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  • 2. Preis


    Ingenieure / Fachplaner
    pp a|s pesch partner architekten stadtplaner GmbH, Dortmund (DE), Stuttgart (DE) Büroprofil

    Verfasser
    Prof. Dr. Franz Pesch

    In Zusammenarbeit mit:
    Architekten: RKW Architektur +, Düsseldorf (DE), Leipzig (DE), Münster (DE), München (DE), Berlin (DE)

    Erläuterungstext
    Heinrich Heine Universität: vom Uni-Campus zum Uni-City
    In der europäischen Stadt sind die Universitäten traditionell integriert in die Innenstädte. Die Gründungs- und Erweiterungswelle der deutschen Hochschulen in den 1970er Jahren bricht mit dieser Tradition und folgt dem amerikanischen Beispiel: Die neuen Hochschulen entwickeln sich als Campus-Universitäten mit Monostrukturen und ohne urbane Atmosphäre. Dieses¬ Konzept hat sich überlebt und entspricht den heutigen Ansprüchen einem zukunftsorientierten Wissenschaftsstandort nicht mehr.
    Der von unserem Team vorgelegte städtebauliche Entwurf für die Heinrich-Heine-Universität (HHU) setzt deshalb auf die Stärkung urbaner Qualitäten.
    Eingebunden in ein standortübergreifendes Wegenetz, das die Universität mit der Klinikareal, den benachbarten Quartieren, den Rheinwiesen und dem Botanischen Garten vernetzt soll eine attraktive Uni-City entstehen, die alle Ansprüche international orientierter Studierender und ihrer Professorinnen und Professoren erfüllt. Ziel des Entwurfs ist es, einer international vernetzten Community im Bereich Lehre und Forschung einen urbanen Stadtraum anzubieten – mit optimal organisierten Institutsgebäuden, einer tragfähigen Zuordnung der Nutzungen und attraktiven öffentlichen Räumen. Die erhaltenswerten Gebäude und das Freiraumgerüst sind der Ausgangspunkt einer schrittweisen Urbanisierung des Standorts.
    Die Bibliothek liegt im Zentrum der UniCity an einem aufgewerteten öffentlichen Raum: der Heinrich-Heine-Plaza. Für die Belebung dieses zentralen Platzes sorgen (neben seiner Verteilerfunktion) die zum Platz hin ausgerichtete Erdgeschosszone der Bibliothek, das östlich der Bibliothek angeordnete Studenten Service Center (SSC) und ein Servicegebäude mit einer attraktiven Außengastronomie. Bibliothek und SSC orientieren sich zudem zu einem Forum, das mit seiner großen, südorientierten Freitreppe eine besondere Atmosphäre schafft – auch für öffentliche Veranstaltungen. Barrierefreiheit wird über eine großzügige Rampe erreicht. Auf der Westseite öffnet sich die Plaza zum Park am Oeconomicum.
    Städtebaulich betrachtet liegt die aufgewertete funktionale und symbolische Mitte der Universität im Schnittpunkt zweier Achsen: der steinernen Promenade zwischen der Mensa im Norden und den Studentenwohnungen im Süden und der grünen Promenade zwischen dem Rheinufer im Westen. Die Hörsäle werden zu einem Hörsaalzentrum zusammengefasst, das witterungsgeschütze Wege erhält.
    Die UniCity gliedert sich in vier Wissenschaftsquartiere, die jeweils um innere Freiräume herum organisiert sind. Den Anforderungen der Universitätsentwicklung entsprechend sind die Baufelder modular entwickelt, sodass die Einbindung des Bestands ebenso gewährleistet werden kann wie die erforderliche Variabilität der Bautypologien. Essentiell ist jedoch, dass sich die Baufelder zu öffentlichen Straßenräumen hin orientieren. Dieses Ziel verfolgt auch die Anbindung der Studentenwohnheime im Süden, die über einen attraktiven Stadtplatz mit der Promenade verbunden werden. Flächen für den Bau von An-Instituten, vor allem aber die Ergänzung der Wohnungsangebote und der Infrastruktur (Kindergarten, hochschulbezogene Dienstleistungen sorgen dafür, das südliche Quartier zu stärken. Sie werden als optionale städtebauliche Ergänzung angeboten.Die vorgeschlagenen Hochpunkte am Ende jeder Magistralen– gegenüber dem Oeconomicum und am südlichen Platz mit Boardinghaus und Mensa-Süd, sowie südlich der Hauptmensa– tragen als neue Landmarken und Markenzeichen der HHU zur Orientierung und Identitätsbildung bei.
    In der Überarbeitung des städtebaulichen Konzepts haben wir die Module vergrößert, um den Anforderungen der Institute nach größeren Einheiten gerecht zu werden. Zudem wurden Brückenverbindungen zwischen den Instituten und dem Hörsaalzentrum auf Ebene 0 eingeführt, so dass eine witterungsgeschützte Vernetzung der Gebäudegruppen 25 und 26 und dem HRZ über eine zentrale Verteilerebene gewährleistet ist. Die Gebäudegruppe 26 wird durch den Höhenunterschied zwischen Hörsaalgebäude und Instituten, sowie durch Aufweitung der Glasstruktur im HSZ wirkungsvoll in Szene gesetzt. Die Glasüberdachung des HRZ verbindet die beiden Hörsaalspangen untereinander und bietet eine attraktive Aufenthaltszone, die unabhängig von Wetterverhältnissen von allen Studierenden genutzt werden kann. Durch die Dachstruktur wird auch die Verknüpfung der Brückenverbindungen der Gebäudegruppen 25 und 26 mit dem neu entstehenden Hörsaalzentrum an zentraler Stelle organisiert. Eine Dienstleistungseinheit mit Copyshops und einem Cafe, trägt zur Attraktivitätssteigerung bei.
    Mit dem Umbau der HHU zu einem urbanen Campus wird die Parkierung neu zu organisiert. Wir schlagen vor, die Kapazitäten schrittweise zu erweitern. Unter Ausnutzung der Topographie werden in einigen Gebäudegruppen an der Universitätsstraße Parkdecks realisiert.
    Die synergetische Wirkung dieser Maßnahmen macht die UniCity zu einem Ort mit überregionaler Ausstrahlung.

    Beurteilung durch das Preisgericht

    1. Städtebau
    - Die städtebauliche Figur ist eine sehr überzeugende Lösung: der Platz ist gut organisiert und insbesondere die südliche Ergänzung wird positiv bewertet.
    - Der städtebauliche Ansatz wird jedoch durch die zweite Ebene verunklart.

    2. Erschließung / Verkehr
    - Die Organisation der Erschließung innerhalb der Gebäude ist unübersichtlich.
    - Die vorhandene Straße wird in Richtung des Gebäudes 26.42 verlegt, wodurch der geforderte Mindestabstand zu die-sem Gebäude unterschritten wird. Die Lage der Straße bei Errichtung des ersten Baukörpers ist in den Plänen nicht er-sichtlich. Eine Verlegung der Straße kann nur zeitlich nach Abbruch des Gebäudes 26.42 erfolgen.

    3. Raum- und Funktionsprogramm
    - Die einzelnen Funktionen sind schlecht dargestellt.
    - Eine abschnittsweise Realisierung ist problematisch.
    - Die Belichtung der Arbeitsräume im Innenhof Nord Ebene -1 sowie der Arbeitsräume der Werkstätten in Ebene -2 wird kritisch gesehen.
    - Die Haupteingänge zum Botanischen Garten exponieren sich zur Campus-abgewandten Seite. Die verwinkelte Wegefüh-rung durch den Eingang von Westen zum Treppenhaus erschwert eine gute Orientierung. Dies ist zu verbessern.
    - Die „öffentliche Zone“ entlang der Seminar- und Praktikumsräume wird begrüßt.
    - Das geforderte Raumprogramm ist nachzuweisen. Es fehlen Räume des Programms, während zusätzlich in unverhält-nismäßiger Größe Teeküchen und Kopiererräume sowie Räume „nn“ angeboten werden. Teeküchen können entfallen, da diese bereits in der Funktion der Besprechungs- und Aufenthaltsräume abgebildet werden. Die Größe der Kopierer-räume ist anzupassen. Eine Cafeteria ist nicht gefordert.
    - Es ist darauf zu achten, die Arbeitsgruppen kompakt darzustellen. Es sollen keine Räume vereinzelt, oder gar im falschen Bauteil (NB BIO statt ENB 26) geplant werden. Eine Trennung von Büro- und Laborräumen innerhalb einer Flächenkate-gorie (Grundausstattung oder Weiße Fläche) ist zu vermeiden. Besprechungsräume, die nicht zu WE allgemein gehören, sind in der jeweiligen Arbeitsgruppe nachzuweisen.
    - Raumzusammenhänge- und anforderungen, die im Raumprogramm beschrieben sind, sollen dargestellt werden (bspw. zusammenhängender Infektionsschutzbereich in AG 13, Räume ohne Tageslicht nicht an der Fassade anordnen, Ima-ging-Center benötigtTageslicht).
    - Die Raumhöhe der beiden Hörsäle ist zu beachten (ansteigendes Gestühl reicht ins Untergeschoss, hier jedoch Technik-fläche).
    - Die geforderten Raumgrößen der Praktikumsräume sind darzustellen. Es fehlen 350 qm Praktikumsfläche. Die stattdes-sen angebotenen Lagerflächen können nicht als Ausgleich herangezogen werden.
    - Die Anlieferung der Werkstätten CH/PH und der Glasbläserei in Ebene -2 ist nicht funktional gelöst. Die Anordnung aller Werkstätten (gemeinsam mit BIO) auf einer Ebene ist zu überprüfen.
    - Die Raumfolge des Zentralen Chemikalienlagers entspricht nicht den Anforderungen des Funktionsprogramms. Eine lineare Erschließung über einen 90m langen, 1,4m breiten Erschließungsgangang ist nicht umsetzbar.

    4. Facility Management
    - Die Fassade weist im Bereich des mittleren Innenhofes einen hohen Glasanteil auf. Die Reinigung dieser Flächen ist teilweise nur unter Einsatz von Personensicherungssystemen möglich. Zudem ist die Reinigung der Außenglasflächen der Verbindungsstege nur mittels eines Einsatzes von Hubsteigern möglich. Ein hoher Glasanteil und erschwerte Er-reichbarkeiten verursachen hohe Nutzungskosten.
    - Teilweise wurden die geforderten Nebennutzflächen quantitativ und funktional nicht berücksichtigt. Eine Berücksichti-gung und entsprechende Gestaltung der geforderten Räume ist vorzusehen.
    - Der zentrale Sammelplatz wurde im Bereich der Anlieferung auf Ebene -1 im Gebäude NB BIO integriert, welcher nach-folgend errichtet wird. Hier ist mit Geruchsbelästigung zu rechnen. Zudem sind die Stellflächen zur An- und Ablieferung zu vergrößern.
    - Die Anlieferung ist aufgrund unzureichender Rangiermöglichkeiten zu überprüfen.
    - Die Berücksichtigung von offen gestalteten Kommunikationszonen auf jeder Ebene mit der Möglichkeit für Gruppenar-beiten wird begrüßt.


    5. Laborplanung
    Die Anforderungen an die Laborplanung wurden umgesetzt. Die Laborstruktur ist optimal angeordnet.

    6. TGA – LEK – GEK
    - Die Rückkühlwerke, welche für die Technikzentrale II benötigt werden, können an der vorgesehenen Stelle nicht errich-tet werden. Es ist ein neuer Platz, vorzugsweise auf dem Dach des ENB 26, nachzuweisen, der die umliegende Bebauung und das Gebäude selbst nicht stört. Zudem ist die Lage der Netzersatzanlage auf dem Dach nachzuweisen. Die Flächen für die Technikzentrale II selbst erscheinen vor der Prüfung als zu klein, nach genauer Prüfung hingegen als zu groß. Dies ist zu überprüfen und zu korrigieren.
    - Die ausgewiesenen Flächen für technische Zentralen innerhalb der Neubauten sind schätzungsweise um 75% zu klein. Dies ist zu prüfen und die Flächen sind zu vergrößern. Die Flächen für vertikale Installationsschächte innerhalb der Ge-bäude sind um schätzungsweise 50% zu klein. Zudem werden, neben den zu kleinen größeren Schächten an den Trep-penhäusern, viele kleine Schächte an den Laboren geführt. Dies wird als nicht sinnvoll erachtet. Es sind wenige größere Schächte an sinnvoller Stelle für zentrale Erschließungen vorzusehen.
    - Eine mechanische Be- und Entlüftung der Bürobereiche wird als nicht wirtschaftlich erachtet. Die Betonkerntemperie-rung wird bei hauptsächlicher Nutzung als Laborgebäude, aus Sicht des Liegenschaftsenergiekonzepts und der Regel-barkeit als nicht sinnvoll erachtet.
    - Die Kombination aus BHKW, Absorptionskälte und Trockenkühler wird am Standort als nicht wirtschaftlich eingeschätzt und widerspricht dem Liegenschaftsenergiekonzept.
    - Die Einbindung von Solarthermie zur Brauchwassererwärmung der Labore wird begrüßt.
    - Die extensive Begrünung des Dachs wird begrüßt, sofern neben den Dachaufbauten (Gewächshäuser, RLT-Zentralen, Rückkühlwerke, Netzersatzanlage) sinnvolle Flächen verbleiben.

    7. Gestaltung
    Die großflächige Fassade zu den Innenhöfen wird problematisch gesehen.

    8. Baupolitische Ziele des BLB NRW
    - Alle Flächenverhältnisse sowie das A/V- Verhältnis stellen sich hier insgesamt positiv dar, lediglich der NB BIO liegt hier nur im Mittelfeld.
    - Der sommerliche Wärmeschutz ist dringend zu optimieren und nachzuweisen.
    - Der Glasflächenanteil ist sehr hoch, zudem haben die großen innenliegenden Glasflächen zum Innenhof (Ost) keinen Sonnenschutz und es ist keine Fensterlüftung möglich.

    9. Baukosten KG 300
    - Die Kosten der KG 300 sind nicht plausibel kalkuliert und die Kostengrenze somit nicht eingehalten. Die angegebenen Kosten passen nicht zu den beschriebenen Qualitäten. Dies gilt insbesondere im Hinblick auf die Materialität im Berei-che des Innenausbaus und der extensiven Dachbegrünung. Die Kosten sind daher mit den Qualitäten abzugleichen.

    10. Baukosten KG 400
    - Die Kosten der KG 400 sind nicht plausibel kalkuliert. Die angegebenen Kosten passen nicht zu der in Teilen aufwendi-gen TGA. Dies gilt insbesondere für die mechanische Lüftung der Bürobereiche, BHKW, Absorptionskälte und Solar-thermie. Die für die Funktion des Gebäudes erforderlichen technischen Anlagen wurden nicht vollständig beschrieben; diese sind ggf. auch in den Kosten zu ergänzen.