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  • DE-35390 Gießen
  • 10/2010
  • Ergebnis
  • (ID 2-39837)

Fachhochschule Gießen-Friedberg


  • 1. Preis

    Lageplan Campus Wiesenstraße

    Architekten
    schneider+schumacher, Frankfurt/Main (DE), Wien (AT), Tianjin (CN) Büroprofil

    Verfasser
    Till Schneider , Prof. Michael Schumacher , Karlo Filipovic

    In Zusammenarbeit mit:
    Landschaftsarchitekten: GTL Michael Triebswetter Landschaftsarchitekt, Kassel (DE)

    Preisgeld
    25.000 EUR

    Erläuterungstext
    In bester Nachbarschaft

    Aufgabe des Wettbewerbs ist die Neuordnung der Campusbereiche der Fachhochschule
    Gießen-Friedberg unter dem Eindruck von wachsenden Studierendenzahlen, der Notwendigkeit
    von baulichen Erneuerungen und Anpassungen sowie die Verbindung der Standorte
    untereinander und die Stärkung des Erscheinungsbildes in der Stadt.
    Die Entscheidung der FH, als Hochschule in der Stadt zu bleiben und ihre Rolle in der
    städtischen Gesellschaft und im Stadtbild zu spielen, empfinden wir als sehr positiv im
    Sinne einer Nutzungsmischung, der Konzentration auf die Kernstadt und der Kombination
    verschiedener Verkehre. Wir sehen darin eine große Chance, positive Wechselwirkungen
    zwischen der Stadt und der Hochschule zum Nutzen der Stadtgesellschaft zu erzeugen
    und haben diesen Gedanken als Leitidee unserem Entwurf zugrundegelegt: „In bester
    Nachbarschaft“ meint dabei die Nachbarschaft und Integration in die umliegenden Strukturen
    und Nutzungen, aber auch die Nachbarschaft und Ablesbarkeit der Fachbereiche
    und Labore untereinander.

    Stadtstruktur
    Die Fachhochschule liegt am Rand der ehemaligen Wallanlagen außerhalb der alten Stadt
    in einem ersten Erweiterungsgürtel, der den Übergang in die Wohnquartiere, aber auch
    zu den Freiflächen der Wieseck-Aue und der zukünftigen Bundesgartenschau bildet. Dieser
    Bereich besteht aus einer halboffenen Bebauung, die sowohl kleinere Wohnhäuser als
    auch größer maßstäbliche Bebauung wie Institutsgebäude, Parkhaus, das neue Rathaus
    und die Kongresshalle und das zukünftige Multiplexkino umfasst.
    Diese heterogene und durchlässige, von vornehmlich privaten Grünräumen durchzogene
    städtebauliche Struktur entwickeln wir mit unserem Entwurf weiter und geben damit diesem
    wichtigen Zwischenbereich der Stadt eine mit der Fachhochschule verbundene Identität.

    Bebauungsstruktur
    Die einzelnen Fachbereiche und Institute lassen sich in Gebäuden von mittlerem Maßstab
    organisieren. Zur Vermeidung großer Gebäudevolumina und zur Adressbildung der unterschiedlichen
    Fachrichtungen erhalten die unterschiedlichen Fachrichtungen jeweils „Häuser“,
    die als Punkthäuser in loser Verbindung zueinander stehen. Die Höhenentwicklung
    der neuen Institutsgebäude liegt mit etwa vier Geschossen im Bereich der umgebenden
    Bebauung. Einzig die Gebäude der Mensa, der Bibliothek und das Hörsaalzentrum sind
    entsprechend ihrer Bedeutung für die Hochschule etwas großmaßstäblicher.
    Die Strukturähnlichkeit der neuen Bebauung mit der Nachbarschaft integriert die FH nicht
    nur in die kleinteilige Stadtstruktur, sondern ermöglicht auch die Erweiterung der Campusbereiche
    in die benachbarte Struktur durch Kauf und Umbau, aber auch durch Neubau.
    Ebenso können einzelne Freibereiche als Vorhaltungen für nachfolgende Neubauten herangezogen
    werden.

    Campus Wiesenstraße
    Der Campus Wiesenstraße ist das Herzstück der FH und versammelt die zentralen Einrichtungen
    Mensa, Bibliothek und Hörsaalgebäude, die um den an der Wieseck liegenden
    Platz angeordnet sind. Über eine differenzierte Folge von Plätzen erreicht man von der
    Stadt kommend durch den Campus die Freibereiche der Wieseck-Aue. Die Wiesenstraße
    dient dabei nur mehr als fußläufige Verbindung und Anlieferung, sowie Anliegerweg, der
    in die Campusfläche integriert wird.
    Verkehr
    Aufgrund der Mittelpunktfunktion der Stadt Gießen und der hohen Studentenzahlen kommt
    dem Kfz-Verkehr (MIV) besondere Bedeutung zu. Die Erreichbarkeit der Hochschule ist trotz
    der Innenstadtlage über die Moltkestraße und den Anlagenring sehr gut. Dem Problem des
    „Wildparkens“ wird durch die Schaffung von zusätzlichem Parkraum entgegengewirkt:
    das Parkdeck an der Ringallee wird um ein Geschoss aufgestockt und das Parkhaus Am alten
    Gaswerk erhält eine Erweiterung auf der Nordwestseite. Zusätzlich hierzu erhalten die
    randständigen Gebiete Gutfleischstraße und Südanlage zwei, bzw. einen Stellplätz unter
    Neubauten (oberhalb der Grundwassermarke) sowie auf deren Zugangsrampe. Insgesamt
    werden gegenüber dem Bestand etwa 250 zusätzliche Stellplätze hergestellt.
    Durch das hohe MIV-Aufkommen empfiehlt sich die eindeutige Trennung der Verkehrsarten,
    die durch den Fußgängern und Radfahrern vorbehaltenen öffentlichen Raum der Campusbereiche
    und des Wieseck-Weges gewährleistet wird. Die ca. 1200 Abstellplätze für
    Fahrräder lassen sich in den Campusbereichen dezentral gebäudebezogen integrieren.
    Die Anlieferung der Gebäude erfolgt über den gemeinsamen öffentlichen Raum, im Falle
    der Mensa von der beruhigten Wiesenstraße her.
    Der ÖPNV- Anschluss ist durch die bestehende, neu geordnete Haltestelle in der Eichgartenallee
    gewährleistet. Von hier aus sind die zentralen Einrichtungen der Hochschule auf kurzem Weg zu erreichen.

    Freiraum
    Die Plätze und Gassen sind als integraler Bestandteil der strukturellen Ordnung der Baukörper
    zu sehen. Dabei sind die differenzierten Platzräume gebäudebezogen unterschiedlich
    gestaltet und geben den Fachbereichen individuelle „Mikro-Identitäten“. Über den einheitlichen
    Bodenbelag (Natursteinpflaster) und gleichartige Gestaltung des Mobiliars sowie des Leitsystems jedoch verbindet der gemeinsame öffentliche Raum alle Campusbereiche der Fachhochschule miteinander.

    Beurteilung durch das Preisgericht

    Der Verfasser begrüßt im Erläuterungsbericht die beabsichtigte Nutzungsmischung des
    Auslobers (Integrationsgedanke mit den sonstigen städtischen Nutzungen) im Bereich des
    Campus Wiesenstraße.
    Die angegebene Leitidee des Entwurfsverfassers „In bester Nachbarschaft“ ist in der
    Entwurfsumsetzung als sehr einfühlsam und gelungen zu bewerten. Die Außenraumbildungen
    (Groß –und Kleinräume) und die Verbindungskorridore sind proportional zu den Gebäuden sehr
    harmonisch ausgebildet. Alle Einzelgebäude sind sehr präzise gesetzt und in der schrittweisen
    Realisierung dieses ehrgeizigen Modernisierungsprozesses der Hochschule gut zu realisieren.
    Die Flexibilität des Konzeptes wird positiv gewertet. Allenfalls die Abschrägung des Gebäudes
    zur Ringallee nördlich der Wiesenstraße kann nicht vollends überzeugen.
    Der Vorschlag zur Unterbringung der notwendigen Stellplätze wird sowohl planungsrechtlich als
    auch baulich-konstruktiv als machbar eingeschätzt.
    Die zusätzliche Gebäudegruppierung an der Gutfleischstraße hat ähnliche städtebauentwurfliche
    Qualität wie der Zentralstandort zwischen Wiesenstraße und Ringallee. Die Campusbildung wird
    auch hier als gut und für die Hochschule vorteilhaft eingeschätzt.
    Die baulichen Ergänzungsvorschläge am Standort Südanlage / Hugo-von-Ritgen-Haus und am
    Standort Ostanlage / ehemaliges Landratsamt sind angemessen für den Verfeinerungs- und
    Anpassungsprozess zwischen den Campusbereichen der Hochschule und dem Stadtraum.
    Insgesamt eröffnet die eingereichte Arbeit für alle vier städtebaulichen Teilzonen einen
    überdurchschnittlichen stadtbaukulturellen Qualitätsstandard und erfüllt in hohem Maße die
    Erwartungen des Auslobers.