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  • Engere Wahl


    Architekten
    Hähnig + Gemmeke Freie Architekten BDA, Tübingen (DE) Büroprofil

    Erläuterungstext
    Städtebau

    Übergeordnetes Ziel der städtebaulichen Planung für die Bereiche Wiley Mitte und Nord ist es, die Neuordnung in ein Gesamtkonzept vom Bahnhof/ Innenstadt Neu-Ulm bis in den Bereich Wiley Süd zu entwickeln.
    Die neuen Stadtquartiere, Bebauungen werden in ein durchgängiges stadträumliches, Erschließungs- und Grünkonzept eingebunden. Der städtische Raum entwickelt sich vom Bahnhof, ZUP über das Wohngebiet „Wohnen am Glacispark“, die Parkanlage Glacispark in die Quartiersbebauung des „Vorfeldes“, in das neue Stadtquartier „Wiley Mitte“, über die Ludwigsfeste, die LGS Parkanlage, die Hochschule Neu-Ulm bis in das Wohngebiet „Wiley Süd“ und deren Übergang in den angrenzenden Landschaftsraum.
    In dieser übergeordneten Struktur werden durch die neuen Stadtbausteine klare Raumkanten, Straßenräume, Plätze und Grünzäsuren definiert. Durch die Neuentwicklung, die neuen Stadtquartiere werden die einzelnen Bereiche miteinander verknüpft.

    Bisher fehlende räumliche, wie erschließungsfunktionale Übergänge, Bezüge werden geschaffen.
    Die vorhandenen Bebauungstrukturen, öffentliche Nutzungen, Grünanalgen werden in das Entwicklungskonzept eingebunden. Die heterogenen Bestandsstrukturen werden zu einem räumlich erlebbaren Stadtraum arrondiert. Differenzierte, der stadträumlichen Lage entsprechenden Nutzungen von öffentlichen Einrichtungen, Büro- und Dienstleistungen, städtischen Wohnen, Wohnen und Arbeiten bis hin zu Sport- und Freizeitangeboten entwickeln sich zu einem lebendigen urbanen Stadtquartier.
    Die, den Ort prägenden Stadtbausteine wie die ehemaligen Gebäude der Kasernen-Areale, die Ludwigsfeste, das Wohngebiet „Vorfeld“ und die Solitäre „Wiley-Club“ und „Friedenskirche“ werden in die städtebauliche Neuordnung integriert und schaffen, erhalten eine Identität für die neuen Stadtquartiere.



    Wiley Nord

    Eingebunden in das übergeordnete Gesamtkonzept wird die Neubebauung als neues Stadtquartier entwickelt.
    Straßen, Wege, Plätze, Quartiersstrukturen und grüne Innenhöfe, Parkanlagen bilden einen urbanen Stadtraum im Kontext der angrenzenden und integrierten Bebauungsstrukturen. Wiley Nord als lebendiges Stadtviertel.
    Der öffentliche Raum, die Quartiersplätze, die Parkanlagen schaffen Orte für neue Nachbarschaften, binden Bestand und Neuplanung zusammen. Mischnutzungen gewährleisten ein urbanes Stadtviertel.

    Das Quartier Wiley Nord verankert sich über die Plätze mit den angrenzenden Wohngebieten, den schulischen Einrichtungen, den Senioreneinrichtungen und den Spiel- und Freizeitangeboten.
    Das Quartier wird in Anlehnung an die Umgebungsbebauung als III- bis IV-geschossige Bebauung geplant. Akzentuierungen, Eingänge, Übergänge werden baulich hervorgehoben.
    Vom Stadtquartier, Stadthaus, dem gereihten Einfamilienhaus, „Starterhaus“ bis hin zu studentischem Wohnen, altengerechten Wohnformen und Gebäudetypologien für Wohnen und Arbeiten wird ein vielschichtiges Angebot geschaffen.
    Durch die gewählte Bebauungs-, Quartiersstruktur entsteht ein zur Europastraße geschützter Stadtraum der sich mit den bestehenden Umgebungsbebauungen vernetzt.
    Wegebezüge werden aus dem Quartier heraus bzw. in das Stadtquartier entwickelt. Die „Brückenschläge“ in den Bereich „Wiley Mitte“ werden aufgenommen und bilden wichtige Gelenksituationen.
    Die Erschließung erfolgt von Ost nach West von der Bradley Straße zur Memminger Straße. Platzsituationen bilden den räumlichen Auftakt.

    Wiley Mitte

    Entlang der Memminger Straße wird auf der Ostseite, gegenüber der neu geplanten Multifunktionshalle eine klare Bebauungsstruktur, Raumkante ausgebildet, der Straßenraum klar definiert.
    Die vorhandenen und durch Neubauten ergänzten Solitäre „Friedenskirche“ und „Wiley-Club“ bilden südlich der wichtigen Ost-West-Fußwegespange (LGS Gelände) den Auftakt.
    Die Büro- und Dienstleistungsgebäude entlang der Memminger Straße bilden als Solitäre (IV – VII-geschossig) eine stadträumliche Akzentuierung. Die prägende Kastanienreihe bleibt erhalten. Die Bebauung wird von Westen über die Wiley Straße erschlossen.

    Mit der geplanten Stadtbahnhaltestelle im Bereich der Multifunktionshalle gewinnt eine Querung der Memminger Straße, die Fortsetzung der Ost-West-Wegeachse an Bedeutung und Wichtigkeit.
    Südlich dieser Achse bilden die Hochschule Neu-Ulm, Wiley-Club, Friedenskirche, Sporthalle und mögliche Hochschulerweiterung mit den umgebenden Grünstrukturen die Verknüpfung zum Wohngebiet Wiley Süd.
    Die Neubebauung entlang der Memminger Straße ermöglicht hochschulnahe Nutzungen wie Büros, Dienstleistungen, Instituts- und Laborgebäude.

    Erschließungskonzept

    Das übergeordnete Erschließungskonzept ist so gewählt, dass kein Durchgangsverkehr, überörtlicher Verkehr innerhalb der neuen Stadtquartiere entsteht.
    Das Parkhaus an der Europastraße (Dietrich-Theater) kann nur über diese bzw. die Wiley Straße angefahren werden.
    Die Erschließungssysteme Wiley Mitte und Wiley Nord sind voneinander getrennt und ermöglichen keinen Schleichverkehr. Die Erschließung der Büro- und Dienstleistungsgebäude an der Memminger Straße erfolgt von Osten über die bestehende Wiley Straße.
    Das neue Stadtquartier „Wiley Nord“ wird in Ost-West-Richtung von der Bradley Straße bzw. der Memminger Straße angebunden.
    Beide Entwicklungsgebiete sind optimal an den öffentlichen Personennahverkehr (ÖPNV) angebunden. Die geplante Stadtbahntrasse mit Haltepunkten an der neuen Multifunktionshalle und im Bereich Heinz-Rühmann-Straße optimieren diese Anbindung.
    Innerhalb des neuen Stadtquartiers sind die ÖPNV-Haltestellen
    auf den Plätzen geplant. Netzartig entwickeln sich die Fuß- und Radwege von Nord nach Süd bzw. von Ost nach West durch das neue Stadtviertel. Übergeordnete Wegeverbindungen werden aufgenommen und weiterentwickelt. Der ruhende Verkehr ist,
    den jeweiligen Quartieren zugeordnet in Tiefgaragen vorgesehen.
    Besucherparken, Kurzparker, Behinderten Stellplätze sind im öffentlichen Raum auf den Plätzen geplant.
    Durch die, das Planungsgebiet umgebenden, übergeordneten Erschließungen ist das neue Stadtviertel optimal angebunden.
    Heute fehlende durchgängige Fuß- und Radwegeverbindungen werden ermöglicht. Die umgebende, vorhandene Infrastruktur
    wie Kindergärten, Kindertagestätten, Schulen, Hochschule, Senioreneinrichtungen und die Sport- und Freizeitanlagen sind
    auf kurzem Wege fußläufig erreichbar. „Stadt der kurzen Wege“.

    Bebauungsstruktur Wiley Nord

    Das neue Stadtquartier stellte eine Folge von Plätzen, Straßenräumen, Wegen, Quartieren, Gartenhöfen und Parkanlagen dar.
    Urbaner Raum, öffentlicher Raum als Kommunikationsort, Raum für neue Nachbarschaften.
    Bestand und Neuplanung wachsen zusammen, Synergien werden aufgezeigt. Mischnutzungen, keine Monostrukturen prägen das neue Stadtquartier. Differenzierte Wohnformen, der demografischen Entwicklung folgend werden aufgezeigt.
    Studentisches Wohnen im Umfeld der Hochschule Neu-Ulm wird in das Stadtquartier integriert.
    Wohnformen für Familien, Singles, Mehrgenerationen Wohnen und seniorengerechte, barrierefreie Wohnungen werden angeboten. Wohnformen für Wohnen und Arbeiten in der Stadt, Wohnformen für Familien mit Gartenanteil. Bezahlbarer, verdichteter Wohnraum für junge Familien.
    Ergänzende Wohnformen des betreuten Wohnens in der Nachbarschaften des Albertinums und der Caritas werden in das Stadtquartier eingebunden.
    Gestapelte Wohnformen, Haus in Haustypologien, Loftwohnen und verdichtete Einfamilienhausstrukturen sind Bestandteil der urbanen Quartiersstrukturen.
    Das Starterhaus ist in diesen Strukturen eingebunden. Gartenhöfe, grüne Innenbereiche, Übergänge zu den vorhandenen Parkanlagen gewährleisten eine hohe Privatheit und Individualität. Durch die gereihte, verdichtete Struktur entsteht ein geringer Grundstücksanteil. Das Starterhaus im urbanen Kontext lässt sich vom 90 qm bis zum 200 qm Wohnhaus entwickeln. Das Starterhaus als „Gartenhofhaus“. Ein möglicher zweiter Baukörper als Ateliergebäude (Wohnen, Arbeiten, Einlieger etc.) bildet einen räumlichen Abschluss und definiert den privaten Gartenhof. Architektonische Verknüpfung von Innen nach Außen über Dachterrrassen, Balkonsituationen, grüne Höfe, private Vorgärten.
    Das Starterhaus als modulare Wohnform ermöglicht eine Reaktion auf die jeweiligen Lebensabschnitte, Lebensentwürfe.
    Das neue Stadtquartier Wiley Nord wird als durchschnittlich IV-geschossige Bebauung geplant. Im Bereich der Starterhäuser ist eine II bis III + D-geschossige Höhenentwicklung vorgesehen. Die Geschossigkeit und Höhe der Gebäude orientiert sich an der Bestandsbebauung, den umgebenden Wohnquartieren.

    Beurteilung durch das Preisgericht

    Die vorgeschlagene Mischungsvielfalt der Bebauung und der Nutzungen in Wiley Nord sowie die Grünverknüpfungen zur Umgebung werden positiv bewertet. Die Baublöcke sind jedoch zu kleinteilig für die vorgesehene Durchmischung der Bebauung. Die komplette Trennung der Erschließung zwischen der Grete-Weiser-Straße mit dem Parkhaus und der Heinz-Rühmann-Straße führt zu einer problematischen Erschließung der südlichen Baublöcke mit einer unzureichenden Adressbildung. Der Vorschlag überzeugt nicht.
    Der Vorschlag des Gewerbe- und Dienstleistungsbereiches in Wiley Mitte weist keinen Bezug zur Umgebung auf, ist zu schematisch und entspricht mit seiner geringen Dichte nicht der Standort- und Lagegunst dieser Teilfläche in räumlicher Nähe der Hochschule. Die Erweiterung der Friedenkirche mit 2 getrennten Baukörpern für den Versammlungsraum und den Kindergarten wird positiv bewertet.


INFO-BOX

Angelegt am 26.08.2010, 14:27
Zuletzt aktualisiert 12.12.2011, 15:13
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