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  • DE-33602 Bielefeld
  • 05/2010
  • Ergebnis
  • (ID 2-44339)

Spiel- und Parklandschaft Sennestadt


  • Teilnahme


    Landschaftsarchitekten
    arbos Freiraumplanung GmbH, Hamburg (DE) Büroprofil

    Verfasser
    Peter Köster

    Mitarbeit
    André Hirsig, Christian Wagner

    Erläuterungstext
    Park- und Spiellandschaft Sennestadt
    Konzept: Wasser + Sand

    Desertum sinethi – so wurde die karge Sennelandschaft um 1001 erstmals urkundlich erwähnt. Aufgrund des feinen sandigen Bodens war die Sennelandschaft wenig fruchtbar und eher karg. Heide und lichte Wälder bestimmten das Bild. Erst im 12. Jahrhundert beginnt die Besiedlung der Senne. Die Sennebäche können dabei als Lebensadern der frühen Besiedlung angesehen werden. Auf ihren schmalen Uferterrassen waren Ackerbau und Viehzucht in bescheidenem Umfang möglich. Wasser und Sand sind demzufolge zwei wichtige Grundvoraussetzungen der frühen Besiedlung der Sennelandschaft. Sie haben sich im Landschafts- und Siedlungsbild tiefe Spuren hinterlassen.

    Zwischen 1954 und 1957 entwickelt Prof. Dr. Hans Reichow in dieser kargen Heide- und Wiesenlandschaft der ehemaligen Gemeinde Senne II die Sennestadt. Der Generalbebauungsplan, der auf seinen Thesen der ´Organischen Stadtbaukunst´ aufbaut, wird durch die beiden typischen Landschaftselemente der Senne, Dünenheiden und Bachtäler, gegliedert. Der ´Krackser Dünenbogen´ und das ´Bullerbachtal´ bilden das Grundgerüst eines ´Grünen Kreuzes´, das zwischen Teutoburger Wald und Senne aufgespannt ist. Mit großer Sensibilität für die Besonderheiten der Landschaft baute auch Prof. Reichow die Sennestadt auf den Grundvoraussetzungen Wasser und Sand auf.

    Eine Vision für die Park- und Spiellandschaft Sennestadt muß demzufolge die beiden Landschaftselemente Wasser und Sand auch in Zukunft ins Zentrum des Konzeptes stellen. Mit dem ´Krackser Dünenbogen´ und dem ´Bullerbachtal´ finden beide Landschaftselemente ihre räumliche Entsprechung.

    Die Besonderheiten der trockenen Wiesen- und Heidevegetation auf den kargen Sandböden einer ehemaligen Wanderdüne sollten im ´Krackser Dünenbogen´ weiterentwickelt und mit der intensiven Nutzung der Sport- und Spiellandschaft in Einklang gebracht werden. Grundidee ist hier die Extensivierung der Rasenflächen hin zu einer zweischürigen Wiese, in der neben den typischen Wiesengräsern auch Blütenpflanzen sich entwickeln können. Diese Extensivierung in der Fläche wird durch die Anlage eines Sport- und Spielbandes parallel zum Dünenbogenweg ergänzt. Der Dünenbogenweg folgt der im Gelände noch sichtbaren Dünenkante auf der Nordseite des Parks und verbindet im großen Bogen die Senne östlich und westlich der Stadt miteinander.
    In das ca. 1 km lange und 18 m breite Sport- und Spielband werden neben neuen Freizeitangeboten, wie Beachvolleyball, Basketball oder Boulebahnen, auch die Landschaftsbasis an der Elbeallee integriert. Wichtigstes Ziel bei der Anlage der Landschaftsbasis war die Wiederherstellung der räumlichen Durchgängigkeit des Dünenbogens in Ost-West-Richtung und damit der Rückbau des bisherigen Standortes. Durch die Integration des Parkplatzes und der Infostation in das grüne Funktionsband werden störende räumliche Einbauten in die offene Parklandschaft vermieden.
    Der Eingang in den ´Krackser Dünenbogen´ wird durch die Verlagerung der Scateranlage aufgewertet. Das wichtige landschaftsräumliche Gelenk zwischen Bullerbachtal und Dünenbogen kann so offen und einladend gestaltet werden. Der Dünenteich wird an seinen Ufern freigestellt und bildet die Visitenkarte des offenen Wiesenparks im Dünenbogen. Die Scateranlage wird, wie die Sportplätze selbstbewusst in die Wiesen integriert. Halfpipes und Wellen werden in Zukunft in den Boden eingelassen, so dass störende Einbauten im Park entfallen und der Einblick in die Anlage verbessert wird. Ein zusätzliches Highlight im Dünenbogen könnte ein Hochseilgarten werden, der im Hain unmittelbar neben dem großen Sportplatz angeboten wird. In den Baumkronen wird ein Kletterparcours eingerichtet, der kommerziell oder öffentlich betrieben werden kann. Der Hochseilgarten wird im Norden durch eine Kletterbasis in Sport- und Spielband ergänzt.

    Die Besonderheiten des Bullerbachtals mit seinen charakteristischen Querschnittsprofilen, seinen Talböden mit Hochstaudenfluren und den seitlich angeordneten Ackerterrassen sollten weiterentwickelt und für ruhige naturgebundene Erholungsformen zugänglich gemacht werden. Grundidee ist hier, im Gegensatz zur urbanen Feizeitlandschaft im Dünenbogen eine naturnahe, ruhige Naturlandschaft am Wasser zu entwickeln. Wichtigstes Erlebnisinstrument im Bullerbachtal sind die Wege, die an den Hangkanten geführt werden und von hier aus immer wieder Einblicke in die Natur des Bachtals eröffnen. Unterschiedliche Themenrouten erschließen dem Spaziergänger und Wanderer die Besonderheiten dieses für die Sennelandschaft typischen Bachtales. Von den Jugendlichen Sennestadts vorgeschlagene ´Regenpavillons´ bieten die Möglichkeit an den Wegen Rast zu machen und die Natur zu beobachten.
    Im Bereich der Maiwiese wird ein neuer Stadtgarten über dem Bullerbachtal angelegt. Mit einfachen Mitteln wird die vorhandene Festwiese in eine öffentliche Grünfläche umgewandelt. Eine lange, nach Süd-Westen orientierte Parkbank und ein Aktivband mit Bouleplätzen werden zum neuen Treffpunkt am Zentrum. Die Hangkante über dem Bullerbachtal wird über vier Balkone an den Endpunkten der Wege inszeniert. Der wichtige Eingang von Süden in das Bullerbachtal sollte durch die vorsichtige Zurücknahme von großgrün stärker geöffnet werden. Rasenstufen am Hang können die Attraktivität des Eingangsbereiches noch erhöhen.

    Die Aufwertung der ´Eingangstore´ nach Sennestadt wird im Westen durch die Verbindung von Sennestadtteich und Parkteich sowie im Osten durch die zweite Landschaftsbasis und den Wiederaufbau des Kottens Kleine-Eikelmann erreicht. Die Verbindung der beiden Teiche erfolgt über Rasenstufen, die die tieferliegenden Wasserflächen für die Bewohner zugänglich machen. Der Zugang zum Reichowplatz als Stadtmitte wird so landschaftsarchitektonisch gefasst.
    Im Osten bildet das Ensemble aus Friedhof, Landschaftsbasis und Kotten das zweite ´Stadttor´. Wie alte Luftbilder zeigen bestand der Friedhof schon vor der Umsetzung der Reichowschen Planung. Er bildet somit den idealen Ausgangspunkt für die Entwicklung einer historischen Keimzelle Sennestadts. Der Firedhof kann im Zuge einer mittelfristigen Aufgabe der Belegung zum Parkfriedhof weiterentwickelt werden. Die Landschaftsbasis könnte westlich der Eichen, die auch schon vor dem Bau der Sennestadt hier standen integriert werden. Der Kotten Kleine-Eikelmann wird in Nachbarschaft zur Friedhofskapelle, an der Schnittstelle zwischen Friedhof und einer neu anzulegenden Streuobstwiese, wiederaufgebaut. Von dieser historischen Keimzelle führt eine platzartige Aufweitung an den Sennestadtsee. Rasenterrassen am Ufer, ein Steg uaf der anderen Seeseite sowie ein Fußweg schlagen eine gedankliche Brücke bis ins Stadtzentrum.

    Wasser und Sand bilden die Grundlagen der Vision 2020 für die Grünzüge in Sennestadt. Mit dem intensiv nutzbaren, urbanen Freizeitangebot im ´Krackser Dünenbogen´ und dem naturnahen, ruhigen Erholungsangebot im Bullerbachtal werden zwei ganz unterschiedliche Seiten dieser einmaligen StadtParkLandschaft betont und herausgearbeitet. Mit den beiden Landschaftsbasen, dem Dünenbogenweg mit Sport- und Spielband, den regenpavillons, dem neuen Stadtgarten an der Maiwiese, den Vorschlägen zur Aufwertung der Stadteingänge sowie mit der Entwicklung der historischen Keimzelle am Friedhof werden konkrete erste Schritte benannt, wie diese Vision stufenweise realisiert werden kann.

    Beurteilung durch das Preisgericht
    Liegt nicht vor.