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  • DE-98574 Schmalkalden
  • 09/2010
  • Ergebnis
  • (ID 2-37814)

3. Thüringer Landesgartenschau 2013 Schmalkalden


  • 4. Preis


    Landschaftsarchitekten
    plancontext gmbh landschaftsarchitektur, Berlin (DE) Büroprofil

    Verfasser
    Uwe Brzezek , Eike Ahlhausen

    Mitarbeit
    Felix Mohr

    In Zusammenarbeit mit:
    Architekten: siegmüller.vodde architektur+stadtplanung, Berlin (DE)

    Erläuterungstext
    Die westliche Vorstadt von Schmalkalden liegt im Strömungstal der Schmalkalde. Hier bündelten sich von jeher Strömungen und Fließbewegungen natürlicher und menschlicher Beschaffenheit. Fließgewässer, Quellen, Teiche, Verkehrsströme von nah und fern: Die Freiräume der Schmalkaldener Vorstadt sind umflossen.
    In diese Situation hinein entwickeln wir Parks und Freiräume in und an den den Strömungslinien des Schmalkalde-Tals.

    Kernstücke werden der Westendpark (Kernzone A) mit der Westendpromenade als Herzstück und dem „Weg ans Wasser“ und seinen Fluß-Terrassen die die direkte Erfahrbarkeit der Schmalkalde für die Bevölkerung Schmalkaldens ermöglicht.
    Sowie der Quellpark (Kernzone C), der um die Siechenrasen-Quelle herum einen Park enstehen läßt der sich vom städtischen Entree, über großzügige Erholungs- und Nutzungsflächen im Vorfeld des Schulzentrums in den naturräumlichen Teil zwischen Quelle und Mühlrad entwickelt.



    Der Westendpark

    Die Haupterschließung wird zwischen der Villa und dem zu neuen Leben erwecktem Kulturhaus( öffentliche Nutzung, Bürgerhaus, Veranstaltungen für Kultur und Soziales) über die Westend-Promenade in den Park geführt. Ein überdimensionaler, zeichenhafter „Zebrastreifen“ führt die Besucher direkt und sicher vom Bahnhofsvorplatzauf die Promenade und an den Haupteingang des Kulturhauses. Eine Brücke über die Schmalkalde zwischen K-Haus und Krankenhaus vervollständigt die Erschließung. Vor dem Kulturhaus erstreckt sich ein großzügiges Holzdeck für Außengastronomie und Veranstaltungen. Von hieraus hat der Besucher die Wahl: Weiter auf der jetzt baumbestandenen Promenade den Überblick genießen, im Schatten verweilen, Boule oder anderes spielen, den Kindern beim Spiel zuschauen, also dem Treffen der Bürger von Schmalkalden beiwohnen, oder den Weg direkt ans gurgelnde Wasser der Schmalkalde nehmen?
    Der „Weg ans Wasser“ führt barrierefrei in sanfter Neigung vom Niveau des Kulturhauses vorbei an dem „Weidenufer“ an die Schmalkalde. Das Weidenufer ist ein Ort an der Schmalkalde, noch leicht städtisch geprägt, klare Uferkante, helle Tenne, Sitzmöbel, die ein Verweilen unter Hängeweiden attraktiv machen.
    Der Weg ans Wasser wird begleitet von Sitzstufen der Schmalkalde-Terrassen, die sich mit ihrem sanften Schwung in die Landschaftlichkeit der Situation einpassen. Am Scheitelpunkt des Weges erreicht der Flaneur die „Schmalkalden-Inseln“. Danach geht es wieder hinauf zum Fensterplatz am Schmalkalde-Fenster. Hier wartet ein Pavillion auf den Besuicher.



    Der Quellpark

    Um die Quellteich-“Arena“ entwickelt sich im Vorfeld der Schule eine lebendige Szenerie auf dem kleinen Schulvorplatz und der Liegewiese. Der ehemalige Busbahnhof könnte ein Haus der Jugend werden mit anschließenden Aktionsflächen. Der Sandtorplatz bildet das städtische Entree mit gezielten Attraktionen wie der Kirschbauminsel auf dem Kirschteich. Im Gegensatz dazu wird der Bereich zwischen Quelle und Mühle behutsam und schonend erschlossen, Lücken im Baumbestand werden geschlossen, so dass sich ein zusammenhängender Raum entwickelt, und mit einem abnehmenden Grad der Nutzung versehen. Der romantische Aspekt der Siechenrasenteiche wird heraus gearbeitet.

    Gartenschaukonzept

    Die Gartenzeitreise passt sich perfekt in die neue Parklandschaft ein. Die Teilbereiche werden fußläufig vernetzt und mit einem inneren Busshuttle Service verbunden. Mit den naturräumlichen Potentialen wird den Themen der Zeitreise entsprechend umgegangen um einen erlebnisreichen und unvergesslichen Parcour zu schaffen.

    Beurteilung durch das Preisgericht

    Die Verfasser des Entwurfes arbeiten mit dem Thema der Strömungen und Fließbewegungen, um die Bereiche
    der Landesgartenschau mit der Struktur der Stadt und der Natur zu verweben. Daraus resultiert ein
    schlüssiges Gestaltungsprinzip für den Westendpark und den Solepark, welches diesen Teil der Arbeit wohltuend
    durchzieht. Die Jury bewertet diesen angemessenen Gestaltungsansatz, der sich sowohl während der
    Gartenschau als auch bei der Nachnutzung zeigt, sehr positiv.
    Ebenso stimmig werden die Areale um die Siechenrasenteiche und der Bereich um den Quellteich behandelt.
    Diese Qualitäten werden jedoch bei der Gestaltung des Sandtorparks vermisst. Der Park ist unmaßstäblich.
    Der vorgeschlagenen Bebauung fehlt der Bezug zum Ort.
    Die Inszenierung der Zugangssituation zum Westendpark besitzt mit der Einordnung der Westendpromenade
    eigenen Charme, die westliche Umlenkung dieser Achse bleibt jedoch unbefriedigend.
    Die Ausstellungskonzeption erscheint im Bereich der Viba World angemessen und reagiert auf die vorgegebene
    Planung sensibel und folgerichtig.
    Hingegen bleiben die Aussagen im Bereich des HELÜSA-Geländes sehr verschwommen und sind schwer zu
    beurteilen.
    Mit dem Thema der Gewässer, die als identitätsstiftende Orte von großem Wert sind, wird sensibel umgegangen.
    Reizvoll erscheint das vis a vis von rostiger Spundwand und gegenüberliegendem Terrassenufer.
    Auch die stimmungsvolle Gestaltung um die Teiche erzeugt eine atmosphärische Dichte, die positiv bewertet
    wird.
    Das Thema der GartenZeitReise findet sich jedoch in der Ausstellungskonzeption nur schwer wieder.
    Die Verknüpfung dauerhafter und temporärer Gestaltungselemente kann nur in Teilbereichen überzeugen.
    Neben den atmosphärischen Qualitäten weist die Arbeit jedoch auch funktionale Mängel auf:
    - Die Einordnung der Bushaltestelle für Schüler am Bahnübergang ist nicht optimal. Durch die Lage der
    Busbucht und der Wegebeziehung zur Schule reduziert sich das Gartenschaugelände.
    - Die Bühne ist in ihrer Dimensionierung und der Zuordnung der Sitzplätze zu hinterfragen.
    - Die geforderten Stellplätze sind nur teilweise auf dem Wettbewerbsgelände realisiert worden.
    Dem Hochwasserschutz wird durch die Gestaltung der Ufer der Schmalkalde genüge getan.
    Die angemessene Gestaltungskonzeption lässt eine gute Wirtschaftlichkeit erwarten.
    Insgesamt überzeugt die Arbeit nicht durchgängig, wobei ausgewählte Details wiederum einen würdigen
    Beitrag zur Gestaltung einer Landesgartenschau darstellen.