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  • DE-45879 Gelsenkirchen
  • 06/2011
  • Ergebnis
  • (ID 2-39923)

Umgestaltung der Ebertstraße in Gelsenkirchen


  • ein 1. Preis Mit der Realisierung beauftragt


    Landschaftsarchitekten
    arbos Freiraumplanung GmbH, Hamburg (DE) Büroprofil

    Verfasser
    Peter Köster

    Mitarbeit
    Simone Kühte, Andrea Stahr, Claudia Schröder, Marius Marks

    In Zusammenarbeit mit:
    Verkehrsplaner: SCHMECK · JUNKER, Hamburg (DE)

    Erläuterungstext
    Wettbewerb Umgestaltung der Ebertstraße in Gelsenkirchen
    Der Ebertplatz als Bürger-Foyer für Gelsenkirchen und das Musiktheater

    Die Ebertstraße oder besser der Ebertplatz dokumentiert eine wichtige Phase der Stadtentwicklung Gelsenkirchens. Nach der rasanten Entwicklung der Industrialisierung zu Beginn des 20. Jahrhunderts, den Kriegszerstörungen und den ersten Wiederaufbaubemühungen zeigt sich in dem städtebaulichen Konzept zum Neubau des Musiktheaters das neue Selbstbewußtsein einer Stadt und einer Region, die maßgeblichen Anteil am Wirtschaftswunder der jungen Bundesrepublik hatten. Zugleich werden mit dem Bau des Musiktheaters die sozialen Traditionen des Ruhrgebiets mit einem Bildungs- und Kulturanspruch, der jeden Bürger erreichen soll, widergespiegelt.
    Heute ist von dem Mut und dem Selbstbewußtsein dieser Zeit wenig übrig geblieben. Die Ebertstraße ist städtebaulich in ihrem großmaßstäblichen Ansatz scheinbar ungeliebt. Die Wunden der ´Flächensanierung´, die in einen vom Krieg häufig verschonten, intakten Stadtkörper gerissen wurden, haben die Stadträume am Musiktheater und in der Ebertstraße in ein schlechtes Licht gerückt. In das Identifikationsvakuum der Ebertstraße wurden zahlreiche Funktionen wie die Stadtbahn mit ihren Haltestellen oder die Parkplätze verlagert, die den Stadtraum füllen und beleben sollten - ohne Erfolg.
    Das Konzept für die Ebertstraße greift den Mut und das Selbstbewußtsein des städtebaulichen Entwurfes für das Musiktheater und sein Umfeld wieder auf und gestaltet die Ebertstraße als großzügigen Platzraum für die Gelsenkirchener und ihre Gäste. Der Entwurf interpretiert den Platz als ein großzügiges Bürger-Foyer mit unterschiedlichsten Angeboten für seine Nutzer und Besucher.
    Der neu gestaltete öffentliche Raum entwickelt sich vom Vorplatz des Musiktheaters in der Breite des denkmalgeschützten Gebäudes bis zum Hans-Sachs-Haus und bezieht dabei die Florastraße im Querungsbereich mit ein. Baumreihen von Schnurbäumen vor den Fassaden der östlichen und westlichen Raumkanten stärken den räumlichen Zusammenhang des Platzes. Der Standort der Bäume liegt dabei außerhalb der bestehenden Leitungstrassen. Die nachträglich hinzugefügten Einbauten wie die Stadtbahnrampe, die Haltestellen und die Stellplätze werden als selbstverständliche Elemente in die Gestaltung des Platzes integriert ohne den Platz räumlich zu zerteilen. Im Vordergrund der Platzgestaltung steht aber der Fußgänger oder besser der Stadtbürger, der sich den neu gestalteten öffentlichen Raum selbstbewußt aneignet.
    Die Stadtbahnrampe und die Haltestellen werden in ein plastisch geformtes Rasenband eingebunden. Nach Süden wird dieses teppichartige Band aufgeworfen, um die statischen Funktionen des Stadtbahndeckels gestalterisch einzubinden. Zum Hans-Sachs-Haus ergibt sich so eine Topografie, die die Stadtbürger zum Verweilen einlädt und auch für kleinere Open-Air-Veranstaltungen geeignet ist. Das Rasenband wird ansonsten über seine gesamte Länge von 150m um 22 cm angehoben, um die Bahnsteige gestalterisch besser integrieren zu können und um an seinen Rändern den Menschen Sitzmöglichkeiten anzubieten. Lediglich in den Querungsbereichen und im gesamten Bereich der Stadtbahnhaltestelle sind barrierefreie Übergänge vorgesehen.
    Die bestehenden Grünflächen und der Baumbestand vor dem Arbeitsamt werden als Park im Platz angelegt. Hier bieten die großen, alten Baumkronen Schatten und ruhigere Sitzgelegenheiten. Die Bäume werden mit großzügigen Gräserflächen unterpflanzt. Geschwungene Sitzmauern durchziehen den gesamten Park. Immergrüne Strauchpflanzungen aus Formschnittgehölzen gliedern den Raum zusätzlich. Die Kunstwerke finden hier neue repräsentative Standorte. Sandspielflächen und ein Kunststoffspielfeld komplettieren das Angebot. Querwege durch diesen kleinen Park ermöglichen unterschiedlichste Wegebeziehungen, wie überhaupt die Transparenz und Durchlässigkeit für den Gesamtentwurf von besonderer Bedeutung sind.
    Wasserspiele vor dem Musiktheater und südlich der Stadtbahnrampe ergänzen das Angebot dieses großzügigen Foyers. Bänder von unterschiedlich hohen Fontänen ergänzen die Spur des Rasenteppichs und werden vor allem für Kinder in der Sommerzeit zur Attraktion. Bei Open-Air-Veranstaltungen können die Fontänen abgestellt werden und die Platzfläche für temporäre Nutzungen erweitert werden.
    Im Süden des neu gestalteten Ebertplatzes schließt sich die Ebertstraße als Teil der Fußgängerzone und des in einem Wettbewerb bereits neu gestalteten Heinrich-König-Platzes an. Hier ist die gründerzeitliche Stadtstruktur noch spürbar. Das Hans-Sachs-Haus und das Versicherungsgebäude auf der gegenüberliegenden Straßenseite beziehen sich noch eindeutig auf den Straßenraum. Als Teil der Fugängerzone, die bis zum Bahnhof reicht, soll dieser Bereich des Wettbewerbsgebietes in Anlehnung an den südlich angrenzenden Bestand und den neuen Heinrich-König-Platz gestaltet werden. Porphyrkleinsteinpflaster und -platten werden konsequent bis an die Vattmannstraße fortgeführt.
    Materialkonzept
    Der neugestaltete Ebertplatz soll als Referenz an seine Gründungszeit nicht wie die Fußgängerzone komplett in Naturstein ausgeführt, sondern zusätzlich zum Pflasterbelag aus Porphyr (45x30cm) durch schmale Bänder aus Betonwerksteinen (30x10cm) gegliedert werden. Als Grundton der Betonwerksteine wird ein heller Sandsteinton vorgeschlagen. Der schwerlastbefahrbare Belag soll im Reihenverband quer zur Fahrtrichtung verlegt werden. Durch einen unregelmäßigen Wechsel der Steinformate im Reihenverband entsteht ein lebhaftes Bild in der Oberfläche. Die Fahrbahnflächen im Querungsbereich der Florastraße sollen farblich im Asphalt angepasst und niveaugleich, d.h. mit Tiefborden, ausgeführt werden.
    Lichtkonzept
    Das Lichtkonzept sieht an den Platzrändern im Osten und Westen Mastleuchten vor, die mit ihrer Ausleuchtung die Wege- und Fahrbeziehungen unterstreichen und die Nord-Süd-Orientierung des Platzes stärken. Das Rasenband im Zentrum des Platzes wird an der 22 cm hohen Aufkantung durch Lichtbänder in Szene gesetzt. Der Park im Platz erhält eine indirekte Beleuchtung der Baumkronen durch Up-Lights. Am nördlichen Ende wird das Musiktheater, am südlichen Ende wird das Hans-Sachs-Haus durch eine architekturbezogene, indirekte Beleuchtung der Fassaden betont. Die südliche Eberstraße zwischen Vattmannstraße und Heinrich-König-Platz soll im Kontext mit der übrigen Fußgängerzone beleuchtet werden.
    Verkehrskonzept
    Die verkehrliche Funktionalität im gesamten Bereich der Eberstraße wird durch die Neugestaltung nicht eingeschränkt.
    Die neue Fußgängerüberwegung an der Florastraße befindet sich nach der Neugestaltung in direkter Verbindung und Sichtbeziehung zum Musiktheater. Die Abgrenzung der Fahrbahn der Florastraße zum Fußgängerbereich kann höhengleich erfolgen. Für blinde und sehbehinderte Menschen wird eine erfassbare Bordsteinkante vorgesehen. Der mittlere Bereich des Gleisdreiecks kann für Fußgänger nicht zugänglich gemacht werden, da eine signaltechnische Absicherung zwischen Stadtbahn und Fußgänger nicht möglich ist. Daher werden zwei Fußgängerfurten, rechts und links vom unmittelbaren Gleisdreieck eingerichtet. Im Westen ist die Furt so gewählt, dass aus der Bushaltestelle ein signaltechnisch beeinflußtes Einfahren in den Knotenbereich ermöglicht wird.
    Damit sehbehinderte Mitmenschen den Übergang ertasten können, wird der mittlere Bereich mit einem deutlich erfassbaren Bordstein von der Fahrbahn abgegrenzt. Ein Leitsystem aus Rillen- und Noppenplatten ermöglicht die Führung auf die Fußgängerbereiche. Akustische Signale ermöglichen die Führung der Blinden über die Florastraße. Für den Haltestellenbereich der Stadtbahn wird ein Blindenleitsystem mit Rillen- und Noppenplatten vorgesehen.

    Beurteilung durch das Preisgericht
    Liegt nicht vor.