loading
  • Teilnahme


    Architekten
    Thomas Schüler Architekten und Stadtplaner, Düsseldorf (DE), Stuttgart (DE) Büroprofil

    In Zusammenarbeit mit:
    Landschaftsarchitekten: GREENBOX Landschaftsarchitekten, Köln (DE), Bielefeld (DE), Stuttgart (DE)
    Bauphysiker: ISRW - Institut für Schalltechnik, Raumakustik, Wärmeschutz Dr.-Ing. Klapdor GmbH, Düsseldorf (DE), Berlin (DE), Bielefeld (DE), Mainz (DE), Hamburg (DE), Karlsruhe (DE), Köln (DE)
    Bauingenieure: IGB Ingenieurgesellschaft mbH, Hamburg (DE), Kiel (DE), Oldenburg (DE)

    Erläuterungstext
    Wohnen auf der Elbinsel

    Wilhelmsburg ist als eine der größten Flussinseln Europas untrennbar mit dem Element Wasser verbunden. Durch ein komplexes System aus Dämmen, Kanälen, Gräben und Stauwerken haben die Menschen über die Jahrhunderte die Insel urbar gemacht und bewirtschaftet.
    Das Grundstück am Haulander Weg ist durch die typischen Merkmale einer Marschlandschaft gekennzeichnet. Die Südliche Wilhelmsburger Wettern stellt hierbei das zentrale und als wertvolles Biotop erhaltenswerte Rückgrat dar. Die markanten streifenförmigen Felder der Streuobstwiesen werden durch die Beetgräben definiert, die der Entwässerung dienen.
    Unser Konzept basiert auf der Grundhaltung, am Haulander Weg eine zukunftsweisende, Ressourcen schonende „Klimasiedlung“ zu planen, die diese wertvollen Landschaftsstrukturen weitgehend erhält und gleichzeitig aus der spezifischen Lage eine unverwechselbare Qualität des Wohnens entwickelt. Der sensible und effiziente Umgang mit Wasser und Energie sind die bestimmenden Themen, die das Leben in dieser Siedlung in Architektur und Freiraum prägen.


    Siedlungsstruktur und Landschaft

    Der Verlauf der südlichen Wilhelmsburger Wettern wird genutzt, um zwei Teilquartiere zu definieren. Diese zeigen sich in sich abgeschlossen, von Landschaft umgeben und mit ihr verzahnt. Jedes Quartier erhält einen gestalteten Innenbereich, den Quartiersgarten. Er dient der Adressbildung und der Identifikation mit dem Quartier. Die beiden Quartiersgärten behalten ihren natürlichen örtlichen Charakter, bekommen aber die Möglichkeit durch die Bewohner für Kommunikation und Aufenthalt genutzt zu werden. Die Quartiersgärten verzahnen sich landschaftlich mit dem unberührten Naturraum der südlichen Wettern und gestalten ein natürliches „Wohnen in der Marsch“.


    Harte Schale - weicher Kern

    Aufgrund der örtlichen Notwendigkeit, Schutz vor Lärm und auch Schutz der Landschaft zu gewährleisten, verringert sich die bauliche Dichte von Außen nach Innen.
    Gemischt genutzte Gebäude zur Georg-Wilhelm-Straße und zur Hafenbahntrasse bilden einen städtischen Winkel, der das Gebiet vor Immissionen schützt. Kleine Hausgruppen als Cluster liegen frei im zentralen Landschaftsraum und gewährleisten Durchlässigkeit im sensiblen Naturraum.


    Landschaft als „Schwamm“

    Durch die Versiegelung der Flächen werden ausgedehnte Retentionsbereiche zur Rückhaltung des anfallenden Regenwassers benötigt. Hieraus entwickeln wir das Landschaftskonzept des „Schwammes“: In den beiden Quartiersgärten und den Freiflächen im Umfeld der Wettern bleiben die typischen Landschaftsstrukturen ablesbar und die Bestandsbäume erhalten. Die großen Freiflächen dienen als leicht abgesenkte, bepflanzte Mulden einerseits der Rückhaltung und Reinigung des gesamten Regenwassers und sind gleichzeitig als nutzbare und bespielbare Flächen konzipiert. Eine differenzierte Höhengestaltung aus Senken und Mulden in Kombination mit Ebenen, Holzinseln und Stegen erzeugt ein vielschichtiges Netz aus wechselfeuchten Wiesen, staunassen Senken sowie Inseln und trockenen Rasenflächen.
    Die gesamten Freiflächen sind nicht statisch angelegt sondern als sich wandelnde Freiräume, die permanent „im Fluss“ sind. Abhängig von der jeweiligen Niederschlagsmenge wird sich der Charakter ändern. Insgesamt wird eine „Wiesen- und Wasserlandschaft“ entstehen, die sowohl im wohnungsnahen, als auch im öffentlichen Freiraum vielfältig erlebbar sein wird.



    Torsituationen und Stadtplatz

    Die Zugangsbereiche zum Quartier werden über kleine gestaltete Plätze als Torsituationen ausgebildet. Die übergeordneten Fuß- und Radwege werden von hier durch die IBA-Siedlung geführt und verbinden sich zu Rundwegen. Das Wegekonzept der IGS 2013 wird integriert.
    An der Schnittstelle zu Wilhelmsburg liegt an zentraler und gut erreichbarer Stelle der IBA-Stadtplatz als Ort für öffentliches, gemeinschaftliches Leben. Flächen für die Nahversorgung, Gastronomie und eine Platzgestaltung mit hoher Aufenthaltsqualität sorgen hier für Kommunikation zwischen Bewohnern, Gästen und Wilhelmsburger Bürgern.
    Der Stadtplatz funktioniert als verbindendes Glied zu den beiden Quartiersgärten und den Wohnnachbarschaften der Siedlung.

    An den drei Toren im Norden, Süden und Westen markiert jeweils ein „Landschaftsturm“ das Entrée der Siedlung. Die Türme dienen als Aussichtsplattformen, Spielhaus, Gartenturm, Infobox und Identifikationsmerkmal der Siedlung. Am Stadtplatz ist die „Energiezentrale“ mit Informationen über das Konzept der Siedlung sowie ein Café integriert. Die drei Türme sind leicht und transparent gestaltet und unterscheiden sich in Ihrer Materialität: Am Nordtor geschichtete Holzplanken, am Südtor Gabionen mit Elbkieseln und am Stadtplatz ein begehbarer vertikaler „Nebelgarten“ bepflanzt mit Moosen, Flechten und Kletterpflanzen. In dem Gabionenturm/Spielhaus im Süden ist die Kindertagesstätte im Erdgeschoss untergebracht.


    Gebäudetypen

    Um vielfältige Energiekonzepte darzustellen, wird für jeden Gebäudetypen eine eigene innovative Besonderheit entwickelt, die sich in der Architektur widerspiegelt. Für die unterschiedlichen Gebäudetypologien vom Einfamilienhaus bis zur Hausgruppe und Mehrfamilienhaus werden individuelle prototypische Lösungen aufgezeigt die übertragbar auf andere Bauvorhaben sind.

    Die Gemeinsamkeit besteht in der Konstruktion in Mischbauweise. Hierbei werden die Decken und Trennwände massiv erstellt, die hoch gedämmten Außenfassaden als vorgefertigtes Holzelement davor gesetzt. Dies garantiert eine sehr kostengünstige Realisierung. Durch die Mischbauweise wird ein optimales Gleichgewicht zwischen Speichermasse und Dämmstärke erzielt.

    Alle Gebäude sind als Nullenergiehäuser mit autarker Energieversorgung (zentral und anfahrbar) konzipiert, die sich jedem Gebäude entsprechend anpasst.

    Die Hofstrukturen
    Durch einen gläsernen grünen Schallschutz zur Georg-Wilhelm-Straße entstehen ruhige, innen liegende Wohnhöfe. Der Schallschutz, ein verglaster Raum, funktioniert als Klimapuffer und bietet hochwertige Aufenthaltsmöglichkeit für die Bewohner. Zum Quartiersgarten zeigt sich das Gebäude mit einer großen Loggia. Das Hofgebäude bietet unterschiedliche Wohnungsgrößen für gemeinschaftliches Wohnen (z.B. Studenten, Senioren, Wohngruppen)
    Der Klimapuffer dient im Winter der passiven Wärmegewinnung die den Wohnungen zukommt. Im Sommer wird die Wasserfläche für ein kontrollierte Vorkühlung und Temperierung der Wohnungen genutzt. Gleichzeitig wird durch die Verdunstung des Wassers ein angenehmes Klima im Hof geschaffen.
    Die Trennelemente zwischen den Loggien funktionieren als Solarfallen, welche die gewonnene Wärme über Bauteilaktivierung in den Betonschotten der Raumluft zuführt.

    Die Hausgruppen
    Sie bestehen aus Punkt- und Zeilenbau und bilden durch ihre Anordnung kleine gemeinschaftliche Wohnhöfe für familienorientiertes Wohnen. Die Punkthäuser als Mehrfamilienhäuser führen über kleine kommunikative Plätze in die Höfe. Die Reihenhäuser bieten die Möglichkeit für Wohnen und Arbeiten.
    Im Zentrum eines jeden Reihenhauses ist ein Atrium vorgesehen, dass im Winter durch ein Glasdach als Klimapuffer wirkt und so zusätzlich Wärme durch Sonneneinstrahlung gewinnt. Im Sommer funktioniert er als offener Innenhof und dient der Gebäudekühlung. Solarthermieelemente in Form von fassadenintegrierten Hochleistungspaneelen werden zur Warmwasserbereitung genutzt.

    Die Inselgebäude
    Die Wohninseln liegen frei im Landschaftsraum der südlichen Wettern und haben einen hohen Bezug zur Natur. Leicht erhöht ruhen die zwei Baukörper als kleine Hausgruppe hochwassergeschützt auf einem massiven Sockel. Die Wohnungstypen bieten unterschiedliche Varianten für individuelles Wohnen im Einfamilienhaus.
    Ein zentraler Bestandteil des Gebäudes ist die Wasserfläche der Regenwasserrückhaltung. Im Sommer wird die angesaugte und durch Kanäle geführte Außenluft zur Vorkühlung genutzt. Im Winter wird die Luft über einen Erdkanal angesaugt, der die Luft vortemperiert. Solarthermieelemente in Form von fassadenintegrierten Hochleistungspaneelen werden zur Warmwasserbereitung genutzt.


    Entwicklungsstufen

    1. Bauabschnitt
    Im ersten Realisierungsabschnitt entwickelt sich die IBA-Siedlung auf den freien Flächen im Osten bis zur Wilhelmsburger Reichsstraße. Die Straßenführung der neuen Ringerschließung ist von der Wilhelmsburger Reichsstraße abgerückt und ermöglicht eine notwendige raumbildende Bebauung im Zwischenraum der beiden Straßen.
    Der erste Abschnitt erhält frühzeitig seine eigene Identität. Mittelpunkt ist die Realisierung des ersten Quartiersgartens mit der angrenzenden Bebauung.
    Das Wasser- und Energiekonzept kann im ersten Abschnitt schon komplett realisiert und wahrgenommen werden. Das Südliche Tor dient als Anlaufstelle während der IBA.
    Eine neue Fuß- und Radwegeverbindung über die Wettern schafft eine Verbindung zur Georg-Wilhelm-Straße.

    2. Bauabschnitt
    Nach dem Freiwerden der Wilhelmsburger Reichsstraße kann die Siedlungskante im Osten hergestellt werden.
    Auf den Freiflächen der Trasse nach Norden wird die neue Grünverbindung als linearer Park zwischen IGS-Park und IBA-Siedlung geschaffen. In diesem Zusammenhang entsteht das Nordtor als Eingangsplatz mit seiner Baulichkeit.
    Im Süden entsteht die Lärmschutzwand als Energiewand mit Solarfeldern zur südlichen Hafenbahntrasse. In diesem Zusammenhang kann die Wohnbebauung mit ihren Wohnhöfen erfolgen. Die südliche Platzkante zum Quartiersgarten wird geschaffen.

    3. Bauabschnitt
    Zur Georg-Wilhelm-Straße werden die vier Hofstrukturen als Lärmschutzbebauung realisiert. Sie sind von der Straße abgerückt und bilden einen Grünboulevard im Vorbereich der Bebauung. Es wird eine Aufwertung des gesamten Straßenraums der Georg-Wilhelm-Straße geschaffen.
    Mit der Bebauung der Energiewände, der Klimapuffer, wird die IBA-Siedlung hier ihr neues Gesicht nach Außen zeigen.
    Im nördlichen Bereich wird der Stadtplatz als kommunikative Mitte mit einem angrenzenden Gebäude für Büros, Ärzte und die Nahversorgung geschaffen.
    Der IBA-Energieturm entsteht. Er stellt das eigentliche bauliche Zentrum der Siedlung dar. Er beherbergt Gastronomie und Ausstellungsflächen zum IBA-Konzept. Hier wird das Gesamtvorhaben dokumentiert, erklärt und funktioniert als erste Anlaufstelle beim Besuch der Siedlung. Das Kernstück des Turms ist der Energiespeicher der Brennstoffzellen, wo der Umwandlungsprozess in Energie sichtbar gemacht wird.

    Beurteilung durch das Preisgericht
    Liegt nicht vor.