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  • DE-46045 Oberhausen
  • 09/2009
  • Ergebnis
  • (ID 2-39604)

Gutachterverfahren Saporisha-Platz


  • 2. Rang


    Stadtplaner
    ST-Freiraum Landschaftsarchitekten, Duisburg (DE) Büroprofil

    In Zusammenarbeit mit:
    Stadtplaner: Architekt Stadtplaner Richelmann, Köln (DE)

    Erläuterungstext
    Saporisha-Platz

    Auf der langen Geraden zwischen Bahnhof und Altmarkt entsteht eine Bühne der Lyrik, des Wissens, des Lesens und des Spiels der Gedanken.

    Die hochwertige Architektur des Bert-Brecht-Hauses stellt hier einen wichtigen Kristallisationspunkt dar. Mit der bevorstehenden Umgestaltung erhalten VHS und Stadtbibliothek ein breites öffentliches Podium. Der offene Erdgeschossgrundriss erfährt seine Fortsetzung im Außenraum.

    Die Paul-Reusch-Straße wird dazu zwischen Helmholtzstraße und Langemarkstraße von Durchgangsverkehr und parkenden Autos befreit.

    Unter dem Dach der geschnittenen Platanen entsteht ein transparenter, offener Raum, der sowohl attraktive Zonen für Kommunikation, Aktion und Entspannung bietet, als auch den unterschiedlichen Verkehrsansprüchen gerecht wird.

    Die Gestaltung folgt den Prinzipien der Parkstadt Oberhausen. Mit dem Zusammenspiel von großlaubigen Platanen und Klinkerflächen reiht sie sich nahtlos in die Abfolge öffentlicher Park- und Platzanlagen, die sich perlschnurartig vom Grillopark über den Bahnhofsvorplatz bis hin zum Südmarkt ziehen.

    Der Platz oder LYRIK BE.sitzen
    Zentrales Element des Saporisha-Platzes ist ein 11 Meter breiter Boulevard. Er nimmt die Hauptwegeverbindung zwischen Bahnhof und City-Bereich Altmarkt auf. Die hochwertige Oberfläche des geschliffenen Betonpflasters macht den Weg vom Bert-Brecht-Haus bis zur Post zur Flaniermeile des Bert-Brecht-Quartiers und zum lebendigen Freiraum des angrenzenden Wohnquartiers. In seiner Ausrichtung folgt der Boulevard den Vorgaben des bestehenden Baumdachs der geschnittenen Platanen und unterstreicht das Gewohnte und Geliebte.

    Zwei urban und selbstbewusst reduziert gestaltete Plätze bilden die wichtigen Pole der langestreckten Achse. Während die Fläche des FOYERS das Ankommen seitens der Friedrich-Karl-Straße und des Postareals zusammenführt und mit ihrer straffen Ordnung, dem auffälligen Plattenbelag sowie der markanten Lichtmasten zur Orientierung verhilft, schafft der BRECHT-PLATZ ein Abbild der kulturellen Szene. Das modern ausgerichtete Bert-Brecht-Haus schiebt sich mit seinen historischen Klinkerfassaden wie ein Bug in die Platzfläche hinein. Seine vertikal ausgerichteten Fassadenelemente kontrastieren mit der Ebenflächigkeit des Platzes aus großformatigen Betonplatten, die in Bahnen unterschiedlicher Breite verlegt werden.

    Die stark befahrene Helmholtzstraße wird in die Platzfläche integriert, so dass der Saporisha-Platz einschließlich des flankierenden Bert-Brecht-Quartiers mit dem City-Bereich des Altmarktes zusammenwächst. Die markanten Fassaden werden freigestellt, so dass eine offene, freie Fläche entsteht.

    Zentrales Element des Platzes ist die POETRY-CORNER. Als Skulptur keilförmig aus dem Bodenbelag gehobener Pflasterplatten symbolisiert sie das aufgeschlagene Buch als Synonym für Bildung, Kunst, Wissenschaft, Lyrik und Poesie. Mit dem eingearbeiteten Zitat: DIE ETWAS FRAGEN ERHALTEN ANTWORT erhalten die Inhalte des Bert-Brecht-Hauses ihre Fortsetzung im Außenraum und können im wahrsten Sinne des Wortes besessen werden.
    Dies sei als Einladung an Jedermann zu verstehen, die kulturellen Angebote von KunO bis Abendschule, von Lyrik, Roman und Bildband bis Nonbook zu nutzen.

    Darüber hinaus besteht die Möglichkeit, den Platz multifunktional zu bespielen. Auf dem mit einer wassergebundenen Wegedecke befestigten Podium der zentral gelegenen Achse inmitten der Platanenreihen lassen sich Feste feiern, ein Kinderzirkus aufbauen oder eine Bert-Brecht-Party ausrichten.

    Der Freiraum wird zur Kulturbühne.

    An ruhigeren Tagen bestimmt ein aufgeräumtes Bild die Szenerie. Eine Galerie aus einem 4 Meter breiten Pendant des Boulevards bildet die westliche Platzkante. Eine hüfthohe Hecke aus helllaubiger Hainbuche schafft den erforderlichen Rahmen und die willkommene Abgrenzung zum anschließenden Straßeraum der Goebenstraße. Lesebänke schaffen Aufenthalt fernab des gastronomischen Angebots.

    Gegliedert wird die ebene Fläche aus wassergebundener Wegedecke durch rechtwinkelig querende GEDANKENGÄNGE. Als Reminiszenz an die traditionellen Baumaterialien der Parkstadt gliedern sie mit ihren nach Norden stetig abnehmenden Flächenanteilen den Bodenbelag. Mit ihrem historischen Bezug erschließen sie die frei drehbaren Hörsessel aus poppfarbenem Kunststoff, die über ein eingebautes Audiosystem Hörbücher aus dem Programm der Stadtbibliothek abrufbar machen. Neben Lyrik, Poesie und Kindergeschichten sind hier Klänge und Informationen zur Partnerstadt Saporisha öffentlich zugänglich.

    Der Verkehr
    Zur Aufwertung und verkehrstechnischen Beruhigung der Paul-Reusch-Straße erfolgt eine Verlagerung des Kraftfahrverkehrs. Während der Durchgangsverkehr über die Friedrich-Karl-Straße geleitet wird, erfolgt eine Verlagerung des ruhenden Verkehrs von der Helmholtzstraße aus über die Langemarkstraße auf den nördlichen Teil der Paul-Reusch-Straße. Hier werden unter dem Dach der bestehenden Platanen weitere Stellplätze im Einbahnverkehr erschlossen, so dass in der Gesamtbilanz keine Stellplätze verloren gehen.

    Die Perspektive
    Mit dem Umbau des Saporisha-Platzes erhält das gesamte Bert-Brecht-Quartier eine familenfreundliche, generationenübergreifende Aufwertung. Über die bestehenden Passagen lassen sich mit Hilfe von Beleuchtungsmaßnahmen vielfältige Anbindungen zum Friedensplatz und zur Elsässer Straße herstellen. Das bereits bestehende gastronomische Angebot erhält durch die Ergänzung und Vernetzung eine Stärkung. Darüber hinaus rückt der Eingang des Kaufhofs an der Helmholtzstraße einschließlich des Parkhauses stärker in den öffentlichen Fokus. Eine Fassadenaufwertung schafft hier sicherlich weitere Anziehungskraft.

    Eine weitere, wichtige ENTWICKLUNGSACHSE stellt die Anbindung des Saporisha-Platzes an die Friedrich-Karl-Straße dar. Durch eine Ausgestaltung des Boulevards bis zur Post einerseits und bis zum Eduard-Berg-Platz andererseits sowie eine Aufwertung des Zugangs zur Friedrich-Karl-Straße entsteht ein weiterer wichtiger Cityzugang.

    Die City
    Das künftige Gesicht des Saporisha-Platzes wird geprägt vom städtischen Flair, kulturellen Leben und den ebenso wichtigen Ruhezonen. Die Gestaltung stellt dabei Offenheit, Sicherheit und Unverwechselbarkeit in den Vordergrund. Der Platz wird damit in Verbindung mit dem Umbau des Bert-Brecht-Hauses zum kulturellen Mittelpunkt der City.


    Beurteilung durch das Preisgericht
    Liegt nicht vor.

INFO-BOX

Angelegt am 22.04.2010, 12:53
Zuletzt aktualisiert 31.08.2010, 19:28
Beitrags-ID 4-36354
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