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  • DE-32657 Lemgo
  • 05/2010
  • Ergebnis
  • (ID 2-32712)

Bildungs- und Forschungsmeile Lemgo-Lüttfeld


  • 1. Preis

    Blatt 1

    Landschaftsarchitekten
    k1 Landschaftsarchitekten - Kuhn Klapka GmbH, Berlin (DE) Büroprofil

    Erläuterungstext
    MITARBEIT:
    Catherine Kuhn, Peter Young, Torsten Wolff


    ERLÄUTERUNGSTEXT:
    Im Rahmen der Neugestaltung der Bildungs- und Forschungsmeile Lemgo-Lüttfeld wird der Freiraum im Umfeld der Bildungseinrichtungen, der sich im Bestand aus Straßen-, Anlieferungs- und Restflächen zusammensetzt, neu geordnet, in einen Gesamtraum umgestaltet und mit einem Boulevard als Erschließungsachse belegt.

    Leitidee
    Der Bereich zwischen den Bildungseinrichtungen wird als Raumkontinuum interpretiert und als einheitliche Fläche betrachtet. Auf und an dieser Fläche liegen die „Grünen Inseln“, die den Raum strukturieren und Aufenthaltsqualität bieten. Der Boulevard wird als Orientierungsachse, Verteiler und Sammler über das Raumkontinuum gelegt und erschließt die einzelnen Standorte. Mit einem Band in einer klaren Materialitäts- und Formensprache entsteht ein Corporate Design, das die divergente Bebauung und Raumstruktur zusammenhält.

    Auftakt – Teilbereich A
    Der neue Eingangsbereich am Braker Weg stellt den Auftakt zur Bildungs- und Forschungsmeile Lemgo-Lüttfeld dar. Hier beginnt, eingebettet in die Platzfläche, der Boulevard.
    Mit dem gegenüberliegenden Schienenhaltepunkt, der Bushaltestelle und dem Übergang zum Weserrenaissance-Museum Schloss Brake ist der Platz gleichzeitig ein Schwerpunkt der Fußgänger- und Radwegeverbindungen. Diese Bewegungslinien kennzeichnen auch die Gestaltung der Platzfläche. Große Rasenparterres, die mit breiten Kanten begrenzt sind, markieren zum einen die Hauptwegeverbindungen, zum anderen verleihen sie dem durch vielfältige Bewegungslinien geprägten Platz einen grünen Charakter und Aufenthaltsqualität. Insbesondere die großzügigen Kanten, die durch die Höhendifferenz im Gelände herausgearbeitet werden, laden zum Verweilen ein. Aufweitungen kennzeichnen den besonders stark frequentierten Bereich im Übergang zum Braker Weg und nehmen Nutzungen wie einen Kiosk und die Bushaltestelle auf. Einige wenige Baumgruppen ergänzen die Bestandsbäume.
    Die 15 Besucherstellplätze werden ebenso wie der überdachte Fahrradstellplatz am Rande des Platzes am Übergang zur Landschaft angeordnet. Die Fahrspur für den Lieferverkehr wird in den Platz integriert.

    Boulevard – Teilbereich B
    Der 5m breite Boulevard markiert die Hauptwegeverbindung für Fußgänger und Radfahrer zwischen Schienenhaltepunkt/Kulturmeile Brake und Lipperlandhalle/Hochschule.
    Mit einer eigenständigen Materialität aus Splittmastixasphalt und einer ähnlichen Farbgebung wie die angrenzenden Pflasterflächen bildet er ein eigenständiges Element, erscheint aber gleichzeitig eingebettet in den umliegenden Raum. Ein breites Band aus Cortenstahl begrenzt den Boulevard und bietet den Ansatzpunkt für ein übergreifendes Corporate Design für die Bildungs- und Forschungsmeile. Eine Baumreihe aus Linden begleitet den Boulevard.
    Die neuen Pflasterflächen werden bis an die Gebäude herangeführt und die Vegetations-
    flächen durch Kanten und Topographie in die Gestaltung integriert.
    Im Bereich der neuen Stellplätze trennt ein Stahlbord den Boulevard optisch von den Verkehrsflächen. Im Bereich der Lipperlandhalle kann das Stahlband/Corporate Design die schon bestehenden Flächen ergänzen und somit die Halle und die Hochschule an die Bildungsmeile anbinden.

    Vorplatz Mensa und Hanse Berufskolleg – Teilbereich C
    Der neue Vorplatz zur Mensa und zum Hanse-Berufskolleg stellt einen der Hauptaufenthaltsbereiche entlang des Boulevards dar. Prägendes Element ist der Hain aus Ginkgo biloba (Engelbert Kämpfer aus Lemgo verfasste die erste detaillierte westliche Beschreibung des Gingko um 1712), in deren lichten Schatten sich die Schüler auch zum Lernen im Freien treffen können. Sitzstufen rahmen den Hain und schirmen ihn durch die Höhendifferenz vom Hauptfußgängerverkehr des Boulevards ab. Durch die neue Höhensituation kann die Mensa barrierefrei erschlossen werden.
    Mit dem späteren Abriss der Turnhalle kann der Vorplatz um eine kleine Multifunktionsfläche erweitert werden, die z.B. für sportliche Nutzungen oder auch für Veranstaltungen genutzt werden kann.
    Die am Hauptkreuzungspunkt des Fußgängerverkehrs entstehende Platzfläche fungiert als Verteiler zwischen Mensa, Hanse Berufskolleg und Handwerksbildungszentrum und erlaubt eine großzügige Erschließung und Orientierung. Durch die Gestaltung mit Kanten und einem leichten Verkippen der Rasenflächen werden die Übergangsbereiche zum Handwerksbildungszentrum in die Gestaltung eingebunden.

    Corporate Design
    Ein 60cm breites Band aus Cortenstahl begleitet den Boulevard und bietet den Ansatzpunkt für ein übergreifendes Corporate Design. Dieses kann in einzelnen Bausteinen und in verschiedenen Phasen, realisiert werden. Die verschiedenen Ausstattungselemente dienen sowohl Aufenthalt und Orientierung, tragen aber auch zu einer hohen Identifizierung bei, da sie für mit speziellen Elementen wie den Inlays für diesen Standort ausgebildet werden.

    Stelen
    Die Stelen markieren als Informationstafeln die Eingangsbereiche zu den unterschiedlichen Bildungs- und Sporteinrichtungen, so dass die einzelnen Nutzungen auch für Besucher leicht auffindbar werden. Die einzelnen Stelen sind beleuchtet.

    Sitzelemente
    Das Cortenstahlband entwickelt sich an den Aufenthaltsbereichen in dreidimensionale Sitzelemente, die mit einer Auflage aus Holz versehen werden.

    Leuchten
    Die Leuchtstelen werden mit Bodenleuchten als Positionslichter ergänzt, die die gesamte Breite des Cortenstahlbandes ausnutzen.

    Inlays
    In einzelne Platten werden Symbole/Piktogramme eingelassen, die die unterschiedlichen Nutzungen entlang des Boulevards anzeigen. So können sich hier die einzelnen Fachbereiche darstellen und an der Gestaltung ihres Symbols mitwirken, das entlang des Weges auf den entsprechenden Ort verweist. Zusätzlich können hier weitere Nutzungen wie Parken oder der Aussichtspunkt zum Schloss Brake abgelesen werden.

    Materialität
    Der Boulevard wird mit einem Splittmastixasphalt gestaltet, der einseitig mit einer 60cm breiten Kante aus Cortenstahl begrenzt wird. Die Cortenstahlstreifen werden als breites U-Profil auf einem Betonfundament verankert und bilden zu beiden Seiten belastbare Kanten aus. Sie haben eine Länge von ca. 2,50m und schließen bündig mit der Oberkante des Belages ab. Die übrigen Platzflächen werden mit einem einfachen Natursteinpflaster, bzw. mit wassergebundener Wegedecke hergestellt.

    Beurteilung durch das Preisgericht

    Die Arbeit schafft durch den klar formulierten Boulevard eine sehr gut nachvollziehbare Verknüpfung vom Bahnhaltepunkt am Braker Weg bis zur Lipperlandhalle. Der Boulevard liegt räumlich richtig, in dem er die direkte Wegeverbindung aufgreift. Mit dem gestalterisch und funktional überzeugenden Element des Cortenstahlbandes mit der begleitenden Lindenreihe gelingt eine einheitliche Klammer, die den städtebaulich uneinheitlichen Raum zusammenwebt.

    Die Entwurfsverfasser greifen das Element der Raseninseln auf und übertragen dieses Prinzip als kraftvolles Gestaltelement auf den Eingangsplatz am Braker Weg. Der Boulevard wird durch diese (leicht gekippten) Raseninseln räumlich gut gefasst. Gleichzeitig entstehen durch diese als Sitzgelegenheiten nutzbaren Raseninseln ruhige Aufenthaltsbereiche, die den Charakter des Boulevards ergänzen. Insbesondere die Wartezone auf den Bus erfüllt eine sinnfällige und
    kommunikative Ergänzung. Die als unangemessen empfundene Kleinteiligkeit der Raseninseln allerdings zergliedert den großzügigen Vorplatzbereich und wird daher als bewusste Abkehr von einer freien zusammenhängenden Platzfläche interpretiert.

    Die Fortsetzung der Gestaltidee der Raseninseln in den Eingangsbereich des Berufskollegs über das Wettbewerbsgebiet hinaus ist nicht entwurfsentscheidend, der Entwurf behält seine klare Raumstruktur auch ohne diese Ausdehnung.

    Die klare Trennung des Lehrerstellplatzes ist gelungen, da er den Boulevard und angrenzenden Platzraum vom Erschließungsverkehr freihält. Die Organisation der Stellplätze ist durch die zweiseitige Anordnung wirtschaftlich angemessen. Auch die Fahrradstellplätze sind hier an richtiger Stelle angeordnet. Die Anlieferung ist funktional angemessen gelöst.

    Eine freie Blick- und Wegebeziehung vom östlich gelegenen Fußgängerüberweg ohne Verstellung durch den Kiosk wäre wünschenswert.

    Das Gestaltungsprinzip der Raseninseln wird durchgängig auch im Kreuzungspunkt Mensa / Hanse-Berufskolleg fortgeführt. Der leicht abgesenkte, mit einem lichten Hain aus Gingkobäumen überstellte Mensavorplatz und die gegenüberliegende Rasenscholle um den Erweiterungsbau des Hanse-Berufskollegs schaffen eine angemessene gestalterische und funktionale Klammer für den Umlenkpunkt des Boulevards. Die offene Platzstruktur an dieser Stelle wird allerdings eingeschränkt.

    Der Eingangsbereich des Parkplatzes ist in Bezug auf die Verkehrsteilnehmer gut strukturiert und entspricht dem Stand der Planfeststellung zur Bunsenstraße. Die einarmige Parkplatzerschließung entschärft mögliche Konflikte in der Begegnung von fußläufigem / Radverkehr und PKW-Verkehr.

    Die Anlieferung und PKW-Durchfahrt von der Bunsenstraße auf die Johannes-Schuchen-Straße ist unterbrochen. Die Mensaanlieferung muss daher von Norden über die Johannes-Schuchen-Straße erfolgen. Durch diese Verkehrsführung allerdings wird der Boulevard in seiner Gestalt und Funktionalität in den Vordergrund gestellt.

    Die Materialität entspricht der Entwurfsidee, ist robust und wirtschaftlich mit angemessenem Aufwand zu realisieren.

    Die Arbeit leistet einen funktional überzeugenden und gestalterisch hervorragenden Beitrag zur Lösung der Wettbewerbsaufgabe.