere 2-läufige Treppenhäuser, die gleichzeitig der Entfluchtung im Brandfall dienen.
    Die Verwaltung des Jugendförderungswerkes und der Kreishandwerkschaft, sowie die Signal Iduna werden über einen separaten Zugang, zwecks eigener Adressbildung, erschlossen. Die Büroräume der Signal Iduna liegen im „leisen L“ im 2.Obergeschoss. Als 2-Spänner sind diese an einem Mittelflur ausgerichtet, die flexible Bürostruktur ermöglicht auch Zusammenfassung zu größeren Bürozonen.
    Das „laute L“ erstreckt sich entlang der Bahntrasse und nach Süden parallel zum vorhandenen Mehrzweckgebäude der Kreishandwerkschaft. Hier sind die Werkstätten und Technikräume untergebracht.
    4. Konstruktion/Materialien
    Das Gebäude ist als Stahlbetonskelettbau mit Stahlbetondecken auf Stützen und Unterzügen geplant. Das Konstruktionsraster baut mit 7,50 m auf dem Ausbauraster von 1,25 m auf.
    Das „leise L“ mit den Büro- und Verwaltungsräumen erhält eine hinterlüftete Klinkerfassade mit Aluminium-Rahmenfenstern.
    Das „laute L“ welches die Werkstätten beherbergt, erhält eine Profilglasfassade mit Aluminiumfensterelementen, welche durch senkrechte Metall-Sandwichpaneele unterteilt wird.
    5. Außenanlagen
    Der Außenbereich des Gebäudes ist reduziert funktional gestaltet. Eine großzügige Asphaltfläche ermöglicht das Umfahren und Rangieren mit größeren Fahrzeugen. Östlich und westlich des Gebäudes sind jeweils 12 Parkplätze angeordnet.
    Es ist beabsichtigt, das Areal mittelfristig als Ganzes zu entwickeln und somit die Außenanlagen des Jugendförderungswerks räumlich-funktional zu integrieren. Im Bereich zwischen Berufsbildungsstätte und Jugendförderungswerk wird das überdachte Außenlager
    (200 m²) angeordnet.
    Mit dem Innenhof wird ein zentraler Aufenthaltsbereich und eine Begegnungsmöglichkeit für Schüler, Beschäftigte und Gäste geschaffen. Mittels Stahlseilen wird vertikales Grün (Kletterpflanzen: Aristolochia macrophylla, Celastrus orbiculatus, Hedera helix) über die gesamte Höhe des Gebäudes gespannt und verleiht dem Raum eine angenehme Atmosphäre und Aufenthaltsqualität.
    Auf dem farbig beschichteten Asphalt können Sitzmöbel (GFK) frei bewegt werden. Diese sind mit Motiven der ansässigen Handwerke bedruckt.

    Beurteilung durch das Preisgericht
    Liegt nicht vor.