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  • DE Erlangen
  • 10/2009
  • Ergebnis
  • (ID 2-37661)

Studentisches Wohnen, Lauk'sche Gärtnerei


  • 2. Preis

    Modell

    Architekten
    Kauffmann Theilig & Partner Freie Architekten PartGmbB, Ostfildern/ Kemnat (DE) Büroprofil

    In Zusammenarbeit mit:
    Landschaftsarchitekten: Eurich Gula Landschaftsarchitektur, Wendlingen am Neckar (DE)

    Preisgeld
    8.580 EUR

    Erläuterungstext
    Idee

    Mit dem Neubau der Studentenwohnheime „Lauk’sche Gärtnerei“ werden die vorhandenen Potentiale des Grundstücks ausgeschöpft. Im Zentrum Erlangens entsteht so wertiger Wohnungsbau, der städtebaulichen, aufenthaltsqualitativen und energetischen Ansprüchen gerecht wird.


    Städtebau

    Das zu bebauende Grundstück liegt an der Henkestrasse, einer stark befahrenen Verkehrsachse in Erlangen. Der Umgang mit dieser Lärmquelle war eines der entwurfsbestimmenden Themen. Die Appartements der neuen Wohnheime sind für optimale Tageslichtausnutzung ALLE Ost-West orientiert. Somit ergab sich die Möglichkeit die Fassaden zur Henkestrasse zu schließen, bzw. die Erschliessung der Häuser auf die lärmbelastete Seite zu legen und somit die Belastung der Appartements auf ein Minimum zu reduzieren.
    Die teilweise Schliessung der Bauflucht entlang der Henkestrasse wird durch den westlichen Baukörper (städtebaulicher Teil) konsequent fortgesetzt.
    Durch die großzügigen Abstandsflächen zwischen den einzelnen Gebäudeteilen ist ein optimale Belichtung auch der erdgeschossigen Appartements gewährleistet.
    Durch die Aufteilung der Appartements in drei Gebäudeteile wird gleichzeitig mit der gewünschten Realteilung die Kommunikation der Bewohner auf mehreren Ebenen gefördert. Es findet eine Identifikation mit der Wohngruppe auf dem Stockwerk, aber auch stockwerkübergreifend im gesamten Haus statt.
    Die große Qualität diese Anordnung liegt darin, dass auf der Nordseite, zwischen den schon bestehenden Studentenwohnheimen und den Neubauten ein sehr großer Grünbereich erhalten bleibt. Durch die Öffnung des Gartenhofes nach Westen wird eine optimale Belichtung gewährleistet. Der Gartenhof ist Kommunikationsfläche, Treffpunkt, Grillstelle aber auch Rückzugsort. Hier ist Platz für Studentenleben und Freizeitaktivitäten.


    Entwurf

    Das Gebäudeteil Maussbau West ist mit seinen 94 Appartements am größten und verteilt sich auf zwei Baukörper. Im Norden ist an die Brandwand des bestehenden Gebäudes Henkestrasse II angebaut. Das Gebäude fasst 19 Appartements. Die übrigen 75 Wohneinheiten verteilen sich auf die vier Geschosse des Gebäudes im Westen. Für die Bewohner gibt es auf jedem Geschoss einen gemeinschaftlich genutzten Balkon mit Blick auf den Gartenhof.

    Das Erdgeschoss des Gebäudes Studentenwerk beinhaltet neben den 12 Appartements den Gemeinschaftsraum mit seinen Nebennutzungen. Ebenfalls im Erdgeschoss liegen der Technik- und der Putzraum.
    Über das Treppenhaus gelangt man in die drei Obergeschosse mit jeweils 16 Appartements. In jedem Obergeschoss gibt es einen gemeinschaftlich genutzten Balkon, der sich zum Gartenhof orientiert. Das Gebäude ist über sein Treppenhaus mit der Tiefgarage verbunden.

    Im Gebäude Maussbau Ost liegen im Erdgeschoss die öffentlichen Nutzungen des Wohnbüros und des Begegnungszentrums. Die Büros und Gruppenräume orientieren sich zur Wald- / Henkestrasse bzw. um den großzügigen Innenhof. Nach Nord-Westen orientiert sich die Küche des Begegnungszentrums mit einem schönen Freibereich und Blick auf den Gartenhof.
    Über das Treppenhaus mit Aufzug gelangt man in die Obergeschosse, die insgesamt 56 Appartements beinhalten. Alle Appartements orientieren sich auch entweder nach Osten oder nach Westen bzw. zum Innenhof. Neben einem gemeinschaftlich genutzten Balkon auf jeden Stockwerk befindet sich im Dachgeschoss eine große Dachterrasse. Das Gebäude verfügt über ein Untergeschoss in dem sich neben Technik und Lagerräumen Abstellabteile für alle Appartements befinden.

    Die Bestandsbrandwand im Nord-Osten wird mit Fassadenöffnungen attraktiviert.

    Die Tiefgarage mit 99 Stellplätzen verbindet die Gebäudeteile Maussbau-West und Studentenwerk im Untergeschoss. Sie wird über eine Zu- und eine Ausfahrt im Süden erschlossen, die über die im Bebauungsplan festgelegten Zufahrten funktioniert.

    Fassaden

    Die Fassaden der Neubauten werden öffnen sich folgerichtig in den Bereichen, in denen Tageslicht benötigt wird. Jedes Appartement ist auf der jeweiligen Ost- oder Westseite großzügig verglast. Die geschlossenen Fassadenteile beinhalten einen Öffnungsflügel für individuelle Lüftung. Die Fassadenseiten nach Süden und Norden bleiben im Bereich der Appartements geschlossen. Auf der Südseite wird der Laubengang mit einer Einfachverglasung versehen um den Schallschutz für den Innenhof herzustellen.


    Energie

    Die Heizung der Gebäude wird über die bestehende Fernwärmeversorgung abgedeckt. Zur Heizung und Kühlung des Gebäudes (Grundlast) ist eine Betonkernaktivierung denkbar.

    Auf den Dachflächen der Neubauten wird eine großflächige südorientierte Photovoltaikanlage installiert. Weiter Maßnahmen werden in Abhängigkeit ihrer Wirtschaftlichkeit zu überprüfen sein.

    Die konsequente Tagesbelichtung der Appartements reduziert den elektrischen Energiebedarf.

    Keiner der Aufenthaltsräume orientiert sich zur Strasse, d.h. dass in allen Appartements Fensterlüftung möglich ist.

    Richtige Dimensionierung der verglasten Flächen sowie ein leistungsfähiger, außenliegender Sonnenschutz vermeiden eine sommerliche Überhitzung.

    Beurteilung durch das Preisgericht

    Die Arbeit besticht durch die Interpretation der Studentenwohnheime als Stadtvillen in offener Blockrandbebauung, ein wirkungsvoller Lärmschutz ist dadurch allerdings nicht gegeben, da der Innenbereich zur lauten Henkestraße offen liegt.

    Das Eckgebäude zur Waldstraße schafft den gewünschten Abschluss und reagiert geschickt im Übergang zur bestehenden Bebauung. Das Begegnungszentrum ist hervorragend gelöst, die öffentlichen Bereiche, Verwaltung und die darüber liegenden Studentenzimmer separat erschlossen, gleichzeitig werden sie durch einen Innenhof zusammengeschlossen.

    Die vorgeschlagene Verlängerung des bestehenden Studentenwohnheims (Westflügel) ist akzeptabel, mit der Konsequenz eines erhöhten Erschließungsaufwandes.

    Der im Bebauungsplan verankerte 5m-Rücksprung der Baugrenze zur Henkestraße wird für die TGRampen genutzt, diese Lösung führt zu gefährlichen Situationen besonders bei der Ausfahrt. Es sind 99 STPl nachgewiesen, ohne konstruktives System. Auch die Unterbringung aller Fahrräder im UG mit
    ungelöstem Zugang ist unrealistisch, für das Wohnheim des Studentenwerks sind überhaupt keine Abstellplätze vorhanden.

    Alle Zimmer sind nach Osten bzw. Westen orientiert, die gewünschte Mindestanzahl ist erreicht, zu einer noch besseren wirtschaftlichen Ausnutzung bietet der Entwurf noch einiges Potential. Erkauft wird dieser Spielraum durch zu geringe Innenhofgrößen und entsprechenden Belichtungsbeschränkungen der dahin orientierten Räume in EG und 1. OG.

    Die Größe der Einzelzimmer liegt an der unteren Grenze, der nachgewiesene Wohnraum unterschreitet die in den Förderrichtlinien geforderten 13 m2. Die niedrige Ausnutzung führt im Verbund damit zu entsprechend geringen Kenndaten bei BRI und Nutzflächen.

    Das Grundstück wird großflächig begrünt mit zahlreichen Nutzungsangeboten, notwendige Möblierungen wie Müllplatz und Fahrradstellplätze fehlen allerdings. Feuerwehrzufahrten und Spartenführung funktionieren ohne Einschränkung, eine Anleiterung als 2. Fluchtweg ist immer gewährleistet.

    Das konstruktive System ist einfach und günstig erstellbar, der Anteil an Fassadenfläche und der Glasanteil sind deutlich zu hoch mit entsprechendem Erstellungs- und Unterhaltsaufwand.

    Der Nachweis für getrennte Lager- und Technikräume der Bauteile fehlt.

    Die Stadtvillen sind ein eigenständiger Vorschlag mit hohem Identifikationswert für die Bewohner, die Grünanlagen integrieren die Einzelbauten, die Anlage schafft geschickt den Anschluss an die Bebauung südlich der Henkestraße und den Übergang aus der Blockbebauung zu einer offenen Bauweise.