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  • DE Arnsberg
  • 11/2003
  • Ergebnis
  • (ID 2-75)

Neubau eines Internatsgebäudes - Altes Feld


  • 4. Preis


    Landschaftsarchitekten
    KIRK+SPECHTlandschaftsarchitekten, Berlin (DE) Büroprofil

    In Zusammenarbeit mit:
    Architekten: Banz + Riecks, Bochum (DE)

    Erläuterungstext
    Konzept
    Das Konzept minimiert den Eingriff des Gebäudes und der damit verbundenen Infrastruktur in den hochwertigen Landschaftsraum und das Landschaftsbild der Ruhraue.
    Die umlaufende Holzrahmenbaustruktur der thermischen Hülle definiert das scharf umgrenzte Baufeld, hinterliegende Nutzungen teilen sich über den Zwischraum der Erschliessung nur reduziert mit.
    Die Aufweitung der Erschliessungsfuge auf der Südseite ergibt den Raum für das Erschliessungsfoyer des Hauses, als repräsentatives Schaufenster der Handwerkskammer nach aussen.
    Die Ausstellungsflächen, das Bistro, die eingesetzten Ebenen der Verwaltung und des Lesesaals sowie die offenen Vertikalerschliessungen der Schlafhäuser definieren in diesem Schaufenster den räumlichen Mittelpunkt der Handwerkskammer, den zentraler Ort der Kommunikation.
    Die Rückwand des Foyer dient der Trennung der Schlafhäuser von den öffentlichen Funktionen des Foyers sowie der optionalen Brandabschnittstrennung.
    Optionsflächen der Vermietung sind im Untergeschoss des Bestandsgebäudes konzeptioniert.
    Freizeitangebote und Flächen des ergänzenden Lehrangebotes werden durch die Neuorganisation der Flächenreserven des Bestandsgebäudes sowie durch die Einbeziehung der Freizeitflächen im 4. Obergeschoss des Neubaus nachgewiesen.

    Konstruktion
    Die Schlafhäuser sind als Massivbaukonstruktion mit eingesetzten vorgefertigten Badzellen konzeptioniert.
    Die äussere Hüllkonstruktion der Holzrahmenelementfassade nimmt die Vertikallasten der Dachrandbereiche auf, sämtliche Horizontallasten der Dachebene werden in den Massivbaukörpern aufgenommen.
    Die Bekleidungen der inneren Fassadenflächen sind als brandschutztechnisch zugelassene farbige Holzwerkstoffplatten konzeptioniert, die äussere Erscheinung des Hauses wird durch den Wechsel verglaster mit flächig geschlossenen Elementen innerhalb der umlaufenden Holzrahmenstruktur bestimmt.

    Energie
    Die konsequente Steigerung von Möglichkeiten der Energieeinsparung, Energieeffizienz und photothermischen und photovolaischen Solarsystemen, in Kombination mit einer Holzhackschnitzel betriebenen Heizzentrale, erreicht die weitgehend emissionsfreie Versorgung des Hauses mit Wärme und Strom ohne den Ausstoss klimaschädlicher Gase.
    Durch den hohen Dämmstandard (U-Werte * 0,20 W/qmK) und den Einsatz einer Abluftanlage mit geregelten Volumenströmen wird ein Kennwert für den Jahresheizenergiebedarf von ca. 40 kWh/qm a erreicht.

    Aussenraum
    Das Grünkonzept interpretiert die Charakteristik der Ruhr und ihres Landschaftsraumes in unterschiedlichen Maßstäblichkeiten, stellt die Verbindung vom Gebäude zum Fluss her.
    Die Gestaltung der Innenhöfe projeziert die Ruhr und ihren Landschaftsraum in das Gebäude, unterschiedliche Materialien schaffen differenzierte Aufenthaltsbereiche.
    Von der großräumig das Landschaftsbild bestimmenden Ruhr mit ihrer Aue, den Buhnen undKiesbänken über in ihrem Überschwemmungsbereich jenseits der Bahn entwickelt sich das Aussenraumkonzept über leicht ausgemuldete Wiesenflächen mit freiliegenden Kiesbänken, bis hin zu kleinteiligen bandartig angeordneten Decks, Terrassen, Kiesbänken und Restwasserflächen in den Innenhöfen des Internatsgebäudes.
    Die außerhalb des Gebäudes liegenden Freianlagen stellen sich als unversiegelte, offene, pflegeextensive und ökologisch wertvolle Rasen-/ Wiesenflächen dar, die in fließenden Bewegungen mit niedrigen graugrünen wogenden Weidenbändern überhöht sind.
    Kleine baumüberstandene Inseln aus unterschiedlichen Kiesen ermöglichen den abendlichen ungezwungenen Aufenthalt in der Ruhraue und zugleich nahe am Haus.
    Die Inseln sind über in die Wiesenfläche gemähte sowie über von selbst entstandene Pfade erreichbar und dienen als Rückzugsbereiche in Ergänzung der öffentlicheren Innenhöfe.
    Das Bestreben, die befestigten Flächen und den Eingriff in das Landschaftsbild der Ruhraue zu minimieren, hat u.a. auch die Anordnung des Parkplatzes oberhalb des bestehenden Gebäudes zur Folge.
    Unter einem Baumdach angeordnet wird der Parkplatz mit einer die Erschließungsflächen reduzierenden und die Orientierung im Gesamtgelände fördernden gemeinsamen Zufahrt über die Anbindung des Parkplatzes P1 (rund um das Kraftfahrzeugzentrum) erschlossen.
    Kurzzeitparken ist in Eingangsnähe möglich.
    Die im B-Plan ausgewiesenen Flächen mit Pflanzgebot entlang der neuen Straßentrasse werden in der Planung berücksichtigt.
    Das Oberflächenwasser des Gebäudes wird den Wasserflächen der Innenhöfe zugeführt und außerhalb des Gebäudes in in die Gesamtgestaltung integrierten ausgemuldeten Bereichen vorgehalten bzw. versickert.

    Beurteilung durch das Preisgericht

    Hinter dem strengen Äußeren verbirgt sich ein erstaunlich reiches und
    differenziertes Raumgefüge.
    Die ausschließlich nach innen zu zwei Gartenhöfen gekehrten
    Wohnbereiche werden umgürtet von einem umlaufenden »Kreuzgang«
    mit Aussicht auf Fluss und Landschaft, der die Schlafräume gegen den
    Lärm der Straße abschirmt. Das Ganze erinnert sehr stark
    an eine klösterliche Anlage.

    Die Reduzierung der Abmessungen minimiert den Eingriff in die
    Landschaft.

    Das prägnante Gebäude könnte für das Berufsbildungszentrum
    Schaufenster und neue Mitte mit hohem Imagewert werden.