loading
  • DE Bingen
  • 05/2005
  • Ergebnis
  • (ID 2-2105)

Landesgartenschau Bingen am Rhein 2008


  • 1. Preis

    Ausstellungskonzept

    Landschaftsarchitekten
    Stefan Fromm Landschaftsarchitekten, Dettenhausen (DE) Büroprofil

    Mitarbeit
    Mitarbeit: Markus Beutel, Christoph Kerner, Eva Priedigkeit

    Erläuterungstext



    1. AUSGANGSSITUATION

    Mit dem sukzessiven Brachfallen und Freiwerden des Hafenkerngebiets im Osten und des Bahngeländes Bingerbrück im Westen bietet sich für die Stadt Bingen die einmalige Gelegenheit, das Rheinufer auf seiner gesamten Länge für die Öffentlichkeit zugänglich zu machen und die Stadt wieder bis an den Rhein heran zuführen. Mit der Landesgartenschau 2008 steht ein Instrument zur Verfügung, durch das die gesamte Uferzone zwischen Bahnlinie und Wasserkante auf einer Länge von ca. 2.7 km (incl. Naheufer) durchgängig neu gestaltet werden kann. Wesentliche Grundlage hierfür bietet der Rahmenplan zur Umgestaltung des Binger Hafens und der angrenzenden Gebiete. Eine besondere Situation und Herausforderung bietet die Einmündung der Nahe in den Rhein inmitten der neuen Rhein-Uferzone (Rhein-Nahe-Eck).

    2. PLANUNGSKONZEPTION

    Aufgrund der außergewöhnlichen, geradezu historischen Dimension dieser Aufgabe für die Stadt Bingen ist eine durchgängig hohe, unprätentiöse Gestaltqualität erforderlich, die mit einfachen und klaren Entwurfsmitteln hochwertige, aus dem spezifischen Ort und der besonderen Situation heraus entwickelte Freiräume schafft.

    Aufgrund der städtebaulichen Entwicklungsgeschichte lassen sich vier Teilbereiche klar definieren und voneinander abgrenzen:
    - Hafenkerngebiet
    - Hindenburganlage
    - Rhein-Nahe-Eck
    - Bahngelände Bingerbrück
    Das alle vier Bereiche verbindende Rückgrat ist die durchgängige Rheinpromenade, die je nach Abschnitt unterschiedlich ausgebildet ist.
    Dagegen schneidet die Bahnlinie die Rheinuferzone von der Stadt ab.

    Vor dem Hintergrund dieser Ausgangssituation liegen der Planung vier wichtige Leitlinien und Entwurfsprinzipien zugrunde:
    - Längslinie - Schaffung einer durchgängigen Erlebbarkeit des Rheins und des Rheinufers.
    - Querlinien - Vernetzung des grünen Rheinufers mit der Stadt über die Bahnlinie hinweg.
    - Fläche - Entwicklung von vier eigenständigen Teilbereichen mit jeweils spezifischer (Freiraum) Qualität und Identität („genius loci“).
    - Punkt - Herausarbeiten der besonderen Situation der Nahemündung in den Rhein als „Alleinstellungsmerkmal“ der Stadt Bingen (Rhein-Nahe-Eck).

    3. TEILBEREICHE

    Hafenkerngebiet
    Der von der Stadt Bingen beschlossene und detailliert ausgearbeitete Rahmenplan für die Bebauung und Erschließung des Hafenkerngebiets wird ohne wesentliche Änderungen übernommen. Zugunsten einer klaren und ruhigen Begrenzung der öffentlichen Grünflächen wird die obere Mauer (zwischen mittlerer und oberer Ebene) geradlinig und parallel zur Bebauung mit jeweils einfachen Versätzen an den Kopfbauten (die leicht über die Mauer vorspringen) geführt. Zur Vermeidung von „toten Ecken“ werden in den Versätzen jeweils zusätzliche Verbindungen zwischen oberem und unterem Niveau in Form von Treppenaufgängen und behindertengerechten Rampen vorgeschlagen. Bei der Gestaltung der öffentlichen Grünflächen wird die formale, trapezförmige Grundform und die orthogonale Struktur der angrenzenden Bebauung aufgenommen.

    Zwischen großzügigen, baumbestandenen Rasen- und Wiesenflächen werden in Querrichtung ca. 12 m breite Streifen aus Heckenbosketts (formale dichte Gehölzpflanzungen) angeordnet, in welche die Gärten der Partnerstädte von Bingen (als Daueranlage) eingebunden sind. Auf diese Weise kann mit einfachen Mitteln sowohl der schwierige Flächenzuschnitt bewältigt, als auch dem Umstand Rechnung getragen werden, daß diese Flächen im 50-jährigen Hochwasserbereich liegen, so daß eine aufwendige(re) Gestaltung nicht empfehlenswert ist. Die Überflutungsgefahr ist bei der Gestaltung der Partnerschaftsgärten zu berücksichtigen. Die 2,50 m hohe obere Mauer wird durch die lockeren Baumstellungen auf den Wiesenflächen und die vorgelagerten Rampen räumlich gut eingebunden.

    Die Gestaltung der Rheinpromenade erfolgt ebenfalls auf der Grundlage des Rahmenplans. Durch Rückversetzen der Treppenabgänge in der Ufermauer wird die untere Ebene jedoch besser und selbstverständlicher eingebunden. Die Belagsgestaltung erfolgt in Längszonierung: ein mittiges Asphaltband wird beidseits von Natursteinpflasterflächen eingerahmt, in welche die Baumscheiben integriert sind (siehe Planausschnitt 1: 200).

    Hindenburganlage
    Durch eine behutsame Umgestaltung der historischen Parkanlage aus dem 19. Jahrhundert soll die formale Anlage der Wege und Grünflächen wieder deutlicher herausgearbeitet und die inzwischen teilweise verwischten Grundstrukturen wieder ablesbar gemacht werden. Auf diese Weise entsteht eine Struktur aus linearen Wegen (wassergebundene Decke) und trapezförmigen Rasenflächen, die von breiteren baumbegleiteten Querwegen (Natursteinpflaster) als Verbindung zu den Schiffsanlegern unterbrochen werden. Durch U-förmige Baumstellungen und geschnittene Hecken (teilweise vorh.) wird die räumliche Öffnung zum Rhein unterstrichen. Entlang der laut Rahmenplan auf 81.20 m - 81.50 m angehobenen Rheinpromenade betont ein durchgängiges Blumenband (Wechselflor mit Stauden) die traditionsreiche Anlage. Durch die Anhebung entfällt die niedrige Stützmauer.

    In der Mittelzone sind der neu gestaltete Kinderspielplatz, eine Festwiese, ein klassischer Rosengarten mit Springbrunnen und ein „Dichtergarten“ mit Heckenkabinetten und Dichterskulpturen (Victor Hugo, Rheinromantiker) angeordnet. Von weiteren Ausstattungselementen oder Gärten wird aufgrund der Gefahr der Überfrachtung abgesehen.

    Rhein-Nahe-Eck
    Der derzeit sehr heterogene Bereich zwischen der Straße „Rheinkai“ und der Nahemündung erhält durch die Fortsetzung und Neugestaltung der Rheinpromenade bis zum Rhein-Nahe-Eck ein neues durchgängiges Rückgrat. Die alte Bruchsteinmauer mit der runden Aussichtskanzel sowie die Relikte des Treidelpfades und der gepflasterten Bootsrampe werden in die Neugestaltung eingebunden. Auf der Fläche zwischen dem Historischen Museum am Strom mit Hildegard von Bingen-Ausstellung und der Alten Stadthalle wird ein formaler, heckengesäumter Garten mit Kräutern und Heilpflanzen der Hildegard von Bingen vorgeschlagen („Hildegarten“). Das Rhein-Nahe-Eck wird als Aussichtsplattform mit Natursteinmauer und großzügigem Treppenabgang zum Wasser neu gestaltet. Ein weithin sichtbares Kunstobjekt definiert den besonderen Ort. Das Gebäude des Ruderclubs sollte langfristig durch ein Baumraster ersetzt werden.

    Bahngelände Bingerbrück
    Im Gegensatz zu den drei „städtischen“ Teilbereichen östlich der Nahemündung entsteht auf dem ehemaligen Bahngelände westlich der Nahemündung ein landschaftlich geprägter Park mit weitläufigen Rasen- und Wiesenflächen, Bäumen und kleinen Wäldchen. Der architektonisch gestalteten Rheinpromenade mit gebautem Ufer zwischen Sporthafen und Rhein-Nahe-Eck steht hier ein landschaftlich geführter Panoramaweg oberhalb des natürlichen (und als FFH-Gebiet geschützten) Rheinufers gegenüber. Der Zugang zum Ufer ist aufgrund der wichtigen Funktion für den Natur- und Vogelschutz nur punktuell möglich. Räumlich öffnet sich der neue „Bahnpark“ zum Rhein mit den gegenüber liegenden Weinberghängen, dem Mäuseturm und dem Binger Loch. Verschiedene Aussichtspunkte unterstützen die besondere Lagegunst einige Meter über dem Wasserspiegel des Rheins. Zur Bahnlinie hin definieren eine breite durchgehende (möglichst geschnittene) Hecke sowie einige kleine Wäldchen den räumlichen Abschluß. Der Park ist in Längsrichtung in drei Zonen ein-geteilt. In der rheinzugewandten nördlichen Zone sind im stadtnahen Bereich zwischen vorhandenen ehemaligen Bahngebäuden Spiel- und Sportfelder angeordnet.

    In der südlichen, breiteren Zone befindet sich die neue Kleingartenanlage, die Rampen- und Treppenanlagen der alten und neuen Querverbindungen über die Bahn (historische Unterführung, verlängerte Brücke) sowie die Wäldchen. Die breite Mittelzone wird als ruhige Rasen- und Wiesenfläche mit Bäumen von Einbauten und definierten Nutzungen freigehalten. Den funktionalen Schwerpunkt des Parks bildet die ehemalige Wagenausbesserungshalle, die zu einem multifunktionalen Anziehungspunkt mit Gastronomie, Informationszentrum, Kunststation u.a. ausgebaut wird.

    Insgesamt nimmt die Gestaltungsintensität von Osten nach Westen ab, so daß ein harmonischer, abgestufter Übergang in den angrenzenden Naturbereich der Rheinkribben gewährleistet ist.

    Beurteilung durch das Preisgericht
    Liegt nicht vor.