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  • DE-80686 München
  • 12/2009
  • Ergebnis
  • (ID 2-32431)

Geschäftshaus an der Fürstenrieder Straße


  • 1. Preis


    Architekten
    Bieling Architekten AG, Hamburg (DE), Kassel (DE) Büroprofil

    Mitarbeit
    Indra Meyer, Johannes Fuß, Hagen Sparbrodt, Katrin Kappes, Guido Roth, Christoph von Lossow

    In Zusammenarbeit mit:
    Tragwerksplaner: AWD Ingenieurgesellschaft mbH, Köln (DE), Berlin (DE)
    TGA-Fachplaner: Planungsgemeinschaft Haustechnik Becker - Huke - Hoffmann, Dormagen (DE)

    Erläuterungstext
    Städtebauliche Einbindung
    Im Mittelpunkt des Konzeptes steht die Schaffung eines attraktiven Geschäftshauses, dass sowohl der städtebaulichen Situation als auch den Anforderungen an ein Waren- und Bürohaus in zentraler Lage gerecht wird.

    Das Straßenbild der angrenzenden Bebauung setzt sich aus Zeugnissen der unterschiedlichen Bauweisen der letzten Jahrhunderte zusammen. In diesem eher heterogenen Gesamtbild fällt eine starke Ausprägung der Erdgeschosszonen auf Grund der dortigen Ladennutzungen auf. Hinter der straßenbegleitenden Zeile sind die Grundstücke oft bis in größere Tiefen überbaut. Das neue Gebäude an der Ecke Fürstenrieder Straße/ Hogenbergstraße greift diese Typologie auf. Gemeinsam mit dem prägnanten Nachbargebäude bildet es einen eigenständigen Block innerhalb der Straßenfront. Durch die Übernahme der Gebäudehöhe und von morphologischen Merkmalen wie der Öffnung des Erdgeschosses und der horizontaler Bandstrukturen wird diese Gemeinsamkeit unterstrichen. Die größtenteils geschlossene Fassade des obersten Geschosses des Nachbarn findet seine Entsprechung in der Verdichtung der vertikalen Strukturen des Neubaus hin zu einer maximalen Geschlossenheit im oberen Bereich. Der dadurch entstehende gemeinsame Block beruhigt das Straßenbild an dieser Stelle und bildet einen sinnvollen Baustein für zukünftige Entwicklungen.

    Das Erdgeschoss des Neubaus wird entsprechend seiner Nutzung von großzügigen Verglasungen bestimmt. Das darüber angeordnete Geschoßband bezieht den Nachbarn ein und bietet Platz für die notwendigen Werbeträger. Im ersten Obergeschoss wiederholt sich das offene Erscheinungsbild. Gleichzeitig beginnt eine Verdichtung der vertikalen Strukturen aus schwertartigen Profilen und geschlossenen Zonen aus Lochblechen. Die vertikalen, teils geschossübergreifenden Fassadenelemente verdichten sich in den oberen Geschossen und tragen damit den Notwendigkeiten der dortigen Büronutzung Rechung. Der Neubau verzichtet auf eine Betonung der abzweigenden Traufgasse durch eine Überhöhung. Er trägt stattdessen den Bestimmungen der Abstandsflächenregeln Rechnung und springt im obersten Geschoss mit einer Terrasse zurück. Gleichzeitig wird die maßgebliche Schmalseite am Giebel durch einen Wandel des Fassadenbildes zur Hogenbergstraße herausgehoben. Die Bebauung in der Tiefe des Grundstücks hält die Abstandsregeln ein und terrassiert sich in das Grundstücksinnere. Dabei nimmt die Geschosshöhe und Fassadenstrukturierung Bezug auf die anschließende kleinteiligere Wohnbebauung.

    Äußere Erschließung
    Die äußere Erschließung der Verkaufsflächen erfolgt für alle Laden- und Büroflächen von der Fürstenrieder Straße aus. Ein weiterer Zugang von der Hogenbergstraße für den Eckladen ist möglich und kann den in das Quartier führenden Straßenraum aufwerten. Die Büroetagen werden über einen repräsentativen zentralen Eingang erschlossen. Die Zufahrt zum Parkdeck und zum innenliegenden Anlieferhof liegt in der Hogenbergstraße.

    Die Erschließung des Ladens im UG ist zudem über die Unterführung der Fürstenrieder Straße möglich. Die Bestandssituation wird aufgebessert, indem der über dem Zugang gelegene Übergang geöffnet wird und somit mehr Tageslicht in den tiefergelegenen Eingangsbereich fällt. Die Anbindung an den Laden wird dort aufgeweitet und erhält eine großzügige verglaste Eingangsfassade mit entsprechender Zutrittskontrolle. Eine adressbildende Maßnahme wäre das Hinzufügen eines Glasaufzugs, der die öffentliche Fläche direkt mit dem Eingangsbereich im UG verbindet.

    Innere Erschließung
    Die vertikale Erschließung der Geschossebenen erfolgt über Haupttreppenhaus mit Aufzug an optimaler Position im mittleren Bereich der Fassade zur Fürstenrieder Straße. Als zweiter baulicher Rettungsweg steht ein Treppenhaus im rückwärtigen Bereich mit Anbindung an den Straßenraum und minimalem Flächenverbrauch zur Verfügung. In den Verkaufsgeschossen erweitern Aufzüge, Fahrtreppen und freie Treppen die nutzerspezifischen Anforderungen. Die Parkdecks werden durch einen großen Kundenaufzug mit dem untergeschossigen Laden und dem Eingang im Erdgeschoss verbunden.


    Verkaufsräume
    Die großzügigen Flächen lassen in jedem Geschoss eine flexible Nutzung zu und sichern somit die Nachhaltigkeit des Gebäudes. Durch geschickte Anordnung von untergeordneten Funktionen und Erschließungselementen sind die Flächen für eine Nutzung als Verkaufsraum optimal ausgenutzt. Tageslicht von der Straßenseite sorgt für eine angenehme Atmosphäre und Orientierung.

    Büroräume
    Im 2. und 3.OG sind zwei bis drei Einheiten je Etage für eine Büronutzung mit flexiblen Grundrissen vorgesehen. Das Parkdeck wird durch eine Zone aus Pflanztrögen und kleineren Bäumen aus dem Blickfeld der Büros genommen.

    Konstruktion
    Das Gebäuderaster für den Innenausbau und die Fassade ist mit 1,25 m geplant. Für die Lastabtragung werden im Wesentlichen die Vorgaben der vorhandenen Tragstruktur im Untergeschoss genutzt. Die Parkdecks sind in einem Split-Level-System oberhalb des Erdgeschosses angesiedelt. Technikflächen in einer Zwischenebene des Parkhauses und im Untergeschoss vorgesehen.

    Ökologische und ökonomische Planungsziele
    Bei der Entwicklung des Technikkonzepts wird ein Gesamtkonzept entwickelt, welches dem nachhaltigen Bauen in umweltschonender Baukonstruktion und minimierten Energieverbräuchen Rechnung trägt. Durch den zwingend notwendigen Einsatz von mechanischer Be- und Entlüftung und einer Kühlung der Verkaufsflächen ist der Einsatz von hocheffizienten Wärmerückgewinnungssystemen erforderlich. Ergänzend sorgt eine kontrollierte Grundbelüftung der Büros für einen geringen Lüftungswärmebedarf.

    Ziel der Planung kann eine Zertifizierung gemäß DGNB (Deutsches Gütesiegel Nachhaltiges Bauen) sein. Das DNGB Gütesiegel wird seit 1.1.2009 als übergeordnete Bewertung für ein energieeffizientes und nachhaltiges Gebäude vom DGNB in Zusammenarbeit mit dem Bundesministerium für Verkehr, Bauen und Stadtentwicklung (BMVBS) auf Basis der DIN- und EU Normenwelt vergeben. Die Bewertung des Gebäudes erfolgt in sechs Themenfeldern und betrachtet insbesondere die Lebenszykluskosten in Verbindung mit der Ökologie der eingesetzten Baumaterialien:

    ● Ökologie
    ● Ökonomie
    ● Soziokulturelle und funktionale Aspekte
    ● Technik
    ● Prozesse
    ● Standort

    Nach der Zertifizierung durch den Auditor erhält der Bauherr von der DGNB das Gütesiegel. Die Nachhaltigkeit und der Wert des Gebäudes im Bau und Betrieb kann so von jedem Kaufmann und Experten sofort erkannt werden. Der Entwurf strebt daher ein Gebäude an, dessen Ressourceneffizienz in den Bereichen Energie, Wasser und Material erhöht ist, während gleichzeitig die schädlichen Auswirkungen auf Gesundheit und Umwelt reduziert sind, indem bei Planung von entsprechenden Konstruktionen auf besonders ressourcenschonendes Bauen Wert gelegt wird. Insbesondere die Senkung des Primärenergiebedarfs stellt hier eine Herausforderung an die Planungsbeteiligten dar. Der Mehrinvest zahlt sich in der Regel durch niedrige Betriebskosten, bessere Vermietbarkeit und eine höhere Bewertung des Gebäudes im Verkaufsfall aus.

    Beurteilung durch das Preisgericht
    Liegt nicht vor.