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  • 2. Preis

    Die neue Hochschule Ruhr West

    Landschaftsarchitekten
    Planergruppe GmbH Oberhausen, Essen (DE) Büroprofil

    Verfasser
    Harald Fritz , Thomas Dietrich

    In Zusammenarbeit mit:
    Architekten: ASTOC ARCHITECTS AND PLANNERS GmbH, Köln (DE)

    Erläuterungstext
    Städtebauliche Einbindung
    Der Standort der geplanten Hochschule Ruhr-West bindet sich hervorragend in das Stadtgefüge ein. Oberhalb der starken Terrassenkante der Ruhr gelegen, vis-a-vis der City mit der neuen Urbania-Promenade, in Nachbarschaft zum Schloss Broich (Ursprung Mülheims) mit den kulturellen Highlights Camera obscura, Ringlokschuppen, VHS und unten im Tal der Stadthalle mit dem MÜGA- Gelände, wird dieser altindustrielle Standort des ehemaligen Eisenbahn-Ausbesserungswerks optimal angebunden durch die neue, bequeme Grünverbindung „Rheinische Bahn“. Sie verknüpft die Hochschule Ruhr-West über den Hauptbahnhof Mülheim bis nach Essen im Osten und über den Duisburger Wald mit dem Rheinpark Duisburg im Westen vorbei an der Gesamthochschule Duisburg und leistet neben der guten Verkehrsanbindung (MIV+ ÖPNV) die Vernetzung in der Region.
    Der Standort selber hat sich aufgrund der industriellen Großmaßstäbe in die Topographie wie ein Stempel eingeprägt, besonders deutlich an der östlichen Duisburger Straße. Diesem großen Maßstab gegenüber liegt ein zusammenhängendes Wohngebiet, das der Hochschule mit einem homogenen Bild gegenüber tritt.

    Zündfunke
    Die Hochschule Ruhr-West bietet nun die Chance, auf dieser ehemaligen Tabufläche als Zündfunken für den ganzen Stadtteil zu wirken. Auch sind die Synergie-Effekte auf dem Standort mit dem Straßenbahnbetrieb in seiner spektakulären Halle und die schon sich etablierten kulturellen Nukleen positiv zu sehen. Mit der Hochschule als Campus-Typ werden also zwei starke Strukturen auf dem Standort positioniert, die eigenständige Identitäten bieten, die gleichzeitig aber mit einer zentralen Achse in Zukunft miteinander verknüpft werden können, möglichst bis hin zum Darlington- Park.
    Nach außen zum Wohngebiet und zum grünen Band der Rheinischen Bahn wird der Campus intensiv vernetzt, so dass eine einladende Haltung als Angebot für die Bürger wahrgenommen werden kann.

    In der Zukunft stehen an den Rändern im Westen, Osten und Norden potentielle Entwicklungsräume zur Verfügung, wie die Fläche südlich der potentiellen Verlängerung der Duisburger Straße. Der mögliche Durchstich zur Xantener Straße (als Anlagerung an die Feuerwehrausfahrt) bindet sowohl die Entwicklungsräume an der Xantener Straße, als auch den Raum in der Straßenbahnschleife problemlos an den Campus an. In diesen Räumen liegt neben dem Vernetzungsgedanken der Schlüssel zur Entwicklung benachbarter Flächen in Synergie mit dem Hochschulstandort. So können im Süden zwischen der verschwenkten Duisburger Straße und der Bahntrasse weitere Auslagerungen, Neugründungen, Institute etc. Platz finden. Sie richten sich nach der Struktur des Campusentwurfs und führen zum zentralen Eingangsbereich in den Campus.

    Im Norden stellt die stufenweise Entwicklung eines Technologiezentrums im Bereich Xantener Straße ein Potential dar. Ein dort integrierbares Parkhaus kann weitere Kapazitäten schaffen, ohne die einzelnen Netzstränge des Mülheimer Westens zu überlasten. Nordwestlich angrenzend ist jenseits des geplanten Parks in der „Gleisharfe“ ein Raum zur Entwicklung studentischen Wohnens vorgesehen, der das Thema Wohnen in diesem Bereich fortsetzt.

    Campus
    Das städtebauliche Grundkonzept baut auf einem zentralen Erschließungs- und Erlebnisbereich im Schwerpunkt des neuen Hochschulstandorts auf. Dieser Schwerpunkt ist deutlich Richtung Süden mit hoher räumlicher Nähe zur Duisburger Straße orientiert. In Ost-West-Richtung wird dieser Raum durch zwei zentrale Gebäude aufgespannt: im Westen die Bibliothek mit Sprachzentrum, Servicebereich und SSC, im Osten die Mensa mit den zentralen Lehrflächen. Die Baukörper treten jeweils markant aus den Baufluchten hervor und sind vor Allem stadträumlich aus der Umgebung, insbesondere den Straßenräumen prägnant wahrnehmbar. Zwischen diesen beiden „Gesprächspartnern“ liegen drei Gebäude mit zentraler Infrastruktur und weiteren Lehrflächen, insbesondere Seminarräume, die membranartig zwischen den Bebauungsstrukturen beidseits der Duisburger Straße vermitteln.

    Im Norden des zentralen Raumes reihen sich die vier Institute in einer rationalen Anordnung auf, von jedem Punkt des Campus sichtbar und erlebbar. Entsprechend ihrer Größenstaffelung sind die Institute in alternierender Folge als Paare angeordnet: Bau- und Naturwissenschaften, Elektrotechnik und Maschinenbau. Hierdurch entstehen zum Einen inhaltliche Synergien und gleichzeitig eine Lagequalität für die Fachgruppe Maschinenbau im Westen, die die Anlieferbarkeit der notwendigen Schwergüter sicher stellt.

    Das Parken wird an dem vorgeschlagenen Standort in einem Split-Level-Parkhaus organisiert.
    Ein vom Verkehr ungestörter Zugang in den Campus ist gewährleistet.

    Dementsprechend liegen alle zentralen Hochschuleinrichtungen schalenförmig um die vier Institute, gegenseitige Sichtbarkeit und Erreichbarkeit sind im Vis-a-Vis aller Bereiche über den zentralen Campusraum gegeben.

    Das Freiraum-Prinzip
    Der Campus wird als gemeinsame Oberfläche von der Duisburger Straße bis zur Rheinischen Bahn begriffen, auf der sich alle „Akteure“ um einen zentralen Raum gruppieren mit einladenden Öffnungen zum Wohngebiet und zum Grünraum auf der anderen Seite. In diese Campusfläche (hochwertige Betonplatten in Bändern verlegt) werden linsenförmig gewölbte Rasenflächen als Zitat der Campuswiese als Begegnungsort einer Hochschule eingestanzt, die mit Magnolien und zartlaubigen Sophoren bepflanzt, zahlreiche Aufenthaltsmöglichkeiten bieten. Die Ränder dieser Grüninseln sind nach Süden als Bänke ausgebildet.
    Invers dazu werden in dem neuen Campuspark im Dreieck zur Hafenbahn in einen lichten Hain Sport- und Spielflächen eingebaut, die den Anwohnern/ Besuchern wie auch den Studierenden Rekreationsmöglichkeiten bieten.

    Die Topographie
    Der Niveauunterschied zwischen Campus und Duisburger Straße verschleift sich von Ost nach West, so dass die Treppenplateaus (an der Mensa kombiniert mit einer Rampe), die sich an den zentralen Raum heran schieben, immer kürzer werden. Der Hauptzugang im Westen ist niveaugleich. Hier umspielt der Freiraum großzügig das Bibliotheksgebäude und leitet den Rheinbahnpark in den Campus hinein.

    Geschossigkeiten und Erweiterungen
    Die Institutsgebäude sind durchgängig 4-geschossig vorgesehen, die beiden „Gesprächspartner“ Mensa / Hörsäle und Bibliothek / Servicebereiche sind bis zu 6-geschossig unterhalb der Hochhausgrenze vorgesehen. Im Bereich der Duisburger Straße ist die südliche Front der Mensa / Hörsäle 3-geschossig, die schlanke Bebauungsschicht mit 3 bis 4 Geschossen, die sich aufgrund des Niveauversprungs ebenfalls 3-geschossig zur Duisburger Straße präsentieren. Das Parkhaus ist mit seinen niedrigen Geschosshöhen 5 ½-geschossig als Splitlevel organisiert und zeigt sich somit in einer homogenen Höhenstruktur mit den anderen Gebäuden an der Duisburger Straße. Die Erweiterungen der Institute erfolgen in den Rand- und Innenbereichen des Baufelds „Institute“. Die Erweiterung von den beiden „Gesprächspartnern“ erfolgt durch Anlagerungen im Norden. Das Parkhaus kann nach Westen erweitert werden. Somit ist die städtebauliche Figur des Campus schon im 1. Bauabschnitt stabil und wird durch die Erweiterung nicht beeinflusst.

    Fazit
    Der städtebauliche Entwurf bietet eine stabile Grundlage zur Durchführung des vorgesehenen Architektenwettbewerbs zur Realisierung der neuen Hochschule. Durch die räumliche, funktionale und inhaltliche Definition im vorgeschlagenen Rahmenplan sind Parameter gesetzt, die eine stimmige Architekturkonzeption sicher stellen und gleichzeitig Raum für hochwertige Erlebbarkeit und Nutzungsqualität von Campus und Gebäuden bieten. Die im erweiterten Wettbewerbsgebiet beschriebenen Potentiale bilden die Chance der Weiterentwicklung des Campus, Hand in Hand mit den umgebenden Quartieren und stellen damit einen Masterplan zur Entwicklung des Westen der Mülheimer Innenstadt dar.

    Beurteilung durch das Preisgericht
    Liegt nicht vor.